9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2018 - Kulturpolitik

Eines ist jetzt schon klar. Im Humboldt-Forum wird fotografieren schwierig. Denn Monika Grütters schlägt Hartmut Dorgerloh, bislang Generaldirektor der Potsdamer Schlösserstiftung, als Generaldirektor vor - Dorgerloh fiel unter anderem dadurch auf, dass er über viele Instanzen das Eigentum an den Panoramen für seine preußischen Schlössern und Gärten erstritt und nun bestimmen kann, wer dort fotografieren darf (mehr hier). Im Gespräch mit Andreas Kilb von der FAZ sagt Grütters: "Hartmut Dorgerloh ist auch deshalb hervorragend geeignet, weil er es versteht, anspruchsvolle Inhalte einem breiten Publikum zu vermitteln. Über das Humboldt-Forum ist jahrelang in sehr akademischer Weise geredet worden. Dabei wurde manchmal vergessen, dass dieses Haus ein Ort der Begegnung für die Bevölkerung sein muss."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2018 - Kulturpolitik

Nachdem Ines de Castro abgesagt hat, soll Lars-Christian Koch, derzeit kommissarischer Leiter des Ethnologischen Museums in Berlin, zukünftig die im Humboldt-Forum vereinten Sammlungen leiten, berichtet leicht enttäuscht Nicola Kuhn im Tagesspiegel. "Nach dem langen Hin und Her wirkt diese Hausberufung vor allem pragmatisch. Wer sich neue Ideen, einen geübten Manager für die komplizierte Gemengelage am Humboldt-Forum und frischen Wind von außen gewünscht hatte, sieht sich enttäuscht. In der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aber gilt die Besetzung als Vorsprung beim Kompetenzgerangel im Humboldt-Forum. Mit Koch ist jemand gewonnen, der die von Gründungsintendant Neil MacGregor eingeschlagene Kursänderung - mehr Kooperation mit externen Sammlungen - womöglich zurückzufahren vermag, der sich vor die eigenen Sammlungen stellt und sich auch weniger vom künftigen Intendanten reinreden lässt."

In der SZ meint Jörg Häntzschel: "Mit Koch wird - nach den drei Gründungsintendanten - ein weiterer weißer Europäer auf eine Leitungsstelle des Projekts berufen. Dabei soll es doch laut Koalitionsvertrag eine 'internationale Dialogplattform für globale kulturelle Ideen' werden. Doch angesichts der Querelen um das Projekt dürfte er der richtige Mann sein. Koch gilt als anerkannter Wissenschaftler. Und während der Grabenkämpfe der letzten Monate erwies er sich als umgänglicher Mittler."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2018 - Kulturpolitik

Eine Differenz jenseits der gerade modischen Differenzen benennt Klaas Ruitenbeek, der bald abtretende Chef des Museums für Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem, das ins Humboldt-Forum einziehen und hoffentlich nicht einem erweiterten Kulturbegriff geopfert wird. Er insistiert im Gespräch mit Susanne Messmer von der taz, dass es einen Unterschied zwischen ethnologischen und Kunstmuseen gibt. "Die Ethnologie wollte lokale Sprachen, Kulturen und Religionen dokumentieren, von denen man wusste, dass sie im Zuge der Globalisierung verschwinden würden. Sicher war man sich auch des Kunstwertes vieler der gesammelten Objekte bewusst, aber das kam nicht an erster Stelle. Das Museum für Asiatische Kunst wurde 1906 gegründet, um ein Statement zu machen. Man wollte zeigen, dass die asiatische Kunst der europäischen ebenbürtig ist, und sie mit den Methoden der Kunstgeschichte erschließen. Ich denke, das sind zwei kostbare Traditionen. Es wäre sinnvoll, wenn man das auch weiterhin anerkennt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.03.2018 - Kulturpolitik

Im Zeit-Feuilleton plädiert Hanno Rauterberg dafür, alle Raubkunst in ethnologischen Museen Deutschlands an die Ursprungsländer zurückzugeben. Wobei er den Begriff Raubkunst sehr weit fasst: "zusammengekauft, zusammengeklaut" - ist für ihn alles dasselbe. Sein Vorschlag: "Das Humboldt Forum könnte doch, ganz im Sinne Macrons, eine Einladung aussprechen. Könnte sagen, hier, liebe Eigentümer, sind unsere 500 Bronzen - bitte nehmt, was euch richtig und wichtig erscheint. Und alles, was hier in Berlin, in der Mitte Europas, auch künftig zu sehen sein soll, als Botschafter eurer Kultur, das belasst im Museum, und sei es leihweise."

