9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2017 - Medien

(Via turi2) Der zu Holtzbrinck gehörende wissenschaftliche Springer Verlag zensiert seine Inhalte, um auf dem chinesischen Markt präsent zu sein. Ein Verhalten, das immer mehr westliche Medien- und Internetunternehmen an den Tag legen, notiert Niklas Dummer bei wiwo.de unter Bezug au die Sinologin Kristin Shi-Kupfer: "Aus ebensolchen Gründen hat Apple - das sich in den USA als ein Unternehmen inszeniert, dem es um Datensicherheit geht - schon vor Jahren die aus Sicht der KP unliebsamen VPN-Dienste aus dem Apple Store in China entfernt. Gerade mit seiner wachsenden Mittelschicht wird China für den Konzern ein immer wichtigerer Absatzmarkt. 'Solche Maßnahmen könnte der chinesische Propagandaapparat wiederum nutzen, um die vermeintliche Scheinheiligkeit der westlichen Demokratien offenzulegen', sagt Shi-Kupfer."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.11.2017 - Medien

Vor einem Jahr hat die wahl Donald Trumps die Welt in eine Depression gestürzt. Im Tagesspiegel sieht Christoph von Marschall keine Chance auf ein baldiges Ende seiner Präsidentschaft und gibt auch den Medien eine Mitschuld an seinem andauernden Erfolg: "Die Kurzatmigkeit des Nachrichtenzyklus nützt Trump. Kaum eine Streitfrage wird nüchtern und systematisch durchdiskutiert. Jeder neue Aufreger verdrängt die vorige Schlagzeile. Trump fordert Todesstrafe für den New-York-Attentäter? Sogleich sinkt das Interesse an den Anklagen gegen seinen Wahlkampfmanager Paul Manafort in der Russland-Affäre.

Auf Bloomberg.com berichten Benjamin Elgin und Vernon Silver, dass Facebook und Google direkt mit politischen Kampagnen von Rechtsaußen zusammengearbeitet hat. In den USA war es vor allem die Lobbygruppe Secure America Now, in Deutschland soll Facebook allerdings auch die AfD beraten haben.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2017 - Medien

(Via turi2) Der Begriff "Staatsfunk" oder auch "Staatspresse" für die Online-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender hat die KollegInnnen aus den Sendern offenbar hart getroffen. Die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse" (AGRA) veröffentlicht jetzt eine "Frankfurter Erklärung": "Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Zeitungsredaktionen, wir fühlen uns diskreditiert, wenn Sie uns als Staatsfunk bezeichnen und uns damit unterstellen, dass wir uns politisch steuern lassen. Das ist komplett abwegig. Wir fragen uns, warum Sie mit solchen Äußerungen unsere Arbeit verunglimpfen und sich damit selbst in die Nähe von Rechtspopulisten stellen." 

Mathias Döpfner, Vorsitzender des Verbands der Zeitungsverleger, präzisiert seinen Standpunkt  in einer Erklärung, die auch in der Welt veröffentlicht ist: Er möchte, dass die Sender der ARD (das ZDF nimmt er ausdrücklich aus) ihre Textangebote im Netz einschränken, damit auch die Zeitungen ihre kostenlosen Online-Angebote einschränken und von den Lesern Abogebühren verlangen können: "Unsere Forderung ist ganz einfach: Die Online-Angebote der ARD sollten so aussehen wie die des ZDF. Das heißt: im Wesentlichen auf Video und Audio-Angeboten basierend, der Textanteil deutlich unter 30 Prozent. Die ARD lehnt dies ab und gefährdet damit die Arbeitsplätze Tausender Journalistinnen und Journalistenvon Zeitungen in Deutschland." Döpfner gibt in dem Text entgegen optimistischen Reden der Branche in den letzten Jahren zu, dass die Online-Angebote der Zeitungen defizitär sind.

FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld, der sich zu den Angegriffenen zählen kann, konstatiert: "Wer Kritik übt, zumal grundsätzliche, wird mit der AfD in einen Topf geworfen."

Stefan Niggemeier spießt in seinen Uebermedien an den Äußerungen Döpfners auf, dass Döpfner den Begriff "Staatspresse" für die Online-Angebote der Verlage als Beschreibung des Ist-Zustands und nicht als Krisenszenario  für die Zukunft gebraucht hat.

In einem offenen Brief bitten die Chefredakteure der größten europäischen und amerikanischen Qualitätspresse die EU-Kommission darum, nach dem Mord an der maltesischen Bloggerin Daphne Caruana Galizia die Unabhängigkeit der Medien auf Malta zu überprüfen: "Den Mördern von Daphne darf es nicht gelingen, ihr offenkundiges Ziel zu erreichen: dass Daphnes Nachforschungen, welche die Korruption auf der höchsten Ebene Maltas betreffen, zum Stillstand gebracht werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.11.2017 - Medien

Populistische Medienkritik an "Lügenpresse" und "Staatsfunk" sei in die Mitte der Gesellschaft gelangt und lenke von der eigentlichen Frage ab, schreibt Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bei Zeit online, "welchen Wert guter Journalismus für die Gesellschaft hat und wie er sich in Zeiten, in denen die Einnahmen wegbrechen, die Anzeigen in Richtung der Digital-Giganten abwandern und manche Zeitung um ihre Existenz kämpft, finanzieren lässt. Auf diese Frage hat die Gesellschaft keine Antwort, ja, sie sucht sie nicht einmal."

Außerdem: Das neue Cover von Charlie Hebdo (eine Karikatur des muslimischen Gurus Tariq Ramadan, gegen den Vorwürfe wegen Vergewaltigung erhoben werden, mit dem Titel "Ich bin der Pfeiler des Islams") spaltet laut 20minutes.fr die sozialen Medien in Frankreich.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2017 - Medien

Klaus Raab bringt bei Zeit online ein flammendes, wenn auch nicht unkritisches Plädoyer für die öffentlich-rechtlichen Sender. Die wirtschaftlichen Probleme der anderen werden für ihn dabei sogar zum Argument, die öffentlich-rechtlichen Sender noch mehr zu fördern: "Wenn es den Privaten wirklich so schlecht ginge, müsste man die Öffentlich-Rechtlichen doch gerade stärken, damit wenigstens sie ordentlich weiter arbeiten können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2017 - Medien

Jennifer Schuessler berichtet in der New York Times, dass Leon Wieseltier, ehemals New Republic, sein neues Zeitschriftenprojekt zurückzieht, nachdem Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn laut wurden und die Stiftung, die sein Projekt finanzieren sollte, abgesagt hat. Gefördert wurde das Projekt vom Emerson Collective  der Steve-Jobs-Witwe Laurene Powell Jobs. Mehr dazu im Atlantic, wo Adrienne Lafrance über ein in amerikanischen Medienkreisen zirkulierendes Papier über "shitty media men" berichtet - ein Excel-Dokument, in dem Vorwürfe gegen Mediengranden zusammengefasst wurden ("der Atlantic ist im Besitz einer Kopie, veröffentlicht sie aber nicht, weil die Anschuldigungen anonym und nicht belegt sind").

Und der Telegraph meldet, dass Condé Nast wegen ähnlicher Vorwürfe nicht mehr mit dem Fotografen Terry Richardson zusammenarbeitet.

