Da werden Milli Vanilli glatt zu einer Feier der gelebten Authentizität: Die Alternativrock-Band The Velvet Sundown hat in den letzten zwei Monaten mit zwei Alben (das dritte steht bereits unmittelbar bevor) buchstäblich aus dem Nichts die Streamingplattformen weltweit erobert - und ist von vorne bis hinten doch nichts anderes als ein reinesKI-Produkt (wobei der Streaming-Erfolg nach Recherchen von Watson wohl durch gezielten Bot-Einsatz erzwungen worden sein könnte). Zu hören gibt es "Nebenbeihörer nicht allzu sehr störende Nullachtfünfzehn-Lieder", schreibt Christian Schachinger im Standard. Aber wenigstens muss das Management keine Musiker und deren Grillen betütteln, kommentiert er gallig. Zudem helfen KI-Musiker den Streamern "beim Einsparen anteiliger Tantiemenauszahlungen des gesamten Einnahmekuchens. Zwar werden schon jetzt reale Künstler und Künstlerinnen mit einem Hungerlohn abgespeist. Aber wo von den Betreibern dieser Plattformen noch mehr Geld zu holen ist, dort wird es auch geholt werden. Die Gier wird die Welt im Gleichschritt mit KI killen."
"Die Musik schafft es, eigentlich keine zu sein", schreibt Michael Pilz in der Welt über The Velvet Sundown, "es sind Songs ohne Eigenschaften". Was Pilz zu grundsätzlichen Fragen anregt: "Ist das falsch? Können 1,1 Millionen irren? ... Wo sind bei Spotify die Hinweise auf Komponisten und Autoren, Produzenten und Verleger? Wer betreibt ihre Accounts bei Instagram, Facebook und X? Ist es 1,1 Millionen gleichgültig, dass es die Band nicht gibt oder auch vielleicht doch? Und wenn es sie nicht gäbe, was kann man dagegen haben? Wenn es doch nur Streams sind, also klingende Datenströme, die mit irgendwelchen Clouds verwehen? ... Wer sich hinter The Velvet Sundown auch verbergen mag: Die Band ist groß genug, um alle offenenFragen zu verhandeln."
Weiteres: Sara Peschke plauscht für die SZ mit Smashing-Pumpkins-Sänger WilliamCorgan. Jan Wiele plaudert in der FAZ mit WillSmith, der demnächst mit einem neuen Hiphop-Album auf Deutschlandtournee kommt. Besprochen werden ein Bildband zum Leben des Komponisten GabrielFauré (online nachgereicht von der FAZ), NeilYoungs "Talking to the Trees" (JungleWorld), HerbieHancocks Auftritt in München ("ein großer Abend", schwärmt Andrian Kreye in der SZ) und das neue Album der Sparks (FR).
Günter Platzdasch berichtet in der FAZ vom auf Weltmusik spezialisierten Rudolstadt-Festival. Elisabeth Binder resümiert im Tagesspiegel das Internationale Kammermusikfestival Fliessenin der Niederlausitz. Besprochen werden NeilYoungs Konzert in Montreux (NZZ), ein Konzert der Sparks in Berlin (taz), das Großkonzert des kroatischen Nationalisten Thompson in Zagreb (NZZ, mehr dazu bereits hier), Martynas Levickis' Auftritt beim Rheingau Musik Festival in Wiesbaden (FR) und neue Popveröffentlichungen, darunter U.S. Girls' Album "Scratch It" ("Die leeren Versprechungen einer Cat Power, Meg Remy löst sie endlich ein", freut sich Karl Fluch im Standard).
Zwar ist unklar, wie viele Menschen tatsächlich bei dem Konzert des kroatischen Musikers MarkoPerković in Zagreb anwesend waren. Doch legt man selbst die vorsichtigste Schätzung an, war es immer noch "eines der größten in der europäischen Geschichte", schreibt Michael Martens in der FAZ mit allerdings großem Unbehagen. "Seit Dekaden ist es Perkovićs Geschäftsmodell, seinen Ruf als heimatliebender Patriot außer zum Geldverdienen auch dafür zu nutzen, das kroatischeUstascha-Regime zu rehabilitieren. Das war unter dem 'Poglavnik' (Führer) Ante Pavelić von 1941 bis 1945 Hitlers Juniorpartner auf dem Balkan. ... Eine der zentralen Parolen der Ustascha lautete 'Za dom - spremni', zu Deutsch: 'Für die Heimat - bereit'. Es ist gleichsam die kroatische Version des 'Heil Hitler'. Perkovićs bis heute berühmtestes Lied, 'Das Bataillon von Čavoglave', beginnt mit genau diesem Ausruf. Auf dem Zagreber Konzert wurde er im Duett zwischen Künstler und Publikum aufgeführt. Auf Perkovićs Vorgabe 'Für die Heimat' hallte es vieltausendfach zurück: 'Bereit!'"
