9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Überwachung

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2019 - Überwachung

Die Marionettisierung des chinesischen Volks schreitet voran. Schüler werden versuchsweise mit elektronischen Stirnbändern ausgestattet, die sie den ganzen Tag tragen müssen und die die Hirnströme messen, berichtet Oliver Nickel bei golem.de unter Bezug auf eine nicht online stehende Recherche des Wall Street Journal: "Die Gehirnwellensensoren werden in China selbst hergestellt und sind mit jeweils drei Elektroden ausgestattet. Kinder tragen die Geräte wie Stirnbänder den ganzen Tag lang. Die Daten sendet das System an den Hostcomputer der Lehrkraft. Diese kann damit etwa herausfinden, welche Schüler sich konzentrieren und welche nicht bei der Sache sind. In einer Zusammenfassung wird die Leistung der gesamten Klasse zusammengefasst, inklusive der Konzentrationslevel einzelner Kinder."

Da klingt Dorian Linkeys Guardian-Bericht über Risiken und Fehler der Alexa-Lautsprecher, mit denen sich Konsumenten freiwillig abhören lassen, fast harmlos.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.09.2019 - Überwachung

Edward Snowden hat ein autobiografisches Buch geschrieben. Deshalb erscheinen überall Interviews mit ihm und jede Zeitung tut so, als hätte sie ihr Interview weltexklusiv. In der Süddeutschen sagt er: "Wir sehen einen neuen Aufstieg des Autoritarismus. Verbunden mit immer neuen Überwachungsmethoden ist das eine gefährliche Entwicklung." Das Interview im Guardian darf man online lesen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2019 - Überwachung

In den USA mehren sich die Stimmen, die ein Verbot von Gesichtserkennung, besonders durch Behörden, fordern, berichtet Maria von Behring bei Netzpolitik. "Zuletzt verbat San Francisco die Anwendung von automatisierter Gesichtserkennung für städtische Behörden. Auch die Bundesstaaten New Hampshire und Oregon verbaten bereits ihren Einsatz." Gebündelt werde der Widerstand von der Plattform "Ban Facial Recognition": "Die über 30 mitgründenden Organisationen vertreten mehr als 15 Millionen Mitglieder. Ihr Argument: Automatisierte Gesichtserkennung sei eine der autoritärsten und am stärksten in die Intimsphäre eingreifenden Formen der Überwachung. Sie sei ungenau, diskriminierend gegenüber ohnehin benachteiligten Gruppen, angreifbar und gefährlich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.08.2019 - Überwachung

Der Essenslieferant Deliveroo gibt überraschend seinen Rückzug aus dem deutschen Markt bekannt. Es bleibt nurmehr der Konkurrent Lieferando, der sämtliche weitere Konkurrenten geschluckt hat. Maximilian Henning und Ingo Dachwitz fragen bei Netzpolitik, was nun mit den Daten der Deliveroo-Kunden geschieht: "Schon heute gibt Deliveroo einige Daten an Werbepartner weiter, 'damit diese sicherstellen könnten, dass Sie Werbung angezeigt bekommen, die für Sie relevant ist und die Ihnen E-Mail-Werbung in unserem Namen zusenden', so die Datenschutzbedingungen. Aber was ist eigentlich, wenn die Mutterfirma irgendwann mal pleite geht? Dann sind die umfangreichen Datensätze über Millionen Kundinnen ein wertvolles Asset, für das sich auch Versicherungen, Gesundheitsfirmen oder Datenhändler interessieren könnten." Die Netzpolitik-Autoren empfehlen Deliveroo-Kunden ihre Konten zu löschen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.08.2019 - Überwachung

