
Vor kurzem sind die Ergebnisse einer Studie zur
Kompetenzerfassung von Schülern der Mittelstufe in Ungarn veröffentlicht worden, nach denen eine Verschlechterung der Grundkompetenzen um 40 Prozent festzustellen war. Ein Regierungsmitglied erklärte dies auf Anfrage mit "Integrationsschwierigkeiten" insbesondere in Gebieten, in denen die
Roma-Bevölkerung überdurchschnittlich vertreten ist. Über die rassistischen Äußerungen des Abgeordneten gab es viel Empörung. Nach
Meinung der Publizistin Boróka Parászka verdeckt jedoch die um Rassismus geführte Debatte einen wesentlichen Punkt: nämlich das totale Versagen von
dreizehn Jahren Bildungspolitik der Regierung Orban. "Vierzig Prozent der ungarischen Achtklässler blieben laut der Umfrage unterhalb des Grundniveaus. Wie ist das möglich? Es gibt lediglich Schätzungen darüber, wie viele Roma oder Menschen mit 'Roma-Zugehörigkeit' in Ungarn leben: ungefähr sechs Prozent der Bevölkerung. Wie kann das eine Verschlechterung von 40 Prozent erklären? Gar nicht. (…) Ungarn hat ein Gefälle von West nach Ost, auch in der Integration. Es gibt zwar überall Probleme, aber am schwersten ist der
östliche Teil des Landes betroffen. Vergleichen Sie diese Karte mit der Karte der Schulschließungen, Schulzusammenlegungen und der Lehrer, die ihren Beruf aufgeben.
Ohne Schule und Lehrer ist es schwierig, Kompetenzen zu stärken. Nicht nur der Roma mit 'Integrationsschwierigkeiten', nicht nur der in den isolierten Siedlungen lebenden und zu den abgeschlagenen Schichten gehörenden Vertreter der Mehrheitsgesellschaft, sondern jedes Schülers. Selbst im Herzen Budapests kann heutzutage jeder ein
funktionaler Analphabet werden, wenn die Eltern kein Geld für Privatschulen haben oder keine Beziehungen, um das Kind in eine funktionierende Stiftungsschule oder kirchliche Schule zu schicken. (…) Diese Situation kann in Ungarn, wo Rassismus gefragt ist, mit den Roma erklärt werden."