Im Grunde funktionieren alle Innovationen aus dem Silicon Valley wie die
Survival Tech, die man aus Brasilien kennt und bei der eine App warnt, dass man ein gefährliches Gebiet betritt,
meint Evgeny Morozov in der
SZ: An Armut und Kriminalität ändert sich nichts: "Die Pathologie bleibt bestehen: Wir passen uns einfach nur besser an, mit Sensoren, Karten, KI und Quantencomputern. Das wahre Prinzip heutiger Big Tech, von Regierungen sanktioniert und gefeiert, ist Innovation um der Erhaltung willen. Solche Programme mögen unter dem Banner der 'digitalen Transformation' gestartet und gefeiert werden, aber in Wirklichkeit implizieren sie sehr wenig bewusste und gesteuerte soziale Transformation. Vielmehr ist das, was unter diesem Label verkauft wird, genau das Gegenteil. Es ist die Vorstellung, dass Einzelpersonen und Institutionen sich an die technologische Welt um sie herum anpassen, sie jedoch nicht mehr verändern müssen."
Die Nachbarschafts-App
Nextdoor, eine Art Facebook, das Nachbarn untereinander verbinden will, ist in den USA schnell zu einer
Überwachungsapp geworden, die den schwelenden
Rassismus ihrer User offenlegt,
erkennt Adrian Daub dagegen in der
NZZ: "Menschen, die nicht aussehen, als gehörten sie in die Nachbarschaft, werden schnell
abfotografiert, und das Bild wird bei Nextdoor gepostet, im Sinne einer
Personenkontrolle via Crowdsourcing. Oder als Warnung an die Gemeinde, wiederum repräsentiert durch die User der App. (…) Jene Nutzer, die die Zeit und Energie aufbrachten, auf Nextdoor die Nachbarschaft zu überwachen, waren tendenziell wohlhabend und etabliert. Und jene, um die sie sich Gedanken machten, waren zumeist
Afroamerikaner oder Latinos, sie waren jung und sahen eben nicht so aus wie die User-Basis der App."