Der Philosoph Achille Mbembe sekundiert Rauterberg im Interview, auch wenn er zugibt, dass Rückgabe oft keine Option ist, weil "viele afrikanische Regierungen keine Kulturpolitik betreiben. Sie nehmen die Kultur und die Kunst nicht ernst. Für sie ist Kultur gleichbedeutend mit Agrikultur". Dennoch würde er gerne "auf einer internationalen Ebene darüber nachdenken, wie man diese Objekte für temporäre Ausstellungen von Museum zu Museum reisen lassen könnte. Selbstverständlich gibt es dabei einige Zwänge und Hindernisse: Wie sorgt man für einen sicheren Transport? Wie versichert man die Objekte? Aber das Ziel sollte ein grenzenloses Zirkulieren von Kunstgegenständen sein. Und zwar nicht nur der geraubten Objekte aus Afrika, sondern des gesamten Erbes der Menschheit. ... Eine Politik der Restitution und der Reparation müsste begleitet werden von einem Aufbau und Unterhalt beständiger Museen in Afrika, bezahlt von den ehemaligen Kolonialmächten."

Dass der Transport von Objekten schon innerstädtisch kein leichtes Unterfangen ist, weiß indes Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung mit Blick auf den Umzug der Ausstellungsstücke von Dahlem ins Humboldt-Forum. Sicherheitsvorkehrungen müssen getroffen werden, Wetterverhältnisse,  Pilzbefall der Objekte und Platzmangel bedacht werden: "Das Kriegsschiff von der Insel Luf etwa ist das einzige seiner Art, das es noch gibt, die Kultur, in der es entstand, gibt es schon seit fast 100 Jahren nicht mehr. Dieses Schiff ist wortwörtlich unersetzbares Welterbe. Um solch ein Objekt zu transportieren, musste die Außenwand der großen, 1969 abgeschlossenen Halle für den Bau einer Klimaschleuse mit einem gewaltigen Portal geöffnet werden. Geplant ist, dass am 25. Mai die neuen Bootshallen im Humboldtforum inklusive Boden- und Wandkonstruktionen sowie einer notdürftigen Klimaanlage soweit fertig sind, dass darin die kostbaren Schiffe und Häuser der Sammlung neu aufgestellt werden können."

Emmanuel Macron macht inzwischen ernst mit seiner Ankündigung, Raubkunst aus Afrika in französischen Museen zurückgeben zu wollen, meldet Benjamin Sutton im Blog Hyperallergic. Er beauftragte den senegalesischen Autor und Ökonom Felwine Sarr und die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy mit der Erforschung der französischen Kunstkollektionen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2018 - Kulturpolitik

Bevor er sich verabschiedet, verspricht Neil MacGregor im Interview mit Andreas Kilb in der FAZ noch eine neue Führungsstruktur für das Humboldt-Forum: "In jedem anderen europäischen Land wäre sie strikt hierarchisch aufgebaut. In Deutschland, oder zumindest bei diesem Projekt mit so vielen Akteuren, funktioniert das nicht. Deshalb soll die künftige Intendanz über eine Leitungskommission verfügen, um das Potenzial der beteiligten Institutionen zu koordinieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.03.2018 - Kulturpolitik

