Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2025 - Literatur

In München erinnerte ein Abend in der Hermann Lenz Stiftung an Hanne Lenz, Ehefrau des Schriftstellers Hermann Lenz und Lektorin, berichtet Andreas Platthaus in der FAZ: "Die wenigen Texte, die wir von ihr kennen, zeigen, dass sie auch mindestens so gut wie er schrieb." Dort verlesen wurde auch eine ebenfalls in der FAZ dokumentierte Erinnerung Peter Handkes, der mit den Eheleuten gut befreundet war. Jakob Goubran erzählt im Standard von seinem Besuch in der Buchhandlung, die Sophie Semin-Handke vor zwei Jahren in Paris eröffnet hat und ihrer Kundschaft auch Bücher in deutscher Sprache anbietet. In der SZ gratuliert Martina Knoben Walt Disneys Lustigem Taschenbuch zur 600. Ausgabe. "Unter Einsatz der eigenen, menschlichen Intelligenz geschriebene Bücher sind inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr", stellt Mario Löhndorf in der NZZ fest angesichts dessen, dass Sarah Hall ihr neues Buch "Helm" mit dem Aufkleber "Human Written" in den Handel bringen wird (mehr dazu bereits hier).

Besprochen werden unter anderem der Briefwechsel zwischen Heinrich Böll und Ingeborg Bachmann (Standard), Georgi Gospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (NZZ), Paul Lynchs "Jenseits der See" (FR) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Jule Wellerdieks "Kalle will nicht knuddeln" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.07.2025 - Literatur

Die taz dokumentiert die Dankesrede, die Serhij Zhadan zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur gehalten hat. Darin argumentiert der ukrainische Schriftsteller, dass Literatur vor dem Krieg scheitern und trotzdem davon künden muss. "Es ist eine Sache, ob du es mit Ungerechtigkeit und Mitgefühl in einem Buch zu tun hast, und eine ganz andere, wenn du all das in deinem Nachbarviertel siehst", denn "die Erfahrung, sich im Vorhof der Hölle zu befinden, lässt sich nicht imitieren oder imaginieren - das lässt sich ausschließlich persönlich erleben." Unsere Sprache "hat ihre Leichtigkeit verloren. An ihre Stelle ist der Schmerz getreten. Viel Schmerz. Diese übermäßige Präsenz des Schmerzes deformiert die Sprache, nimmt ihr das Gleichgewicht. Wir sprechen heute die Sprache von Menschen, die unbedingt gehört werden wollen, die sich zu erklären versuchen. Dahinter steckt kein übertriebener Egozentrismus. Wir schreien nicht, um die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken - wir schreien, um die Aufmerksamkeit auf jene zu lenken, denen es schlechter geht als uns, denen es ganz besonders schlecht geht, die es schwer haben, die leiden. Wir schreien für jene, die im Moment nicht sprechen können, die ihrer Stimme beraubt sind, die ihres Herzschlags beraubt sind."

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Andreas Isenschmid erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ an den Schriftsteller Chaim Nachman Bialik, der im Laufe der Zeit ziemlich in Vergessenheit geraten ist, vor 100 Jahren aber der international gefeierte "Nationaldichter des Berliner Judentums" gewesen ist. "Niemand hat dem Hebräischen damals so viel Musikalität, Raffinement und Freiheit gegeben wie Bialik in seinen glühend aktuellen Gedichten. Er wurde zu einer Art Popstar. ... Der junge Gershom Scholem wurde 1916 'nicht müde', Bialiks Zionslieder zu singen. Und Paul Celan hatte Bialiks Liebesgedicht 'Hachnissini' in der deutschen Vertonung so sehr im Ohr, dass er 1939 in seinem Gedicht 'Dornenkranz' darauf anspielte. Und hatte das Gedicht noch immer im Ohr, als er es 1969 bei seinem Besuch in Israel seiner Geliebten Ilana Shmueli aufsagte und Bialiks Titelzeile später in seinem Gedicht 'Mandelnde', an Shmueli erinnernd, hebräisch zu seiner Schlusszeile machte: 'Hachnissini', zu Deutsch 'Nimm mich in dich'. ... So vieles wurde nach dem Holocaust aus Israel übersetzt, vom Nationaldichter Bialik aber waren es vier Seiten in einer Anthologie des Sohnes von Bin Gorion und die elf Seiten von Richard Chaim Schneiders Übersetzung aus dem Jiddischen. Die in diesem Frühjahr erschienene Erzählsammlung 'Wildwuchs' ist ein Anfang, der kein Ende bleiben sollte."

