In München erinnerte ein Abend in der Hermann Lenz Stiftung an HanneLenz, Ehefrau des Schriftstellers Hermann Lenz und Lektorin, berichtet Andreas Platthaus in der FAZ: "Die wenigen Texte, die wir von ihr kennen, zeigen, dass sie auch mindestens so gut wie er schrieb." Dort verlesen wurde auch eine ebenfalls in der FAZ dokumentierte Erinnerung PeterHandkes, der mit den Eheleuten gut befreundet war. Jakob Goubran erzählt im Standard von seinem Besuch in der Buchhandlung, die SophieSemin-Handke vor zwei Jahren in Paris eröffnet hat und ihrer Kundschaft auch Bücher in deutscher Sprache anbietet. In der SZ gratuliert Martina Knoben Walt Disneys Lustigem Taschenbuch zur 600. Ausgabe. "Unter Einsatz der eigenen, menschlichen Intelligenz geschriebene Bücher sind inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr", stellt Mario Löhndorf in der NZZ fest angesichts dessen, dass SarahHall ihr neues Buch "Helm" mit dem Aufkleber "HumanWritten" in den Handel bringen wird (mehr dazu bereits hier).
Besprochen werden unter anderem der Briefwechsel zwischen HeinrichBöll und IngeborgBachmann (Standard), GeorgiGospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (NZZ), Paul Lynchs "Jenseits der See" (FR) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter JuleWellerdieks "Kalle will nicht knuddeln" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die tazdokumentiert die Dankesrede, die SerhijZhadan zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur gehalten hat. Darin argumentiert der ukrainische Schriftsteller, dass Literatur vor dem Krieg scheitern und trotzdem davon künden muss. "Es ist eine Sache, ob du es mit Ungerechtigkeit und Mitgefühl in einem Buch zu tun hast, und eine ganz andere, wenn du all das in deinem Nachbarviertel siehst", denn "die Erfahrung, sich im Vorhof der Hölle zu befinden, lässt sich nicht imitieren oder imaginieren - das lässt sich ausschließlich persönlich erleben." Unsere Sprache "hat ihre Leichtigkeit verloren. An ihre Stelle ist der Schmerz getreten. Viel Schmerz. Diese übermäßige Präsenz des Schmerzes deformiert die Sprache, nimmt ihr das Gleichgewicht. Wir sprechen heute die Sprache von Menschen, die unbedingt gehört werden wollen, die sich zu erklären versuchen. Dahinter steckt kein übertriebener Egozentrismus. Wir schreien nicht, um die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken - wir schreien, um die Aufmerksamkeit auf jene zu lenken, denen es schlechter geht als uns, denen es ganz besonders schlecht geht, die es schwer haben, die leiden. Wir schreien für jene, die im Moment nicht sprechen können, die ihrer Stimme beraubt sind, die ihres Herzschlags beraubt sind."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Andreas Isenschmid erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ an den SchriftstellerChaim Nachman Bialik, der im Laufe der Zeit ziemlich in Vergessenheit geraten ist, vor 100 Jahren aber der international gefeierte "Nationaldichter des Berliner Judentums" gewesen ist. "Niemand hat dem Hebräischen damals so viel Musikalität,RaffinementundFreiheit gegeben wie Bialik in seinen glühend aktuellen Gedichten. Er wurde zu einer Art Popstar. ... Der junge GershomScholem wurde 1916 'nicht müde', Bialiks Zionslieder zu singen. Und PaulCelan hatte Bialiks Liebesgedicht 'Hachnissini' in der deutschen Vertonung so sehr im Ohr, dass er 1939 in seinem Gedicht 'Dornenkranz' darauf anspielte. Und hatte das Gedicht noch immer im Ohr, als er es 1969 bei seinem Besuch in Israel seiner Geliebten Ilana Shmueli aufsagte und Bialiks Titelzeile später in seinem Gedicht 'Mandelnde', an Shmueli erinnernd, hebräisch zu seiner Schlusszeile machte: 'Hachnissini', zu Deutsch 'Nimm mich in dich'. ... So vieles wurde nach dem Holocaust aus Israel übersetzt, vom Nationaldichter Bialik aber waren es vier Seiten in einer Anthologie des Sohnes von Bin Gorion und die elf Seiten von Richard Chaim Schneiders Übersetzung aus dem Jiddischen. Die in diesem Frühjahr erschienene Erzählsammlung 'Wildwuchs' ist ein Anfang, der kein Ende bleiben sollte."
