Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 09.12.2008 - Outlook India

Der Schriftsteller Kiran Nagarkar war zur Zeit des Attentats auf Mumbai in Berlin. Er konnte die Ereignisse nur im Fernsehen verfolgen und beschreibt seine Reaktionen, die wahrlich kein Kompliment für die westlichen Medien sind: "CNN konzentriert sich ausschließlich auf das Taj, das Oberoi und das Chabad Lubavitch Zentrum, aber erwähnt kaum die sieben oder acht Orte, an denen nur Inder sind. ... Spät nachts und ich sehe immer noch Fernsehen. Nur Taj, Oberoi und das Jüdische Zentrum interessieren CNN, CST und Cama Hospital werden nur am Rande erwähnt. Ich schalte um zu deutschen Sendern - bestimmt berichten sie ausgewogener und genauso viel über Orte, an denen hauptsächlich Inder sind. Ich kann kein Deutsch, aber verstehe genug um zu kapieren, dass auch diese Medienleute nicht glauben, dass die Angriffe auf das Cama Hospital dieselbe Sendezeit verdienen." Sein Artikel endet mit den Worten: "Ein Warnung an die ausländischen Medien, für die die Welt mit dem Westen beginnt und endet: Imperien zerfallen, Supermächte werden Underdogs. Wacht auf, Leute, bald sind China oder eine andere Nation an der Spitze. Seid nicht überrascht, wenn ihr herausfindet, dass ihr für die gar nicht existiert."
(Der Artikel ist auf Deutsch in der SZ erschienen.)

Außerdem: Das ganze Heft ist ausschließlich den Anschlägen in Mumbai gewidmet. In der Titelgeschichte schreibt Pranay Sharma über die Möglichkeit eines Krieges zwischen Indien und Pakistan. Noch ist niemand wirklich dafür, aber die Unzufriedenheit mit der Reaktion Pakistanis und auch mit den Amerikanern, die nicht genug Druck auf Pakistan ausübten, ist groß: Sharma zitiert den ehemaligen Diplomaten M.K. Bhadrakumar: "Wir haben nicht erwartet, dass [Condoleezza] Rice hierher kommt und uns sagt, dass sowohl Indien als auch Pakistan Opfer des Terrorismus sind. Wir haben mehr erwartet." Amir San beschreibt die - erst entsetzten, dann wütenden - Reaktionen in Pakistan. Payal Kapadia beschreibt die Auswirkungen des Anschlags auf die jüdische Gemeinde in Mumbai. Die pakistanische Journalistin Nasim Zehra ärgert sich über die indische Ich-stelle-keine-Fragen-Berichterstattung.

Magazinrundschau vom 02.12.2008 - Outlook India

Saikat Datta und Smruti Koppikar berichten über erste, widersprüchliche Ergebnisse der Untersuchungen des Terroranschlags auf Mumbai. "Der Name, der kursiert, ist Lashkar-e-Toiba (LeT), vermutlich in enger Zusammenarbeit mit einer Sektion der Unterwelt von Mumbai und außer Kontrolle geratene Elemente des pakistanischen Geheimdienstes ISI. Aber weder der Polizeicheg von Maharashtra, A.N. Roy, noch der Polizeikommissar von Mumbai, Hasan Gaffoor, will die Beteiligung dieser tödlichen Troika bestätigen. Tatsächlich gehen frühe Einschätzungen der Geheimdienste davon aus, dass einige der Terroristen junge britische Muslime pakistanischer Herkunft waren. Quellen sagen, sie seien über ein Jahr gut ausgebildet worden, aber die letzte Entscheidung, den Anschlag auszuführen, sei bei der Jahreskonferenz der LeT in Muridke, PoK, letzte Woche gefallen. Die Operation Mumbai wurde offenbar finanziert von dem in Saudi Arabien ansässigen Abdul Bari. Er ist Teil eines größeren Terrornetzwerks und hat auch frühere Anschläge in Indien finanziert. ... Inzwischen weist die Analyse des Akzents von zwei (mutmaßlichen) Terroristen in einem Gespräch mit einem privaten Fernsehsender darauf hin, dass sie entweder ausgewanderte Pakistani sind oder aus dem pakistanischen Teil des Punjab kommen." (Für aktuelle Informationen sollte man auf der Website nachsehen.)

Außerdem: Es war der siebte Terroranschlag in Indien seit 1993, berichtet Smruti Koppikar, dennoch waren die Behörden vollkommen unvorbereitet. Kritik an den indischen Sicherheitskräften kommt auch von Saikat Datta und von B. Raman.

Magazinrundschau vom 11.11.2008 - Outlook India

Jede Menge Artikel zu Barack Obama. Dipankar Gupta fragt unter anderem, wer Indiens Obama sein könnte: "Ein Muslim? Oder ein Unberührbarer?" Die Religion, glaubt Gupta, wird die größere Hürde sein. "Wenn sich Indien wirklich ein Beispiel an Obamas phänomenalen Erfolg nehmen möchte, dann wird der Test darin bestehen, wie wir unsere Muslime behandeln. Einer der wichtigsten Gründe, dass sich Minderheiten in den USA wohl fühlen, liegt darin, dass alle Bürger die gleichen Rechte genießen. Egal, welche Ressentiments jemand in seinem Herzen hegt - in dem Moment, da er sie ausspricht, tritt das Gesetz auf den Plan."

