Egal, wie man dazu steht, der chinesische Arzt He Jiankui hat mit dem
Eingriff in die Keimbahn zweier Zwillings-Mädchen Fakten geschaffen,
meint der Mediziner Alois Gratwohl in der
NZZ. Da nützen Verbote nichts mehr. Zeit für eine Diskussion,
was für eine Art von Gentherapie wir künftig wollen: "Die gegenwärtige Diskussion betont einseitig die Verurteilung des Geschehenen. Sie riskiert eine Polarisierung der Gentherapie in eine 'gute somatische' und eine 'böse Keimbahn'-Gentherapie. Sie verdrängt, dass beide Therapieformen die
gleiche Technik anwenden, mit der Gefahr unbekannter Nebenwirkungen und Spätfolgen bei beiden. ... Die Zeit drängt. Dr. He hat einen irreversiblen Prozess ausgelöst. Er ist vergleichbar mit der
ersten Herztransplantation von Christian Barnaard im Jahr 1967. Auch damals wurden viele medizinische und gesellschaftliche Fragen aufgeworfen, wurde Neuland betreten. Über die Zeit hat es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dabei geschafft, international anerkannte '
guiding principles' für die Organ-, Zell- und Gewebetransplantation aufzustellen." Warum sollte das für die Gentherapie nicht wieder gelingen?