Der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel konnte für die FAZMartin Walsers von einem Freund des Autors verwahrte und der Öffentlichkeit bislang gänzlich unbekannte Erzählung "Excelsior / Eine Ergänzung" lesen. Darin schrieb sich der 2023 gestorbene Schriftsteller seinen Ärger über die Debatte um seine Paulskirchenredevon1998 vom Leibe. Der Suhrkamp Verlag riet damals dazu, den Text unveröffentlicht zu lassen, um die Kontroverse nicht weiter eskalieren zu lassen. Die "satirisch intendierte" Kurzgeschichte besteht nahezu ausschließlich aus der "rechthaberischen Suada" eines Professors namens Wesensdonk, der den Schriftsteller Hans Lach für Ansichten tadelt, die wiederum Walser in seiner Paulskirchenrede vertreten hat. "Es gibt wohl zwei Momente, die ihn zum Einen historisch bemerkenswert und zum anderen aktuell bedeutungsvoll machen. Zum einen dokumentiert sich in ihm die anhaltende und mit teilweise infamen Verdächtigungen und Vorwürfen einhergehende Tribunalisierungssituation, der Walser sich um 2002/03 ausgesetzt sah. ... Zum anderen wird in 'Excelsior' das literarisch vorgestellt, was Walser nach seinen 'Erfahrungen mit einer Sonntagsrede' befürchtete: eine zunehmende Einengung des Rechts auf freie Meinungsäußerung im Namen eines vermeintlich historischen Besserwissens und einer vermeintlich höheren politischen Moral."
Weitere Artikel: Marc Reichwein porträtiert für die WamS den von Eisenbahnen besessenen SchriftstellerJaroslavRudiš. Richard Kämmerlings verweist in der Welt auf Berühungspunkte zwischen EliasCanetti und dem US-Milliardär PeterThiel, der hinter Trump diverse Strippen zieht. FR-Kritiker Christian Thomas fügt seiner ukrainischen Bibliothek RadomyrMokryks "Die ukrainischen ,Sechziger'" hinzu. Und Erhard Schütz empfiehlt im FreitagneueSachbücher.
Besprochen werden unter anderem EstherKinskys Gedichtzyklus "Heim.Statt" (taz), neue Comics, darunter IsabelKreitz' "Die letzte Einstellung" (taz), Friedl Benedikts "Warte im Schnee vor Deiner Tür" (taz), SilkeScheuermanns Lyrikband "Zweites Buch der Unruhe" (FR) und KatieKitamuras "Die Probe" (FAS).
In der Frankfurter Anthologie schreibt Werner von Koppenfels über JohnDonnes "Geistliches Sonett":
"Zeig, Christus, deine Braut mir, licht und klar. Wie, ist es die Geschminkte überm Meer ..."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Andreas Platthaus lässt in der FAZ bereits in den Bücherherbst blicken und berichtet von seinen Vorablektüren: Mit "Einen Vulkan besteigen" von AnnettePehnt kommt nächste Woche "ein höchst ungewöhnliches Buch" heraus - es wurde nämlich in Einfacher Sprache verfasst. Der "beste Roman dieses Bücherherbstes" ist für ihn allerdings DorotheeElmigers in Guatemala angesiedelter "Die Holländerinnen", "eine aktualisierende Hommage an Joseph Conrads berühmte Erzählung 'Herz der Finsternis', was einmal auch durchs explizite Zitieren der berühmtesten Formulierung daraus klargestellt wird: 'derHorror, derHorror'. Und der, so wird von der erzählten Erzählerin ausgeführt, 'liege naturgemäß außerhalb der Sprache'. Natürlich weiß Dorothee Elmiger selbst es besser. Und führt es vor. In diesem Roman wird demonstriert, was aus dem Wissen um und dem Umgang mit Klassikern zu gewinnen ist. Und zwar durch unmittelbare Anknüpfung, nicht durch die gängige Neukombination von deren Versatzstücken."
