Magazinrundschau - Archiv

Rue89

91 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 10

Magazinrundschau vom 31.07.2012 - Rue89

Roberto Saviano ist kein Einzelfall. Auch der junge Journalist Giovanni Tizian muss mit Personenschutz leben, seit er das Buch "Gotica. N'drangheta, mafia e camorra oltrepassano la linea" veröffentlichte. Im Gespräch mit Guillaume Origoni warnt er vor der Expansion der großen Mafia-Formationen nach Deutschland und nach Frankreich und beklagt, dass diese Länder die Bedrohung zu wenig ernst nehmen. Nebenbei erzählt er, was Personenschutz für einen Journalisten, der nicht mal fest angestellt ist, bedeutet: "Ich musste schnell einsehen, dass die meisten meiner Aktivitäten von nun ab bei mir zuhause stattfinden müssen. Beziehungen sind eng begrenzt und das bringt zusätzliche Schwierigkeiten im Beruflichen mit sich, denn ich bin gezwungen, misstrauisch zu seien und meine Quellen genauer einschätzen, um ihre Vertrauenswürdigkeit zu überprüfen. Es wird immer schwieriger, das notwendige Netz auszubauen, das ich für meinen Beruf brauche."

Magazinrundschau vom 03.07.2012 - Rue89

"The Newsroom", die neue Serie des "Westwing"-Autors Aaron Sorkin ist eine leise Enttäuschung, schreibt Marie Telling. Zum Trost stellt sie eine Reihe anderer Serie, sämtlich mit Trailern, zusammen, die ebenfalls vom Journalismus handeln. Am besten schneiden "The Hour" und "State of Play", zwei Serien der BBC ab, aber, oh Wunder, auch eine französische Serie findet Tellings Gefallen, "Reporters" von Canal Plus: "Die Serie zeigt sehr gut die Erschütterungen der heutigen Medienwelt, vor allem die Agonie des Papiers und die Entstehung des Internets und der Real-Time-Information. Trotz guten Rhythmus und guter Schauspieler hat die Serie nur zwei Saisons durchgehalten. Schade: Schon wurden die Räume von rue89 inspiziert. Die dritte Saison sollte von einem Online-Medium handeln."
Stichwörter: Rue89, Sorkin, Aaron

Magazinrundschau vom 12.06.2012 - Rue89

Milliardäre, die Zeitungen retten, sind Julia Cage gar nicht geheuer. Dabei kann sie Warren Buffet, der nach dem Omaha World-Herald noch 63 Titel der Gruppe Media General kaufen will, ebenso wenig abgewinnen wie den Industriellen Lagardere und Dassault, die den französischen markt unter sich aufteilen. Cage möchte sich lieber vom Staat retten lassen, der die französische Presse 2011 zwar bereits mit fast 800 Millionen Euro unterstützt habe, dies jedoch wenig transparent und mit verlässlicher Planungssicherheit für die Titel. "Das Streuprinzip des gegenwärtigen Beihilfesystems verdiente es, durch ein System ersetzt zu werden, das den Zeitungskauf zu 50 Prozent subventioniert: Für jedes Exemplar, das der Käufer für einen Euro ersteht, könnte der Staat 50 Cent zuzahlen. Das würde Transparenz des Systems garantieren, Neutralität der öffentlichen Intervention und Sicherheit für die einzelnen Titel. Die Kosten einer solchen Maßnahme lägen bei etwa 1,1 Milliarden Euro für die gesamte Tagespresse und damit nur 30 Prozent höher als die momentanen Beihilfen."

