Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2026 - Literatur

Aus der gestrigen FR tragen wir einen Artikel Claus Leggewies zu einem Auftritt Boualem Sansals auf der Leipziger Buchmese nach. Mit Befremden sei die Meldung aufgenommen worden, dass Sansal sein angestammtes Verlagshaus Gallimard verlässt. Dort hat man sich für Sansals Freilassung eingesetzt. Und doch. "Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Deutschland bei einer Diskussionsveranstaltung in Leipzig bedankte sich der Schriftsteller ausdrücklich bei seinen Unterstützern und fiel ihnen glücklich in die Arme. Aber er machte seine Position unverändert deutlich. Ich kann die erratisch wirkende Reaktion nachvollziehen. Sansal insistiert darauf, nicht begnadigt werden zu wollen, sondern Recht zu bekommen und das algerische Regime mit einem Revisionsverfahren weltweit ins Unrecht zu setzen." Sansal publiziert jetzt bei Grasset, einem Verlagshaus, das dem katholisch-fundamentalistischen und natürlich sehr rechten Mogul Vincent Bolloré gehört.

Weiteres: Arno Widmann liest für die FR Bücher über die Reemtsma-Entführung vor dreißig Jahren. In der FAZ gratuliert Mark Siemons dem chinesischen Literaturnobelpreisträger Mo Yan zum 70. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem Birgit Birnbachers "Sie wollen uns erzählen" (NZZ), Jana Hensels "Es war einmal ein Land" (NZZ), Christoph Peters' "Entzug" (FR), neue Kinder- und Jugendbücher (taz), neue Sachbücher (FAZ) und Ingrid Bordnigs "Feindbild Frau" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Stichwörter: Sansal, Boualem

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.03.2026 - Literatur

Bei seiner aktuellen Europatour (hier unser erstes Resümee) hat Salman Rushdie auch Halt beim Festival "Literatur im Nebel" im niederösterreichischen Heidenreichstein gemacht. Dort sprach er "auch über seine Irritation, dass sein Schicksal als Hassobjekt des Islamismus und seine literarische Produktion so scheinbar unentwirrbar miteinander verflochten sind", berichtet Hans Rauscher im Standard: "'Wenn du heute über die Welt schreibst, wie sie ist, dann kannst du die öffentlichen Ereignisse nicht weglassen. Ich beschreibe in meinem Buch, wie ich lieber mit einem Glas Wein am Ufer des Flusses unter einem Baum sitzen und herzige kleine Geschichten schreiben würde - aber es war nicht möglich.'" Rushdie "entwickelt so nebenher eine Theorie des modernen Schreibens: Die Arena des öffentlichen Lebens und die Arena des Privatlebens seien heute viel enger zusammengerückt. Er habe versucht, Bücher ohne Politik zu schreiben, aber das sei heute einfach nicht möglich. Vor 200 Jahren habe Jane Austen noch Romane schreiben können, ohne auf die napoleonischen Kriege einzugehen."

Außerdem: Leonie C. Wagner liefert in der NZZ Eindrücke von ihren Schlendereien übers Gelände der Leipziger Buchmesse. Lars von Törne schreibt im Tagesspiegel einen Nachruf auf den Comiczeichner Hermann Huppen.

Besprochen werden Katerina Poladjans eben mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Roman "Goldstrand" (Intellectures), Safae el Khannoussis "Oroppa" (FR), Viktor Jerofejews "Die neue Barbarei" (FAZ) und Nawal El Saadawis erstmals auf Deutsch vorliegendes Buch "Die Frau und Sex", das im Original bereits 1971 veröffentlicht und eines der wichtigsten Bücher des arabischen Feminismus wurde (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Stichwörter: Rushdie, Salman

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.03.2026 - Literatur

In der SZ fände Bernhard Heckler die Konzentration der Leipziger Buchmesse auf den "renitent gegen den Strom schwimmenden Kulturstaatsminister" Wolfram Weimer recht produktiv, würde die Debatte zum weiteren Nachdenken anregen: "Anti-Weimer-Parolen gehörten zur diesjährigen Messefolklore, zum guten Ton. Und die Frage, ob sich alle auch so fürchterlich aufgeregt hätten, wenn drei vermeintlich rechtsextremistische Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen worden wären, war eher kein Thema bei den Sektempfängen. Es käme auch niemand auf die Idee, von der Leipziger Buchmesse als der 'linken Buchmesse' zu sprechen. Ein paar Kilometer weiter in Halle an der Saale findet in diesem Herbst zum zweiten Mal die selbstverständlich und voller Unbehagen so genannte 'rechte Buchmesse' statt."