Weiteres: Neues "aufregendes" Kino aus Marathi verspricht Namrata Joshi und preist besonders zwei Filme. Umesh Kulkarnis Allegorie "Valu" über die Bändigung eines wilden Stiers und Ramesh Mores Film "Mahasatta" über zwei Arbeiter der Tata Werke, die sich im Jahr 2003 selbst verbrannt haben, weil sie keine feste Anstellung bekommen haben. "Was 'Mahasatta' besonders macht, ist, wie er unser kollektives Gewissen anspricht und aufstachelt. Er ruft die Herzlosigkeit der New Economy in Erinnerung, den Verrat an den Arbeitern, die sowohl von der Firma wie auch von der Gewerkschaft außen vor gelassen wurden. Der Film ist aber nicht nur ein weiteres ernstes, schwerfälliges, didaktisches Pamphlet zu einem schweren sozialen Problem; er erzählt seine Geschichte erfinderisch, kantig und engagiert."

Sehr gut besprochen werden Walter Crockers Nehru-Biografie "A Contemporary's Estaimate" und der Afghanistan-Roman "The Wasted Vigil" der Pakistanerin Nadeem Aslam.

Magazinrundschau vom 21.10.2008 - Outlook India

Leicht säuerlich reagiert Sanjay Suri auf die Nachricht vom Booker-Preis für Aravind Adigas Roman "Der weiße Tiger" (Leseprobe): "Es liegt eine Menge Wahrheit in dem, was er über die Wut der Unter- und Mittelschichten Indiens sagt. Aber die Schwierigkeit, die viele mit diesem Buch haben, liegt in seinem Ton, in der der kalkulierten Überblendung seiner Beobachtungen mit dem, was ein westliches Auge gern sehen möchte."
Stichwörter: Booker Preis, Mittelschicht

Magazinrundschau vom 07.10.2008 - Outlook India

Neben Kricket gibt's wohl nur ein Phänomen, das Outlook India wieder und wieder in Erstaunen versetzt: Bollywood. Anjali Puri und Namrata Joshi beschreiben, wie Bollywood immmer tiefer in die Seelen eines immer stärker mittelständisch geprägten Indien eindringt. Einer der Gründe: "In einem bunten Stadtviertel, wo der Immobilienmakler aus Siwan im Bundesstaat Bihar Tür an Tür mit Angehörigen der Bania-Kaste aus dem Bundesstaat Rajasthan und mit Khatri aus Delhi lebt, sind Bollywood-Songs und -Tänze spürbar eine Tradition, auf die sich jedermann beziehen kann, gleichgültig woher er kommt und welcher Kaste er angehört. Oder, wie die Soziologin Patricia Uberoi sagt: 'Eine nationale Sprache ist geboren worden.'"
Stichwörter: Bollywood, Jedermann, Delhi

Magazinrundschau vom 16.09.2008 - Outlook India

Als weltpolitische Machtverschiebung historischen Ausmaßes feiert Outlook India - ungewöhnlich patriotisch gestimmt - die offizielle Anerkennung Indiens als sechste Atommacht der Welt. "Alle, die nur auf ihren politischen Nabel schauen, erkennen nicht, um welch eine tektonische Veränderung es sich dabei im Rahmen des versteinerten Denkens einer Status-Quo-Welt handelt, in der die Arrivierten mit den Nachrückenden kaum je auf Augenhöhe sprechen und in der die Bevorteilten sich sehr darum bemühen, alle, die draußen sind, zu ignorieren, abzuweisen und abzuurteilen... Premierminister Manmohan Singh ... hat sich seinen Platz in der Geschichte als der Führer verdient, der zwei Kronen trägt: Er hat Indien innenpolitisch durch ökonomische Reformen von seinen Fesseln befreit und außenpolitisch aus der nuklearen Apartheid geführt."
Stichwörter: Apartheid

Magazinrundschau vom 26.08.2008 - Outlook India

Unter der Überschrift "Azadi" (Freiheit) solidarisiert sich die Schriftstellerin Arundhati Roy mit den seit Wochen andauernden Massenprotesten in Kaschmir: "Es überrascht nicht, dass die von der indischen Regierung so gewaltsam zum Schweigen gebrachte Stimme jetzt zu einem betäubenden Brüllen anschwillt. Hunderttausende unbewaffneter Menschen wollen die Herrschaft über ihre Städte, ihre Straßen und Stadtviertel zurück. Sie haben die schwer bewaffneten Sicherheitskräfte durch ihre schiere Zahl überwältigt, aber auch durch bemerkenswerten persönlichen Mut. Die jüngere Generation, deren Spielplätze Armee-Camps, Wachposten und Bunker waren, ist zum Soundtrack der Folterkammern aufgewachsen - und entdeckt plötzlich die Macht des Massenprotests und vor allem, was es heißt, den Körper durchzustrecken und für sich selbst zu sprechen, sich selbst zu repräsentieren. Das ist nicht weniger als eine Epiphanie."

