Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 10 von 34

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - Outlook India

Die Titelgeschichte widmet sich einem einigermaßen besorgniserregenden Trend: Immer mehr indische Frauen aus der aufstrebenden Mittelschicht trinken immer mehr Alkohol, wie Shruti Ravindran berichtet: "Angetrieben durch ihre neue finanzielle Unabhängigkeit und die wachsende gesellschaftliche Toleranz für alkoholisierte Frauen, ist die Zahl trinkender Frauen in den Ballungsräumen heute höher denn je. Sie beginnen oft mit harmlos schmeckenden Baileys und dergleichen; angenehm süße Getränke, die nichtsdestoweniger harten Alkohol enthalten. Wer damit anfängt, bewegt sich aber schnell zu den harten Drinks wie Whisky, Wodka oder Gin... Wir leben heute in einer Welt, in der der Anblick einer angetrunkenen Frau, die auf ihren hohen Absätzen herumstolpert, nicht mehr eine Bollywood-Allegorie für gefallene Tugend ist, sondern so gewöhnlich, dass keiner mehr auch nur mit der Wimper zuckt."

Weitere Artikel: Anvar Alikhan weist knapp auf die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte der in spirituellen Zentren Indiens verbreiteten Kette "German Bakery" hin: Gegründet wurde sie vor einundzwanzig Jahren in Pune, vom aus Deutschland stammende Hippie Klaus Gutzeit - alias "Woody Pumpernickel". (Hier ein Erfahrungsbericht)

Magazinrundschau vom 13.05.2008 - Outlook India

Outlook hat in dieser Woche das alljährliche "Bollywood Special" zu bieten, in dem sich diesmal alles um die Stars bzw. Superstars dreht. Es gibt zum einen Umfragen dazu, wer die größten und beliebtesten Stars aller Zeiten sind - natürlich gewinnt Amitabh Bachchan bei den Männern sehr deutlich, bei den Frauen ist die Lage weniger klar (hier die Ergebnisse in vielen Einzelkategorien).

Die noch einmal engere Beziehung, die die südindischen Fans zu ihren Stars haben, schildert im spannendsten Artikel Sadanand Menon. Er weiß nicht nur von den fließenden Übergängen zwischen Leinwand und Wirklichkeit zu berichten, sondern diagnostiziert auch einen dramatischen Wandel im Heldenbild: "Männliche Helden im südindischen Kino waren lange Zeit androgyn. Sowohl männliche als weibliche Fans fanden sie attraktiv. Fast alle bedeutenderen Helden des Südens der 50er bis 70er Jahre hatten in früheren Phasen ihrer Karriere Frauenrollen gespielt. Damals waren die Körper der männlichen Stars weit vom gegenwärtigen Machismo und seiner aggressiven Maskulinität entfernt."

Bhaichand Patel vergleicht die weiblichen Stars der Gegenwart mit denen von einst und findet nicht, dass die größere Freizügigkeit in Filmen jüngerer Zeit ein Gewinn ist: "Bis vor kurzem bekam man in indischen Filmen nicht viel zu sehen von den weiblichen Hauptdarstellerinnen. Sie waren vom Hals bis Fuß züchtig bedeckt. Einige Stars von heute, Aishwarya Rai, Bipasha Basu und Kareena Kappor, sind durchaus bereit, einiges zu zu zeigen... Aber diese Frauen sehen aus wie Barbie-Puppen, nicht wie normale Menschen, exquisit, aber aus Plastik. Den Reiz ihrer Vorgängerinnen, die wir nur in Saris gewickelt kannten, haben sie nicht."

Naman Ramachandran erzählt die Geschichte des Superstar-Zeitalters, in dem die Stars zu gottgleichen Idolen wurden - eine Phase, die erst im Jahr 1969 einsetzt.

Magazinrundschau vom 29.04.2008 - Outlook India

Aus und vorbei: Mit der wirtschaftlichen kann der Westen auch seine kulturelle Dominanz vergessen. "Der Osten ist der neue Westen." Diese Lehre zieht Arun Maira aus dem Buch "The New Asian Hemisphere - The Irresistible Shift of Global Power to the East" des in Singapur lehrenden Politologen Kishore Mahbubani. Indien sieht Mahbubani als Brücke zwischen Ost und West. Und China entwickelt für ihn ein gültiges Gegenmodell zu den westlichen Werten. Maira resümiert: "China wird vom Westen missverstanden. Das heißt aber nicht, dass seine Ideen falsch sind. Tatsächlich, so erklärt Mahbubani haben die Chinesen ein tiefes Verständnis der menschlichen Freiheit und menschlicher Grundbedürfnisse. Sie schaffen eine riesige Verbesserung der Lebensbedingungen für eine große Menge von Menschen und tun es in ihrer ganz eigenen Art, die westlichen Liberalen nicht gefallen mag, darum aber nicht falsch ist."

Der Titel von Outlook India lautet "Al Dorado". Vinita Bharadwaj erzählt vom lustigen Treiben des indischen Jetsets in Dubai.