Weiteres: Im FAZ-Kommentar traut Paul Ingendaay einer KI nicht einmal so weit wie er sein Smartphone werfen kann, auch wenn diese ihm versichert, dass KIs die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern niemals wird ersetzen können. Besprochen werden unter anderem Ta-SomHelenaYuns "Oh Sunny" (FR), Alexandra Wilsons Krimi "Die feindliche Zeugin" (FR), der von StephanFüssel herausgegebene vierte Band der "Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert" (FAZ) und MaximBillers Novelle "Der unsterbliche Weil" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In einem Zeit-Essay fragt sich die Krimi-AutorinSimoneBuchholz, wie sie leben will, wenn sie mal alt ist: Sie sieht sich jedenfalls sehr gern als "liebende, mächtigeHexe, nicht zu gefährlich, aber doch ein bisschen". Frank Schulz schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den norwegischen Schriftsteller IngvarAmbjørnsen.
Besprochen werden unter anderem der erste Band aus Taiyo Matsumotos Manga-Trilogie "Tokyo dieser Tage" (FAZ.net), HerbertKapfers "Der Planet diskreter Liebe" (online nachgereicht von der FAZ), MaryHorlocks Kriminalroman "Das Geheimnis von Little Sark" (FR), die ersten Bände der kommentierten Gesamtausgabe von EliasCanetti (FAZ), Rachel Kushners "See der Schöpfung" (Zeit) und KatieKitamuras "Die Probe" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!In Großbritannien soll "Helm", der neue Roman der britischen Autorin Sarah Hall auf eigenen Wunsch mit dem Etikett "HumanWritten" erscheinen, in den USA bietet die Autorengilde mit dem Hinweis "HumanAuthored" ähnliche Zertifikate für Bücher an, sofern beim Verfassen auch auf den stützenden Einsatz von ChatGPT verzichtet wurde. "Über den Unterschied zwischen den Aussagen, etwas sei von einem Menschen 'geschrieben' oder es bestehe menschliche 'Autorschaft', könnte man ein interessantes literaturwissenschaftliches Proseminar halten", stellt dazu Marie Schmidt in der SZ fest. "Die Forschung der vergangenen Jahrzehnte hat sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit der Mensch überhaupt Autor seiner Gedanken und Worte ist - oder ob die nicht alle irgendwo angelesen, abgehört, gesampletundwiederausgespuckt sind. In der Literaturtheorie gilt der Autor als tot, dass er auf literarischen Gütesiegeln jetzt wieder aufersteht, hat mit einem wachsenden Bedürfnis zu tun, Menschenwerk von Machwerken künstlicher Intelligenz zu unterscheiden."
Bestellen Sie bei eichendorff21!In der Perlentaucher-Kolumne "Wo wir nicht sind" stellt Thekla Dannenberg "Lilianas unvergänglicher Sommer" vor, ein Buch, in dem die mexikanische Historikerin und Schriftstellerin Cristina Rivera Garza an ihre dreißig Jahre zuvor ermordete Schwester erinnert: "Sie war zwanzig Jahre alt, studierte Architektur in Mexiko-Stadt und führte das Leben einer selbstbewussten, unabhängigen jungen Frau. Getötet wurde sie von ihrem Ex-Freund, der eben diese Eigenständigkeit nicht akzeptieren wollte. Die Fakten zu diesem Fall scheinen mehr oder weniger geklärt: Die Polizei hat Ángel González Ramos als Täter ermittelt und zur Fahndung ausgeschrieben, sich aber nicht um seine Festnahme bemüht und den Fall nach wenigen Tagen - als Totschlag - zu den Akten gelegt. ... Obwohl der Femizid seit 2010 in Mexiko als eigener Strafbestand geahndet wird, wurden zwischen 2018 und 2020 noch immer 11.200 Frauen und Mädchen getötet - das sind mehr als zehn Frauen pro Tag. Doppelt so viele Frauen sind verschwunden (mehr dazu hier)."
