
Ein Überraschungsfund: Bislang
unbekannte Texte Václavs Havels, vor allem Tagebuchhefte aus den 70er-Jahren, sind im Nachlass von Havels Dissidentenfreund
Zdeňek Urbánek aufgetaucht, wie Jana Machalická
berichtet. Besonders interessant sei das Heft Nr. 7, das Havel 1977
in Untersuchungshaft schrieb. "Das Thema der eigenen moralischen Integrität war für ihn tatsächlich wesentlich, und er stellte hohe Ansprüche an sich selbst. Gedanken in dieser Richtung ziehen sich durch das ganze Heft, immer wieder analysiert er sein vermeintliches Versagen in Haft, womit er seinen Brief an den Staatsanwalt meinte, in dem er zwar nicht von seiner Überzeugung abgewichen war, aber versprochen hatte, im Falle einer Freilassung seine Meinungen
nicht mehr öffentlich kundzutun. Zunächst hatte er den Eindruck, den Sicherheitsdienst überlistet zu haben, später sah er den Brief als Scheitern an und nannte es 'ein Einlassen mit dem Teufel'. Heft Nr. 7 ist eine detaillierte Anatomie dieses 'Scheiterns', das keiner so empfand und ihm auch niemand vorwarf, ganz abgesehen davon, dass die Vernehmungsbeamten ihn wiederholt darüber angelogen hatten, was draußen in Freiheit geschah. Dennoch hatte Havel das Gefühl, es
erst mit seiner zweiten Verhaftung wieder gutzumachen." Machalická schließt: "Havels Selbstreflexion ist ein hochinteressanter, innerlicher Text, der von seiner moralischen Integrität, seinen ständigen Zweifeln zeugt. Auch wenn er in keiner Weise versagt hatte, sollte seine 'Schwäche' ihn weiterhin verfolgen - eine Schwäche, aus der, wie Michael Žantovský richtig bemerkt, ihm neue Kraft erwuchs."