9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2017 - Internet

Dass russische Organisationen im amerikanischen Wahlkampf auf Facebook zugunsten von Donald Trump aktiv wurden, wird immer offensichtlicher. Gestern berichtete The Daily Beast über ausländerfeindliche Seiten auf Facebook, die von russischen Trollen gesteuert waren (unser Resümee). Scott Shane hat zu diesen (heute gesperrten) Seiten für die New York Times recherchiert: "Die Seite 'Secured Borders' hat sich monatelang als eine Seite amerikanischer Aktivisten ausgegeben und verbreitete provokative Botschaften auf Facebook - so wurden Einwanderer als 'Dreck' und 'Schmarotzer' bezeichnet, Flüchtlinge wurden mit Verbrechen in Zusammenhang gebracht und Trumps harte Linie beim Thema Immigration wurde gepriesen. Die Seite zog 133.000 Follower an, bevor sie geschlossen wurde."

Correctiv.org berichtet unterdessen, dass sich die AfD die Agentur Harris Media geholt hat, um durch "negative Campaigning" Wählerstimmen zu holen - die amerikanische Agentur berät Rechtspopulisten. "Zu den Themen Merkel, Union und 'Lügenpresse' bietet die Seite merkeldieeidbrecherin.com vorgefertigte Memes, die im Internet verbreitet werden sollen. Alles AfD-Themen, aber die rechtspopulistische Partei gibt sich nur im kleingedruckten Impressum zu erkennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2017 - Internet

Letzte Woche musste Facebook zugeben, dass russische Hacker die Plattform für Propaganda im amerikanischen Wahlkampf missbrauchten (unser Resümee, Einflussnahme von Ausländern in amerikanischen Wahlkämpfen ist verboten). Nun berichtet The Daily Beast, dass Russland im Wahlkampf "Facebook benutzte um Demos gegen Immigranten auf amerikanischem Boden" zu organisieren. "Ein Facebook-Sprecher bestätigte gegenüber The Daily Beast, dass der Gigant der sozialen Medien 'einige der so beworbenen Ereignisse im Rahmen der Schließungen, über die wir letzte Woche kommunzierten, abgeschaltet haben'. Die Firma wollte nichts Näheres ausführen und bestätigte nur, dass diese Events mit bezahlten Anzeigen beworben wurden. (Dies ist das erste Mal, dass die Plattform öffentlich die Existenz solcher Ereignisse anerkannte.)"

Die Firma Equifax, die die Bonität von Kreditnehmern überprüft, musste zugeben, dass die Daten inklusive Soazialversicherungsnummer, von 143 Millionen Amerikanern durch Hacker erbeutet wurden. Es ist "die Art Verbrechen, die Identitätsdiebstahl ermöglicht", und so etwas passiere nicht zum ersten Mal, kommentiert Zeynep Tufekci in der New York Times: "Es gibt technische Faktoren, die erklären, warum die Cyber-Sicherheit so schwach ist, aber die Ursache ist politisch, und ziemlich simpel: Große Firmen haben große Summen Geld in unser politisches System gepumpt und damit dazu beigetragen, Regulierungen zu schaffen, in denen die Konsumenten immer mehr und die Firmen immer weniger Risiken tragen."

Alles, was der Medienseite der FAZ zum Wahlkampf einfällt, ist ein Text von zwei CDU-Abgeordneten, die die gerade verabschiedete Störerhaftung vermissen, weil durch die freie Benutzung von Wlan-Netzen die "Urheber" nun angeblich wehrlos dastehen: "Täter sind in der Folge nicht identifizierbar und damit faktisch nicht haftbar. Die Rechteinhaber sind deshalb auf die Haftung desjenigen angewiesen, der durch die Bereitstellung eines anonymen Wlan-Netzes zur Gefahr beigetragen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2017 - Internet

Wer wusste überhaupt, dass dieser Laden noch existiert! Es hat sich "ausgegruschelt", berichtet Tobias Költzsch unter Bezug auf eine Meldung in gruenderszene bei golem.de. Das soziale Netzwerk StudiVZ ist pleite: "Demnach ist das hinter StudiVZ stehende Unternehmen Poolworks Germany zahlungsunfähig. Einer Schadensersatzforderung des ehemaligen Besitzers Holtzbrinck kann die Gesellschaft nicht mehr nachkommen. Bereits Ende 2015 hatte Poolworks Germany seinen US-amerikanischen Besitzern 45 Millionen Euro geschuldet. Zudem soll es das Unternehmen auch Schulden beim Finanzamt haben." Ursrpünglich eine Erfindung der auf Unternehmensplagiate spezialisierten Samwer-Brüder, war StudiVZ auch eines der weniger gloriosen Kapitel in der Geschichte des Holtzbrinck-Konzerns.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.09.2017 - Internet

