9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2017 - Kulturpolitik

Nachdem ein Stifter dem Berliner Stadtschloss eine neue alte Kuppel spendiert hat, ist eine Debatte darüber entbrannt, ob auch das Kreuz wieder auf die Kuppel soll. In der Welt erinnert Lucas Wiegelmann die Kritiker daran, dass das Christentum - im Guten wie im Bösen - zu unserer Kultur gehört: "Auch wer mit Kirche und Christentum ausschließlich Kreuzzüge und Inquisitionsfolter verbindet, wird einsehen, dass es gar keinen Sinn hat, dieses Erbe tilgen zu wollen. Das Humboldt-Forum mag ein überparteiliches, überreligiöses, überweltanschauliches Museum werden. Ein Gebäude ohne Geschichte kann es niemals sein, und zu seiner Geschichte gehört nun einmal die christliche Religion."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2017 - Kulturpolitik

Während das Geld für die Fassaden des Berliner Stadtschlosses noch nicht beisammen ist, hat ein Einzelspender Millionen für die Rekonstruktion der Schlosskuppel samt Cherubim, Palmenzweigen und vergoldetem Kreuz bereitgestellt, meldet Jens Bisky in der SZ. Seinen Verdruss über die Ignoranz und Oberflächlichkeit dieser Entscheidung kann er nicht verhehlen: "Cherubim, Palmenzweige und Kreuz haben einmal etwas bedeutet. Nun werden sie aber über dem Riesenbau schweben wie ein allegorisierender Tafelaufsatz im bürgerlichen Haushalt. Sie verkünden einen vagen Anspruch und zugleich die Hoffnung, niemand würde je die Einlösung verlangen. Das ist prätentiös. Die 'fast vollständig' rekonstruierte Kuppel wird wirken wie ein Zeichen des Läppischen. Sie degradiert das Gebäude zum Schmücke-die-Stadt-Bauwerk."

"Nur konsequent" findet hingegen Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung die Rekonstruktion der Kuppel. Dass die darin enthaltenen Symbole ihre Bedeutung verloren haben, macht die Sache für ihn überhaupt erst erträglich. Anders verhält es sich allerdings mit dem Kreuz, dessen Rekonstruktion durchaus eine mächtige Symbolik hätte: "Nichts spricht gegen eine Fahnenstange auf der Engellaterne, auf der es europäisch, deutsch, katholisch, evangelisch, hindu-oder buddhistisch oder auch regenbogenbunt wehen kann. Aber es darf keine feste Hierarchie geben. Ein goldenes Preußen-Kreuz würde eine solche Hierarchie signalisieren. Also darf es dieses Kreuz nicht geben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2017 - Kulturpolitik

Andreas Rossmann beschreibt in der FAZ den kümmerlichen Status von Kultur- und Kulturpolitik in den Seelen der nordrhein-westfälischen Spitzenpolitiker: "Nicht, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mit der Kultur fremdelt, sondern dass sie nicht bereit ist, sie in kompetente Hände zu legen, ist das Problem. Die kulturpolitischen Sprecher haben so wenig Rückhalt in ihren Parteien, dass sie am Katzentisch sitzen und Mühe haben, sich Gehör zu verschaffen. Mit Kultur, so klagen sie im Chor, könne kein Politiker Karriere machen."
Stichwörter: Nordrhein-Westfalen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2017 - Kulturpolitik

Im Deutschen Historischen Museum gibt's Ärger. Parallel zur Installierung des neuen Direktors Raphael Gross werden die bisherigen Mitarbeiter durch das Staatsministerium für Kultur überprüft, berichtet Hans Jessen in der taz: "Im Februar verkündete das BKM, dass rund ein Viertel der Museumsmitarbeiter tarifrechtlich zurückgestuft werden sollen - mit teils erheblichen Gehaltseinbußen. Betroffene sprechen von 500 Euro weniger im Monat, das sei existenzbedrohend." Das Staatsministerium sagt, es handle auf Weisung des Rechnungshofs.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2017 - Kulturpolitik

Gabi Dolff-Bonekämper, Professorin für Denkmalpflege an der TU Berlin, plädiert in der FAZ gegen die "Einheitswippe" vor der Berliner Schlossattrappe: "Eine Denkmalanlage als Ort für spielerischen Freizeitspaß: vielleicht ein bisschen zu locker und albern für ein deutsches Freiheits- und Einheitsdenkmal, aber, als programmatischer Pathosverzicht verstanden, beinahe schon wieder sympathisch - wäre da nicht diese überdimensionierte Schrift: WIR SIND DAS VOLK. WIR SIND EIN VOLK.  (...) Wer ruft da? Und wer bleibt stumm? Wer will heute 'das Volk' oder gar 'ein Volk' sein, und wer wird sich als nicht zugehörig empfinden?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2017 - Kulturpolitik