Besprochen werden eine Ausstellung über die ComiczeichnerinAlisonBechdel im Cartoonmuseum Basel (FAZ), Gabriel Yorans Essay "Die Verkrempelung der Welt" (FR), Tommy Wieringas "Nirwana" (FR), Nicolas Mathieus "Jede Sekunde" (Standard), Seán Hewitts Debütroman "Öffnet sich der Himmel" (NZZ), HugoLindenbergs "Die imaginäre Nacht" (JungleWorld) und KarlOveKnausgårds "Die Schule der Nacht" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die FAZ widmet sich in einem Schwerpunkt dem Thema "KI in der Übersetzung". In der Branche schrillen durchaus einige Alarmglocken. Hochspezialisierte Übersetzerinnen und Übersetzer machen sich aber - zumindest derzeit - weniger Sorgen: "Geschützt fühlen sich manche Übersetzerinnen durch kulturelles Spezialwissen oder die Exotik ihrer Sprache, was eigene kleine Märkte mit besonderen Bedingungen schafft. 'Da Japanisch die KI heillos überfordert', schrieb uns Verena Maser, 'mache ich mir zumindest in der Hinsicht keine Gedanken um einen Berufswechsel'. ... Sabine Müller, die aus dem Indonesischen übersetzt, sieht den Menschen gegenüber der Maschine auch deshalb im Vorteil, weil es häufig persönliche Kontakte der Übersetzerin zu den (meist kleinen) Verlagen gebe, die aus weniger gefragten Literatursprachen ins Deutsche übersetzen lassen. Im eigenen Fall seien Kenntnisse der Geschichte, der Kultur und auch der Literaturen Indonesiens unerlässlich. Zu solchen Nuancierungen sei die KI nicht fähig. Gleichwohl bleibe, so Müller, ein Gefühl der Gefährdung. ... Ähnlich drückte es Freyja Melsted aus, deren Fremdsprache das Isländische ist. Die Verlage hätten ihr vermittelt, dass sie ihr Wissen um kulturelle Kontexte zu schätzen wüssten. 'Vieles davon', so Melsted, 'steht nirgendwo im Internet und ist somit für die KI unzugänglich.'"
Ganz anders sieht es offenbar mit leicht übersetzbarer Literatur aus. Bei einem auf Genre und leichte Kost spezialisierten Verlag wie Bastei Lübbe scheinen die Dämme schon gebrochen zu sein. Die Übersetzerin Janine Malz machte vor einiger Zeit öffentlich, dass der Verlag sie damit beauftragen wollte, eine KI-ÜbersetzunginsReine zu übertragen - und das für ein Viertel des sonst üblichen Honorars. "Die Unverfrorenheit hat mich am meisten schockiert", sagt sie im FAZ-Gespräch gegenüber Paul Ingendaay. "Man bot mir keinen Übersetzungsvertrag, sondern einen Redaktionsvertrag an." In ersterem "werde ich als Urheberin genannt, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ich verkaufe also nicht mein Urheberrecht, sondern nur ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht. Außerdem werde ich als Übersetzerin am Gewinn beteiligt, nämlich mit 0,8 Prozent des Nettoladenpreises ab 5.000 verkauften Exemplaren. ... Und man nimmt damit an den Ausschüttungen der VG Wort teil." Ein Redaktionsvertrag hingegen ist also "ein weiterer Schritt in die Selbstausbeutung. Weil ich zu einem sehr viel niedrigeren Honorar einen schlechten Text aufpolieren soll, dafür aber weder Urheberrecht noch Beteiligung sehe. Eine Lose-lose-Situation."
