Thomas Thiel wirft der Darmstädter Soziologin
Cornelia Koppetsch in der
FAZ vor, einige Passagen ihres auch in der
FAZ höchst positiv besprochenen Buchs
"Die Gesellschaft des Zorns" quasi wörtlich von Autoren wie
Frank Biess "Republik der Angst" und
Andreas Reckwitz "Die Gesellschaft der Singularitäten" übernommen zu haben, ohne sie im Text selbst kenntlich zu machen (erst im Anhang des Buchs werden die zitierten Autoren offenbar genannt). Der Verlag hat das Buch zurückgezogen, die Autorin hat sich entschuldigt. Und als Journalist einer so seriösen Zeitung wie der
FAZ hat Thiel natürlich das Cachet zu mahnen: "Ein wissenschaftliches Sachbuch steht
auf vielen Schultern und muss sie benennen."
Der
Bayerische Rundfunk zeigt im
Video auf Twitter, wie
FAZ-Literaturchefin und Jury-Vorsitzende
Sandra Kegel das Buch noch während der Verleihung für den
Bayerischen Buchpreis öffentlich aus der Shortlist zurückzog. Und das obwohl laut Gustav Seibt in der
SZ die Vorwürfe gegen die Autorin schon seit 24. Oktober bekannt gewesen seien und der federführende Juror Knut Cordsen seit einer Woche zu der Sache recherchierte. "So wurde die Szene zu einem
öffentlichen Scherbengericht über die
anwesende Autorin. Diese war über die Vorwürfe informiert, hatte ihr Buch aber nicht zurückziehen wollen. Ein Austausch auf der Liste der Nominierten wäre, so Cordsen, auch nicht möglich gewesen. Koppetsch habe darauf vorbereitet sein müssen, dass über ihr Buch und die Vorwürfe geredet würde. Koppetsch versichert, sie sei zur Veranstaltung im Glauben gegangen, dass über ihr Buch dort nicht mehr diskutiert würde." Seibt verteidigt die Autorin: "Koppetschs Buch ist eine Synthese, Übernahmen fremder Argumente und Formulierungen werden dort generell nicht mit Seitenangaben in Fußnoten ausgewiesen, sondern durch
summarische Verweise auf die Bibliografie."