Außerdem aus Leipzig: FAZ-Kritiker Jan Wiele hätte sich auf der Buchmesse weniger Hohn über Weimer und mehr Diskussionen über Themen wie KI gewünscht, hat allerdings alles in allem einige inspirierende Tage in Leipzig verbracht. In der Berliner Zeitung berichtet Cornelia Geißler von der Buchmesse, in der taz berichtet Julia Hubernagel, in der FR Judith von Sternburg.

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Im Interview mit der NZZ spricht der Schriftsteller Christoph Peters über seine Alkoholsucht und sein autobiografisches Buch "Entzug": 25 Jahre lang habe er "durchgetrunken", erzählt er, als er sich zum Entzug entschloss, war er wirklich am Ende: Er brauchte 2,3 Promille Dauerpegel, um nicht zu zittern. "Das letzte Stadium, das reine Pegeltrinken, ist mit keinem Vergnügen mehr verbunden. Der Körper ist nur noch damit beschäftigt, diese hohen Giftstoffmengen auszuhalten." Sein Buch sei "sprachlich und kompositorisch schon ein Roman, auch wenn eigenes Erleben die Grundlage bildet. Es gibt große Lücken, die ich, als ich darüber geschrieben habe, auf der Basis von erinnerten Empfindungsbildern gefüllt habe. Ich musste über mich selbst recherchieren wie über einen Fremden. Auch bei den Ärzten von damals."

Ebenfalls in der NZZ schreibt der Schweizer Autor und Kurator Stefan Zweifel eine kleine Geschichte der Psychogeografie, in der auch Nietzsche zu Wort kommt, der in "Ecce Homo" den Einfluss des Klimas auf sein Denken untersuchte und erklärte, warum ihm fröhliche Wissenschaft in Basel niemals möglich sei, aber immer in Turin: "Da strömen die Gedanken breit und mächtig wie der Po; und die Grissini, Tortellini und Spaghettini sind so leicht, dass sie nicht auf dem Magen lasten wie die deutsche Philosophie, die aus der 'Pervertierung der Mehlspeise zum Briefbeschwerer' entstand und die Kant-Knödel so unverdaulich in unserem Bauch rumpeln lassen. 'Das deutsche Klima allein ist ausreichend, um starke und selbst heroisch angelegte Eingeweide zu entmutigen (. . .) und aus einem Genie etwas Mittelmäßiges, etwas 'Deutsches' zu machen.' Deshalb ließ er seine Studenten in Basel bei Besuchen nicht Bier trinken, sondern an Pariser Parfumflacons schnuppern und sich mit einer Dosis 'Parisin' berauschen."

Weitere Artikel: Die Mittelalterhistorikerin Racha Kirakosian sieht im Met-Museum ein Kästchen aus Elfenbein: Auf der linken Seite sieht man kunstvoll geschnitzt ein Liebespaar, über dem das Gesicht eines zweiten Mannes schwebt. Das sind Tristan und Isolde und Isoldes Ehemann Marke, ist sich Kirakosian sicher und analysiert in der FAZ die "Doppelcodierung" des Gesprächs von Tristan und Isolde, nachdem sie durchschaut haben, dass sie von Marke beobachtet werden. Alexander Menden berichtet in der SZ von einem Auftritt Salman Rushdies bei der Lit.Cologne, in der FAZ berichtet Oliver Jungen. Ebenfalls in der FAZ schreibt Bernd Noack zum Tod des fränkischen Schriftstellers Tommie Goerz.

Besprochen werden Wolfram Lotz' "Träume in Europa" (NZZ), Volha Hapeyevas "Wörterbuch einer Nomadin" (Standard), Madame Nielsens Roman "Das Zeitgeisterhaus" (SZ), Sara Barquineros Debütroman "Ich werde allein sein und ohne Party" (Tsp), Ada Diagnes Jugendroman "Baobab" (FAZ), Antje Herdens "Die weißen Sneaker oder Mein fast perfektes Leben" (FAZ), Clemens J. Setz' Reimbuch "Mopsfisch": "Mopsfisch trampo- / Mopsfisch -lin. / Mopsfisch fliegt sehr weit wohin!" (FAZ) und Jonathan Haidts "Generation Glücklich" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2026 - Literatur