Der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel konnte für die FAZ Martin Walsers von einem Freund des Autors verwahrte und der Öffentlichkeit bislang gänzlich unbekannte Erzählung "Excelsior / Eine Ergänzung" lesen. Darin schrieb sich der 2023 gestorbene Schriftsteller seinen Ärger über die Debatte um seine Paulskirchenrede von 1998 vom Leibe. Der Suhrkamp Verlag riet damals dazu, den Text unveröffentlicht zu lassen, um die Kontroverse nicht weiter eskalieren zu lassen. Die "satirisch intendierte" Kurzgeschichte besteht nahezu ausschließlich aus der "rechthaberischen Suada" eines Professors namens Wesensdonk, der den Schriftsteller Hans Lach für Ansichten tadelt, die wiederum Walser in seiner Paulskirchenrede vertreten hat. "Es gibt wohl zwei Momente, die ihn zum Einen historisch bemerkenswert und zum anderen aktuell bedeutungsvoll machen. Zum einen dokumentiert sich in ihm die anhaltende und mit teilweise infamen Verdächtigungen und Vorwürfen einhergehende Tribunalisierungssituation, der Walser sich um 2002/03 ausgesetzt sah. ... Zum anderen wird in 'Excelsior' das literarisch vorgestellt, was Walser nach seinen 'Erfahrungen mit einer Sonntagsrede' befürchtete: eine zunehmende Einengung des Rechts auf freie Meinungsäußerung im Namen eines vermeintlich historischen Besserwissens und einer vermeintlich höheren politischen Moral."

Weitere Artikel: Marc Reichwein porträtiert für die WamS den von Eisenbahnen besessenen Schriftsteller Jaroslav Rudiš. Richard Kämmerlings verweist in der Welt auf Berühungspunkte zwischen Elias Canetti und dem US-Milliardär Peter Thiel, der hinter Trump diverse Strippen zieht. FR-Kritiker Christian Thomas fügt seiner ukrainischen Bibliothek Radomyr Mokryks "Die ukrainischen ,Sechziger'" hinzu. Und Erhard Schütz empfiehlt im Freitag neue Sachbücher.

Besprochen werden unter anderem Esther Kinskys Gedichtzyklus "Heim.Statt" (taz), neue Comics, darunter Isabel Kreitz' "Die letzte Einstellung" (taz), Friedl Benedikts "Warte im Schnee vor Deiner Tür" (taz), Silke Scheuermanns Lyrikband "Zweites Buch der Unruhe" (FR) und Katie Kitamuras "Die Probe" (FAS).

In der Frankfurter Anthologie schreibt Werner von Koppenfels über John Donnes "Geistliches Sonett":

"Zeig, Christus, deine Braut mir, licht und klar.
Wie, ist es die Geschminkte überm Meer ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.07.2025 - Literatur

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Andreas Platthaus lässt in der FAZ bereits in den Bücherherbst blicken und berichtet von seinen Vorablektüren: Mit "Einen Vulkan besteigen" von Annette Pehnt kommt nächste Woche "ein höchst ungewöhnliches Buch" heraus - es wurde nämlich in Einfacher Sprache verfasst. Der "beste Roman dieses Bücherherbstes" ist für ihn allerdings Dorothee Elmigers in Guatemala angesiedelter "Die Holländerinnen", "eine aktualisierende Hommage an Joseph Conrads berühmte Erzählung 'Herz der Finsternis', was einmal auch durchs explizite Zitieren der berühmtesten Formulierung daraus klargestellt wird: 'der Horror, der Horror'. Und der, so wird von der erzählten Erzählerin ausgeführt, 'liege naturgemäß außerhalb der Sprache'. Natürlich weiß Dorothee Elmiger selbst es besser. Und führt es vor. In diesem Roman wird demonstriert, was aus dem Wissen um und dem Umgang mit Klassikern zu gewinnen ist. Und zwar durch unmittelbare Anknüpfung, nicht durch die gängige Neukombination von deren Versatzstücken."