Rainer Wandler erkundet in der taz, was die Gleichschaltung Kataloniens durch die spanische Zentralregierung bedeutet, etwa für die Staatssender: "Die Redaktionsräte der staatlichen spanischen TVE und Radio Nacional haben sich hinter ihre katalanischen Kollegen gestellt. Im Gegensatz zum spanischen Staatsfernsehen TVE wurde der katalanische TV3 nie international wegen fehlender Ausgewogenheit gerügt. Und während sich TV3 zweistelliger Zuschauerzahlen erfreut, haben die Regionalsender dort, wo die PP regiert, fast alle Zuschauer verloren. 'Es gibt keine Partei, die die öffentlichen Medien so gängelt wie Rajoys PP', sagt Ramon Espuny (Kulturredakteur bei TV3)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2017 - Medien

Leon Wieseltier, Ex-Chefredakteur des New Republic, gibt ein neues Magazin heraus, Idea. Und er hat eine Mission, die er im Interview mit der NZZ erklärt: "Die wichtigste Aufgabe in diesen Zeiten ist es, ein Klima zu kreieren, in dem die Menschen sich ihre Meinungen auf der Grundlage von Evidenz und Vernunft bilden können. Wir leben in Zeiten einer extremen Verunsicherung. Nehmen Sie nur das Janusgesicht des Internets. Auf der einen Seite ist es das großartigste Medium, das je erfunden wurde, um die Wahrheit unter die Leute zu bringen. Auf der anderen Seite ist es das mächtigste Medium, um Lügen zu verbreiten. Die Hauptaufgabe von Intellektuellen besteht jetzt darin, den Leuten beizubringen, das eine vom anderen zu unterscheiden."
Stichwörter: Wieseltier, Leon, Evidenz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2017 - Medien

In Scharen laufen junge Leser den Traditionsmedien wie dem New Yorker oder Atlantic zu, berichtet  Jason Schwartz bei Politico. Zu verdanken haben sie es Donald Trump. Aber es gibt noch einen anderen Faktor, erzählt er und bezieht sich auf eine Studie Nic Newmans vom Reuters Institute: "Es besteht nach seinen Angaben eine starke Korrelation zwischen Leuten, die Streaming-Dienste für Musik und Video abonnieren und die für News bezahlen. 'Andere Online-Dienste haben die Leute gelehrt zu verstehen, was ein Abo ist', sagt Newman und nennt verschiedene Abo-Arten und Insider-Belohnungen. (Ein Teil der Korrelation ist natürlich auch daraus zu erklären, dass einfach genug verfügbares Einkommen da ist, konzediert Newman.)"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2017 - Medien

Die Ministerpräsidenten der Länder haben über die Öffentlich-Rechtlichen getagt. Für die Sender ist es gut gelaufen, berichtet Zeit online mit Agenturen - die Sender dürfen ihre Inhalte künftig länger im Internet zeigen: "Die Sieben-Tage-Regel nach der Onlineangebote, wie der 'Tatort', nach sieben Tagen von der Webseite genommen werden müssen, soll mit der Rundfunkreform fallen. 'Wir wollen das auflockern und verändern' sagte die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer. Sie steht der Rundfunkkommission der Länder vor. Die Rundfunkkomission ist außerdem unzufrieden mit den Sparbemühungen der Sender."

FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld hämmert den Sendern aber in einem ersten Kommentar vorsorglich schon mal ein, dss die Inhalte der Sender im Netz auf keinen Fall "presseähnlich" sein dürfen. Eine andere Wahrheit über die gestrigen Verhandlungen benennt Frank-Thomas Wenzel in der FR: "Die Ministerpräsidenten der Länder haben konkrete Beschlüsse zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vertagt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.10.2017 - Medien

Heute tagen die Ministerpräsidenten der Länder über die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen und deren Sparvorschläge: Pro-Sieben-Sat-1-Vorstand Conrad Albert wiederholt im Interview mit Caspar Busse von der SZ seine Forderung, etwas von den Gebühren der Öffentlich-Rechtlichen abzubekommen: "Der Inhalt zählt! Daher sind wir davon überzeugt, dass relevante Inhalte gefördert und finanziert werden sollten - und zwar unabhängig davon, wer sie sendet oder produziert - und nicht einzelne Sender oder Institutionen."