Während das Geld für die Fassaden des
Berliner Stadtschlosses noch nicht beisammen ist, hat ein Einzelspender Millionen für die Rekonstruktion der
Schlosskuppel samt Cherubim, Palmenzweigen und vergoldetem Kreuz bereitgestellt,
meldet Jens Bisky in der
SZ. Seinen Verdruss über die
Ignoranz und Oberflächlichkeit dieser Entscheidung kann er nicht verhehlen: "Cherubim, Palmenzweige und Kreuz haben einmal etwas bedeutet. Nun werden sie aber über dem Riesenbau schweben wie ein allegorisierender Tafelaufsatz im bürgerlichen Haushalt. Sie verkünden einen vagen Anspruch und zugleich die Hoffnung, niemand würde je die Einlösung verlangen. Das ist prätentiös. Die 'fast vollständig' rekonstruierte Kuppel wird wirken wie ein
Zeichen des Läppischen. Sie degradiert das Gebäude zum Schmücke-die-Stadt-Bauwerk."
"Nur konsequent"
findet hingegen Nikolaus Bernau in der
Berliner Zeitung die Rekonstruktion der Kuppel. Dass die darin enthaltenen Symbole ihre Bedeutung verloren haben, macht die Sache für ihn überhaupt erst erträglich. Anders verhält es sich allerdings mit dem Kreuz, dessen Rekonstruktion durchaus eine
mächtige Symbolik hätte: "Nichts spricht gegen eine Fahnenstange auf der Engellaterne, auf der es europäisch, deutsch, katholisch, evangelisch, hindu-oder buddhistisch oder auch regenbogenbunt wehen kann. Aber es darf
keine feste Hierarchie geben. Ein goldenes Preußen-Kreuz würde eine solche Hierarchie signalisieren. Also darf es dieses Kreuz nicht geben."