Amazon, Google, Apple und Microsoft haben Assistenzsysteme entwickelt, die erlauben, dass Menschen mit ihnen sprechen. Bei allen vier Konzernen hat sich herausgestellt, dass sie ihre Kunden auch von Menschen abhören lassen, um die "Qualität zu verbessern". "Schmeißt die Assistenzwanzen aus dem Fenster", ruft Markus Reuter bei Netzpolitik: "Das Abhören der Mitschnitte durch Menschen ist nur das panoptische Sahnehäubchen dieser Systeme. Interessant ist auch, dass nur dieser Aspekt für einen Aufschrei sorgt. Das ganze System der Assistenzwanzen ist perfide: Die Geräte hören in der Regel Geräusche und Gespräche mit, laden diese auf Server der Datenkonzerne, speichern diese Mitschnitte und Anfragen, werten die Aufnahmen mit Software aus und legen Profile an. Das alles dient dem Ziel, die Kund:innen des Systems noch besser zu kennen, ihnen mehr zu verkaufen und ihnen dabei einen Komfortgewinn vorzugaukeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2019 - Überwachung

Die EKG-Kurven des Herzschlags sind so individuell wie ein Fingerabdruck und können zur Identifizierung von Personen eingesetzt werden. Geheimdienste, Armeen und Konzerne entwickeln Verfahren, den Herzschlag per Laser auf Distanz zu analysieren. Die Überwachung wird immer unausweichlicher, schreibt Daniél Kretschmar in der taz: "Mit jeder weiteren eingesetzten Technologie wird das Ergebnis eindeutiger, das Restrisiko einer falschen Identifizierung geringer. Das Geschäftsfeld auf dem Markt der Biometrie ist nicht zuletzt wegen des Sicherheitskomplexes riesig; und so ist es nicht verwunderlich, dass alle mitverdienen wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2019 - Überwachung

Im 5G-Netz wird Telefonieren deutlich sicherer, schreibt Matthias Monroy bei Netzpolitik, denn die Gespräche sind viel besser verschlüsselt als im jetzigen Handynetz: "Damit haben Polizeien und Geheimdienste ein Problem. Das Bundesinnenministerium kündigt deshalb mögliche Änderungen des Telekommunikationsgesetzes und der Telekommunikations-Überwachungsverordnung an. Mobilfunkanbieter in Deutschland wie O2, Vodafone und Telekom sollen dafür sorgen, dass die Metadaten entschlüsselter 5G-Verbindungen an den Netzknoten gespeichert werden."

Der Tagesspiegel bringt einen Essay, den der Web-Entwickler Maciej Ceglowski zunächst auf seinem Blog idlewords.com veröffentlichte. Wir leben längst in einer Überwachungsgesellschaft, schreibt er und fordert, dass Datenschutz nicht nur bestimmte Kategorien von personenbezogenen Daten, sondern auch die "Umgebungsprivatsphäre" schützt, also dafür sorgt, dass "unsere täglichen zwischenmenschlichen Interaktionen außerhalb von Überwachungsreichweiten stattfinden." "Ich bin überzeugt davon, dass die Umgebungsprivatsphäre eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt. Wenn alle Debatten unter dem Radar einer Software stattfinden, also unter Beobachtung durch ein gewinnorientiertes Medium, dessen Ziel ist, Nutzerverhalten zu beeinflussen, kann das dazu führen, dass das Entstehen eines gemeinsamen Realitätsbewusstseins verhindert wird. Das ist aber Voraussetzung für eine gesellschaftliche Selbstverwaltung. So gesehen wäre das Ende der Privatsphäre eine unumkehrbare Veränderung, denn wir wären nicht länger imstande, als Demokratie zu funktionieren." "Wir sind definitiv auf dem direkten Weg in eine Ära des digitalen Polizeistaates", schreibt auch Slavoj Zizek in der Welt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2019 - Überwachung