Weitere Artikel: Dietmar Dath ergründet in der FAZ nach dem Besuch des Frankfurter Konzerts des Rappers KendrickLamar dessen musikalische Wortschmiede-Kunst. Martin Niewendick porträtiert in der taz den Alt-Punk WolfgangWendland von der auf Prolligkeiten jedweder Art spezialisierten Band DieKassierer. Besprochen werden das Comeback-Konzert von Oasis in Cardiff (TA), ein Wiener Auftritt von Morrissey (Standard) und das große Metalfestival in Birmingham, bei dessem krönenden Abschluss BlackSabbath in Originalbesetzung ihr nun wirklich glaubhaft allerletztes Konzert gegeben haben (Zeit Online).
Der Auftritt endete mit dem unsterblichen Klassiker "Paranoid" - OzzyOsbourne absolvierte das Konzert wegen seiner Parkinsonerkrankung im Sitzen auf einem Thron:
Auf der Medienseite der FAZfindet Oliver Jungen DanLindsays und TJMartinsvon Arte online gestellteHBO-Doku über Tina Turner zwar schon so irgendwie sehenswert, aber er hat auch viel kritisch anzumerken. Zum Beispiel, dass sich das Regie-Duo "obsessiv beinahe" auf Tina Turners Leidensgeschichte unter ihrem Ex-Ehemann Ike konzentriert, wo der Popstar selbst doch immer wieder darum gebeten hatte, auf diesen in ihren eigenen Worten "Fluch" nicht reduziert zu werden. Dabei könnte man ihre Lebensgeschichte "ganz anders erzählen, viel stärker auf die Wahnsinnspower dieser Bühnenkönigin ausgerichtet, die erst mit Mitte vierzig zur Soul-, Pop- und Rock-Diva wurde. Und vor allem auf die Musik. Als ultimative Dokumentation hätte man auf ikonische Alben wie 'Break Every Rule' (1986), 'Foreign Affair' (1989) - darauf das Bonnie-Tyler-Cover 'The Best' - oder das 'Golden Eye'-Album 'Wildest Dreams' (1996) eingehen müssen. Auch die gewaltigen Stadiontouren, bis dahin Männern vorbehalten, hätten einen Blick verdient."
Weiteres: Nachdem die Musiker von BobVylan beim Glastonbury Festival israelischen Soldatinnen und Soldaten den Tod an den Hals gewünscht haben (unser Resümee), sagen zahlreiche Veranstalter Konzerte mit der britischen Band ab und die USA haben ein Einreiseverbot verhängt, berichtet Nathan Giwerzew in der NZZ: Ihre "PopularitätinderantiisraelischenSzene dürfte der Eklat aber eher gesteigert haben". Amüsiert nimmt Tobias Rüther im FAS-Kommentar zur Kenntnis, dass die Scorpions nun Sonder-Briefmarken der Deutschen Post zieren. In der "Langen Nacht" des Dlf Kulturbefasst sich Jürgen König mit der Geschichte des Singens.