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Salman Rushdie war beim Literaturfestival LIT:potsdam zu Gast - Jolinde Hüchtker freut sich in der Zeit, dass es mal nicht nur um Politik geht, sondern vor allem Rushdies Literatur im Mittelpunkt steht, nämlich sein neuer Erzählband "Die elfte Stunde" (unsere Resümees). "Wenn an diesem Abend eine Frage dann doch einmal auf die Politik zielt - was er zu den Lügen der heutigen Politiker sage, wie er in diesen Zeiten so hoffnungsvoll sei? - kommt Rushdie schnell auf das Schreiben zurück. 'Die Natur des Schriftstellers erfordert einen Optimismus', sagt er, anders ließe es sich nicht aushalten, allein vor den leeren Seiten zu sitzen. (…) Oberflächlich ähnelten sich die Lügen der Politiker und der Schriftsteller, sagt Rushdie und verweist damit auf die Schriftstellerin Margaret Atwood. Aber die Lügen der Politiker sollen die Wahrheit verschleiern, die Lügen der Literatur hingegen die Wahrheit über den Menschen ergründen. Deswegen seien die Künstler den autoritären Machthabern so verhasst."
 
Auch Lena Schneider atmet im Tagesspiegel auf, dass Rushdie nach dem Attentat 2022 wieder schreibt: "Rushdie wurde angesichts seines Schreibens gegen alle Widerstände immer wieder als Galionsfigur der freien Rede gefeiert. Der Mann auf der Bühne aber begreift sich ausdrücklich nicht als Freiheitssymbol. Für den Satz 'Ich fühle mich nicht wie ein Emblem, nicht emblematisch', gibt es wieder Lacher. Er sei einfach ein Autor, der schreiben wolle und weiter schreiben werde. Künftige Bücher interessierten ihn mehr als die 23, die er schon geschrieben habe."

In Leipzig treffen sich die Kritiker auf der Buchmesse: Mara Delius bemerkt in der Wams, "dass der Literaturbetrieb sich in einem Transformationsprozess befindet, dessen Ausmaße noch nicht abzuschätzen sind; nicht nur, aber auch wegen stetig sinkender Leserzahlen. Es vollzieht sich ein Generationenwechsel, mit dem die spätbundesrepublikanische Ära - symbolisiert durch den Tod von Jürgen Habermas vor ein paar Tagen - endgültig an ihr Ende gekommen ist - und damit auch ihre Konventionen und ökonomischen Sicherheiten." Dirk Knipphals erlebt in der taz immehin eine "Buchmesse, in der sich die Branche ihres zivilgesellschaftlichen Engagements versichert. Und zugleich die Messe, in der sie sich sogar von dieser hanebüchenen Kulturpolitik nicht von ihren eigentlichen Gegenständen - den Autor*innen und Büchern - weglenken lassen will." taz-Kollege Jens Uthoff schließt sich dem Eindruck in seiner Begegnung mit Maria Kolesnikowa und Maxim Znak an.

In der FAS beobachten Tobias Rüther und Tania Martini Wellen der Solidarität mit den vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden und Ärger über Weimer: "Die taz hat ihre Ausgabe vom vergangenen Wochenende nicht nur an ihrem eigenen Stand ausgelegt, man findet sie auch in den anderen Hallen: 'Leipzig ist nicht Weimer' steht auf dem Titel, das ist ein guter Gag, aber je länger man dann auf der Messe unterwegs ist, desto weniger kann man glauben, dass das wirklich stimmt." Bernhard Heckler hat in der SZ für Wolfram Weimers zweiten Kurz-Auftritt im Rahmen der Buchmesse, ausgerechnet in der Leipziger Deutschen Nationalbibliothek, deren Erweiterungsbau er gerade erst verhindern wollte, angemessen gallige Worte übrig: "Trotz der Beleuchtung, die an Weiße Folter grenzt, schleicht sich beim Zuhören immer wieder Dämmerschlaf an. Nur ab und an schreckt man von seinem Volkshochschulholzstuhl hoch, wenn er zwischendurch eine kuriose verbale Ausfahrt nimmt, zum Beispiel einen Exkurs zu: 'Mündigkeit, dem alten Kantbegriff.' Oder wenn er sagt, der Tag der Demokratiefreiheit sei 'der Valentinstag zwischen Deutschland und der Demokratie'". 

In der Frankfurter Anthologie schreibt Marleen Stoessel über Dschalaluddin Rumis "Gestern nacht - im Schlaf":
 
"Gestern nacht - im Schlaf - im Traume -
           sah ich einen Mond,
Meeresgleich und wunderbar und
           silbern war der Mond…."

