9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2017 - Medien

Erfreut nimmt Michael Hanfeld in der FAZ zur Kenntnis, dass der WDR und andere Sender Konzertübertragungen von Roger Waters, einem prominenten Verfechter der Israel-Boykottkampagne BDS, abgesagt haben: "Roger Waters setzt ... selbst Künstler unter Druck, nicht in Israel aufzutreten. Zuletzt verwahrte sich der Schriftsteller und Musiker Nick Cave gegen diese Drangsalierung, die darin gipfelte, dass er seine dieser Tage stattfindenden Konzerte in Tel Aviv absagen sollte. Er hätte sich wie ein 'Feigling gefühlt', sagte Cave in einem Interview, wäre er nicht in Tel Aviv aufgetreten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2017 - Medien

Der WDR ist kritisiert worden, weil er eine Veranstaltung mit dem antiisraelischen Musiker Roger Waters plante (unser Resümee) - die der Sender nun gekündigt hat, wie turi2 meldet.
Stichwörter: Waters, Roger, WDR

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2017 - Medien

"Wer bleibt übrig, wenn das echte Geld anderswo verdient wird", fragt die Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel mit Blick auf Facebook und Google. Und malt eine entfesselte Öffentlichkeit an die Wand: "Es sind die, denen so eine Lage zupasskommt: Wahnsinnige, die gar nicht anders können; Radikale aller Spielarten, die in dieser Lage Morgenluft wittern; Sekten und Parteien mit zwielichtigen Anliegen und Ansichten, für die sie lieber selbst trommeln, als sich mit einer freien, kritischen Presse auseinanderzusetzen; Staaten wie Russland, denen politische Destabilisierung geostrategisch in die Hände spielt." Eine echte Konsequenz - etwa eine Forderung nach Subventionen für die angeschlagene Presse - zieht Jäkel aus ihrer Diagnose allerdings nicht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2017 - Medien

Der WDR will nächstes Jahr ein Konzert mit Roger Waters, einem der bekanntesten antiisraelischen Rockmusiker und Anhänger der Israel-Boykott-Bewegung BDS veranstalten. Michael Wuliger nimmt das in der Jüdischen Allgemeinen zum Anlass, näher auf die Politik des Senders zu blicken. "Da wird, wie bei der Dokumentation 'Auserwählt und ausgegrenzt' Judenhass klein- und weggeredet. Bei offen antisemitischen Passagen einer Doku über den Rechtspopulisten Geert Wilders ein paar Monate zuvor war man in Köln weniger penibel gewesen. Und jetzt Roger Waters... Bei einem privaten Medienunternehmen wäre das bereits Skandal genug. Der WDR aber wird aus Rundfunkbeiträgen finanziert. Juden müssen diese Hetze also auch noch mitbezahlen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2017 - Medien

Auf den Talking Point Memos berichtet Josh Marshall, dass in den vergangenen beiden Jahren fast die gesamten Zuwäche in den Werbeeinnahmen von Google und Facebook geschluckt wurden, die Online Medien haben nichts abbekommen: "I've mentioned before that digital news media is in the midst of a monetization crisis. But it's more than that. It's a full blown crash.
Stichwörter: Digitale Medien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2017 - Medien

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen muss unbedingt weiterexistieren, unabhängig davon, ob es geguckt wird, schreibt Esther Slevogt in der Nachtkritik. Sie habe zwar selbst seit sieben Jahren keinen Fernseher mehr, und "die Wahrheit war: ich vermisste das Fernsehen kein bisschen. Schon lange war es mir arg grau und ältlich vorgekommen. Die Filme meist doof, Kultursendungen oft ziemlich trutschig, die vielen Talkshows sowieso unerträglich, die Nachrichten mitunter seltsam ereignisfern." Aber nun gibt es in der Schweiz eine von den Rechtspopulisten betriebene Intiative, die Fernsehgebühren abzuschaffen, und Slevogt warnt: "Hier braut sich also ein Szenario zusammen, von dem große Ansteckungsgefahr auch für das bundesrepublikanische öffentlich-rechtliche System ausgeht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2017 - Medien

Die Fetzen fliegen in Frankreich zwischen Edwy Plenel, dem ehemaligen Chefredakteur von Le Monde und Gründer von Médiapart, der stets ein großer Verteidiger Tariq Ramadans war, und der Satire-Zeitschrift Charlie hebdo, die Ramadan nach Vergewaltigungsvorwürfen als "sechsten Pfeiler des Islams" und Edwy Plenel als Abwiegler karikierte (unser Resümee). Plenel verzeiht die Karikatur nicht und spricht auf dem Sender Franceinfo von einem "Krieg gegen die Muslime, einer Diabolisierung des gesamten Islams und der Muslime". Man habe es mit einer Linken zu tun, "die nicht mehr weiß, wer sie ist, die sich unter jedem Vorwand mit einer identitären Rechten verbündet".