Es handelt sich bisher nur um eine kleine Summe, die nachgewiesen wurde - nämlich 150.000 Dollar - dennoch diskutieren amerikanische Medien die gestrige Meldung der Washington Post als Sensation: "Russische Firmen, die mit der Propaganda des Kreml verbunden sind, haben während der Wahl auf Facebook Anzeigen geschaltet." Auf Politico erklärt Darren Samuelsohn den Hintergrund: "Unabhängig davon, ob Amerikaner an dieser Aktivität beteiligt waren, ist es für Ausländer illegal, Geld auszugeben, um die amerikanische Wahl zu beeinflussen... Facebooks Offenlegung am Mittwoch war eine Kehrtwende nach Monaten öffentliche Leugnung, dass russisches Geld hinter politischen Anzeigen auf der Plattform steht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2017 - Internet

Der Thinktank New America Foundation, der maßgeblich von Google unterstützt wird, hat den Google-Kritiker Barry Lynn gefeuert, der Monopolisierungstendenzen des Konzerns angeprangert hat (unsere Resümees) - die Lage für die in Amerika so diskursbestimmenden Thinktanks wird damit schwieriger, schreibt Daniel W. Drezner in politico.eu. Dennoch glaubt Drezner an einen paradoxen Wiederaufstieg von Thinktanks durch Trump: "Je häufiger sich der Kongress den Vorlagen der Trump-Regierung widersetzt, desto mehr wird er sich auf Think Tanks wie New America als Reservoirs von Fachwissen  stützen, um schlechte Vorlagen zu bekämpfen. Zeitungen und NGOs entdeckten, dass der Sieg Trumps ihnen neues Interesse an ihrer Arbeit einbrachte. Das gleiche Potenzial haben Thinktanks, die sich der Regierung widerstzen."

Der gefeuerte Google-Kritiker Barry Lynn ist allerdings bester Dinge, wann man Josh Marshall in Talking Points Memo glauben darf: "Ein unbeabsichtigter Effekt von Google plumpem Versuch, Barry Lynn und sein Open-Market-Programm bei New America zum Schweigen zu bringen, ist, dass Googles Monopolmacht und die skrupellose und unsympathische Art, sie durchzusetzen, nun in hellem Licht erstrahlt. Zum Glück ist Lynns Gruppe auf den Füßen gelandet, mit neuen und sogar größeren Finanzquellen."

Lynn meldet sich in der sehr bunt und effektsicher designten Seite citizensagainstmonopoly.org zurück (Screenshot).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2017 - Internet

Gestern zirkulierte die New-York-Times-Meldung, dass ein Google-kritischer Autor aus einem von Google mitfinanzierten Thinktank, der New America Foundation, gefeuert wurde (unser Resümee). In Netzpolitik resümiert  Simon Rebiger die Geschichte. Bei Gizmodo meldet sich die Journalistin Kashmir Hill zu Wort, die nur bestätigen kann, dass Google Druck auf Google-kritische Autoren ausübt: Sie wollte in Forbes im Jahr 2011 eine Geschichte darüber publizieren, dass Google Verlegern bessere Platzierungen in der Suche gäben, wenn sie ihre Artikel mit dem Google-Plus-Signet zum Teilen versehen. So erzählten es Google-Marketing-Leute in einem Treffen mit Forbes-Redakteueren. Hill machte nach mehren Nachfragen daraus eine Geschichte - die nicht lange publik blieb: "Google stellte die Akkuratheit des Berichts niemals in Frage. Stattdessen sagte mir ein Google-Sprecher, ich solle die Story zurückziehen, weil das Treffen vertraulich gewesen sei und die Information unter eine Verschwiegenheitsklausel falle (aber ich hatte nie eine solche Vereinbarung unterzeichnet, mir war nicht gesagt worden, dass das Treffen vertraulich sei, und ich hatte mich als Journalistin zu erkennen gegeben)." Hill bedauerte damals zwar, ihren Arbeitgeber durch die Geschichte in Verlegenheit gebracht zu haben, aber "da ich vor der Publikation mit dem Google- PR-Team gesprochen hatte, und die Geschichte in der Welt war, dachte ich, es sei besser, die Geschichte so stehen zu lassen. Am Ende zog ich die Geschichte allerdings nach dauerhaftem Druck durch meine Chefs zurück, eine Entscheidung, die ich immer bereuen werde. Forbes möchte diese Geschichte nicht kommentieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2017 - Internet