Weiteres: Ronen Steinke spricht in Leipzig über sein neues Buch "Meinungsfreiheit", die taz lauscht. Anna-Louisa Schönfeld trifft sich für die FAZ mit Clara Leinemann, deren Roman "Gelbe Monster" gerade den Debütpreis der lit.Cologne gewonnen hat. In der FAZ feiert die Literaturwissenschaftlerin Hannelore Schlaffer Schillers Gebrauch des tiefschwäbischen Monophtongs "Ha!". Ebenfalls in der FAZ macht sich der Slawist Urs Heftrich über die mit 122 Stufen schwindelerregenden Höhen erreichende Treppe in Kafkas Geburtshaus Gedanken. Jan Philipp Reemtsma und Güner Yasemin Balcı sprechen auf der lit.Cologne über Heimat, Alexander Menden hört für die SZ zu. Ebenfalls die SZ lobt Sebastian Guggolz' souveränes Auftreten in Leipzig in einem Kurz-Porträt. Richard Kämmerlings ist mit der Wams bei Schriftsteller Burkhard Spinnen, dem "Chronist des deutschen Mittelstandes", in Münster zu Gast.

Besprochen werden unter anderem Lukas Rietzschels "Sanditz" (SZ), Elizabeth Strouts "Erzähl mir alles" (FR) und Gabriel Zuchtriegels "Pompejis letzter Sommer. Als die Götter die Welt verließen" (taz). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2026 - Literatur

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Die Preise der Leipziger Buchmesse wurden verliehen: Belletristiksiegerin ist Katerina Poladjan mit ihrem Roman "Goldstrand", der Sachbuchpreis ging an Marie-Janine Calics "Balkan-Odyssee", der Übersetzungspreis an den österreichischen Übersetzer Manfred Gmeiner für die Übertragung des Romans "Unten Leben" des peruanischen Autors Gustavo Faverón Patriau. Vor allem in der Belletristik ging es insgesamt viel um Krieg, Flucht und die seelischen Folgen der Totalitarismen, schreiben Richard Kämmerlings und Marc Reichwein in der Welt: So in Norbert Gstreins Jahrhundertpanorama "Im ersten Licht" über Folgen des Ersten Weltkriegs oder Anja Kampmanns "Die Wut ist ein heller Stern", eine Alltagsgeschichte aus dem Hamburg der Nazi-Zeit: "Auch Katerina Poladjans Sieger-Roman 'Goldstrand' beginnt damit, dass sich eine junge Frau von einem Schiff ins tödliche Wasser stürzt. Auch hier geht es um Flucht vor einem totalitären System. Dass dieser Roman den anderen vorgezogen wurde, liegt vielleicht an dem, was die Autorin bei ihrer Dankrede als 'spielerischen Umgang mit der Welt' verteidigte und gegen den übergriffigen Anspruch der Realität ins Feld führte. Ausgezeichnet wurde ein Buch, in dem die Vergangenheit nur als märchenhafte Erzählung greifbar ist, als Fabulieren auf der Couch der Psychoanalytikerin, als Anprobieren von Geschichten, Träumen mit offenen Augen und mit der selbstverständlichen Akzeptanz des Unmöglichen."

In der Zeit applaudieren Maja Beckers und Alexander Cammann: Poladjans "Goldstrand" sei ein "extrem dichter und ganz fantastischer Roman" Was ihn "so großartig macht, ist ohnehin die Art, wie Poladjan erzählt. Szenisch stark, ihre Liebe zum Tschechowschen Theater scheint immer wieder durch, und sie erzählt in einer hochliterarisch verknappten Sprache. Und vor allem ist da dieser Humor, dieses Talent für absurd komische Dialoge, auf der Couch der Therapeutin, zwischen den Generationen und den ernstesten Menschen, die mal dem Sozialismus, mal dem italienischen Faschismus zugeneigt sind." Auch die Preise für Sachbuch und Übersetzung ernten vollste Zustimmung: "Dieses Jahr wurden in Leipzig drei herausragende Bücher ausgezeichnet."

