Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 34

Magazinrundschau vom 23.06.2009 - Outlook India

In Australien kam es in den letzten Jahren immer wieder zu rassistischen Angriffen auf indische Studenten. Zuletzt wurden im Mai zwei junge Inder mit Schraubenziehern schwer verletzt, ein dritter mit einer Flasche niedergeschlagen und ein vierter verprügelt. Outlook India nimmt das zum Anlass für Selbstkritik: "Sind wir nicht auch rassistisch?" fragt der Titel. Debarshi Dasgupta schreibt im Aufmacher: "Fragen Sie irgendeinen Afrikaner, wie es für ihn oder sie hier in Indien ist und Sie denken vielleicht zweimal darüber nach, bevor Sie die Australier als Rassisten beschimpfen. Es ist wirklich eine sehr dunkle Schattenseite, die Indien bei der Behandlung dunkelhäutiger Ausländer zeigt. ... Bilyaminu Ibrahim, ein nigerianischer Student an einer Ingenieursschule in Great Noida, kann Ihnen erzählen, wie es sich anfühlt, angespuckt zu werden. Abdulmalik Ali Abdulmalik, ein anderer nigerianischer Student, kann erzählen, wie weh es tut, wenn man mit einem Kricketschläger verprügelt wird. Im ganzen Land schlagen Vermieter ihre Türen zu, wenn sie einen potentiellen afrikanischen Mieter sehen und gieren nach dem Geld, wenn ein Weißer hereinspaziert. Die Behörden für Ausländer heben willkürlich Visa für Afrikaner auf und erleichtern Amerikanern und Europäern den Papierkram. Sogar in dem Film 'Fashion' glaubt Priyanka Chopra, sie sei ganz unten angekommen, weil sie mit einem Afrikaner schläft!"

Der schwarze amerikanische Student Diepiriye Kuku, der in Dehli lebt, erzählt: "Einmal stand ich im Lucknow Zoo und guckte mir die Giraffen an. Als ich mich umdrehte sah ich etwa 50 Familien, die statt der Tiere mich anstarrten. Eltern ziehen abrupt ihre Kinder zurück, die neugierig auf mich zugehen."

Sanjay Suri, Outlook-Korrespondent in Großbritannien, findet die Inder kein Stück weniger rassistisch als die Briten. "Vor allem gegenüber Schwarzen. Und besonders rassistisch sind die Inder, die aus Ostafrika nach Großbritannien kommen. Als ich in Uganda war, habe ich es keineswegs bedauert, als die Kampala Straße im Herzen der Hauptstadt von Einheimischen zurückgefordert wurde, die Kulis für die Inder geworden waren, so wie die Inder von den Briten zu Kulis gemacht worden waren. Aber anders als die Briten, die den Indern die Möglichkeit gaben, sich weiterzuentwickeln, geben die ostafrikanischen Inder den Schwarzen keinen Raum in deren eigenem Land."

Magazinrundschau vom 16.06.2009 - Outlook India

Shama Zaidi erinnert sich in einem faszinierenden Rückblick an den populären Dramatiker, Theaterregisseur und -schauspieler Habib Tanvir, der am 8. Juni gestorben ist. Ende der Fünfziger war Tanvir durch Europa gereist, wo er bleibende Eindrücke an Bertolt Brechts Berliner Ensemble empfing. "Der Einfluss Brechts ließ ihn alles, was er in England gelernt hatte, verwerfen. Vor allem Brechts Ausspruch, dass Theater Spaß machen muss wie die Music-Hall oder Fußball, nahm er sich zu Herzen. Einige der Brechtschen Konzepte hatte er schon in seinen Produktionen 'Agra Bazar' and 'Shatranj ke Mohre' mit der Okhla Theatergruppe ausprobiert. Aber das Beispiel des Berliner Ensemble inspirierte ihn, Gesang und Tanz als Teil des theatralischen Stils aufzunehmen."