Amazon bietet nicht nur Sicherheitstechnik für Häuser, sondern drängt sie der amerikanischen Polizei geradezu als Überwachungsinstrument auf, berichtet Markus Reuter bei Netzpolitik: "Amazon hat mit seiner Überwachungsfirma 'Ring' eine Partnerschaft mit mehr als 200 Polizeidienststellen in den USA. Die Dienststellen bewerben das Heimüberwachungsprodukt Ring und die dazugehörige App, verteilen kostenlose Exemplare und erhöhen so die Videoüberwachungsrate in den Gemeinden. Derart angefertigte Aufnahmen lassen sich anschließend über ein spezielles Portal mit dem Namen 'Law Enforcement Neighborhood Portal' bei den Ring-Kunden anfragen."
Stichwörter: Amazon, Überwachung, Netzpolitik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.07.2019 - Überwachung

Der Überwachungskapitalismus schlägt zu. Caroline Haskins berichtet bei Vice, was der Vice-Dienst Motherboard herausgefunden hat: "Ring, die Home-Security-Firma von Amazon hat lokale Polizeibehörden in den USA aufgefordert, ihre Überwachungskameras zu bewerben. Zum Austausch dafür soll es kostenlose Ring-Produkte und ein 'Portal' geben, das es der Polizei erlaubt, Daten aus diesen Kameras abzurufen. So lautet eine Geheimvereinbarung, die Motherboard vorliegt. Die Vereinbarung fordert die Polizei auch auf, 'die Regelungen dieses Programms geheimzuhalten'."

Nicht nur die automatische Gesichtserkennung, sondern auch die Stimme bietet perfekte Überwachungsmöglichkeiten, schreibt der Philosoph und Physiker Marco Wehr in der NZZ: "Sie verrät dem Computer zum Beispiel, ob der Observierte depressiv ist oder Gefahr läuft, an Parkinson zu erkranken. Es gibt bereits Algorithmen, die Probanden umfassend charakterisieren und säuberlich in Schubladen einordnen. Die deutsche Firma Precire will die gesamte Persönlichkeit auf der Grundlage von Sprachdaten entschlüsseln. Sie ordnet Probanden in Kategorien ein wie 'selbstorganisiert', 'ausgeglichen' oder 'autonomiebedürftig' und verteilt Punkte. Es gibt bereits Unternehmen, welche die Software verwenden, um Bewerber zu bewerten. Wann werden Krankenversicherungen solche Mittel für ihre Zwecke nutzen? Laut der Informatikerin Julia Hirschberg von der Columbia State University ist die Bewertung der Persönlichkeit auf der Basis von Sprachdaten seriöse Wissenschaft. Sie selbst hat ein Programm entwickelt, das Lügner besser enttarnt als jede andere Methode."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2019 - Überwachung

Die Meldung geht durch viele Medien: Die Assistenzsysteme von Google werden auch von Menschen abgehört. Herausgefunden haben es Journalisten des belgischen Senders Vrt Nws. Unter anderen berichtet Markus Reuter in Netzpolitik: "Laut den Daten, die Vrt Nws vorliegen, sprang in etwa 15 Prozent der Fälle der Mitschneidemodus des Systems an, obwohl die Nutzer:innen nicht 'OK, Google' sagten. Das ist insbesondere bedeutsam, da für den Google Assistant gar kein Endgerät wie der Amazon Echo Dot nötig ist, sondern die App auf dem Mobiltelefon einfach mitschneidet. Bei den unaufgefordert mitgeschnittenen Konversationen handelte es sich unter anderem um Bettgespräche, Unterhaltungen zwischen Eltern und Kindern sowie berufliche Telefongespräche." Wir wünschen uns nun einen zweiten Artikel,der erklärt, wie man diese Systeme auf Computern und Smartphones zuverlässig deinstalliert.

Google steht dazu, schreibt Bavo Van den Heuve bi Vrt Nws: "In einer Reaktion auf den Vrt-Bericht, gesteht Google ein, weltweit mit Sprachexperten zu arbeiten, um die Sprachtechnologie zu verbessern. 'Dies geschieht, indem wir Transkripte einer kleinen Zahl von Audiosateien anfertigen', sagt der belgische Google-Sprecher. Er fügt hinzu, dass 'diese Arbeit von entscheidender Bedeutung ist, um Produkte wie google Assistent zu entwickeln'."