Bei faz.net freut sich Andreas Platthaus über die Auszeichnung Poladjans, die auch den Mut habe, sich politisch zu äußern: "Sie ist es auch, die sich zur Weimer-Affäre äußert, mit der Autorität einer in der Sowjetunion geborenen Frau, die noch erlebt hat, was staatliche Gängelung des Lebens bedeutet, ehe sie im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland kam. 'Ein staatliches Handeln', sagt Poladjan in ihrer Dankesrede, 'das sich auf nicht bekannte geheimdienstliche Erkenntnisse beruft, muss bei mir eine Erinnerung hervorrufen.' Es ist nicht nur Poladjans Roman 'Goldstrand', der heute ganz besonders glänzt, es ist auch dessen Autorin."

Weitere Artikel: Christiane Lutz unterhält sich für die SZ mit der Hispanistin Carmen Urbita und der Historikerin Ana Garriga über deren Buch "Convent Wisdom - Wie Nonnen aus dem 16. Jahrhundert dein Leben verändern können". Nina Schieben stellt in der SZ das Programm "Weiter Schreiben" vor, das migrierten Schriftstellern hilft, in Deutschland Fuß zu fassen. Und Christine Dössel porträtiert in der SZ Lukas Rietzschel, der mit seinem Roman "Sanditz" einen großen Erfolg landete.

Besprochen werden u.a. Jörg Baberowskis "Am Volk vorbei" (NZZ), Paul Ingendaays "Entscheidung in Spanien" von (FR), ein Krimi von Sophie Sumburane (FR), Mirko Bonnés Gedichtband "Wege durch die Spiegel" (FAZ), Gianna Langes Roman "Und dann springen wir" (FAZ) sowie Oliwia Hälterleins Roman "Wir Töchter" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2026 - Literatur

Von einem Leben in bescheidenem Wohlstand, geschweige denn von einer Villa am Bodensee, wie Martin Walser sie einst sein eigen nannte, oder dem Luxus, wie er für einen Max Frisch selbstverständlich war, können heutige Schriftsteller kaum mehr träumen, stellt Paul Jandl in der NZZ fest: "Fast mythisch muten heute jene Jahrzehnte an, in denen sich das Bücherschreiben selbst für feuilletongängige und komplexe Autoren ganz umstandslos materialisierte." Eine Studie bestätigt ihm das: Allein zwischen 2020 und 2023 ist das Durchschnitts-Brutto für Schriftsteller um fünf Prozent gesunken. Schreiben allein reicht da oft nicht mehr: "Wer als Autor heute meint, das Schreiben von guter Literatur sei Performance genug, tritt zu den branchenüblichen Honoraren mit seinen Büchern auf. Ungefähr 1000 Euro zahlen die Literaturhäuser. Das ist nicht viel, wenn man nur alle paar Jahre ein neues Buch hat."

Weitere Artikel: Anselm Bühling erinnert zum zehnjährigen Bestehen von Tell an die Anfänge des Online-Literaturmagazins. Nina Apin porträtiert in der taz die Comiczeichnerin Rinah Lang. Jeannette Otto spricht für die Zeit mit der Schriftstellerin Amani Padda, die mit "Bevor der Himmel reißt" einen Jugendroman über rassistische Ausgrenzung und Übergriffe geschrieben hat. Katrin Hörnlein porträtiert in der Zeit den Kinderbuchautor Will Gmehling und den Illustrator Jens Rassmus, deren "Der Sternsee" von der Jury des Luchs-Preises zum besten Kinderbuch des Jahres gewählt wurde. Nikolai Ott berichtet in der FAZ von einer Veranstaltung im Roman-Herzog-Institut in München zur Aktualität von Thomas Manns "Zauberberg".

Besprochen werden unter anderem Siri Hustvedts Erinnerungsbuch "Ghost Stories" (NZZ), der von Lina Muzur herausgegebene Band "Frauenprobleme. 33 neue Nachrichten" (Freitag), Tomer Gardis "Liefern" (Intellectures), Ewald Wassiljewitsch Iljenkows Essay "Kosmologie des Geistes" (FAZ) und Norbert Gstreins "Im ersten Licht" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2026 - Literatur

