Im
Zeit-Feuilleton plädiert Hanno Rauterberg dafür, alle
Raubkunst in ethnologischen Museen Deutschlands an die Ursprungsländer zurückzugeben. Wobei er den Begriff Raubkunst sehr weit fasst: "
zusammengekauft,
zusammengeklaut" - ist für ihn alles dasselbe. Sein Vorschlag: "Das Humboldt Forum könnte doch, ganz im Sinne Macrons, eine Einladung aussprechen. Könnte sagen, hier, liebe Eigentümer, sind unsere 500 Bronzen -
bitte nehmt,
was euch richtig und wichtig erscheint. Und alles, was hier in Berlin, in der Mitte Europas, auch künftig zu sehen sein soll, als Botschafter eurer Kultur, das belasst im Museum, und sei es leihweise."
Der Philosoph
Achille Mbembe sekundiert Rauterberg im Interview, auch wenn er zugibt, dass Rückgabe oft keine Option ist, weil "viele afrikanische Regierungen
keine Kulturpolitik betreiben. Sie nehmen die Kultur und die Kunst nicht ernst. Für sie ist Kultur gleichbedeutend mit Agrikultur". Dennoch würde er gerne "auf einer internationalen Ebene darüber nachdenken, wie man diese Objekte für
temporäre Ausstellungen von Museum zu Museum reisen lassen könnte. Selbstverständlich gibt es dabei einige Zwänge und Hindernisse: Wie sorgt man für einen sicheren Transport? Wie versichert man die Objekte? Aber das Ziel sollte ein
grenzenloses Zirkulieren von Kunstgegenständen sein. Und zwar nicht nur der geraubten Objekte aus Afrika, sondern des gesamten Erbes der Menschheit. ... Eine Politik der Restitution und der Reparation müsste begleitet werden von einem
Aufbau und Unterhalt beständiger Museen in Afrika, bezahlt von den ehemaligen Kolonialmächten."
Dass der Transport von Objekten schon innerstädtisch kein leichtes Unterfangen ist,
weiß indes Nikolaus Bernau in der
Berliner Zeitung mit Blick auf den Umzug der Ausstellungsstücke von
Dahlem ins
Humboldt-Forum. Sicherheitsvorkehrungen müssen getroffen werden,
Wetterverhältnisse, Pilzbefall der Objekte und Platzmangel bedacht werden: "Das Kriegsschiff von der Insel Luf etwa ist das einzige seiner Art, das es noch gibt, die Kultur, in der es entstand, gibt es schon seit fast 100 Jahren nicht mehr. Dieses Schiff ist wortwörtlich
unersetzbares Welterbe. Um solch ein Objekt zu transportieren, musste die Außenwand der großen, 1969 abgeschlossenen Halle für den Bau einer Klimaschleuse mit einem gewaltigen Portal geöffnet werden. Geplant ist, dass am 25. Mai die neuen Bootshallen im Humboldtforum inklusive Boden- und Wandkonstruktionen sowie einer
notdürftigen Klimaanlage soweit fertig sind, dass darin die kostbaren Schiffe und Häuser der Sammlung neu aufgestellt werden können."
Emmanuel Macron macht inzwischen ernst mit seiner Ankündigung, Raubkunst aus Afrika in französischen Museen
zurückgeben zu wollen,
meldet Benjamin Sutton im Blog
Hyperallergic. Er beauftragte den senegalesischen Autor und Ökonom
Felwine Sarr und die französische Kunsthistorikerin
Bénédicte Savoy mit der Erforschung der französischen Kunstkollektionen.