Weiteres: Im FAZ-Kommentar traut Paul Ingendaay einer KI nicht einmal so weit wie er sein Smartphone werfen kann, auch wenn diese ihm versichert, dass KIs die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern niemals wird ersetzen können. Besprochen werden unter anderem Ta-Som Helena Yuns "Oh Sunny" (FR), Alexandra Wilsons Krimi "Die feindliche Zeugin" (FR), der von Stephan Füssel herausgegebene vierte Band der "Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert" (FAZ) und Maxim Billers Novelle "Der unsterbliche Weil" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2025 - Literatur

In einem Zeit-Essay fragt sich die Krimi-Autorin Simone Buchholz, wie sie leben will, wenn sie mal alt ist: Sie sieht sich jedenfalls sehr gern als "liebende, mächtige Hexe, nicht zu gefährlich, aber doch ein bisschen". Frank Schulz schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den norwegischen Schriftsteller Ingvar Ambjørnsen.

Besprochen werden unter anderem der erste Band aus Taiyo Matsumotos Manga-Trilogie "Tokyo dieser Tage" (FAZ.net), Herbert Kapfers "Der Planet diskreter Liebe" (online nachgereicht von der FAZ), Mary Horlocks Kriminalroman "Das Geheimnis von Little Sark" (FR), die ersten Bände der kommentierten Gesamtausgabe von Elias Canetti (FAZ), Rachel Kushners "See der Schöpfung" (Zeit) und Katie Kitamuras "Die Probe" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.07.2025 - Literatur

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In Großbritannien soll "Helm", der neue Roman der britischen Autorin Sarah Hall auf eigenen Wunsch mit dem Etikett "Human Written" erscheinen, in den USA bietet die Autorengilde mit dem Hinweis "Human Authored" ähnliche Zertifikate für Bücher an, sofern beim Verfassen auch auf den stützenden Einsatz von ChatGPT verzichtet wurde. "Über den Unterschied zwischen den Aussagen, etwas sei von einem Menschen 'geschrieben' oder es bestehe menschliche 'Autorschaft', könnte man ein interessantes literaturwissenschaftliches Proseminar halten", stellt dazu Marie Schmidt in der SZ fest. "Die Forschung der vergangenen Jahrzehnte hat sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit der Mensch überhaupt Autor seiner Gedanken und Worte ist - oder ob die nicht alle irgendwo angelesen, abgehört, gesamplet und wieder ausgespuckt sind. In der Literaturtheorie gilt der Autor als tot, dass er auf literarischen Gütesiegeln jetzt wieder aufersteht, hat mit einem wachsenden Bedürfnis zu tun, Menschenwerk von Machwerken künstlicher Intelligenz zu unterscheiden."

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In der Perlentaucher-Kolumne "Wo wir nicht sind" stellt Thekla Dannenberg "Lilianas unvergänglicher Sommer" vor, ein Buch, in dem die mexikanische Historikerin und Schriftstellerin Cristina Rivera Garza an ihre dreißig Jahre zuvor ermordete Schwester erinnert: "Sie war zwanzig Jahre alt, studierte Architektur in Mexiko-Stadt und führte das Leben einer selbstbewussten, unabhängigen jungen Frau. Getötet wurde sie von ihrem Ex-Freund, der eben diese Eigenständigkeit nicht akzeptieren wollte. Die Fakten zu diesem Fall scheinen mehr oder weniger geklärt: Die Polizei hat Ángel González Ramos als Täter ermittelt und zur Fahndung ausgeschrieben, sich aber nicht um seine Festnahme bemüht und den Fall nach wenigen Tagen - als Totschlag - zu den Akten gelegt. ... Obwohl der Femizid seit 2010 in Mexiko als eigener Strafbestand geahndet wird, wurden zwischen 2018 und 2020 noch immer 11.200 Frauen und Mädchen getötet - das sind mehr als zehn Frauen pro Tag. Doppelt so viele Frauen sind verschwunden (mehr dazu hier)."

