Bisher hat der Historiker
Stephan Malinowski, der vergangene Woche sein Buch
"Die Hohenzollern und die Nazis - Geschichte einer Kollaboration" veröffentlichte, noch nichts von den
Anwälten der Hohenzollern gehört, erzählt er im
FAS-Interview mit Julia Encke, in dem er auch auf das "
rechte Netzwerk" des Kronprinzen blickt: "Die Figur fällt ja 1930 nicht vom Himmel, sondern er ist seit dem ersten Tag der Republik als antirepublikanischer Handelnder aktiv, im Grunde bis 1945. Und man muss auch weiter ins Kaiserreich und in
die Zeit vor 1914 zurückblicken. Eine
antisemitisch und imperialistisch orientierte radikale Rechte, die den Kaiser und seine Regierung angreift, gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Und der Kronprinz hatte bereits vor 1914 Affinitäten zu diesem
rechtsradikalen Rand des politischen Spektrums. Dies reißt 1918 nicht ab. Wenn man verstehen will, warum von dieser Figur noch so eine Dynamik ausgeht, muss man ihn in sein Milieu platzieren und das Milieu aus einer langen Entwicklung heraus deuten."
Wurde die Konstruktion des "Fremden", des "
Barbarischen" zunächst auf alle Kulturen
jenseits von Europa angewendet, weitete sich die Abwertung im 19. Jahrhundert auch auf die
Arbeiterschaft in westlichen Gesellschaften aus,
schreiben die Historiker Svenja Goltermann und Philipp Sarasin bei
geschichtedergegenwart.ch: "Mit dem auch auf dem Kontinent sich zügig durchsetzenden
Fabriksystem, das große Migrationsbewegungen vom Land in die Stadt, die Verslumung von Innenstädten und die Verarmung und
Proletarisierung weiter Bevölkerungskreise mit sich brachte, schwoll auch der Chor jener an, die über die neuen 'Nomaden' in den Städten, ihre 'barbarischen' Sitten oder vielmehr ihren
Sittenzerfall lamentierten. Noch 1904 hat der - sozialistisch gesinnte - Sexualreformer und Psychiater August Forel in seinem Bestseller Die Sexuelle Frage bemerkt, dass sich 'in belgischen alkoholisierten Industriebezirken die Menschen vielfach wie Tiere nachts auf den Straßen begatten, nicht viel feiner als betrunkene Kaffern in Südafrika'. Mehr
Verachtung und bürgerliches Entsetzen war nicht möglich."