Magazinrundschau vom 28.02.2012 - Rue89

Sehr verdienstvoll ist Thierry Brésillons Blog Tunisie libre in Rue89, das Tunesien auf dem Weg der Demokratisierung begleitet und über den Druck berichtet, den radikale Islamisten auf die gemäßigt islamistische Regierungspartei Ennahdha ausüben. Nach einer triumphalen Tunesien-Tournee des radikalen ägyptischen Predigers Wajdi Ghonim schreibt Brésillon: "Vor allem die Parteijugend setzt Ennahdha unter Druck und wirft der Partei vor, eine Politik der 'Linken und Säkularen' zu führen. Anlass war die Auflösung einer Demonstration von Anhängern Ghonims vor der Zentralmoschee von Tunis mit Tränengas."
Stichwörter: Rue89, Tunesien

Magazinrundschau vom 21.02.2012 - Rue89

Ein gewisses Verständnis hat Thierry Brésillon in seinem Blog Tunisie libre in rue89 für die Inhaftierung zweier Journalisten in Tunesien. Sie hatten ein Foto des Fußballers Sami Khedira gezeigt, der seine nackte Freundin umarmt. Der Chefredakteur der Zeitung Ettounsiya wurde daraufhin wegen Verstoßes gegen die guten Sitten in Untersuchungshaft gesteckt. "Was soll das Foto einer nackten Frau auf Seite 1 einer Zeitung? Und genauer: Warum ist die Ver- oder Entschleierung des weiblichen Körpers die entscheidende Frage für die tunesische Gesellschaft? Um den Ursprung dieser Passion zu verstehen, muss man Frantz Fanon wiederlesen, der im 'Jahr V der algerischen Revolution' über den Eifer der Kolonisatoren zur Enthüllung der Algerierinnen schreibt: 'Wenn wir die algerische Gesellschaft in ihrem Kontext, in ihrem Widerstandswillen treffen wollen, dann müssen wir die Frauen erobern.' Die Entschleierungszeremonien (in denen Musliminnen öffentlich ihren Schleier ablegten, d. Red.) wie etwa im Mai 1958 waren das Symbol eines von Frankreich in einer rückständigen Gesellschaft eroberten Terrains. Dieses Terrain musste man 'zivilisieren' und dem Zugriff des algerischen Nationalismus entziehen."

Magazinrundschau vom 10.01.2012 - Rue89

Einen sehr interessanten und ausführlichen Hintergrundartikel über den "Krieg des Tangos" in Buenos Aires schreibt Claude Mary für Rue89: Es gibt inzwischen eine große alternative Tango-Bewegung, die den Tango in Kneipen und auf die Straßen bringt, aber von der Stadt nach Kräften behindert wird, weil man ein offizielles Bild des Tangos hochhalten und die Touristen in künstliche und überteuerte Tango-Paläste schleusen will. Ähnlich läuft es mit dem großen Tango-Festival der Stadt: "Im August 2010 scheute sich der Bürgermeister von Buenos Aires in der Eröffnungsrede des Festivals nicht, den Tango als 'unser urbanes Soja' zu präsentieren, also als ein x-beliebiges und vor allem höchst rentables kommerzielles Produkt. Das offizielle Festival zieht 400.000 Besucher an, viele aus dem Ausland und die Gewinne belaufen sich auf Millionen Pesos. Die Stadt bezeichnet den Tango als 'wesentliche Achse der Kulturstrategie'. Aber im Lauf der Jahre wurde das Festival immer mehr in einem gesichtslosen Messezentrum zentralisiert, während die Stadt selbst unzählige Festsäle anbietet, die den Besuchern und der Bevölkerung viel zugänglicher sind."
Stichwörter: Behinderte, Buenos Aires, Rue89, Tango

Magazinrundschau vom 29.11.2011 - Rue89

Er freue sich, wenn seine Bücher als Raubkopie im Netz stünden und auf der ganzen Welt gelesen würden, erklärt Umberto Eco in einem Interview. "Keine Technologie hat eine vorherige jemals völlig ausgelöscht: die Fotografie nicht die Malerei, das Flugzeug nicht den Zug etc. Deshalb halte ich eine Zukunft, in der Menschen auf ihrem iPad lesen, für durchaus vorstellbar. Das Überleben des Buchs dagegen hat mit seiner physischen Natur zu tun. Wenn Sie im Keller die Bücher finden, die sie mit acht Jahren gelesen haben, haben die immer noch Ihre Fingerabdrücke und Kritzeleien, die sie hineingemacht haben. Das Buch ist ein Objekt, das sie an Ihre Kindheit erinnert! Das Buch auf einem USB-Stick, das Sie im Keller finden, wird nie die gleiche Bedeutung haben."

