Eher ein bisschen fromm und vor allem ratlos klingt, wie der linke österreichische Autor
Robert Misik in der
taz auf den zweiten Wahlsieg Trumps
reagiert. "Die Gegenwart lehrt uns, dass die Abwehr der Barbarei nicht gelingen wird, wenn sie rein defensiv bleibt. Gegenwart und Geschichte lehren, dass man einerseits das Verstunkene, das Verstockte, das Autoritäre und Repressive angreifen, dabei aber auch ein Bild
künftiger besserer Lebensweisen entstehen lassen muss. Diese Visionen bilden sich im Brodelnden, Elektrisierenden des Neuen, in der Kunst, der Literatur, der Poesie, den Wissenschaften, der Architektur, mit Rationalismus, mit Stilrevolutionen; in der
Verbesserung von Stadtteilen, in den kleinen Utopien hier und da, der Freude an der Freiheit..."
Die Literaturwissenschaftlerin
Susanne Klingenstein lebt und lehrt in Boston. In der
FAZ schildert sie die
verzweifelten Reaktionen ihrer Kollegenschaft und der Studenten (inklusive ihrer Tochter) auf die Wiederwahl Trumps, ein "
Heulen und Zähneklappern", für das sie nur Spott übrig hat. Die Trump-Wähler dagegen hätten zumindest aus ihrer subjektiven Sicht rational agiert: "Das
Wahlverhalten der Latinos kommentierte der Militär- und Althistoriker Victor Davis Hanson, der im kalifornischen Fresno eine Farm bewirtschaftet. Latinos, sagte er in einem Gespräch mit
GB News, hätten Unternehmergeist und wählten in seiner Gegend jedenfalls bevorzugt körperlich anstrengende Berufszweige ('muscular professions') wie Bau, Klempnerei oder Elektrotechnik. Während Trumps erster Amtszeit von 2016 bis 2020 waren sie erfolgreich. Danach gefährdeten die
massive illegale Einwanderung und die Inflation ihre Unternehmen. Sie hielten sich die Nase zu und wählten Trump. Und so machten es viele. Den Wahlausgang, so Hanson, bestimmte 'die
Botschaft, nicht der Botschafter'."