Leicht lokalpatriotisch liest sich ein
namenloser Blogeintrag in der
Dublin Review of Books, der behauptet, es habe in
Irland nie Antisemitismus gegeben - und das trotz des großen Einflusses katholischer englischer Autoren wie
GK Chesterton oder
Hilaire Belloc, die sehr wohl Antisemiten waren. Aber wie auch immer: Karacho hat eine im Blog zitierte zeitgenössische Antwort
Aodh de Blacams (alias Hugh Blackhams) auf Chestertons Behauptung, Juden hätten die Engländer bei der Bekämpfung der
irischen Unabhängigkeitsbewegung angetrieben: "De Blacam betont, dass es Gewalt gegen Zivilisten schon im Jahr 1798 und zur Zeit Williams und Elizabeth' I. gegeben habe: 'War
Oliver Cromwell ein Jude?', fragt er. 'Bezahlten ihn Juden, um Frauen in Kirchen aufzuschlitzen, waren es Juden die Iren als Sklaven verkauften? War der Edelmann und Dichter
Edmund Spenser, der dazu aufrief, 'alle, die das Vieh die Hügel hochtreiben', zu peinigen, Jude? Aber angesichts all des Elends und der zum Himmel schreienden Verzweiflung fällt den
Chesterbellocites (die ich so bewundere) kein anderes Mittel ein, als ein unglückliches Volk im Exil, das kaum einen Einfluss auf die englische Politik hat, an den Pranger zu stellen."
Felix Ackermann schreibt in der
FAZ über die Schwierigkeit der
Litauer, die eigene Beteiligung am
Holocaust zu thematisieren - auch wenn es wichtige institutionelle Initativen und mutige Historikerinnen wie
Ruta Vanagaite gibt: "Noch gedenkt man an der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften am Fuße des Burgbergs von Wilna des Waldbruders
Jonas Noreika ausschließlich als eines Opfers des Stalinismus. Noreika wurde 1947 im Gebäude des heutigen Genozid-Museums, des damaligen Sitzes des sowjetischen Geheimdienstes, wegen seiner Beteiligung am bewaffneten Widerstand gegen die sowjetische Besatzung Litauens hingerichtet. Dass er zuvor im August 1941 auch die
Erschießung von Juden im nordlitauischen Zagare mit organisierte, ist bekannt, aber für die Akademie der Wissenschaften kein Grund, die Ehrentafel zu entfernen."