Darauf antwortet Riss, der jetzige Herausgeber von Charlie hebdo im Editorial der heute erscheinenden Ausgabe (zitiert bei Le Monde): "Charlie hebdo will gegen niemand Krieg führen. Diesen Satz werden wir niemals verzeihen. Plenel veruteilt mit diesem Satz Charlie hebdo zum zweiten Mal zum Tode. Dieser Satz ist keine Meinung mehr, sondern ein Aufruf zum Mord."

Im Interview mit Bertrand Pecquerie vom Global Editors Network, deutsch in der FAZ, fordert der Charlie-hebdo-Chefredakteur Gérard Biard nach neuen Morddrohungen gegen die Redaktion die sozialen Netze zur Aktion auf: "Es braucht Gesetze, damit gewährleistet wird, dass die Eigentümer und Betreiber von sozialen Netzwerken juristisch verantwortlich sind für das, was in ihren Netzwerken passiert, so wie ein Verleger für den Inhalt seiner Zeitung juristisch verantwortlich ist. Diese Leute wissen genau, wie sie weniger Steuern zahlen, also sollten sie auch in der Lage sein, wirksame Filter einzubauen. Diese Leute sind ja kleine Genies, und das müssen sie beweisen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2017 - Medien

Im FR-Interview mit Joachim Frank fordert der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, die Leute auch fit zu machen für die große Medienrevolution: "Jeder ist zum Sender geworden. Die Deutungsautorität der mächtigen 'Gatekeeper-Medien', die darüber entscheiden, was öffentlich wird und was nicht, geht zu Ende. Und darin steckt eine große, noch unverstandene Bildungsaufgabe, die sich nicht durch ein paar Medienkompetenzseminare lösen lässt... Jeder muss heute als selbstverantwortlicher Publizist agieren, das ist das Fernziel auf dem Weg zu einem zivilen Diskurs. Eben dazu braucht es aber, spätestens in der Schule, die Einübung des öffentlichen Sprechens. Und man muss sich damit befassen, was seriöse Quellen sind, wem man in der Kommunikation vertrauen kann - und wem eben nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2017 - Medien

Die ARD weiht eine Radio-App ein, die den Hörern gestattet, Sendungen auch herunterzuladen. Damit werde die Onlinefrist für Mediatheken umgangen, meint Peter Weißenburger in der taz - wobei sich Radiosendungen ja schon seit geraumer Zeit auch von den Websiten der Sender herunterladen lassen. Problematisch findet Weißenburger aber auch einen anderen Aspekt:  "Auch AutorInnen dürften sich sorgen. Schon länger stehen Honorarregelungen wie eine Zweitvergütung von Wiederholungen zur Debatte. Sollten Sendungen in Zukunft weniger oft im Rundfunk ausgestrahlt, sondern gleich nach dem ersten Sendetermin auf die App verschoben werden, könnten freien JournalistInnen Teile ihrer Einnahmen abhandenkommen. 'Effizienz' und 'Synergie' heißt eben auch: Inhalte möglichst kostenfrei zweitverwerten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2017 - Medien

Medienjournalistin Ulrike Simon liest für das Werbefachblatt Horizont einen Bericht der Demoskopin Renate Köcher über die Zahlungsbereitschaft des Publikums für journalistische Angebote. Weit her sei es damit leider nicht: "Lediglich ein Viertel derer, die sich im Internet über Politik informieren, ist bereit, für journalistische Angebote im Internet Geld auszugeben oder tut dies bereits. Zwei Drittel lehnen das grundsätzlich ab. Schließlich ergaben die Befragungen des Instituts, dass 59 Prozent der über 16-Jährigen und selbst 43 Prozent derer, die sich regelmäßig im Netz politisch informieren, nicht ahnen, welche Folgen Werbeblocker für die Betreiber von Webseiten haben."
Stichwörter: Paid Content, Paywalls, Adblocker