Außerdem: Leonard Hillmann erzählt im Tagesspiegel die Geschichte der "Fantastic Four", auf denen das Marvel-Comicimperium seinen Erfolg aufbaute. Besprochen werden unter anderem IsabelKreitz' Comic "Die letzte Einstellung" (NZZ), ClaudioMagris' "Kreuz des Südens" (Standard), HenningSußebachs "Anna oder: Was von einem Leben bleibt" (Tsp), MartinaClavadetschers "Die Schrecken der anderen" (FR), Raphaëlle Reds "Adikou" (Intellectures) und die Erstausgabe von MichailKusmins im Original vor fast 100 Jahren erschienenem Gedichtband "Der Engel der Verwandlung ist zurück" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Der österreichische SchriftstellerRobertProssererzählt in einer großen Reportage für den Standard von seiner Reise in die Ukraine, zu einem Literaturfestival in Charkiw, aber auch zu vom Krieg gezeichneten Orten in der Provinz. Kennengelernt hat er dort Literaten, die selbst im Krieg kämpfen und dies literarisch verarbeiten. Etwa die Drohnenpilotin JarynaTschornohus, die in Charkiw ihren dritten Gedichtband vorstellt. Es sind "Texte, die mit Verweisen auf Celan und Plath die Sicht einer Soldatin abseits der propagierten Stereotype verhandeln. Im Gespräch wechseln wir zwischen dem Leben an der Front und dem Schreiben, beides ist für Jarina eng miteinander verwoben. Vor wenigen Monaten fielen zwei ihrer Kameraden, die Lebenden verliert man, und die Toten sind nicht aus der Erinnerung zu scheuchen. Einmal sagt sie einen Satz, von dem ich nicht weiß, ob er aus ihren Texten stammt oder ihr eigenes Empfinden ausdrückt: Sometimes you want to die, just to get rid of the emptiness."
Weiteres: Philipp Schröder amüsiert sich in einer FAZ-Glosse darüber, dass der britische Faber-Verlag den neuen Roman von SarahHall mit dem Aufkleber "Human Written" in den Handel bringen will. In der FAZgratuliert Birte Förster der Lyrikerin WendyCope zum 80. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem GabrielYorans Essay "Die Verkrempelung der Welt" (NZZ), Benjamin Myers' "Strandgut" (Presse) und neue Hörbücher, darunter PascalHoudus' Lesung von KalebErdmanns Roman "Die Ausweichschule " (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Andreas Platthaus erzählt im "Literarischen Leben" der FAZ von seiner Reise zu den Philippinen, dem Gastland der FrankfurterBuchmesse im kommenden Oktober. Hier kommt der Literatur auch die Funktion des Nation Building zu, schreibt Platthaus: Die meisten Romane werden auf Englisch geschrieben, auch weil "auf den 7641Inseln mehr als 180Sprachen gesprochen werden". Englisch hingegen "können alle Filipinos lesen. Sofern sie lesen. Daran indes mangelt es im Netzzeitalter, wie man in Gesprächen mit Autoren, Verlegern und Buchhändlern erfährt." Vom Auftritt in Frankfurt "verspricht man sich viel im Land. Etwa eine Million Euro sollen dafür in diesem Jahr als Budget lockergemacht werden - nicht wenig für einen Staat, in dem gerade die öffentlichen Kulturausgaben radikal beschnitten worden sind. Entsprechend skeptisch schauen manche Künstler, auch Autoren, auf den Brocken Geld für das Frankfurt-Projekt. Andererseits stellt er einen Spottpreis dar angesichts der Aussicht auf weltweite Aufmerksamkeit, die die offizielle Delegation mit etwa 140 Angehörigen des philippinischen literarischen Lebens befeuern will. Insgesamt werden sogar fast 300 Filipinos zur Buchmesse reisen, denn etliche Buchmenschen kommen auf eigene Kosten. Zum Vergleich: Das ungleich reichere Gastland Italien schickte im vergangenen Jahr hundert Schriftsteller nach Frankfurt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weiteres: Die FAZdokumentiert die Laudatio des SchriftstellersDenizUtlu auf KimHyesoon, die gerade für ihren von Uljana Wolf und Sool Park übersetzten Gedichtband "Autobiographie des Todes" im Berliner Haus der Kulturen der Welt mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Hernán D. Caro spricht für die FAS mit der mexikanischen SchriftstellerinCristina Rivera Garza über ihren (heute auch in der tazbesprochenen) Roman "Lilianas unvergänglicher Sommer" und Femizide in Mexiko (ein weiteres Gespräch mit Garza zum selben Thema haben wir bereits hier resümiert). Die FAZ eröffnet anlässlich von 75 Jahren Friedenspreis eine Reihe, für die Schriftsteller sich über historische Dankesreden beugen: Zum Auftakt schreibtArturWeigandt über Václav Havels Rede von 1989. Michael Schilliger erzählt in einer Reportage für die NZZ von seiner Reise tief in die rumänischeProvinz zur 84-jährigen IleanaIvascu, die im hohen Alter die Literatur für sich entdeckt und im Zuge mit ihren Buchbesprechugen auf TikTok die Herzen des Social-Media-Publikums erobert hat. Im Literaturfeature des Dlf Kulturblickt Maike Albath darauf, wie sich die italienischeLiteratur mit dem Faschismus auseinandersetzt.