Alles in allem fand Arif Mohammed Khan Barack Obamas Kairoer Rede okay. Nur einen Schönheitsfehler hatte sie: "Heute ist der Islam nicht mehr auf eine bestimmte Region beschränkt; tatsächlich leben über 80 Prozent der Muslime in nicht-arabischen Staaten, die Vereinigten Staaten eingeschlossen. Aber in Präsident Obamas Rede werden ein Glaube wie der Islam und ein Nationalstaat wie Amerika als gleichwertige Einheiten nebeneinander gestellt. Auf der anderen Seite wurden religiöse Minderheiten in Ägypten und im Libanon mit ihrer rassischen Bezeichnung wie Kopten und Maroniten beschrieben und nicht als Christen. Ich sehe keine Konzeption hinter dieser Terminologie, aber es erscheint mir, als habe Präsident Obama unabsichtlich die Sprache der panislamistischen Radikalen benutzt. Von Jamaluddin Afghani bis Osama bin Laden war es immer die ideologische Linie der Panislamisten zu sagen, dass Muslime nicht nur einer gemeinsamen Religion angehören, sondern auch eine einzige politische Gemeinschaft bilden."

Außerdem: Nicht so recht glücklich ist Namrata Joshi mit dem neuen Star-Trek-Film. Und Daniel Lak erzählt in seinem Toronto-Tagebuch, wie Ruby Dhalla, eine im Punjab geborene kanadische Abgeordnete, einigen Schwung in ein "Haus voller langweiliger Männer" gebracht hat.

Magazinrundschau vom 09.06.2009 - Outlook India

Es war ein Fehler, dass Obama in Kairo zu den Muslimen gesprochen hat, meint B. Raman. Und dass er sich fast nur auf die Araber bezogen hat, auch. "Die Araber sind nur eine Minderheit in der islamischen Welt. Nicht-arabische Muslime, die in Länder wie Indien, Pakistan, Afghanistan, Bangladesch, Malaysien und Indonesien leben, bilden die Mehrheit. Ihre Probleme sind ganz andere als die der arabischen Welt. Osama bin Laden versteht das besser als Obama und seine Berater. Deshalb hat bin Laden in seiner Botschaft, die Al Dschasira einen Tag vor Obamas Rede in Kairo veröffentlichte, sich auf die Probleme konzentriert, die die nicht arabischen Muslime der Af-Pak-Region beunruhigen, wie die Vertreibung der Paschtunen aus den Stammesregionen in Pakistan. Indem er sich auf diesen Fall konzentriert und die Amerikaner dafür verantwortlich gemacht hat, konnte er sicherstellen, dass die antiamerikanische Wut in der Af-Pak Region wachsen statt sinken würde."

Magazinrundschau vom 19.05.2009 - Outlook India

Nicht ohne (mehr als nachvollziehbare) patriotische Wallung kommentiert Vino Mehta den Ausgang der indischen Wahlen: Die gemäßigte Kongresspartei unter Manmohan Singh hat geradezu triumphal gewonnen, eine Ohrfeige an die Hindu-Extremisten und Kommunisten Indiens: "Indien sendet durch diese Wahl eine dringende Botschaft. Die größte Demokratie der Welt, die sich aus Slumdogs und Millionären zusammensetzt, bleibt eine säkularen Politik zutiefst verbunden. Unsere Nachbarn mögen mit ethnischem oder religiösem Extremismus flirten - aber wir haben in aller Deutlichkeit darauf verzichtet." Das Heft bietet eine Menge Informationen zu den Wahlen und diese interaktive Karte mit allen Wahlkreisen:


Stichwörter: Flirten, Ohrfeige, Extremismus

Magazinrundschau vom 07.04.2009 - Outlook India

Vijayanka Nair stellt eine Reihe von Blogs übers Kochen vor, die in Indien immer populärer werden. "Während es Rezepte-Seiten schon eine ganze Weile gibt, könnte nur ein Greenhorn diese mit den Kochblogs verwechseln. Ein Kochblog lockt mit verzückten Beschreibungen der Küchenexperiments. Es ist genauso ein literarisches wie ein kulinarisches Unternehmen, während die Rezeptseiten eher eine alltägliche Bestandsaufnahme von Zutaten und Anleitungen sind. Die enthusiastische Kochbloggerin Anita Tikoo bekennt, dass sie mindestens zehn Stunden an einem Blogeintrag schreibt, egal ob es um eine einfache Pakoda geht oder um komplizierte Kaschmiri Kofta. Ihr Blog, A Mad Tea Party, hat durchschnittlich 1.000 Klicks am Tag und erlaubt es Anita, eine in Delhi lebende Landschaftsarchitektin, ihre Liebe zum Kochen mit einem Publikum von Bahrain bis Bolivien zu teilen, während sie geschickt nervende Redakteure umgeht." Andere Blogs, die Nair empfiehlt, sind Gopium, Mahanandi, Mane Adige, Indian Food Rocks, Ahaar, Jugalbandi, hookedonheat und The cooks cottage.
Stichwörter: Bahrain, Bolivien, Delhi

