9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2016 - Internet

In SZ und Guardian plädiert Evgeny Morozov für eine Art Datenpopulismus, um Rechtspopulisten und InternetGiganten etwas entgegenzusetzen: "Daten und KI, die auf ihnen aufbaut, müssen öffentlicher Besitz bleiben. Nur so können Bürger und öffentliche Einrichtungen sichergehen, dass Firmen sie nicht mit Kosten für Dienste erpressen, die ja letztlich die Öffentlichkeit selbst geschaffen hat. Statt Amazon für die KI-Dienste zu bezahlen, die mit unser aller Daten konstruiert wurden, sollte Amazon verpflichtet werden, diese Gebühr an uns zu entrichten."

In der NZZ setzt der Soziologe Dirk Helbing seine ganze Hoffnung auf die Industrie 4.0: "Roboter könnten für uns all die Güter produzieren, die wir zum Leben brauchen. Die so gewonnene Zeit würden wir mit kreativen und sozialen Tätigkeiten, Erkenntnisgewinn und Umweltschutz verbringen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2016 - Internet

In der New York Times berichtet Mike Isaac, dass Facebook an einer Zensur-Software arbeitet, die eine Rückkehr nach China erlauben könnte, weil sie bestimmte posts auf chinesischen Gebiet unterdrückt: "Das Feature, dessen Code für die Ingenieure des Konzerns einsehbar ist, wurde bisher nicht benutzt und noch nicht den chinesischen Behörden angeboten. Aber das Projekt zeigt, wie bereitwillig Facebook Kompromisse eingeht, selbst wenn es um sein proklamiertes Kernanliegen geht, 'die Welt offener und verbundener zu machen'."

Die Spendenkampagnen der Wikipedia wirken. Benjamin Fischer hat für faz.net hat bei der Stiftung erfragt, dass die Online-Enzyklopädie über ein Vermögen von 92 Millionen Dollar verfügt: "Alle Spenden, die wie in Deutschland bei den Landesgruppen eingehen, fließen zunächst geschlossen nach Amerika und werden von dort aus verteilt. Deutsche Spender überweisen ihr Geld auf das Konto der Wikimedia Fördergesellschaft. Nutznießer ist wiederum der Wikimedia-Verein."
Stichwörter: Wikipedia, Facebook, Kompromisse

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2016 - Internet

Jeff Jarvis und John Borthwick machen auf Medium.com ein paar pragamatische Vorschläge, wie das Problem von Fake News auf Plattformen wir Facebook oder Google kollaborativ bewältigt werden kann, ohne dass es zu Zensur oder zu schwarzen Listen kommen muss. Dafür müsste Facebook etwa einen entsprechenden Button zur Kennzeichnung von Fakes prominenter machen (es gibt ihn schon in den Tiefen der Menüs), länger existierende Medienmarken müssten (auch algorithmisch) privilegiert werden, die Markenzeichen sollten deutlicher angezeigt werden. Und "gebt vertrauenswürdigen Medienquellen und Fact-checking-Agenturen einen Weg, ihre Analysen anzuzeigen, so dass Facebook und andere Plattformen den Nutzern diese Information zeigen kann, wenn sie solche Postings lesen und - noch wichtiger - wenn sie überlegen, sie zu teilen."

Außerdem: In der FAZ begräbt Magnus Klaue die Hoffnung, dass sich das Internet als "Leitmedium demokratischer Partizipation" könne.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2016 - Internet

Caitlin Dewey spricht für die Washington Post mit Paul Horner, der auf Facebook satirische Fake News schreibt und nun festellten musste, dass die Trump-Kampagne sie sich schlicht zu eigen machte - etwa die Behauptung, dass eine Demonstrantin gegen Trump von seinen Gegnern bezahlt wurde: "Ich war bei Protesten gegen Trump. Glauben Sie mir, niemand muss bezahlt werden, um gegen Trump zu protestieren. Ich wollte mich nur über diesen kranken Glauben lustig machen, aber sie glaubten es einfach. Ich dachte, sie würden einen Factcheck machen, und dann würden sie dumm dastehen. So läuft es doch eigentlich: Jemand postet, was ich schreibe, dann finden sie raus, dass es falsch ist und sind blamiert. Aber die Trump-Anhänger bleiben einfach dabei!"

