Hubert Wolf ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster. Durchaus vorsichtig kommt er in der
NZZ auf das
Schweigen des Papstes Pius XII. zum Holocaust zurück. Seit der Öffnung der Archive durch Papst Franziskus lassen sich hier klare Antworten geben, so Wolf, auch wenn die Fülle der Dokumente so groß ist, dass mit abschließenden Studien erst in einigen Jahren zu rechnen sei. Klar ist schon jetzt: "Alle Versuche, das Schweigen Pius' XII. mit seinem mangelnden Wissen über den Holocaust zu entschuldigen, werden durch die vatikanischen Akten
eindeutig widerlegt. Der Papst war auf dreifache Weise über die Entwicklung der Judenverfolgung in Europa genau informiert. Erstens durch
Hunderte von Berichten seiner diplomatischen Vertreter aus den einzelnen Ländern, den Nuntien und Delegaten. Zweitens durch rund 10.000 bisher unbekannte
Bittschreiben jüdischer Menschen aus ganz Europa von 1939 bis 1945, die Pius XII. um Hilfe baten und ihre Not und Verfolgung minuziös schilderten - und denen Papst und Kirche tatsächlich nicht selten zu helfen versuchten. Und schließlich durch ein geheimes jesuitisches Informationsnetzwerk, dessen Fäden beim Geheimsekretär des Papstes, dem Jesuiten Pater Robert Leiber, zusammenliefen. Er legte die entsprechenden Schriftstücke im Privatarchiv von Pius XII. ab." Der Papst sei sich seines Schweigens bewusst gewesen, so Wolf, er habe nicht aus Antisemitismus geschwiegen, sondern um seine Neutralität zu wahren. Eine fatale Einstellung: "Mit dem Schweigen zum Massenmord untergrub er seine
eigene moralische Autorität, die Grundvoraussetzung für jede erfolgreiche Mediation sein musste."
Der Postkolonialist
Andreas Eckert kommt in der virtuellen Tiefdruckbeilage der
FAZ auf den Hang vieler vom Kolonialismus befreiter
afrikanischer Länder zu
Militärregimen zurück: "Der Militarismus bot den Afrikanern ein heldenhaftes Selbstbild: eine Zivilisation aufrechter Menschen, die nur ihren eigenen Befehlen folgen." Damit ließen sich vielleicht auch Differenzen zwischen verschiedenen Teilen der Bevökerung zudecken. Manche Militärherrscher waren bizarre Finsterlinge mit europäischer Protektion wie etwa Jean-Bédel Bokassa, aber keineswegs alle, so Eckert. Ideologisch waren sie dennoch nicht selten etwas trübe: "Militärische 'Revolutionen' teilten eine Reihe von Forderungen: ein Ende der schädlichen europäischen Einflüsse -
wie etwa Miniröcke, eine Obsession afrikanischer autoritärer Herrscher jedweder politischer Couleur -, eine vage ausgearbeitete Reorganisation des Staates, einschließlich seines Rechtssystems, die Rückkehr von '
Disziplin' und '
Ehre' sowie der angemessene Umgang mit öffentlichen Geldern." Eckert empfiehlt die
Studie "Soldier's Paradise - Militarism in Africa after Empire" von
Samuel Fury Childs Daly zum Thema.