9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.04.2017 - Kulturpolitik

Fünfzehn Jahre arbeitet jetzt die Kulturstiftung des Bundes (die einst auch das Perlentaucher-Projekt signandsight.com förderte). Leiterin Hortensia Völckers erklärt im Gespräch mit Christiane Peitz im Tagesspiegel, warum sie ein Hauptaugenmerk auf das Thema Migration legt: "In Frankfurt am Main zum Beispiel haben jetzt 60 bis 70 Prozent der Sechsjährigen Migrationshintergrund. In der Kultur ist das noch nicht angekommen. Suchen Sie mal eine Museumsdirektorin oder einen Stadtbibliotheksleiter mit migrantischem Background: Fehlanzeige. Wir haben gerade mal Shermin Langhoff als Intendantin des Maxim Gorki Theaters. Das ist doch nicht normal, die Künstler selbst sind längst international!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2017 - Kulturpolitik

Im Tagesspiegel berichtet Eberhard Spreng, wie die Kulturinstitutionen in Frankreich nicht nur von finanziellen Kürzungen bedroht sind, auch ihr Publikum wendet sich ab oder schafft ganz neue Realitäten: "Dominique Pitoiset, der bereits an der Schaubühne inszeniert hat, erlebt dies derzeit bei seiner Frankreichtournee mit Brechts Stück vom 'Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui'. Es gibt, gespenstisch genug, Beifall von der falschen Seite. 'Wir sind in diversen kleinen Provinzstädten auf Tournee, in denen viele die extreme Rechte gewählt haben. Das Publikum hat nichts gegen die Sprüche eines Arturo Ui. Sie werden beklatscht.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2017 - Kulturpolitik

Im Tagesspiegel porträtiert Nicola Kuhn die neue Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, die sich der rechten Stimmung im Land stellen will, indem sie die Vermittlungsarbeit "radikalisiert": "In Görlitz gibt die Kulturmanagerin eine Vorstellung davon, spricht von audience-development, outreach, focus-Gruppen wie bei der Tate in London, vom Museum als Produktionsort und dem künftigen Besucher als user. Das klingt zunächst abgehoben, doch dahinter stecken konkrete Ideen. In Großbritannien, das ihr als Vorbild gilt, wird in den Museen gemeinsam gekocht und getöpfert, in Südamerika, wo sie sich in den letzten Jahren umgeschaut hat, ist die soziale Verknüpfung mit der Nachbarschaft sehr viel enger. Was Sachsen betrifft, kommt Ackermann ins Schwärmen über die großartige Handwerkstradition. Sie soll künftig ganz praktisch Niederschlag im Museum finden, Workshops sind geplant."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2017 - Kulturpolitik

Im UN-Sicherheitsrat ist die Zerstörung von Kulturgütern nach einer von Frankreich und Italien eingebrachten Resolution zum Kriegsverbrechen erklärt worden, berichtet Florence Evin in Le Monde und zitiert die Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokowa: "Die vorsätzliche Zerstörung kulturellen Erbes ist ein Kriegsverbrechen, sie ist zu einer Kriegstaktik geworden, um Gesellschaften dauerhaft in einer Strategie kultureller Säuberung zu schädigen. Darum ist die Verteidigung kulturellen Erbes weit mehr als ein kulturelles Anliegen - sie ist ein Imperativ der Sicherheit und von der Verteidigung von Menschenleben nicht zu trennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.03.2017 - Kulturpolitik

Im taz-Interview mit Andreas Fanizadeh fordert die Grünen-Politikerin Tabea Rößner für freie Kulturschaffende Mindesthonorare in Analogie zum Mindestlohn: "Über die Freien in Teilbranchen wie Mode, Design, Theater, Film, Sound oder Journalismus liegen kaum systematische Daten vor. Doch sehr viele dieser Soloselbstständigen und Kleinstunternehmer leben in finanziell prekären Verhältnissen. Selbstständige mit weniger als 17.500 Euro Umsatz machen über 13 Prozent aller Erwerbstätigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft aus. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der klassischen Kulturschaffenden, die über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert sind, liegt bei unter 16.000 Euro."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2017 - Kulturpolitik