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Heute Abend erhält Miljenko Jergović den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. In der FAZ spricht der Schriftsteller mit Michael Martens über seine Literatur, die das Ethos der Fremderfahrung und der Empathie mit den Minderheiten hochhält, und dies am Beispiel seiner Texte über Sarajevo im Krieg: "Wie ist es, in einer Stadt zu leben, die von den eigenen Landsleuten belagert wird, oft sogar von Verwandten oder leiblichen Brüdern? Und was ist schwerer: die ständige Gefahr der eigenen Verwundung und des eigenen Todes zu ertragen - oder die Tatsache, dass die Nachbarn in einem den Landsmann oder Bruder und Verwandten derer sehen, die auf die Stadt schießen? Ich versichere Ihnen: Viel schwerer ist Letzteres. In den Augen dieses Menschen zeigt sich das authentischste Bild einer belagerten Stadt. Der Schrecken ist durch nichts gemildert, er ist nicht kollektiviert, nicht in den Geist einer Gemeinschaft eingebettet, er findet in keinem religiösen System Trost. Dieser Mensch ist der vollkommene Einzelgänger, über den sich alles Übel dieser Welt ergossen hat. ... Der Blick solcher Minderheiten auf die Welt bildet das Fundament der Literatur."

Nicht zuletzt unter den jüngsten Eindrücken des Ukrainekriegs macht sich Jergović wenig Illusionen darüber, dass Osteuropa für Zentraleuropa nicht wirklich gleichberechtigt ist: "Was ich schon 1992 verstanden habe: dass wir im damaligen Jugoslawien außerhalb jenes Raums liegen, den 'echte Europäer' als Europa betrachten", sagt er im Interview mit dem Tagesspiegel. "Aber ebenso wusste ich, dass diese 'echten Europäer' auch die Ukraine nicht als Europa wahrnehmen würden, wenn Wladimir Putin nicht über die Ukraine hinweg auch ihnen gedroht hätte." 

In der SZ würdigt Tobias Zick Jergović: "Schriftsteller zu sein bedeute 'im Grunde, ein Fremder zu sein': Dieses Selbstverständnis spiegelt sich bei Jergović zum einen in diesem Misstrauen gegen jegliches Kollektiv, zum anderen in seiner Arbeitsweise. Die Menschen sind bei ihm immer in erster Linie sie selbst. Er kategorisiert nicht, sondern er tut das, was Schriftsteller halt tun, wenn sie gut sind: Er nimmt genau wahr, und er beschreibt und erzählt, statt zu werten. Und so lässt er den Menschen auf eine sehr handwerkliche Weise Gerechtigkeit angedeihen."

Weitere Artikel: Bestseller-Autorin Cornelia Funke spricht in der NZZ mit Maurice Köpfli über das Geheimnis ihres Erfolgs. Die Agenturen melden, dass der Thriller-Autor Len Deighton (u.a. "The Ipcress Files") gestorben ist.

Besprochen werden unter anderem Ursula K. Le Guins "Lavinia" (FR), Ines Geipels "Landschaft ohne Zeugen" (Standard), Helene Bukowskis "Wer möchte nicht im Leben bleiben" (taz, SZ), Lukas Rietzschels "Sanditz" (taz), Elli Unruhs "Fische im Trüben" (taz) und Elias Hirschls "Schleifen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2026 - Literatur

In der taz würdigt Doris Akrap den Schriftsteller Miljenko Jergović, der dieses Jahr mit dem Preis der Europäischen Verständigung ausgezeichnet wird, als großen Interventionisten der europäischen Literatur, in dessen Büchern sich die geballte osteuropäische Erfahrung der letzten vierzig Jahre finde. "Ob Politik, Unterwelt oder Kultur: wo andere schweigen, fängt Jergović an zu reden. Für kroatische 'Vaterlandsverteidiger' ist Jergović schon seit den Tagen des Unabhängigkeitskrieges ein Verräter - zu entschieden begegnet er seit jeher Nationalismus, Populismus, doppelten Standards und autoritären Entwicklungen. Im Rahmen der ultranationalistisch aufgeheizten Feiern zum 30. Jahrestag des Kriegsendes im vergangenen Jahr in Kroatien kritisierte Jergović die rechten Aufmärsche und Übergriffe auf Journalist*innen, Künstler*innen, Ausstellungen, Theaterfestivals und eine serbische Folkloregruppe. Als der ihm entgegenschlagende Hass in einer Morddrohung an seiner Hauswand seinen vorläufigen Höhepunkt fand, sah sich selbst der trumpfüßige Präsident Kroatiens dazu gezwungen, ihm öffentlich seine Solidarität zu versichern."

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Michael Pilz fühlt sich in der Welt durch Maxim Billers vor ein paar Wochen in der Zeit veröffentlichte Polemik, dass es keine gute DDR-Literatur gebe, und Carsten Gansel aktuelle Buchveröffentlichung darüber wie die Literatur der DDR in den Neunzigern ins Off gedrängt wurde, an ebendiese Literaturdebatte der Neunziger erinnert. Sieglinde Geisel blickt im Tell-Magazin, das damals im Zuge einer Debatte beim Perlentaucher entstanden ist, auf zehn Jahre Tell zurück. Tilman Krause (Welt) und Lothar Müller (SZ) erinnern an Siegfried Lenz, der heute vor hundert Jahren geboren wurde.