Magazinrundschau vom 03.03.2009 - Outlook India

Als extrem aber nicht mehr gewalttätig würde Fareed Zakaria wohl den Talibankämpfer und Kleriker Maulana Sufi Mohammed bezeichnen, der im Swat-Tal mit Genehmigung der pakistanischen Regierung die Scharia eingeführt hat. Dafür will er jetzt Frieden halten, erklärt er im Interview. "Wir haben hier unser Friedenscamp aufgebaut und die Taliban aufgerufen, die Waffen abzulegen und die Checkpoints abzubauen, die sie im Tal errichtet haben. Die Antwort der Taliban ist positiv. Ich habe auch die Regierung gebeten, alle unnötigen Kontrollen entlang der Straßen zu entfernen. Jetzt vermittle ich zwischen beiden Seiten um sicherzustellen, dass gefangene Militante und Sicherheitskräfte freigelassen werden." Was dieser Frieden für seine eigenen Leute bedeutet, kann man diesem Satz entnehmen: "Demokratie ist eine Sünde und nichts als Unglaube."

Der Titel ist dem Bollywood-Komponisten und Oscargewinner A.R. Rahman gewidmet. Vinod Mehta ärgert sich über die englischsprachige Mittelschicht, die so leicht mit dem hübschen Bild anfreunden konnte, das Danny Boyd von den Slums zeichnet. "Die Supermacht Indien hat sich endlich mit dem Mangel abgefunden. Sie findet ihre Armut behaglich. Offen gesagt, das ist Mist!"

Magazinrundschau vom 03.02.2009 - Outlook India

Ausgerechnet der IT-Staat Karnataka mit seiner Hauptstadt Bangalore, in der zum Beispiel der große Softwarekonzern Infosys seinen Sitz hat, scheint zu einem der Zentren eines hinduistischen Kommunalismus zu werden - mit Billigung der Regionalregierung. Outlook India macht die Ausschreitungen gegen Christen und Muslime zur Titelstory: "The Talibanisation of Karnataka". "Der bei weitestem häufigste Grund für kommunalistische Ausschreitungen bezieht sich auf die 'Vermischung' von Jugendlichen aus unterschiedlichen Communities. G. Rajashekar, Mitautor des Buchs 'The Dark Faces of Communalism' zählte zwischen Mai 2008 und heute '14 Fälle von Gewalt gegen Hindumädchen, die zusammen mit einem muslimischen oder christlichen Jungen gesehen wuren'."
Stichwörter: Bangalore

Magazinrundschau vom 27.01.2009 - Outlook India

Sheela Reddy stellt den pakistanisch-amerikanischen Schriftsteller Daniyal Mueenuddin vor. Mueenuddin - teils in Pakistan, teils in Amerika aufgewachsen - lebt heute als Farmer in einem kleinen Dorf am Rande der Wüste Thar im südlichen Punjab von Pakistan. Hier hat er Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben, von denen einige bereits im New Yorker veröffentlicht wurden (hier, hier und hier). "Besonders auffällig an seinem Debütband mit 'zusammenhängenden Geschichten', die verschiedentlich mit Tschechow, Turgenjew, Faulkner und sogar, unverständlicherweise, R.K. Narayan verglichen wurden, ist, dass wir vielleicht zum ersten Mal einen Schriftsteller auf dem Subkontinent haben, der nicht nur ein erstklassiger Sprachkünstler ist, sondern sich gleichermaßenüber eine schwindende feudale Aristokratie schreiben kann wie über eine Klasse von Charakteren, die in der englischsprachigen Literatur des Subkontinents kaum vorkam: Köche, Diener, Elektriker, Rumhänger und Diebe."
Stichwörter: Farmer, Aristokratie

