Was ist der
Sinn des Humboldt-Forums, wenn sich die ethnologischen Museen überall in der Krise finden, wenn Migration und Tourismus längst für direkten Kontakt mit fremden Kulturen sorgen,
fragt Jörg Häntzschel in der
SZ.
Antworten schickten eine Reihe Ethnologen, Kunsthistoriker und Aktivisten, die die SZ
hier zusammengestellt hat. So fordert der in Wien lebende Publizist
Kwame Opoku nicht nur die Rückgabe afrikanischer Artefakte, er wehrt auch jeden Versuch als "arrogant" ab, Bedingungen - etwa geeignete Aufbewahrungsmöglichkeiten - an diese Rückgabe zu stellen. Die Anthropologin
Sharon MacDonald wünscht sich für die hiesigen Museen, die
heimische Bevölkerung mehr in den Blick zu nehmen, um den Dualismus zwischen europäischen und außereuropäischen Kulturen abzubauen: "Um das ethnologische Museum
wirklich zu dekolonialisieren und ihm neues Leben zu geben, müsste man ganz neu anfangen. Man müsste auch Europa in all seiner Vielgestaltigkeit zu seinem Thema machen. Mit Ausstellungen zu weniger erwartbaren Sujets, Ausstellungen, die Kulturen durchkreuzen und neue Seh- und Denkweisen eröffnen. Ausstellungen zu Themen wie
Bürokultur,
materiellem Exzess, dem Leben mit Hunden, zum Zerteilen und
Tauschen von Körpern (vom Organspenden und dem Organhandel bis zu der Frage der human remains)."
In der
SZ protestiert die israelische Schrifstellerin
Lizzie Doron heftig gegen den geplanten Auftritt des israelischen Sängers
Amir Benayoun vor den Vereinten Nationen am Holocaust-Gedenktag in New York. Benayoun hat das Lied "Ahmed liebt Israel" komponiert, ein rassistisches Lied, wie Doron findet, das von einem arabischen Studenten handelt, der einen
terroristischen Angriff auf Juden plant: "Die Wahl der israelischen Regierung, ausgerechnet diesen Sänger bei der Holocaust-Gedenkveranstaltung der UN Israel repräsentieren zu lassen, bereitet mir jetzt
schlaflose Nächte. Auch das Schweigen der vielen Organisationen und Politiker, die sich für die Rechte von Holocaust-Überlebenden einsetzen, irritiert mich. Ich frage mich und alle anderen: Wer darf die Erinnerung an den Holocaust repräsentieren? Wer darf die Erinnerungsfackel weiterreichen an die nachfolgenden Generationen? Ein israelischer Jude etwa, der alle Araber
mit einem Lied zu Terroristen macht?"