Wenig Freude empfindet Manuel Brug in der Welt über die zusätzlichen Millionen, die die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters für die Hauptstadtkultur locker gemacht hat. Da werden nur die Satten gestopft, meint er: "In diesem Land wird die Schere zwischen den angeblichen Eliten und den Bedürfnisbefriedigern in der Provinz weiter auseinanderklaffen. Dort stehen Häuser wie das Theater Hagen oder die Dauerbaustelle Rostock am Abgrund, in Berlin aber wird geprasst. Und deshalb regt sich auch keiner so wirklich über die Fehlplanung hinsichtlich der Staatsopernrenovierung mehr auf. ... Einnahmeausfälle - offenbar egal".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2017 - Kulturpolitik

Berlins neuer Kultursenator Klaus Lederer will vor allem eins, lernt Udo Badelt vom Tagesspiegel bei einem Auftritt Lederers im Radialsystem: sich von der Wirtschaftsförderung abgrenzen. 'Kultur ist kein Standortfaktor'. Die Aufgabe seiner Verwaltung sieht er in keinster Weise darin, die Kreativwirtschaft zu unterstützen. Sondern das Grundniveau für nichtkommerzielle Kunst bereitzustellen. Ein Credo, das in dem Satz gerinnt: 'Wie kann man verhindern, dass Künstler so schnell wie möglich an den Markt streben, damit sie überhaupt Künstler bleiben können?'"
Stichwörter: Lederer, Klaus, Led, Radialsystem

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.04.2017 - Kulturpolitik

Der Glanz unserer maroden Hauptstadt wird ein bisschen aufpoliert. Unsere Berliner Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Kanzleramt hat sich für Berlin gelohnt, schreibt Christiane Peitz im Tagesspiegel über den neuen "Hauptstadtfinanzierungsvertrag": "Bei den Philharmonikern steigt der Bund erstmals mit ein, zu einem guten Drittel mit über 7 Millionen Euro. Die Opernstiftung erhält künftig 10 Millionen Euro aus der Schatulle von Kulturstaatsministerin Monika Grütters statt bislang 1,8 Millionen für die Staatskapelle. Der Hauptstadtkulturfonds wird um ein Drittel aufgestockt, auf knapp 15 Millionen Euro. Und der Bund entlastet das Land bei den anteiligen Zahlungen fürs Humboldt-Forum um weitere 5 Millionen Euro. Das macht in der Summe voraussichtlich 25,7 Millionen Euro mehr."

Gregor Dotzauer unterhält sich zugleich im Tagesspiegel mit Till Brönner über das von ihm ersehnte, aber noch weit von der Realisierung entfernte "House of Jazz".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2017 - Kulturpolitik


Gewinner des Realisierungswettbewerb "Das Museum des 20. Jahrhunderts": der Entwurf von Herzog & de Meuron. Blick von der Potsdamer Straße

Warum wird für das neue Museum am Berliner Kulturforum kein Städtebauwettbewerb ausgeschrieben, warum wird überhaupt so wenig über den von der Politik bevorzugten "Scheunen"-Entwurf von Herzog & de Meuron und Alternativen diskutiert, fragt Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung. Er unterstützt eine von der Berliner Galerie Aedes initiierte Petition auf change.org, ein Stangenmodell der "Scheune" zu errichten: "die Baumasse selbst kann so betrachtet und debattiert werden. Damit wird auch so manche Durchsetzungsstrategie durchschaubar: So fiel schon bei der Vorstellung der Siegerarbeit im Wettbewerb für das neue Museum der Kunst des 20. Jahrhunderts auf dem Berliner Kulturforum auf, dass Herzog & de Meuron nicht eine einzige Perspektivzeichnung ihres Projektes von der Terrasse der Nationalgalerie, von der Seite der Philharmonie oder von derjenigen der Matthäuskirche aus zeigten. Sie hätte klar gemacht, dass etwa von der Neuen Nationalgalerie aus nur noch ein riesiger Ziegelgiebel zu sehen sein wird und die zierliche Kirche von dem Neubau schlichtweg verdeckt würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2017 - Kulturpolitik

Das Humboldt-Forum droht Gestalt anzunehmen. Jörg Häntzschel fürchtet in der SZ um den Bestand der Institutionen, die in der Berliner Schlossattrappe aufgehen werden: "Am meisten zu verlieren hat beim radikalen Umbau, der nun im Gange ist, ausgerechnet das Ethnologische Museum, das größte Völkerkundemuseum der Welt. Bislang wurde es immer als das geführt, was in amerikanischen Malls der 'Anchor' ist, das Kaufhaus, um das die kleineren Läden gruppiert sind. Gemeinsam mit dem Museum für Asiatische Kunst war es der stabile und konkrete Posten eines ständig wechselnden Menüs... Doch das Forum 'wird keine Mall', erklärt die Kulturstaatsministerin Monika Grütters der SZ, sondern ein 'Haus aus einem Guss'. Das Ethnologische Museum wurde de facto zum bloßen Leihgeber degradiert, für Ausstellungen, die mit Ethnologie mal mehr, mal aber auch nichts zu tun haben." Jsens Bisky fürchtet in einem zweiten Artikel: "Es fehlt an Vorstellungen für das Gesamtensemble."

Außerdem: Joseph Croitoru fürchtet in der FAZ eine Gleichschaltung missliebiger Kulturinstitutionen in Israel durch die Subventionspolitik des Kulturministers.