Besprochen werden eine Ausstellung über die Comiczeichnerin Alison Bechdel im Cartoonmuseum Basel (FAZ), Gabriel Yorans Essay "Die Verkrempelung der Welt" (FR), Tommy Wieringas "Nirwana" (FR), Nicolas Mathieus "Jede Sekunde" (Standard), Seán Hewitts Debütroman "Öffnet sich der Himmel" (NZZ), Hugo Lindenbergs "Die imaginäre Nacht" (Jungle World) und Karl Ove Knausgårds "Die Schule der Nacht" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.07.2025 - Literatur

Die FAZ widmet sich in einem Schwerpunkt dem Thema "KI in der Übersetzung". In der Branche schrillen durchaus einige Alarmglocken. Hochspezialisierte Übersetzerinnen und Übersetzer machen sich aber - zumindest derzeit - weniger Sorgen: "Geschützt fühlen sich manche Übersetzerinnen durch kulturelles Spezialwissen oder die Exotik ihrer Sprache, was eigene kleine Märkte mit besonderen Bedingungen schafft. 'Da Japanisch die KI heillos überfordert', schrieb uns Verena Maser, 'mache ich mir zumindest in der Hinsicht keine Gedanken um einen Berufswechsel'. ... Sabine Müller, die aus dem Indonesischen übersetzt, sieht den Menschen gegenüber der Maschine auch deshalb im Vorteil, weil es häufig persönliche Kontakte der Übersetzerin zu den (meist kleinen) Verlagen gebe, die aus weniger gefragten Literatursprachen ins Deutsche übersetzen lassen. Im eigenen Fall seien Kenntnisse der Geschichte, der Kultur und auch der Literaturen Indonesiens unerlässlich. Zu solchen Nuancierungen sei die KI nicht fähig. Gleichwohl bleibe, so Müller, ein Gefühl der Gefährdung. ... Ähnlich drückte es Freyja Melsted aus, deren Fremdsprache das Isländische ist. Die Verlage hätten ihr vermittelt, dass sie ihr Wissen um kulturelle Kontexte zu schätzen wüssten. 'Vieles davon', so Melsted, 'steht nirgendwo im Internet und ist somit für die KI unzugänglich.'"

Ganz anders sieht es offenbar mit leicht übersetzbarer Literatur aus. Bei einem auf Genre und leichte Kost spezialisierten Verlag wie Bastei Lübbe scheinen die Dämme schon gebrochen zu sein. Die Übersetzerin Janine Malz machte vor einiger Zeit öffentlich, dass der Verlag sie damit beauftragen wollte, eine KI-Übersetzung ins Reine zu übertragen - und das für ein Viertel des sonst üblichen Honorars. "Die Unverfrorenheit hat mich am meisten schockiert", sagt sie im FAZ-Gespräch gegenüber Paul Ingendaay. "Man bot mir keinen Übersetzungsvertrag, sondern einen Redaktionsvertrag an." In ersterem "werde ich als Urheberin genannt, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ich verkaufe also nicht mein Urheberrecht, sondern nur ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht. Außerdem werde ich als Übersetzerin am Gewinn beteiligt, nämlich mit 0,8 Prozent des Nettoladenpreises ab 5.000 verkauften Exemplaren. ... Und man nimmt damit an den Ausschüttungen der VG Wort teil." Ein Redaktionsvertrag hingegen ist also "ein weiterer Schritt in die Selbstausbeutung. Weil ich zu einem sehr viel niedrigeren Honorar einen schlechten Text aufpolieren soll, dafür aber weder Urheberrecht noch Beteiligung sehe. Eine Lose-lose-Situation."