Besprochen werden das erste der vielen Reunion-Konzerte von Oasis ("Jessas", ruft ein restlos begeisterter Martin Wittmann online bei der SZ), NeilYoungs Auftritt in Berlin ("Manche weinen. Alle sind glücklich", schreibt Jens Balzer auf Zeit Online, "auf den rockigen Passagen lastet Apokalyptisches", beobachtetFR-Kritiker Harry Nutt), ein Wiener Auftritt von SamaraJoy (Standard), Kae Tempests neues Album (Tsp) und eine von EdnaMartinezkuratierte Compilation zur Geschichte der kolumbianischen Soundsystems, die dort Picós heißen (" Was die picós bei allen Unterschieden mit den jamaikanischen Soundsystems verbindet, ist die tiefe Liebe zu den durchdringenden Bässen", schreibt Ole Schulz in der taz),
Hier ein DJ-Set von Edna Martinez zu dieser Musikkultur:
Dass es bei der sechsmonatigen Oasis-Reunion, die heute Abend in Cardiff mit dem ersten Konzert ihren offiziellen Auftakt nimmt, alleine um die Kohle geht, kann sich der SchriftstellerJohnNiven in der SZ ehrlich gesagt nicht vorstellen: Die legendär zerstrittenen Gallagher-Brüder dürften auf ihren Konten noch immer viel mehr Geld haben als sie in diesem Leben auszugeben imstande wären. Er hat "das Gefühl, wenn man sich der 60 annähert, schleicht sich zwangsläufig eine gewisse Nostalgie ins Denken." Noel Gallagher dürfte sich wohl daran erinnern, "wie er sich damals fühlte." Und "oh ja, Oasis auf ihrem Höhepunkt - das fühlte sich wirklich supersonic an." Die Band verschmolz in den Neunzigern Gitarrenmusik "mit der hedonistischen Wut der Clubszene. So wurden sie schnell die einzige Gitarrenband, die die Kids aus der Dance-Musik-Szene hörten. ... Und jetzt, wo diese Leute fünfzig sind, wollen sie, dass er sie noch einmal fühlen lässt, wie sie sich mit fünfzehn fühlten. Wider besseres Wissen wollen sie ihr Leben noch einmal in die Hände einer Rock'n'Roll-Band legen. Was wirklich der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung ist."
Christian Schachinger findet es im Standard zweifellos respektabel, dass die noch alten Szene-Idealen der Integrität verpflichtete IndiebandDeerhoof ihre Musik von Spotifyzurückzieht, nachdem bekannt wurde, dass Spotify-Chef DanielEk rund 600 Millionen Euro in einen Rüstungskonzern investiert hat, der KI-Waffen produziert. "Ob sich ein Boykott von Spotify derart durchsetzen wird, dass es das Unternehmen auch finanziell spürt, ist allerdings fraglich. Erstens erweisen sich andere Streamingdienste auch nicht gerade als Hort der gerechten Einkommensverteilung. Selbst in der Vergangenheit halbwegs integre und faire Streamer und Plattformen wie Bandcamp gelten nach ihrem Verkauf an einen Global Player wie Songtradr als zumindest umstritten. Zweitens siegt beim Konsumenten, siehe Amazon oder Meta und X sowie Youtube und Google, im Zweifel jene Bequemlichkeit, die uns lieber Spotify benutzen lässt als uns selbst außerhalb der zur Faulheit einladenden Algorithmen umzusehen."
Außerdem: Karl Fluch plaudert im Standard mit AnnetteHumpe, von deren Band Ideal gerade das Debütalbum wiederveröffentlicht wurde. Im Standard ist Karl Fluch gespannt, in welcher Gemütslage Morrissey wohl sein für Samstag angekündigtes Konzert in Wien absolvieren wird. Besprochen werden Emma-JeanThackrays Album "Weirdo" (FR), KaeTempests Album "Self Titled" (taz) und Ozan Ata Cananis Album "Die Demokratie" ("selten klang staatsbürgerschaftlicherAgitpop so sexy wie hier", meint Luca Glenzer in der taz).
Bei den Schostakowitsch-Tagenin Gohrisch wurde das Lied "Der Nagel von Jelabuga" uraufgeführt, berichtet Michael Ernst in der FAZ. Karl Gedlicka spricht für den Standard mit dem Jazzgitarristen KarlRatzer, der dieser Tage 75 wird. In den experimentellen, nahe der Avantgarde siedelnden Spielformen von Metal kehrt die Kirchenorgel zurück, beobachtetStandard-Kritiker Christian Schachinger. Aktuelles Beispiel: der Schwede HampusLindwall, der im Brotberuf Kirchenorganist in Frankreich ist.
Besprochen werden ein Auftritt von PattiSmith in Mainz (FR) und LyraPramuks Album "Hymnal" (taz).
Antonia Munding spricht für Backstage Classical im Rahmen des Festivals Odessa Classics auf Schloss Elmau mit dem ukrainischen Pianisten und Festivalgründer AlexeyBotvinov und dem im Schweizer Exil lebenden, russischen SchriftstellerMichail Schischkin. Die zahlreichen Konzerte der Odessa Classics bieten vor allem dem ukrainischen Teil des Publikums Halt, erzählt Botvinov: "Natürlich kann man mit Kunst keine Raketen aufhalten, aber man kann die Atmosphäre beeinflussen." Und "wieviel Hoffnung steckt in dieser symbolischen Geste", ergänzt Schischkin: "Im Moment geht es um nichts Geringeres als um die Verteidigung der menschlichen Kultur. Die Ukraine wurde zum Symbol dieses globalen Krieges der von allen Seiten kommenden und angreifenden Barbarei gegen die Zivilisation. ... Deshalb ist es so wichtig, dass alle Menschen, die verstehen, was Menschlichkeit ist, was ein Rechtsstaat ist, warum wir eine Demokratie brauchen, dass sie der Ukraine helfen, diesen Krieg gegen das faschistische Russland zu gewinnen."
