Die antiisraelische Bewegung
BDS (Boykott, Sanktionen, Desinvestitionen) wird heute zwanzig Jahre alt. "Die Kampagne ebnete den Weg für autoritäre Weltbilder, in denen der jüdische Staat zum
Inbegriff des Bösen wird, zum Endgegner, den es zu bekämpfen gelte",
schreibt Nicholas Potter in der
taz. Einen Grund zu feiern gibt es nicht, so Potter. Zu den Gründungsmitgliedern von BDS gehören Hamas, PFLP (Volksfront zur Befreiung Israels) und Palestinian Islamic Jihad. Man will Israel
ganz abschaffen. "Im Rausch des Israelhasses fällt BDS nach zwanzig Jahren vor allem mit einer
sturen Kompromisslosigkeit auf. Die Kampagne boykottiert selbst 'Standing Together', eine linke Bewegung in Israel, in der Araber und Israelis sich gemeinsam für den Frieden einsetzen, die BDS als 'Apartheid-Propaganda' bezeichnet, da sie Israel 'normalisiere'. BDS-Aktivisten rufen zunehmend zum Boykott nicht-israelischer Marken, Musiker, Wissenschaftler oder Institutionen auf, die im Nahostkonflikt
nicht '
auf Linie' sind, von Starbucks bis zur Berliner Volksbühne. Sie führen Listen ihrer politischen Gegner und begründen den Boykott mit fadenscheinigen Argumenten." In derselben Augabe der
taz macht sich die Aktivistin und Kolumnistin Charlotte Wiedemann Gedanken über die "Utopie eines
binationalen Israel-Palästina" nach Martin Buber.
Der Nahostexperte
Andrew Fox stellt auf seinem Blog den "
Dinah Project Report" (hier als pdf-
Dokument) vor, in dem einige Experten auf achtzig Seiten zusammenfassen, was es über die
sexuelle Gewalt am 7. Oktober zu sagen gibt. Fox hat auch die Videos gesehen, die nur ausgewähltem Publikum gezeigt wurden, und sogar einiges, was noch darüber hinausgeht, und ist sich mit den Experten über diesen häufig geleugneten oder relativierten Aspekt einig: "Die Anschläge vom 7. Oktober waren koordiniert, um Terror und Demütigung unter der israelischen Zivilbevölkerung zu maximieren, wobei Vergewaltigung und andere Formen sexueller Folter
als taktische Kriegswaffen eingesetzt wurden. Diese Schlussfolgerung hat erhebliches Gewicht; sie deutet darauf hin, dass es sich bei diesen Taten nicht um die infamen Handlungen einiger weniger Einzelpersonen handelte, sondern um Teil einer
geplanten Strategie zur Entmenschlichung und Terrorisierung einer Bevölkerung. Vom Völkermord des 'Islamischen Staats' an den Jesiden bis zu den Entführungen durch Boko Haram haben wir gesehen, dass sexuelle Gewalt in anderen Konfliktgebieten als
Kriegswaffe anerkannt wird. Jetzt verstehen wir, dass die Hamas in dieselbe Hall of Shame gehört."
Selbst wenn es jetzt auf Druck Donald Trumps zu einem "
Deal"
im Gazakrieg kommen sollte, werden wohl nicht alle der
verbliebenen Geiseln freikommen,
vermutet Sabine Brandes in der
Jüdischen Allgemeinen.
Nur zwanzig von den noch vermissten fünfzig sollen überhaupt noch leben. "Kurz bevor Premierminister Benjamin Netanjahu am Sonntag zum Staatsbesuch in die USA reiste, erhielt er einem Bericht des israelischen
Kanals 12 zufolge Informationen über den
Gesundheitszustand jeder einzelnen Geisel. Es heißt, diese Informationen werden voraussichtlich als Grundlage für die Entscheidung darüber dienen, wer im Rahmen eines Deals freikommt - und wer nicht." Bei einem möglichen Waffenstillstand sollen die Geiseln in einem
sehr langsamen Rhythmus innerhalb von sechzig Tagen freigelassen werden, so Brandes. Sie greift einige Geiseln, von denen man vermutet, dass sie noch leben, heraus: "
Alon Ohel, 24, werde derzeit allein gefangen gehalten. Seine Augen seien verletzt, er befinde sich in einem Zustand, der ihn einem
hohen Risiko der Erblindung aussetzt. Freigelassene Geiseln, die mit ihm zusammen in den Tunneln waren, darunter Eli Sharabi und Eliyah Cohen, bestätigten dies.
Matan Angrest, 21, wurde als Soldat entführt. Er wurde während des Kidnappings und während der Geiselhaft gefoltert. Ihm drohen
irreversible Behinderungen."