Außerdem: Leonard Hillmann erzählt im Tagesspiegel die Geschichte der "Fantastic Four", auf denen das Marvel-Comicimperium seinen Erfolg aufbaute. Besprochen werden unter anderem Isabel Kreitz' Comic "Die letzte Einstellung" (NZZ), Claudio Magris' "Kreuz des Südens" (Standard), Henning Sußebachs "Anna oder: Was von einem Leben bleibt" (Tsp), Martina Clavadetschers "Die Schrecken der anderen" (FR), Raphaëlle Reds "Adikou" (Intellectures) und die Erstausgabe von Michail Kusmins im Original vor fast 100 Jahren erschienenem Gedichtband "Der Engel der Verwandlung ist zurück" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.07.2025 - Literatur

Der österreichische Schriftsteller Robert Prosser erzählt in einer großen Reportage für den Standard von seiner Reise in die Ukraine, zu einem Literaturfestival in Charkiw, aber auch zu vom Krieg gezeichneten Orten in der Provinz. Kennengelernt hat er dort Literaten, die selbst im Krieg kämpfen und dies literarisch verarbeiten. Etwa die Drohnenpilotin Jaryna Tschornohus, die in Charkiw ihren dritten Gedichtband vorstellt. Es sind "Texte, die mit Verweisen auf Celan und Plath die Sicht einer Soldatin abseits der propagierten Stereotype verhandeln. Im Gespräch wechseln wir zwischen dem Leben an der Front und dem Schreiben, beides ist für Jarina eng miteinander verwoben. Vor wenigen Monaten fielen zwei ihrer Kameraden, die Lebenden verliert man, und die Toten sind nicht aus der Erinnerung zu scheuchen. Einmal sagt sie einen Satz, von dem ich nicht weiß, ob er aus ihren Texten stammt oder ihr eigenes Empfinden ausdrückt: Sometimes you want to die, just to get rid of the emptiness."

Weiteres: Philipp Schröder amüsiert sich in einer FAZ-Glosse darüber, dass der britische Faber-Verlag den neuen Roman von Sarah Hall mit dem Aufkleber "Human Written" in den Handel bringen will. In der FAZ gratuliert Birte Förster der Lyrikerin Wendy Cope zum 80. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem Gabriel Yorans Essay "Die Verkrempelung der Welt" (NZZ), Benjamin Myers' "Strandgut" (Presse) und neue Hörbücher, darunter Pascal Houdus' Lesung von Kaleb Erdmanns Roman "Die Ausweichschule " (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.07.2025 - Literatur

Andreas Platthaus erzählt im "Literarischen Leben" der FAZ von seiner Reise zu den Philippinen, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse im kommenden Oktober. Hier kommt der Literatur auch die Funktion des Nation Building zu, schreibt Platthaus: Die meisten Romane werden auf Englisch geschrieben, auch weil "auf den 7641 Inseln mehr als 180 Sprachen gesprochen werden". Englisch hingegen "können alle Filipinos lesen. Sofern sie lesen. Daran indes mangelt es im Netzzeitalter, wie man in Gesprächen mit Autoren, Verlegern und Buchhändlern erfährt." Vom Auftritt in Frankfurt "verspricht man sich viel im Land. Etwa eine Million Euro sollen dafür in diesem Jahr als Budget lockergemacht werden - nicht wenig für einen Staat, in dem gerade die öffentlichen Kulturausgaben radikal beschnitten worden sind. Entsprechend skeptisch schauen manche Künstler, auch Autoren, auf den Brocken Geld für das Frankfurt-Projekt. Andererseits stellt er einen Spottpreis dar angesichts der Aussicht auf weltweite Aufmerksamkeit, die die offizielle Delegation mit etwa 140 Angehörigen des philippinischen literarischen Lebens befeuern will. Insgesamt werden sogar fast 300 Filipinos zur Buchmesse reisen, denn etliche Buchmenschen kommen auf eigene Kosten. Zum Vergleich: Das ungleich reichere Gastland Italien schickte im vergangenen Jahr hundert Schriftsteller nach Frankfurt."

