
Xavier de La Porte und Jade Lindgaard Modells
sehen bereits das klassische Modell des
französischen Medienintellektuellen in der Krise. Denn drei bisher annähernd sakrosankte französische Vertreter werden derzeit im Internet, dem "Feind Nummer eins der Medienoligarchie" auf den Prüfstand gestellt:
Alain Finkielkraut, weil er in den delirierenden Schriften von Anders Breivik zitiert wird (nur: wer wird das nicht?),
Bernard-Henri Levy, weil er von syrischen Oppositionellen boykottiert wurde (weil er für Israel ist), und
Luc Ferry, weil er einen Minister ohne Beweise der Pädophilie bezichtigt. "Mit dem Internet haben sich die Spielregeln der
öffentlichen Sprache verändert ... Weniger Verbeugungen und Einverständniserklärungen zwischen Verbündeten aus den gleichen politischen, finanziellen, verlegerischen oder medialen Machtzirkeln. Ideen verbreiten sich mit einem Klick. Die Zitate sind dann eingraviert in den Marmor des
unendlichen Gedächtnisses von Google, das bis in alle Ewigkeit, oder doch fast, bis zur Tortur die von dem einen oder anderen begangenen Irrtümer bewahrt." Das beste an dem Artikel sind allerdings
die Videos von Alain Finkielkraut, Andre Glucksmann und Bernard-Henri Levy in jungen Jahren aus dem Archiv der französischen Staatssender:
drei Rhetoriklektionen!
Weiteres: Jean-François Julliard
moniert die wiederholten
Kniefälle, die sich Unternehmen wie
Microsoft oder
Yahoo gegenüber
Netzzensoren leisteten. Unter der Überschrift "Unglaublich, sie haben
überhaupt keine Angst" ist eine Reportage von Alice Michaux aus
Damaskus zu
lesen, wo sich der Alltag seit Beginn der Revolte stark verändert hat.