Magazinrundschau vom 25.10.2011 - Rue89

Daniel Cohn-Bendit gehört zur "Spinelli Group", einer Gruppe von Europaabgeordneten, die angesichts der Eurokrise grundsätzliche institutionelle Reformen fordern - Europa soll föderalisiert werden. Im Interview mit Pascal Riche von Rue89 fragt er: "Wie sollen Deutschland, Frankreich, und die Niederlande sonst einen gemeinsamen Unterstützungsmechanismus schaffen? Es gibt nur ein Mittel: die Entscheidungsstrukturen und nötigen Fonds zur Krisenbewältigung müssen vergemeinschaftet werden."

Magazinrundschau vom 06.09.2011 - Rue89

Pierre Haski unterhält sich mit dem Arabien-Spezialisten Jean-Pierre Filiu, der ein Buch über die arabischen Freiheitsbewegungen vorgelegt hat. Über die Rolle der Islamisten sagt er: "Es gibt drei Fakten, die überall wiederkehren: Erstens sind die Islamisten in der Minderheit, auch wenn sie relativ gesehen die stärkste Kraft sind. Zweitens sind sie in sich zerstritten. In Ägypten sind wir inzwischen bei vier Parteien, die aus den Muslimbrüdern hervorgegangen sind, drei salafistischen Parteien und einigen anderen Parteien, die sich auf den Islam berufen... Drittens stehen die Islamisten nicht am Ursprung der Aufstandsbewegungen, sie waren reaktiv und haben je nach Land eine mehr oder weniger wichtige Rolle gespielt - aber immer nur als Folgende."
Stichwörter: Muslimbrüder, Rue89

Magazinrundschau vom 09.08.2011 - Rue89

Xavier de La Porte und Jade Lindgaard Modells sehen bereits das klassische Modell des französischen Medienintellektuellen in der Krise. Denn drei bisher annähernd sakrosankte französische Vertreter werden derzeit im Internet, dem "Feind Nummer eins der Medienoligarchie" auf den Prüfstand gestellt: Alain Finkielkraut, weil er in den delirierenden Schriften von Anders Breivik zitiert wird (nur: wer wird das nicht?), Bernard-Henri Levy, weil er von syrischen Oppositionellen boykottiert wurde (weil er für Israel ist), und Luc Ferry, weil er einen Minister ohne Beweise der Pädophilie bezichtigt. "Mit dem Internet haben sich die Spielregeln der öffentlichen Sprache verändert ... Weniger Verbeugungen und Einverständniserklärungen zwischen Verbündeten aus den gleichen politischen, finanziellen, verlegerischen oder medialen Machtzirkeln. Ideen verbreiten sich mit einem Klick. Die Zitate sind dann eingraviert in den Marmor des unendlichen Gedächtnisses von Google, das bis in alle Ewigkeit, oder doch fast, bis zur Tortur die von dem einen oder anderen begangenen Irrtümer bewahrt." Das beste an dem Artikel sind allerdings die Videos von Alain Finkielkraut, Andre Glucksmann und Bernard-Henri Levy in jungen Jahren aus dem Archiv der französischen Staatssender: drei Rhetoriklektionen!

Weiteres: Jean-François Julliard moniert die wiederholten Kniefälle, die sich Unternehmen wie Microsoft oder Yahoo gegenüber Netzzensoren leisteten. Unter der Überschrift "Unglaublich, sie haben überhaupt keine Angst" ist eine Reportage von Alice Michaux aus Damaskus zu lesen, wo sich der Alltag seit Beginn der Revolte stark verändert hat.