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Weiteres: Die FAZ dokumentiert die Laudatio des Schriftstellers Deniz Utlu auf Kim Hyesoon, die gerade für ihren von Uljana Wolf und Sool Park übersetzten Gedichtband "Autobiographie des Todes" im Berliner Haus der Kulturen der Welt mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Hernán D. Caro spricht für die FAS mit der mexikanischen Schriftstellerin Cristina Rivera Garza über ihren (heute auch in der taz besprochenen) Roman "Lilianas unvergänglicher Sommer" und Femizide in Mexiko (ein weiteres Gespräch mit Garza zum selben Thema haben wir bereits hier resümiert). Die FAZ eröffnet anlässlich von 75 Jahren Friedenspreis eine Reihe, für die Schriftsteller sich über historische Dankesreden beugen: Zum Auftakt schreibt Artur Weigandt über Václav Havels Rede von 1989. Michael Schilliger erzählt in einer Reportage für die NZZ von seiner Reise tief in die rumänische Provinz zur 84-jährigen Ileana Ivascu, die im hohen Alter die Literatur für sich entdeckt und im Zuge mit ihren Buchbesprechugen auf TikTok die Herzen des Social-Media-Publikums erobert hat. Im Literaturfeature des Dlf Kultur blickt Maike Albath darauf, wie sich die italienische Literatur mit dem Faschismus auseinandersetzt.

Besprochen werden unter anderem Anne de Marckens "Es währt für immer und dann ist es vorbei" (taz), Mirko Bonnés Lyrikband "Wege durch die Spiegel" (FR), Susan Taubes' "Klage um Julia und andere Geschichten" (FAZ) und Hubert Winkels' Memoiren "Die Hände zum Himmel" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Jürgen Kaube über Wendy Copes "Das Problem abgrenzen":

"Dir vergeben kann ich nicht. Und selbst wenn,
Du würdest nie verzeihen ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.07.2025 - Literatur

Annette Kögel porträtiert im Tagesspiegel die aus Syrien nach Deutschland geflüchtete Comiczeichnerin Reem Helou, die einen Comic über ihre Fluchtgeschichte via Crowdfunding finanzieren will. Die Tagesspiegel-Jury hat die besten Comics des Quartals gekürt, meldet Lars von Törne. Auf der Spitzenposition: "Die letzte Einstellung" von Isabel Kreitz. Besprochen werden unter anderem Yanick Lahens' "Mondbad" (FR) und Jonas Hassen Khemiris "Die Schwestern" (NZZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.07.2025 - Literatur

Mit 39 "ein- bis dreiminütigen Miniaturen zum Phänomen des Nebels" hat Judith Schalansky ihre Frankfurter Poetikvorlesung abgeschlossen, berichtet Andreas Platthaus in der FAZ. Die Autorin zieht zu diesem Zweck zahlreiche Schriftsteller heran. Eine systemische Erklärung des Nebels gibt es nicht, doch "all die scheinbar unverbundenen verschwommenen, gespenstischen oder nebulösen Ausführungen ihrer Gewährsleute verdichtet Schalansky dann doch noch zu einer Ursuppe des Schreibens, aus der alles entstehen kann - oder nichts. Das obliegt dem Zufall und dem harten Naturgesetz, zwei gegensätzlich anmutenden Faktoren, die aber für das Werk der Schriftstellerin Judith Schalansky zentrale Motive sind. Ihre Ästhetik strebt bei aller sprachlichen Kunstfertigkeit, die in Frankfurt dreimal in Vollendung vorgeführt wurde, keine Künstlichkeit an, sondern ein an der Aufklärung geschultes Weltverständnis, das, je eleganter formuliert, desto leichter vermittelbar ist."

Besprochen werden unter anderem Bea Davies' Comic "Super-GAU" über Fukushima und die Folgen (FAZ.net), Birgit Weyhes Comic "Schweigen" (der "beste deutschsprachige Comic der Saison", schwärmt Thomas Hummitzsch auf Intellectures), Esther Dischereits "Eine Handvoll Dollarscheine" (taz), Martin R. Deans Essaysammlung "In den Echokammern des Fremden" (NZZ), Magdalena Rutovás "Das Kraken-Tagebuch" (FR), Abubakar Adam Ibrahims "Zeit der Glühwürmchen" (FAZ) und Julian Schütts Max-Frisch-Biografie (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.