(Via
turi2) Der Begriff "
Staatsfunk" oder auch "Staatspresse" für die Online-Aktivitäten der
öffentlich-rechtlichen Sender hat die KollegInnnen aus den Sendern offenbar hart getroffen. Die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse" (AGRA)
veröffentlicht jetzt eine "Frankfurter Erklärung": "Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Zeitungsredaktionen, wir fühlen uns
diskreditiert, wenn Sie uns als Staatsfunk bezeichnen und uns damit unterstellen, dass wir uns
politisch steuern lassen. Das ist komplett abwegig. Wir fragen uns, warum Sie mit solchen Äußerungen unsere Arbeit verunglimpfen und sich damit selbst in die Nähe von
Rechtspopulisten stellen."
Mathias Döpfner, Vorsitzender des Verbands der Zeitungsverleger,
präzisiert seinen Standpunkt in einer Erklärung, die auch in der
Welt veröffentlicht ist: Er möchte, dass die Sender der
ARD (das
ZDF nimmt er ausdrücklich aus) ihre
Textangebote im Netz einschränken, damit auch die Zeitungen ihre kostenlosen Online-Angebote einschränken und von den Lesern Abogebühren verlangen können: "Unsere Forderung ist ganz einfach: Die Online-Angebote der
ARD sollten so aussehen wie die des
ZDF. Das heißt: im Wesentlichen auf Video und Audio-Angeboten basierend, der
Textanteil deutlich unter 30 Prozent. Die
ARD lehnt dies ab und gefährdet damit die
Arbeitsplätze Tausender Journalistinnen und Journalistenvon Zeitungen in Deutschland." Döpfner gibt in dem Text entgegen optimistischen Reden der Branche in den letzten Jahren zu, dass die Online-Angebote der Zeitungen
defizitär sind.
FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld, der sich zu den Angegriffenen zählen kann, konstatiert: "Wer Kritik übt, zumal grundsätzliche, wird mit der
AfD in einen Topf geworfen."
Stefan Niggemeier
spießt in seinen
Uebermedien an den Äußerungen Döpfners auf, dass Döpfner den Begriff "Staatspresse" für die Online-Angebote der Verlage als Beschreibung des
Ist-Zustands und nicht als Krisenszenario für die Zukunft gebraucht hat.
In einem
offenen Brief bitten die
Chefredakteure der größten europäischen und amerikanischen Qualitätspresse die
EU-Kommission darum, nach dem Mord an der maltesischen Bloggerin
Daphne Caruana Galizia die
Unabhängigkeit der Medien auf Malta zu überprüfen: "Den Mördern von Daphne darf es nicht gelingen, ihr offenkundiges Ziel zu erreichen: dass Daphnes Nachforschungen, welche die
Korruption auf der höchsten Ebene Maltas betreffen, zum Stillstand gebracht werden."