Facebook steht in anderen Ländern schon seit langem in der Kritik - gerade Minderheiten oder Bürgerrechtsorganisationen sind häufig betroffen, schreiben Paul Mozur und Mark Scott in der New York Times: "Einer dieser Orte sind die Philippinen, wo ein Sprecher des populistischen Präsidenten ein Facebook-Bild der Leiche eines jungen Mädchens verbreitete, das angeblich von einem Drogendealer vergewaltigt und ermordet worden war. Factchecker haben später herausgefunden, dass das Foto aus Brasilien kam. Trotz der Enthüllung zitieren Anhänger von Dutertes blutiger Politik der Repression gegenüber Drogendealern und Süchtigen dieses Bild immer noch zu seiner Verteidigung, berichten Beobachter."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2016 - Internet

Fake News wurden in den Monaten vor der Wahl auf Facebook häufiger geteilt als Nachrichten seriöser Medien, schreibt Craig Silverman in dem Blog Buzzfeed, das behauptet, eine eingehende Studie gemacht zu haben: "In diesen entscheidenden Monaten des Wahlkampfs haben die zwanzig am besten abschneidenden falschen Wahlstories von Fake-News-Seiten und extrem parteiischen Blogs 8.711.000 Shares, Reaktionen und Kommentare auf Facebook erreicht. In der selben Zeit haben die zwanzgi Top-Wahlstories aus den 19 wichtigsten News Websites insgesamt 7.367.000 Shares, Reaktionen und Kommentare bekommen."

Auch Sascha Lobo greift jetzt in seine Spiegel-online-Kolumne in die aktuelle Diskussion um Facebook ein. Fake News und Filterblasen seien Mittel politischer Beinflussung: Das grassierende Misstrauen gegen traditionelle Medien wirkt dabei verstärkend: Wenn es vermeintlich 'keine Wahrheit' gibt, steht die Propagandalüge gleichberechtigt neben der aufklärenden Nachricht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2016 - Internet

In Zeit online greift  Eike Kühl die Diskussion um Fake News bei Facebook auf (unsere Resümees): "Tatsächlich versprach Facebook bereits vor fast zwei Jahren, gegen Spam, Falschmeldungen und sogenannte Hoaxes stärker vorgehen zu wollen. Dafür führten sie eine Option im Meldesystem ein. Wie bei mutmaßlich illegalen Inhalten können Nutzer einzelne Beiträge in ihrem Newsfeed melden und als 'falsch' markieren. Doch anders als illegale Beiträge, etwa Mordaufrufe oder das Verbreiten verbotener Symbole, werden Falschmeldungen nicht von einem Facebook-Team geprüft und gegebenenfalls gelöscht."

Zeynep Tufekci benennt in der New York Times eines der Hauptprobleme in der Fake-News-Debate: "Nur Facebook hat Daten darüber, wie Fake News, Fälschungen und Desinformation sich ausbreiten, wie viel es davon gibt, wer sie liest und wie groß ihr Einfluss sein mag. Nur leider übt Facebook gegenüber externen Forschern totale Kontrolle über den Zugang zu diesen Daten aus. Es ist, als würden Manager der Tabakindustrie den Zugang zu den Krankenakten lenken."

Zwar haben Facebook wie Google den Seiten, die explizit Fake News verbreiten, die Werbeeinahmen beschnitten, schreibt  Olivia Solon  im Guardian: "Aber trotz dieser Gesten wird Facebook die vielen Optionen, die dem Dienst zur Verfügung stehen, wohl kaum nutzen, denn es hat wenig Motivierung dazu, so Experten. 'Obwohl Mark Zuckerberg sich in dieser Frage höflich äußert, ist es unvorstellbar, dass Facebook die Leute daran hindert zu teilen, was sie teilen wollen. Das ist die Kernidee der Seite', sagt der Autor und Professor Clay Shirky, der soziale Netze erforscht. Das Geschäftsmodell von Facebook liegt darin, dass die Leute auf Inhalte - Fotos, Memes, Meinungen -  klicken und sich damit befassen, unabhängig von ihrer Wahrhaftigkeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2016 - Internet

Die Debatten um Facebook  nehmen an Schärfe zu. In Gizmodo (das zu dem von Facebook-Investor Peter Thiel ramponierten Imperium Nick Dentons gehörte) berichtet Michael Nunez, dass es in Facebook sehr wohl seit Mai Ideen gab, klar als Fake-News erkannte Posts in den Algorithmen nach unten zu stufen - und dass die Pläne aus Angst vor Gegenreaktionen aus der rechten Ecke nicht verwirklicht wurden: Nunez zitiert eine anonyme Quelle. "'Sie haben sehr wohl die Instrumente, Fake News abzustellen', sagt die Quelle, die aus Angst vor Sanktionen der Firma anonym bleiben will. Sie fügt hinzu: 'Es gab eine Menge Angst vor portestierenden Konsrevativen, bei vielen Produktentscheidungen wurde das berücksichtigt.'"