Magazinrundschau vom 16.12.2008 - Outlook India

Schaut nicht nach Pakistan oder auf die Muslime, schaut in den Spiegel, empfiehlt Arundhati Roy ihren Landsleuten. Für den islamischen Terror gibt es keine Entschuldigung. Aber in ihrem faktengesättigten und detaillierten Abriss der - nicht immer muslimischen - Anschläge und der Reaktion der Politiker und der Justiz darauf, hält sie fest, dass Krieg oder Hindu-Terrorismus keine Antwort sein können. Denn Terroristen, egal woher sie kommen, haben eines gemeinsam: Sie brauchen Opfer in den eigenen Reihen. Das beweisen auch die Attentäter von Mumbai. "Wenn diese Männer tatsächlich Mitglieder von Lashkar-e-Toiba waren, warum hat es sie dann nicht gekümmert, dass eine große Anzahl ihrer Opfer Muslime waren oder dass ihre Aktion voraussichtlich zu einem harten Gegenschlag gegen die muslimische Gemeinschaft in Indien führen würde, für deren Rechte sie angeblich kämpfen? Terrorismus ist eine herzlose Ideologie und wie die meisten Ideologien sieht er nur das große Bild, Individuen zählen nicht in seiner Kalkulation, sie sind nur Kollateralschaden. Es war immer Teil - und oft sogar Ziel - der terroristischen Strategie, eine schlimme Situation zu verschärfen, um versteckte Störungszonen bloßzulegen. Das Blut der 'Märtyrer' bewässert den Terrorismus. Hindu-Terroristen brauchen tote Hindus, kommunistische Terroristen brauchen tote Proletarier, muslimische Terroristen brauchen tote Muslime."

Außerdem: Der Schriftsteller Amitav Ghosh singt ein Liebeslied auf Ägypten, wo er eine Zeitlang gelebt hat. Außerdem untersucht er in einem langen Essay den Einfluss von Schriften (etwa Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierres und Edward Blyths) und Legenden auf den Umgang mit der Natur. Pushpa Iyengar beschreibt den Aufstieg einer neuen Riege von Schauspielerinnen aus Kerala - die ganz eigene Probleme haben: "Wie ich nur erwähne, dass ich abnehmen will, gibt es sofort einen Chor von Missbilligungen", zitiert er die Schauspielerin Megha Nair (hier ein Video).

Magazinrundschau vom 30.12.2008 - Outlook India

Outlook India hat nach den Massakern von Bombay einen Essay von Arundhati Roy publiziert, der in den Sätzen kulminierte, dass Indien vor dem Scheideweg zwischen "Gerechtigkeit" und "Bürgerkrieg" stehe (unser Resümee, hier der Artikel, der auch im Guardian veröffentlicht wurde). Die Website von Outlook India bringt nun den Mitschnitt eines Gesprächs, in dem sich Salman Rushdie scharf gegen Roys These ausspricht: "Ich glaube nicht, dass das Projekt dieser Terroristen irgendetwas mit Gerechtigkeit zu tun hat. Wenn das Kaschmir-Problem gelöst und ein gerechter Frieden in Palästina hergestellt wäre - würde Al Qaida dann abrüsten? Glauben wir wirklich, dass Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammad die Waffen niederlegen und zu Pflugscharen schmieden und wieder Bauern werden würden, weil ihre Arbeit getan ist? Das ist doch lachhaft, oder? Denn das ist nicht ihr Projekt. Ihr Projekt ist Macht." Noch schärfer attackiert Rushdie Roys Satz, das Hotel Taj Mahal sei allenfalls eine Ikone der sozialen Ungerechtigkeit in Indien: "Diese Bemerkung in ihrem Artikel ist abscheulich. Die Idee, dass reiche Tote nicht zählen, weil sie reich waren, ist abscheulich... Sie sollte sich schämen." Auf dieser Seite lässt sich das Gespräch in Video und Audioformat verfolgen.