Unzufrieden mit
Stefan Reineckes Biografie äußert sich der ehemalige RAF-Anwalt und heutige Grünen-Politiker Christian Ströbele im Interview mit Anne Ameri-Siemens in der
FAS: "Für das Buch gab ich ihm Interviews und stellte Material zur Verfügung. Darüber hinaus hat mich selbst gerade dieser Teil meiner Vergangenheit
stark beschäftigt. Aber nicht nur über diese Zeit grübelte ich, wenn ich zuweilen nachts wach lag. Was hatte sich damals abgespielt, und wird es
richtig verstanden, wenn jetzt darüber geschrieben wird? Irgendwann werde ich mich hinsetzen und eine
Autobiografie schreiben - und die Unterlagen, die ich aufgehoben habe, einbeziehen. Es wird wohl ein sehr dickes Buch."
In der
taz gedenkt Wolfgang Gast des Selbstmords
Ulrike Meinhofs vor vierzig Jahren und zitiert als Moral von der Geschichte
Klaus Wagenbachs damalige Grabrede: "Was Ulrike Meinhof umgebracht hat, waren die
deutschen Verhältnisse: Der Extremismus derjenigen, die alles für 'extremistisch' erklärten, was eine Veränderung der Verhältnisse auch nur zur Debatte stellte. Das wollen wir nicht vergessen. Es sind
unsere Verhältnisse, die wir nicht vergessen wollen."
Im Interview mit der
FR erklärt der Historiker
Peter Longerich, was neu ist in seiner
Hitler-Biografie: Sie zeichnet Hitler nicht als Charismatiker oder "Unperson", sondern als gewieften, direkt eingreifenden Politiker: "Das erkennt man erst allmählich, weil die Vorgänge häufig nicht ausreichend schriftlich dokumentiert sind. Je mehr aber die Forschung dieses System durchdringt, umso mehr sehen wir seine
aktive Rolle. Bei mir hat sich in diesem Punkt vor einigen Jahren ein Umdenken eingestellt, als ich in einem Gutachten Hitlers Rolle im Zusammenhang mit der
Judenverfolgung darstellen musste und sah, wie sehr er den
gesamten Prozess gesteuert und auch in Detailfragen eingegriffen hat. Es gilt aber auch für andere Bereiche wie die Kirchenverfolgung."
Geschichtspolitisch gibt es ein Tauwetter in
Weißrussland,
berichtet Felix Ackermann in der
NZZ. Aber nur ein ganz kleines: "In der heroischen Kriegserzählung der offiziellen Erinnerungspolitik ist nach wie vor
kaum Platz für die Opfer. Dabei sind im Kriegsmuseum die wichtigsten Opfergruppen, die nicht an der Front starben, durchaus erwähnt: sowjetische Kriegsgefangene, die Zivilbevölkerung in Städten und Dörfern, Zwangsarbeiter und Juden. Doch die Führung für die Schulklasse hält an den Vitrinen, die dem Holocaust gewidmet sind, kaum inne. Dass von den etwa
zwei Millionen weißrussischen Opfern die meisten Kriegsgefangene und Juden waren, ist weithin unbekannt, denn ihr Tod widerspricht dem allgegenwärtigen heldenhaften Sieges-Narrativ."
Weitere Artikel: Kerstin Holm
besucht für die
FAZ das Moskauer
GULag-Museum. Arno Widmann
erinnert in der
FR an
Ferdinand Cohen-Blinds fehlgeschlagenes Attentat auf Otto von Bismarck 1866. In der
Welt begrüßt Hannes Stein die Ablösung des Konterfeis des "Volkstribunen, Demokraten, Sklavenhalters, Kriegshelden, Antikapitalisten, Rassisten, Völkermörders" und amerikanischen Präsidenten
Andrew Jackson durch das der Sklavenrechtlerin
Harriet Tubman auf der neuen
20-Dollar-Note.