Wikipedia, Google, Twitter und Facebook sperren inzwischen rechte Hetzer, selbst bei Airbnb oder auf Datingplattformen werden sie gebannt. Also suchen sie sich im Netz einfach rechte Plattformen. Die eher links geprägte Datenschutzszene findet das fatal, lernt Michael Moorstedt in der SZ, der mit dieser Haltung allerdings nicht sehr glücklich ist:  "Sowohl die liberale Digital-Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation als auch die sehr diverse Entwicklergemeinschaft des Tor-Projekts halten sich bei der Verurteilung der Netz-Nazis auf bemerkenswerte Weise zurück. Das Freie-Rede-Dogma gilt hier wirklich für so gut wie jeden. Der Dienst sei darauf ausgelegt, jede Zensur zu hindern, einschließlich jener der eigenen Entwickler, heißt es bei Tor. So verwenden Linke und Rechte die gleichen Mittel, um staatlicher und privatwirtschaftlicher Überwachung zu entgehen".

Google sperrt aber auch ganz andere Leute, berichtet Kenneth P. Vogel in der New York Times, nachdem Google die vom Konzern massiv unterstützte New America Foundation dazu bewegte, einen Google-kritischen Forscher zu feuern.

Der Silicon-Valley-Korrespondent Adrian Lobe warnt in der NZZ vor sogenannten Bots, die als künstliche Verstärker politischer Positionen in den Netzen funktionieren: "Ein Minimal-Bot kommt mit 15 Zeilen Code aus, eine hochwertige Software, mit der sich 10.000 Twitter-Accounts steuern lassen, kostet etwa 500 US-Dollar. Einmal programmiert, kann damit eine ganze Armada ausgerüstet werden. Russlands Präsident Wladimir Putin beschäftigt eine eigene Twitter-Armee, die den Kurznachrichtendienst systematisch mit propagandistischen Beiträgen bombardiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2017 - Internet

Die extremen Netzwerkeffekte machen die Plattformkonzerne Google, Facebook und Amazon zusehends zu Monopolisten, schreibt Nick Srnicek, Autor eines Buchs zum Thema, im Guardian. Dagegen helfe nur eins: "Wir haben das Problem noch nicht in seiner ganzen Wucht begriffen, aber in der Vergangenheit waren natürliche Monopole wie Versorgungsunternehmen oder die Eisenbahn, die von riesigen Skaleneffekten profitieren und dem öffentlichen Wohl dienen, die ersten Kandidaten für eine öffentliche Inbesitznahme. Die Lösung für unser neues Monopolproblem liegt in dieser uralten, für unser digitales Zeitalter aktualisierten Antwort. Das hieße, dass wir die Kontrolle über das Internet und unsere digitale Infrastruktur zurückgewännen, statt sie nur nach Profit und Macht suchen zu lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.08.2017 - Internet

(Via turi2) Manche schlagen so etwas ja auch für Deutschland vor: China schafft die Anonymität im Netz ab, berichtet Catherine Shu  bei Techcrunch: "Am letzten Freitag kündigte der oberste Internetzensor in China neue Regelungen an, um anonyme Posts auf Foren und Plattformen zu unterbinden. Die chinesische Internetbehörde (Cyberspace Administration of China) wird diese Regeln ab 1. Oktober durchsetzen. Künftig sollen Internetfirmen und Service-Provider Verantwortung tragen, dass die Nutzer sich mit Klarnamen registrieren und dass jeder illegale Inhalt den Behörden sofort mitgeteilt wird."
Stichwörter: China, Internetzensur, Anonymität

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2017 - Internet

In der FAZ regt sich Adrian Lobe darüber auf, dass Google kurzzeitig auf dem Smartphone die Urls der Suchergebnisse nicht mehr anzeigte: "Nach Darstellung des Internetmagazins 'The Next Web', dem die Sache auffiel, ist unklar, ob Google nur einen Testlauf unternimmt oder so schrittweise ein neues Angebot ausrollt. Vor allem diene das Experiment dazu, die Schnittstelle aufgeräumter und übersichtlicher zu gestalten. Doch könnte auch der Versuch dahinterstecken, sukzessive die Hyperlinkstruktur des Internets zu demontieren und den Informationsverkehr im Netz zu dominieren."
Stichwörter: Smartphones, Lobe, Adrian