Besprochen werden unter anderem Colm Tóibíns Erzählung "Die Schwestern" (NZZ), Norbert Gstreins "Im ersten Licht" (Standard), Lilli Tollkiens "Mit beiden Händen den Himmel stützen" (FR), Lena Goreliks "Alle meine Mütter" (Tsp), Jakob Mosers "Lukrez' Wolken. Naturgewalt und Phantasma" (FAZ) und Dana von Suffrins "Toxibaby" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.03.2026 - Literatur

Die emeritierte Sprachdidaktik-Professorin Inge Blatt erkennt in der Welt wohl das Ziel, dass mit einer von "anstößigen Wörtern" bereinigten Literatur Schülerinnen und Schüler respektvolles Verhalten lernen sollen. Allein, ihr fehlt der Glaube: "Sollten die Schüler nicht besser mit unterschiedlichen Weltsichten, die sich in Sprache manifestieren, konfrontiert werden, um auch auf die Wirklichkeit vorbereitet zu werden? In den sozialen Medien begegnen sie dieser Wirklichkeit, was Inhalte und Sprache betrifft, zum Teil in brutaler Weise." Und "wenn eine heute nicht mehr als politisch korrekt eingestufte Wortwahl oder Darstellung dazu führt, einen Dichter aus dem Literaturkanon zu streichen, so kann damit viel wertvolles Kulturgut verloren gehen. Sollte etwa die Ringparabel in Lessings 'Nathan der Weise' nicht mehr als das zentrale Zeugnis der Aufklärung für Toleranz verstanden und gelesen werden, weil der kostbare Ring nur auf die Söhne vererbt wurde?"

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In der Perlentaucher-Kolumne "Wo wir nicht sind" stellt Thekla Dannenberg den neuen Roman des französisch-marokkanische Autor Abdellah Taïa vor, der von einer schwulen Jugend in Marokko und seinen Schwestern erzählt, einer "Gang aus sechs Mädchen und einem selig hinterherstolpernden Jungen. Die Hübschen bezirzten die Händler, während die Flinken Bonbons und Schokolade, Kopftücher und BHs stahlen. Einzig der Gemüsehändler mit dem Hang zur Poesie und einem Faible für die anmutige Samira konnte ihrem Treiben ein Ende setzen. Doch was ist aus den rebellischen Mädchen geworden? Unterwürfige Ehefrauen und Mütter, die sich als Hüterinnen von Tradition und Familie gefallen, dabei doch ganz und gar unter der Kuratel ihrer Ehemänner stehen. Nun drohen sie sogar, ihren schwulen Bruder der Polizei auszuliefern, wenn er ihnen nicht das Haus überlässt: 'Frauen sollten niemals heiraten', seufzt Youssef in seiner Hymne auf die skandalöse Jugend seiner Schwestern: 'Heiraten bedeutet den augenblicklichen Tod.'"

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Im Standard unterhält sich Bernadette Redl mit Birgit Birnbacher über deren Roman "Sie wollen uns erzählen", der von einer Mutter mit einem ADHS-Kind erzählt. "Literatur ist keine Sozialarbeit", sagt die Schriftstellerin, obwohl es im Interview dann doch nur um soziale Fragen geht. Sie sehe ihre Aufgabe darin, "präzise zu sein. Ich möchte, dass man wirklich erfahren kann, was in so einem Menschen vorgeht, und zwar ohne, dass man andauernd so einen Elends-Porno-Blick hat und sich denken muss: Das arme Kind, die armen Leut'. Sprache ist für mich das Instrument, um mich gesellschaftlichen Phänomenen zu nähern, die irgendwie rätselhaft geblieben sind".