Und Sheera Frenkel berichtet in BuzzFeed: "Facebook-Angestellte bauen eine inoffizielle Taskforce auf, um nach der Wahl Donald Trumps in der letzten Woche die Rolle der Firma bei der Verbreitung von Fake News zu überprüfen - dies geschieht im Kontext einer Debatte über Fake News und irreführende Nachrichten auf eine Plattform, die von über 150 Millionen Amerikanern benutzt wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2016 - Internet

In der New York Times zitiert Mike Isaac aus privaten Chats einiger Facebook-Manager, die zeigen, dass man sich bei Facebook sehr wohl Gedanken macht, ob die Plattform  das Wahlverhalten beeinflusst: "Einige Angestellte sind besorgt über die Ausbreitung rassistischer und sogenannter alt-right-Memes in dem Netzwerk - das zeigen Interviews mit zehn aktuellen und ehemaligen Facebook-Angestellten. Andere fragen sich, ob sie zu einer 'Filterblase' zwischen Nutzern, die sich stark in einem Umfeld mit gleichen Ideen bewegen, beigetragen haben."

Ben Thies stellt in Carta den Begriff der "Filterblase" in Zweifel, der unter anderem das Verhalten der Trump-Wähler und die Blindheit der Mainstream-Medien für den Ausgang der amerikanischen Wahlen erklären soll. "Die meisten Studien zu diesem Thema sehen den Hauptgrund für einseitigen Nachrichtenkonsum nicht in der algorithmischen, sondern in der psychologischen Filterung. 'Selective exposure' lautet das Stichwort: Individuen suchen sich unterbewusst bevorzugt Informationen, die mit ihren bestehenden Ansichten übereinstimmen. Diese Art der Filterung gab es bereits vor dem Internet, und sie äußerte sich beispielsweise in der Wahl der Tageszeitung." Mehr dazu bei Christoph Kappes.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2016 - Internet

Auch Joshua Benton glaubt im Niemanlab, dass Facebook schuld sei am Ausgang der amerikanischen Wahlen. Der Journalismus habe die Staaten des mittleren Westens schließlich aufgegeben. "Ich komme aus einer Kleinen Stadt in Süd-Louisiana. Am Tag vor der Wahl sah ich mir die Facebook-.Seite des dortigen Bürgermeisters an. Unter den Themen, die dort in den letzten 48 Stunden gepostet worden waren, fand ich: 'Hillary Clinton ruft zum Bürgerkrieg auf, falls Trump gewinnt.'Papst Franziskus schockiert die Welt durch seine Unterstützung für Donald Trump.' Barack Obama gibt zu, dass er in Kenia geboren ist.' 'Der FBI-Beamte, der im Verdacht steht, Hillarys Korruption geleakt zu haben, ist tot.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2016 - Internet

Meike Laaff liefert in der taz einen nützlichen Überblick über die rechtsextreme Troll-Szene zwischen 4Chan und der Alt-Right-Bewegung in den USA: "Breitbart-Redakteur Milo Yiannopoulos gilt als einer der Wortführer der Alt-Righter - obwohl er sich bei Gelegenheit auch mal gern von der Bewegung distanziert. Der homosexuelle Brite ist der wahrscheinlich berühmteste Internettroll der Welt - berüchtigt für seinen Antifeminismus, mit dem er die Gamergate-Debatte ebenso anheizte wie die Schmähkampagne gegen die schwarze 'Ghostbusters'-Darstellerin Leslie Jones."

Roberto De Lapuente plädiert ebenfalls in der taz für eine strikte Überwachung der sozialen Netzwerke, um Hass-Postings zu verfolgen: "Facebook sollte gezwungen werden, die Meldung von Hasskommentaren durch andere Nutzer zu erleichtern. Am besten wäre es, wenn man gleich neben dem 'Gefällt mir'-Button auch einen Volksverhetzungsbutton aktivieren könnte."