Besprochen werden unter anderem Anne de Marckens "Es währt für immer und dann ist es vorbei" (taz), Mirko Bonnés Lyrikband "Wege durch die Spiegel" (FR), SusanTaubes' "Klage um Julia und andere Geschichten" (FAZ) und HubertWinkels' Memoiren "Die Hände zum Himmel" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Jürgen Kaube über WendyCopes "Das Problem abgrenzen":
"Dir vergeben kann ich nicht. Und selbst wenn, Du würdest nie verzeihen ..."
Annette Kögel porträtiert im Tagesspiegel die aus Syrien nach Deutschland geflüchtete Comiczeichnerin ReemHelou, die einen Comic über ihre Fluchtgeschichtevia Crowdfunding finanzieren will. Die Tagesspiegel-Jury hat die besten Comics des Quartals gekürt, meldet Lars von Törne. Auf der Spitzenposition: "Die letzte Einstellung" von IsabelKreitz. Besprochen werden unter anderem YanickLahens' "Mondbad" (FR) und JonasHassenKhemiris "Die Schwestern" (NZZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Mit 39 "ein- bis dreiminütigen Miniaturen zum Phänomen des Nebels" hat JudithSchalansky ihre Frankfurter Poetikvorlesung abgeschlossen, berichtet Andreas Platthaus in der FAZ. Die Autorin zieht zu diesem Zweck zahlreiche Schriftsteller heran. Eine systemische Erklärung des Nebels gibt es nicht, doch "all die scheinbar unverbundenen verschwommenen, gespenstischen oder nebulösen Ausführungen ihrer Gewährsleute verdichtet Schalansky dann doch noch zu einer Ursuppe des Schreibens, aus der alles entstehen kann - oder nichts. Das obliegt dem Zufall und dem harten Naturgesetz, zwei gegensätzlich anmutenden Faktoren, die aber für das Werk der Schriftstellerin Judith Schalansky zentrale Motive sind. Ihre Ästhetik strebt bei aller sprachlichen Kunstfertigkeit, die in Frankfurt dreimal in Vollendung vorgeführt wurde, keine Künstlichkeit an, sondern ein an der Aufklärung geschultes Weltverständnis, das, je eleganter formuliert, desto leichter vermittelbar ist."
Besprochen werden unter anderem BeaDavies' Comic "Super-GAU" über Fukushima und die Folgen (FAZ.net), Birgit Weyhes Comic "Schweigen" (der "beste deutschsprachige Comic der Saison", schwärmt Thomas Hummitzsch auf Intellectures), EstherDischereits "Eine Handvoll Dollarscheine" (taz), MartinR. Deans Essaysammlung "In den Echokammern des Fremden" (NZZ), MagdalenaRutovás "Das Kraken-Tagebuch" (FR), AbubakarAdamIbrahims "Zeit der Glühwürmchen" (FAZ) und Julian Schütts Max-Frisch-Biografie (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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