Weiteres: Die Comiczeichnerin Barbara Yelin wird ab Sommer Deutschlands erste Comicprofessorin, meldet Lars von Törne im Tagesspiegel. Besprochen werden unter anderem Siri Hustvedts "Ghost Stories" mit Erinnerungen an Paul Auster (NZZ), Thomas Hettches "Liebe" (Welt), Michael Krügers "Unter Dichtern" (Standard), Jacqueline Harpmans "Ich, die ich Männer nicht kannte" (online nachgereicht von der WamS), Norbert Gstreins "Im ersten Licht" (taz) und Eva von Redeckers "Dieser Drang nach Härte" (Standard). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.03.2026 - Literatur

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Mit ihrem (in taz und Welt besprochenem) Buch "Ghost Stories" über ihre gemeinsame Zeit mit dem 2024 verstorbenen Paul Auster wollte sie "43 Jahre Dialog" festhalten, sagt die Schriftstellerin Siri Hustvedt im großen SZ-Gespräch gegenüber Lars Reichardt: "Ein Dialog der Worte, aber auch der Gefühle und der körperlichen Verbundenheit. ... Das Paradoxe an der Trauer ist, dass man weiterhin liebt, aber der, den man liebt, ist nicht mehr da. Diese Liebe zur Abwesenheit wird zu einer Art Präsenz, man liebt also einen Geist. Und diese Liebe verschwindet nicht. Das ist das Paradoxon trauernder Menschen. Man kann wirklich nichts dagegen tun." Fürs Literatur-Feature von Dlf Kultur hat Thomas David Hustvedt in Brookyln besucht.

In "Bilder und Zeiten" der FAZ stimmt Felix Philipp Ingold schon mal auf die Frankfurter Buchmesse im Herbst mit Tschechien als Gastland ein. Aus diesem Grund ruft er den tschechischen Dichter Ivan Blatný (1919-1990) in Erinnerung, dessen erste Gedichte während des Zweiten Weltkriegs erschienen und der seine letzten Lebensjahrzehnte wegen seiner schizophrenen Erkrankung in einer Anstalt verbracht hat, wo er ganze Kladden-Konvolute vollgeschrieben hat. Frappierend ist, wie "Blatný seine Erfahrungen und Befindlichkeiten als Patient bis auf ein paar wenige beiläufige Anspielungen völlig außer Betracht lässt: Klagen, Schuldzuweisungen, Selbstmitleid oder Märtyrerpathos erspart er sich zugunsten einer optimistischen, bisweilen heiteren und etwas grobschlächtigen Grundhaltung, die auch schon seine Vorkriegsdichtung bestimmt hatte - er scheint seine psychischen Defekte und Einschränkungen souverän zu ignorieren, während er gleichzeitig geistige Präsenz und Luzidität zur Geltung bringt. ... Charakteristisch ist außerdem die von Blatný gern praktizierte Mehrsprachigkeit (Tschechisch, Englisch, Deutsch, Französisch), die den Gedichten - ähnlich wie bei Ezra Pound in den 'Cantos' - eine grenzüberschreitende Dynamik verleiht und damit einen markanten Kontrast bildet zum abgeschiedenen Raum ihrer Entstehung."

Weitere Artikel: Marta Kijowska erinnert in der NZZ an den 2007 verstorbenen polnischen Reporter Ryszard Kapuściński, dessen Buch "Schah-in-schah" von 1982 mit Eindrücken vom unmittelbaren Nachspiel der iranischen Revolution 1979 auch heutige Lagen in der Region verstehen helfe. "Bilder und Zeiten" der FAZ dokumentiert Durs Grünbeins Dankesrede zur Auszeichnung mit dem Erich-Loest-Preis. Luciana Ferrando erzählt in der taz von ihrem Vorhaben, jeden Tag mit einer literarischen Miniatur zu beginnen. In der FAZ gratuliert Tilman Spreckelsen dem Lyriker Kurt Drawert zum 70. Geburtstag. Lars von Törne meldet im Tagesspiegel, dass das auf unabhängige Comics spezialisierte Magazin Strapazin sich mit einer Crowdfunding-Kampagne vor dem Aus retten will.

Besprochen werden unter anderem Helene Bukowskis "Wer möchte nicht im Leben bleiben" (taz), Iryna Fingerovas "Zugwind" (FR), Lucie Ricos "GPS" (taz), Christoph Links' Sachbuch "Verschwundene Verlage. Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte" (taz), Andrea Brills Biografie über die Mathematikerin Émilie du Châtelet (FR), Thomas Hettches "Liebe" (WamS), Robert Menasses Novelle "Die Lebensentscheidung" (FAZ) und die neue Ausgabe vom Schreibheft, das bislang unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass von Rolf Dieter Brinkmann präsentiert (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

FAZ, FAS, taz und SZ bringen heute Literaturbeilagen, die wir in den kommenden Tagen an dieser Stelle auswerten.