
Foto: Deutsches Historisches Museum.
Heute nutzen die Leute Facebook, früher artikulierten sie ihren Antisemitismus mit
Klebezetteln, die gerade im Deutschen Historischen Museum ausgestellt sind,
schreibt Maik Söhler in der
taz: "Bereits 1920 erwirkt der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dass der Reichspostminister alle Dienststellen anweist, Briefe mit antisemitischen Aufklebern nicht zu befördern - oft erfolglos. Über andere jüdische Verbände und die 'Eiserne Front' um die SPD in der Weimarer Republik bis zu heutigen zivilgesellschaftlichen Gruppen zieht sich eine
Klebespur des Widerstands, die sich aus Gegenpropaganda, juristischen Mitteln, kreativen Verfremdungen und ironischen Brechungen speist."
Mehr auch in der
Berliner Zeitung.
Ebenfalls in der
taz setzt sich Ilko-Sascha Kowalczuk sehr kritisch mit einem Band zum Stand der historischen
DDR-Aufarbeitung auseinander: "Die 'Aufarbeitungslandschaft DDR' erstarrt immer mehr. Ermüdungserscheinungen und Langeweile sind unübersehbar. Immer neue Kommissionen versuchen, die Aufarbeitungslandschaft neu zu ordnen. Bislang geschah nichts. Tatsächlich aber ist der Tanker der Aufarbeitung, die
Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU), erheblich ins Schlingern geraten. Die
Stasi-Akten kommen demnächst ins Bundesarchiv. Was mit dem Rest der Behörde geschehen soll, vor allem der kleinen Forschungsabteilung, ist ungewiss."
Die
Zeitzeugen des Holocaust sterben aus. Was das für Ausstellungen zum Thema bedeutet,
lernt Barbara Möller (
Welt) nach dem Besuch der neuen
Dauerausstellung der
Gedenkstätte Buchenwald: Sie beginnt bei
Null. "Als Kind der Beteiligtengeneration ist man gleich mal ein bisschen gekränkt. Sehr sogar. Hat man nicht als Schülerin tagelang im Majdanek-Prozess gesessen? Ist man nicht in Lidice und Oradour gewesen? Hat man nicht die Eltern auf dem heißen Stuhl geröstet und so gut wie alle Augenzeugenberichte gelesen? Aber diese Kränkung hält nicht lange an, wenn man erkennt, was die Ausstellung bietet: den Rundumblick durch einen
nationalsozialistischen Mikrokosmos, der als Pars pro Toto steht."
Besprochen werden außerdem zwei Ausstellungen zur Geschichte der
Brauereien in München: "Bier. Macht. München" im Münchner
Stadtmuseum und "Bier ist der Wein dieses Landes" im
Jüdischen Museum München (
NZZ).