Wiebke Huester fordert in der FAZ, dass das künftige Pina-Bausch-Zentrum in Wuppertal trotz der Kulturhoheit der Länder auch dauerhaft Bundesmittel bekommt: "Analog zur Berlinale und Bayreuth ist davon auszugehen, dass das Pina-Bausch-Zentrum eine gesamtgesellschaftlich wichtige Aufgabe erfüllen würde. Das Tanztheater ist eine deutsche Erfindung, die das Schauspiel, die Oper und den Film weltweit maßgeblich beeinflusst hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2018 - Kulturpolitik

Die Sammlerwitwe Barbara Göpel hat der Berliner Nationalgalerie viele Beckmanns hinterlassen. Eine schöne Meldung, mit der Einschränkung, dass ihr Mann Erhard Göpel einer der übelsten Kunsträuber Hitlers war. Nun müssen die Museen nicht nur prüfen, ob Raubkunst in der Sammlung ist, sondern auch überlegen, wie sie die Werke präsentieren. Die Museen sind sich der Herausforderung bewusst, die wahrlich nicht ohne ist, schreibt Jörg Häntzschel in der SZ: "Göpels Aufgabe war es, überall in Europa Kunst für das 'Führermuseum' in Linz zusammenzukaufen. Christian Fuhrmeister und Susanne Kienlechner vom Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte schildern in einem Aufsatz, der dieser Tage veröffentlicht wird, wie er die Drohung von Deportation und Ermordung nützte, um Preise zu drücken. Um dem Kunsthistoriker August Liebmann Mayer Informationen über eine Sammlung abzupressen, ließ er dessen Abtransport in den Tod eigens um eine Woche verschieben. Im März 1944 wurde Mayer in Auschwitz getötet." Ebenfalls in der SZ auf Seite 3: Die Suche zweier Familien nach Werken von Max Pechstein.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2018 - Kulturpolitik

Zumindest vierzig der 440 Millionen Euro für die Sanierung der Berliner Staatsoper hätten vermieden werden können, hätte man nicht Angst gehabt, als "BER der Kultur" angesehen zu werden, seufzt Harry Nutt in der Berliner Zeitung. Ärgerlicher noch als die Verteuerung durch die Beschleunigung der Bauarbeiten findet er die politische Intransparenz: "Man wird den Verdacht nicht los, dass die Bauverwaltung anstelle realistischer Prognosen lieber im Stillen darauf gehofft hat, dass am Ende schon alles gut geht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2018 - Kulturpolitik

In der Welt plädiert Nanette Snoep, Museumsdirektorin des Leipziger Grassi-Museums für Völkerkunde, für einen neuen Umgang mit ethnografischen Sammlungen, der zum Beispiel Beteiligung der Herkunftsländer an Ausstellungskonzepten einschließt: "Hier sollten wir mit der Tradition brechen und einen Dialog einleiten, der diesen Namen auch verdient, und mit dem Entwurf eines transkulturellen Museums der Zukunft beginnen. Solange die Stimmen aus den Herkunftsgebieten der betroffenen Objekte im Museum nicht zur Geltung kommen, solange monokulturelle, westliche Perspektiven dominieren, solange lokale Sichtweisen auf Sammlungsstücke der Öffentlichkeit nicht kommuniziert werden, so lange wird in Museen auch das System der Kolonialität fortbestehen. ... Die europäische oder westliche Weltsicht aufzugeben heißt, eine Multiperspektivität von Geschichte und Geschichten in den Vordergrund rücken. Unterschiedliche Perspektiven auf Sammlungen und Kolonialgeschichte müssen in die Museumsarbeit integriert werden, und zwar auf allen Ebenen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2018 - Kulturpolitik

Ines de Castros Absage hat keineswegs etwas mit den Komplikationen im Humboldt-Forum zu tun, meldet Lucas Wiegelmann in der Welt. Ausschlag hätten die Bemühungen der baden-württembergischen Landesregierung gegeben, die Chefin des Stuttgarter Linden-Museums  zu halten: "Für mich war entscheidend, dass die Regierung einen Neubau für unser Stuttgarter Museum forcieren will. Dadurch eröffnen sich meinem Team und mir hier sehr schöne neue Möglichkeiten."