Wolfgang Thierse verteidigt in der Berliner Zeitung im Gespräch mit Niklaus Bernau die "Einheitswippe", die dereinst vor dem Berliner Schloss stehen soll. Auf die Frage, was sie für ihn symbolisiert, sagt er: "Wenn Menschen sich einigen, dann können sie etwas bewegen. Das stellt einen unmittelbaren, ideellen Zusammenhang zu den geschichtlichen Ereignissen von 1989 her: Erst als genügend Bürger sich zusammentaten und Mut fassten, wurde die Überwindung des alten Systems möglich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.03.2017 - Kulturpolitik

Der Kunstmarkt lässt sich ungern von politische Fragen stören. Gürsoy Doğtaş versucht es in der SZ dennoch und attackiert die Organisatorinnen der Istanbul-Biennale, die sich von einem regimenahen Rüstungskonzern sponsern lassen: "Carolyn Christov-Bakargiev, die Kuratorin der 14. Istanbul-Biennale, wischte Fragen nach dem Sponsor während einer Pressekonferenz noch mit dem lapidaren Hinweis vom Tisch, schließlich komme es darauf an, wofür man das eingeworbene Geld ausgebe. Und ihre Vorgängerin Fulya Erdemci beteuerte, dass sie erst auf der Pressekonferenz der 13. Istanbul-Biennale von den Verbindungen der Koç-Holding zur Rüstungsindustrie erfahren habe, als Aktivisten das Pressegespräch kurzerhand zu einer Kundgebung über die fragwürdigen Geschäfte des Hauptsponsors umfunktionierten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2017 - Kulturpolitik

Der Betriebsrat im Münchner Haus der Kunst ist vor Gericht gezogen, um festzunageln, dass Mitarbeiter künftig Auskunft geben müssen, ob sie zur Scientology-Sekte gehören, berichtet Susanne Hermanski in der SZ: "Hintergrund des Rechtsstreits ist die Auseinandersetzung um den früheren Personalverwalter des Museums, von dem sich das Haus der Kunst in der vergangenen Woche getrennt hat. Der mutmaßliche Scientologe arbeitete seit 1995 in dem Haus. Ihm wird vorgeworfen, dort gezielt Scientologen als Mitarbeiter eingeschleust zu haben. Zudem beschuldigt ihn der Betriebsrat, für das schwierige Betriebsklima mitverantwortlich zu sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.03.2017 - Kulturpolitik

Plötzlich ist die Farah-Diba-Kunstsammlung in Teheran zu sehen. In der SZ kann Xifan Yang auch nur darüber spekulieren, wie es auf einmal dazu kam: "Im Mai wird im Iran gewählt. Es heißt, Präsident Rohani wollte weiteren Diskussionen um den zuletzt stark politisierten Verleih der Bilder aus dem Weg gehen. Nicht nur Konservative hatten sich gegen das deutsch-iranische Projekt gestellt, auch aus der Künstlerszene in Teheran kam Kritik: Warum sollten Ausländer in Europa die Bilder zuerst sehen dürfen und nicht die Iraner selbst?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2017 - Kulturpolitik



Bei Wassily Kandinskys Gemälde "Das Bunte Leben" aus dem Jahr 1907, zurzeit im Besitz der Bayerischen Landesbank und im Münchner Lenbachhaus-Museum ausgestellt, handelt es sich offenbar um Raubkunst, schreibt Christoph Scheuermann auf SpOn. Von den Nachfahren der früheren jüdischen Amsterdamer Eigentümerfamilie mit dem Vorwurf konfrontiert, seien die Anwälte des Geldinstituts "unversöhnlich bis geschmacklos" aufgetreten: "Der Streit um den Kandinsky zeigt wieder einmal, wie schwierig es für Hinterbliebene von jüdischen Holocaust-Opfern bis heute sein kann, im Freistaat Wiedergutmachung zu erfahren. Allzu oft werden Gespräche abgeblockt, Kompromisse verhindert, Rechtsstreitigkeiten verschleppt. Die verbreitete Haltung gegenüber Hinterbliebenen von jüdischen Familien ist: Die sind doch nur auf Geld aus. Viele Nachfahren von Nazi-Opfern schrecken schon aus Angst vor dem hohen Aufwand davor zurück, ihre Ansprüche geltend zu machen."