Magazinrundschau vom 19.08.2008 - Outlook India

Soeben hat "Singh is Kinngh", der neue Film mit Akshay Kumar, ein sensationell erfolgreiches Startwochenende hingelegt. Es wird Zeit, findet Namrata Joshi, dem von den Massen geliebten, von den Kritikern eher belächelten Star ernst zu nehmen. Außergewöhnlich sind nicht nur seine Erfolge, außergewöhnlich ist im oft dynastisch organisierten Bollywood auch sein Werdegang: "Er wuchs auf in Delhi... ging nach Bangkok, um dort Martial Arts zu lernen, wo er als Koch sein Geld verdiente. Als er nach Indien zurückkehrte, ... bekam er aus heiterem Himmel einen Model-Job und schnell wurde ihm klar, dass sich im Showbusiness mehr als im Karatebusiness verdienen lässt. Die Frau, die beim Shoot sein Makeup machte, leitete die Aufnahmen an den Produzenten Pramod Chakravarty weiter und er bekam eine Rolle im nicht weiter erwähnenswerten Film 'Saugand'. Von da an ging es langsam, aber sicher aufwärts. Er begann als Action-Star, wandte sich Komödien zu und heute sind seine Filme eine Mischung aus Stunts, Witzen und Liebesgeschichte. Mehr als hundert Filme später ist er heute, mit vierzig, der Star, der die sichersten Hits produziert."

Im Interview ärgert sich Kumar über die intellektuellen Kritiker, ist aber insgesamt bester Laune. (Bei Youtube kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen.)

Magazinrundschau vom 24.06.2008 - Outlook India

Die meisten international bekannten auf Englisch schreibenden Autoren Südasiens kommen aus Indien. Nun annonciert William Dalrymple aber geradezu eine Welle englischsprachiger Bücher aus Pakistan - dazu gehören sowohl Romane als auch Reportagen. Als eines der bemerkenswertesten Bücher nennt Dalrymple den Roman "A Case of Exploding Mangoes" (Auszug) von Mohammed Hanif: "Das Buch leistet etwas Neues für die südasiatische Literatur: Es ist ein unterhaltsamer, finster komischer politischer Thriller und eine satirische Farce über die Brutalität, Dummheit und Heuchelei pakistanischer Militärdiktatoren. Tief verwurzelt in Hanifs eigener Geschichte - er war zunächst pakistanischer Luftwaffenkadett, dann politischer Journalist und leitet heute den Urdu-Service der BBC - weist das Buch einige der besten Tugenden der neuen pakistanischen Literatur auf. Wie Mohsin Hamids 'Der Fundamentalist, der keiner sein wollte', dem es in mancher Hinsicht ähnelt, ist es intelligent, witzig und bodenständig und nie elitär."

Magazinrundschau vom 03.06.2008 - Outlook India

Namrata Joshi kann das ihm bekannte Indien in Wes Andersons Film "The Darjeeling Limited" eher nicht wiedererkennen. Besonders eine Episode will ihn gar nicht überzeugen: "Diese eine Sequenz, die alle Welt so anrührend fand, hat mich eingiermaßen kalt gelassen. Die Brüder retten darin zwei ertrinkende Kinder, ein drittes kommt aber um - und dann bleiben sie zur Trauerzeremonie im Dorf. Die Begegnung mit Armut und Entbehrung, die Tatsache, dass daraus die Gelegenheit wird, den tieferen Sinn des Lebens zu begreifen - das schien mir doch eine reichlich künstliche, sentimentale Übung. Ich habe mich auch gefragt, ob Irrfan Khan (der den Vater der Kinder spielt) wirklich jede Rolle in westlichen Filmen annehmen sollte, nur um seine Beziehungen mit der dortigen Filmindustrie zu verbessern."

Sanjaya Baru preist das Buch "Smoke Mirrors" der indischen Lehrerin und Journalistin Pallavi Aiyer, die über ihr Leben in China schreibt: "Sie hat ein geistreiches, kluges und tiefsinniges Buch geschrieben, das jeder gebildete Inder lesen sollte, der das Leben und die Liebe, die Ängste und die Hoffnungen, die Aufs und Abs unseres größten, ältesten und wichtigsten Nachbarn verstehen will." Gerson da Cunha bedauert sehr, dass in Cannes nichts aus Indien zu sehen war - Festivalleiter Thierry Fremaux, den er dazu befragt hat, meint lakonisch: "Kein indischer Film hat uns überzeugt." Und Ashish Kumar Sen fragt sich, wen die indischstämmigen Amerikaner, die in großer Mehrheit Hillary-Clinton-Fans sind, nun unterstützen werden, da ihre Bewerbung wohl gescheitert ist.