Einen "Hauch von
Kryptomonarchie" spürte Jörg Häntzschel (
SZ) bei der Präsentation von
Lothar Machtans Hohenzollern-Buch
"Der Kronprinz und die Nazis", bei der neben Historikern und Politikern wie
Peter Altmaier, auch der Chef des Hauses Hohenzollern,
Georg Friedrich Prinz von Preußen, der das Buch
finanziert hat, anwesend war. Man lobte den "Mut", die Geschichte der Familie "schonungslos" aufzuarbeiten, berichtet Häntzschel und fragt: "Ist es mutig, den Kronprinzen nun als Nazi-Fan zu charakterisieren, nachdem die Familie ihn zu Anfang als verhinderten Widerständler hatte zeichnen lassen? Ist es mutig, ihn entgegen der Meinung der meisten Historiker
als lächerliche Figur abzutun, die gar nicht in der Lage gewesen wäre, den Nazis Vorschub zu leisten? Gemeint ist offenbar beides zugleich. Was sie nicht sagen, ist, das dass dieser 'Mut' zwar kein schönes Bild des Kronprinzen produzieret, aber eines, das ausreichen könnte, um die
Gerichte zu überzeugen, dass dem Mann für den 'erheblichen Vorschub' die intellektuellen und staatsmännischen Qualitäten fehlten." Ähnlich hatte unser Leser "abhs" bereits am Mittwoch
kommentiert. Das Honorar, das Machtan von den Hohenzollern erhalten hat, war fünfstellig, ergänzt in der
FAZ Andreas Kilb.
Derweil wurden am Berliner Kammergericht gleich
vier Berufungsverfahren in Fällen verhandelt, die der Prinz von Preußen
gegen Journalisten und Historiker angestrengt hatte,
meldet Häntzschel außerdem. Der wichtigste Fall war wohl der um den Historiker
Stephan Malinowski: "Malinowski hatte geäußert, dass sich die Hohenzollern seiner Auffassung nach die Erforschung ihrer Familiengeschichte
öffentlich finanzieren lassen wollten. Es ging dabei um Details des Familienmuseums, das die Familie sich gern einrichten lassen wollte. Der Hohenzollern-Anwalt Markus Hennig stimmte zu, die
Klage fallen zu lassen, nachdem Malinowski erklärt hatte, er werde die Aussage nicht wiederholen. Die Verfahrenskosten teilen sich beide Parteien." Ebenfalls in der
SZ kommentiert Lothar Müller: "Das Problem der Hohenzollern ist, dass die Intensivierung der historischen Forschung über den Kronprinzen es immer unwahrscheinlicher macht, dass er am Ende als der
politische Idiot dasteht, der ihre ökonomischen
Restitutionsansprüche beglaubigen könnte." Stephan Malinowskis Buch "Die Hohenzollern und die Nazis" erscheint im September bei Ullstein (mehr
hier).
Die
Journalistengewerkschaft DJU hat einen Prozess, den die
Hohenzollern gegen sie anstrengten, gewonnen,
meldet die Gewerkschaft auf ihrer Website: "Gegenstand war eine Äußerung im ver.di-Medienmagazin
M Menschen Machen Medien, in der es hieß, Prinz von Preußen habe sich als '
besonders klagefreudig erwiesen, was die wissenschaftliche und mediale Aufarbeitung der Geschichte seiner Familie angeht'."