
Mit dem
Volksaufstand von 1956 versuchten die Ungarn, sich von der sowjetischen Besatzung zu befreien. Der Aufstand wurde von der Roten Armee blutig niedergeschlagen. In der öffentlichen Debatte wird das Bild von 1956 zunehmend politisch verzerrt, wenige Bürger wissen, was genau damals passierte. Zwei junge Autoren - Andras Papp und
Janos Terey - nehmen 1956 nun zum ersten Mal in einem Theaterstück
frei von Ideologien unter die Lupe. Regisseur
Peter Gothar denkt im
Interview über das kollektive Gedächtnis der Ungarn nach: "Die Ereignisse von 1956, dieses ganze, fünfzig Jahre zurückliegende Ding - denn wir haben immer noch keinen genauen Ausdruck dafür - betrafen einfach alle Menschen in diesem Land. 1956 veränderte das Schicksal unserer Eltern indirekt, denn viele Familien wurden getrennt. Auf die damaligen Kinder wirkten die dramatischen Straßenszenen kathartisch. Man kann es auch so sagen: 1956 war das
Kriegserlebnis der Nachkriegsgeneration. Aber wir haben es immer noch nicht verarbeitet, wir können immer noch nicht damit offen umgehen."
Tamas Vajna
fasst die deprimierenden Ergebnisse eines unveröffentlichten Berichts über die
europäischen Medien zusammen, die von zehn europäischen Universitäten verfasst wurden. Im Bericht geht es unter anderem darum, dass es für europäische Journalisten immer schwieriger sei,
unabhängig zu arbeiten: "'Das Selbstverständnis ost- und westeuropäischer Journalisten unterscheidet sich wesentlich voneinander. In den postsozialistischen Ländern passen die Redakteure ihr Wertesystem den Eigentümern oder den Politikern an. In Westeuropa betrachten sich Journalisten als
autonome Akteure innerhalb der Gesellschaft', meint Andras Kovacs, Soziologieprofessor der Budapester
Central European University, Leiter der Untersuchung in Ungarn. ... Mittlerweile werden auch die westeuropäischen Redaktionen von ihren - in Süd- und Osteuropa als traditionell geltenden -
Netzwerken mit wirtschaftlichen und politischen Eliten zu stark beeinflusst." Redakteure in Frankreich beklagen, "dass die wichtigsten Akteure der Politik, Wirtschaft und Presse die gleichen Universitäten besucht haben. Meinungen aus den Niederlanden und Italien bestätigen dieses Ergebnis".