Magazinrundschau vom 22.04.2008 - Outlook India

Indien hat guten Grund, bei jeder China-Olympia-Kritik auch an die eigene Menschenrechtssituation zu denken, mahnen Rohit Mahajan und Ashish Kumar Sen in der sehr selbstkritischen Titelgeschichte - das ist umso relevanter, als das Land Austragungsort der Commonwealth-Spiele 2010 sein wird: "Sophie Richardson von der New Yorker Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch nimmt in ihrer Kritik an Indien kein Blatt vor den Mund. 'Indien hat seine eigenen, ausgesprochen ernst zu nehmenden Menschenrechtsprobleme. Zuallererst ist da die Kultur der Straflosigkeit zu nennen. Dass die Regierung es nicht fertigbringt, Beamte oder Sicherheitskräfte, die Menschenrechtsverletzungen begehen, zu bestrafen, sorgt für Unzufriedenheit und Wut. In Jammu und Kaschmir oder im Nordosten ist die Armee verantwortlich für massive Verbrechen wie Folter und Tötungen ohne Gerichtsurteil."

In einer gelegentlich unter die Gürtellinie zielenden Rezension beklagt Khushwant Singh die "verbale Diarrhoe" in Salman Rushdies neuem Roman "The Enchantress of Florence".

Magazinrundschau vom 15.04.2008 - Outlook India

Nicht weniger als eine Revolution erlebt der indische Cricket-Sport. Die wichtigste Neuregelung in der neuen T20-Version, die die traditionelle Form nicht ersetzen soll, aber doch zu ersetzen droht: Das Spiel dauert nicht mehr potenziell ewig, sondern nur noch maximal drei Stunden. Unsummen hat die Industrie in die Vereine der neuen T20-Liga investiert, das Fernsehen zahlt für die Übertragungsrechte und die Spiele selbst werden zu Mega-Events. Outlook India ist besorgt: "Wenn Geld der Todfeind der Seele ist, dann könnte Cricket nun seine Seele verlieren. Wenn am 18. April in Bangalore die indische Erste Liga des T20-Cricket startet, wird sich das Cricket, das die Puristen lieben - mit seiner bukolischen Schönheit und seinen schrulligen Traditionen - gewaltig verändern. Die Mischung könnte das neueste Opium für das indische Volk werden: adrenalingetriebener Sport und Herzrasen a la Bollywood, Auftritt von Tanzformationen, Sportgenies und Superstars. Natürlich muss sich der Sport von Zeit zu Zeit neu erfinden ..., aber der Tag kann kommen, an dem wir Cricket nicht mehr wiedererkennen."

Besprochen wird Patrick Frenchs autorisierte V.S.Naipaul-Biografie "The World is What it is" , die Sunil Khilnani für einen "Triumph der Biografen-Kunst" hält. Breit und genüsslich referiert Sanjay Suri das verheerende Presse-Echo in Großbritannien auf "The Enchantress of Florence", Salman Rushdies neuen Roman: "Im Cricket würde man es 'schlecht in Form' nennen."

Magazinrundschau vom 08.04.2008 - Outlook India

Die Präsenz des Dalai Lama in Indien ist eine sehr heikle Angelegenheit für die - wirtschaftlich ganz hervorragenden - Beziehungen zu China. "Ist er ein Problem für Indien?" fragt der Titel. Anjali Puri sieht vor allem die Bedeutung, die die Frage für das indische Selbstverständnis hat: "Der Wissenschaftler Srikanth Kondapalli meint: 'Es hat etwas zu bedeuten, dass der Dalai Lama, als er China verlassen musste, nach Indien kam.' Er glaubt, dass die indische Zivilgesellschaft, ohne dass es so deutlich gesagt würde, auf seiner Seite ist: 'Es könnte nie zu einer Demonstration gegen den Dalai Lama kommen.' Geht es dabei noch um etwas anderes, jenseits der Politik? Schließlich zeigt unsere Umfrage, dass 73 Prozent der Befragten ihn als geistigen, nicht als politischen Führer sehen... Könnte es sein, dass wir uns selbst peinlich wären, wenn er uns peinlich wäre?"

Zum selben Thema erklärt der Bollywood-Superstar Aamir Khan ("Lagaan"), der einer der indischen Fackelträger sein wird: "Wenn ich am 17. April die Fackel übernehme, dann nicht, um China zu unterstützen. Vielmehr werde ich es mit einem Gebet in meinem Herzen für das Volk von Tibet tun, und für alle Völker auf der Welt, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen sind."
Stichwörter: Bollywood, Dalai Lama, Tibet

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Outlook India

Outlook India bringt als Titelgeschichte einen Vorabdruck aus Patrick Frenchs neuer Biografie über V.S. Naipaul - der Nobelpreisträger selbst hat das Buch autorisiert und French großzügigen Zugang zu Privatarchiven gegeben, betont Outlook, und dennoch ist die Biografie nicht unkritisch. French beschreibt in einem der Auszüge Naipauls Verhältnis zu Indien: "Indien blieb für Naipaul in 'An Area of Darkness' (1964) 'das Land meiner Kindheit, eine Ära der Dunkelheit... Ich hatte meine Getrenntheit von Indien gelernt und war zufrieden ein Kolonial-Inder zu sein, ohne Vergangenheit, ohne Vorfahren'. Dies war ein voreiliger und ungenauer Schluss: Denn er war ganz und gar nicht zufrieden, ein Kolonial-Inder zu sein und würde niemals aufhören, die Vergangenheit seiner Vorfahren jenseits seiner karibischen Kindheit zu suchen." Auch der britische Daily Telegraph bringt übrigens ausführliche Auszüge aus dem Buch. Und für den Observer hat Robert McCrum Naipaul aus Anlass des Erscheinens der Biografie getroffen.

Magazinrundschau vom 18.03.2008 - Outlook India

Immer wieder gibt es Fälle brillanter indischer Ingenieursstudenten, die Selbstmord begehen, weil sie am Ende nicht gut genug Englisch können, um einen Job zu finden, berichtet Anjali Puri im Aufmacher des aktuellen Hefts. Aber Hilfe naht heran: "Der British Council hat seine Enerigen gebündelt, um Trainer für indische Englischlehrer auszubilden, sagen Kevin McLevine und Jill Coates vom Council. Eine schlaue Politik, kommentiert der Linguist N.S. Prabhu, denn sie wird britischen Ideen, Produkten, Spezialisten und Institutionen helfen, den indischen Markt zu überfluten. Der britische Premierminister Gordon Brown glaubt, dass Englischuntericht eines der wichtigsten britischen Exportgüter werden wird. Er kündigte bei seinem letzten Indienbesuch an, dass Großbritannien in den nächsten fünf Jahren 750.000 Englischlehrer aus- und weiterbilden wird. Die Boulevardzeitung The Sun nannte das 'PM Brown's English invasion'. (Nun ja, der antikoloniale Widerstand gegen das Englische ist ein für alle Mal tot.)"

Magazinrundschau vom 05.02.2008 - Outlook India

In Indien werden immer mehr Bücher gekauft, notiert Sheela Reddy, was indische Verlage reich und indische Autoren selbstbewusst macht. "Mit sechs oder sieben großen Verlagen, die alle in dem kleinen Teich von Indern fischen, die auf Englisch publizieren, sind Buchauktionen nun zu einem üblichen Bestandteil des Geschäfts geworden. Noch vor einem Jahr warteten die Verlage in Delhi normalerweise bis zu den Messen in London oder Frankfurt und hofften dort auf einen Agenten zu treffen, der großzügig - oder dumm - genug war, den Indern die Rechte für beinahe nichts abzutreten. Als Bettler galten sie wenig. 'Sie ließen sich nicht einmal herab, mit uns zu sprechen', erinnert sich ein Verleger in Delhi. Doch jetzt sind die indischen Verleger am Zug. 'Jedes Haus bekommt mindestens vier oder fünf Anfragen pro Monat von Agenten und ausländischen Verlagen, die glauben, ein Buch könnte indische Leser interessieren."

In weiteren Artikeln prophezeit Reddy, dass nach den Exilautoren nun auch einheimische Schriftsteller von den indischen Lesern die Aufmerksamkeit bekommen werden, die sie verdienen. Und sie resümiert das Jaipur Literaturfestival, das offenbar katastrophal in die Hose gegangen ist. Zu lesen ist außerdem ein Auszug aus Nayantara Sahgals Rede gegen die Verflachung der literarischen Welt.
Stichwörter: Sahgal, Nayantara, Delhi, Hose

Magazinrundschau vom 29.01.2008 - Outlook India

Arundhati Roy (mehr) hat zum ersten Jahrestag der Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink eine Rede in Istanbul gehalten, die in Outlook India gekürzt abgedruckt wird. Roy bekennt, wäre sie vor einem Jahr in der Türkei gewesen, hätte sie Dinks Sarg begleitet und dabei an die lange Geschichte von Genozid und Vertreibung in Europa und in ihrem eigenen Land gedacht. "China vielleicht ausgenommen, hat Indien die größte Anzahl von innerstaatlichen Flüchtlingen in der Welt. Allein durch den Bau von Dämmen wurden mehr als 30 Millionen Menschen entwurzelt. Die Vertreibung wird mittels Gerichtsurteilen und den Gewehren der Polizisten durchgesetzt, mittels regierungseigenen Milizen oder den Schlägern der Unternehmen. Die Vertriebenen werden in Siedlungen, Camps und Kolonien geschickt, wo sie ohne die Möglichkeit eines Auskommens in die Abwärtsspirale der Armut geraten."

Bhaichand Patel bemerkt außerdem, dass weiße Frauen in Indien immer häufiger Opfer sexueller Übergriffe werden. Rassistisch findet er das: Einmal, weil weiße Frauen unterstellt wird, sie würden mit jedem Lümmel ins Bett gehen und zum zweiten - hier nimmt sein Artikel eine kuriose Wendung - weil indischen Frauen so deutlich gezeigt werde, dass sie für den indischen Mann weniger sexy sind als weiße.