Weitere Artikel: Zahlreiche Musiker protestieren dagegen, dass DanielEk sich mit seinen Spotify-Millionen bei einem Konzern einkauft, der per KI gesteuerte Waffen produziert, berichtet Martin Fischer im Tages-Anzeiger. Gina Thomas berichtet in der FAZ von der Beerdigung des PianistenAlfred Brendel (hier unser Resümee der Nachrufe auf ihn). Wolfgang Luef porträtiert in der SZ den österreichischen Musikmanager Stefan Redelsteiner, der unter anderem Wanda und VoodooJürgens groß gemacht hat.
Besprochen werden GeorgRubys "Soliloquies" (FR), ein Konzert des OrquestaNacionaldeEspaña in Wiesbaden (FR), NeilYoungs Konzert in Bergen (Welt), neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album von Coraline ("Postrock trifft auf Folkrock", schreibt Christian Schachinger im Standard) und Mourning [A] BLKstarsAlbum "Flowers For The Living" (taz).
Daniel Zylbersztajn-Lewandowski fasst in der taz die Geschehnisse beim Glastonbury-FestivalinGroßbritannien zusammen, wo unter dem eigentlich recht unmissverständlichen Veranstaltungsmotto "Peace, Hope & Unity" ein Sänger des Grime-Duos BobVylan unter euphorischem Zuspruch des Publikums mit der ausgerufenen Parole "Death, DeathtotheIDF" den Soldaten und Soldatinnen des israelischen Militärs unmissverständlich den Tod an den Hals wünschte. Die diesbezüglich ebenfalls einschlägig berüchtigte Band Kneecap, die auch schon mal Sympathien für die Hamas und die Hisbollah bekundete, trat gleich danach auf, hielt sich aber eher zurück - womöglich weil in Großbritannien ein Verfahren gegen die Band läuft.
Offensichtlich sahen weder die Musiker "noch ihre jubelnden Hörerinnen und Hörer einen Widerspruch zwischen dem 'Peace, Hope and Unity'-Motto des Glastonbury-Festivals und den auf der Bühne skandierten Parolen, die sich allein gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen richten", kommentiert Jens Balzer auf Zeit Online. Aber: "Pop ist schon immer ein großer Vereinfacher gewesen. Er kann Menschen zu Gemeinschaften verbinden, in denen sie sich sicher fühlen, weil sie glauben, dass alle um sie herum so sind und so denken wie sie. Pop hat schon immer Situationen erschaffen, in denen Menschen in einer Gruppe einander das Gefühl gaben, dass sie den richtigen Style haben und den richtigen Blick auf die Welt, und dass sie dabei vielleicht sogar die Einzigen sind, die erkennen, wie es wirklich läuft, wenn sie zigtausendfach die auf einer Bühne skandierten Parolen mitrufen. So betrachtet ist das Glastonbury-Festival am vergangenen Wochenende ein perfektesPop-Ereignis gewesen."
Weitere Artikel: Juliane Liebert verneigt sich in der SZ vor DebbieHarry, die heute 80 Jahre alt wird und "ein frühes Rollenmodell für ein aktives weibliches Begehren und weibliche Handlungsfähigkeit" ist. Weitere Glückwünsche entsenden Nadine Lange (Tsp) und Freddy Langer (FAZ). Rico Bandle porträtiert in der NZZ den seit 30 Jahren in North Carolina lebenden, Schweizer Bluegrassmusiker UweKrüger. Thomas Ribi fasst in der NZZ die aktuelle Aufregung um Beyoncé zusammen, die ein T-Shirt trug, das eine schwarze Armeeeinheit ehrt, die allerdings brutal gegen amerikanische Indigene vorgegangen ist. Louisa Zimmer berichtet in der taz vom Festival Music Week Poland in Warschau. Matthias Heine sieht für die Welt nach, was man von den Ramones für den Atomkrieg lernen kann. Und Hanspeter Künzler schreibt in der NZZ zum Tod des (nicht nur) Filmkomponisten LaloSchifrin. Von ihm stammt auch das fahrig-nervöse Thema aus "Dirty Harry":
Besprochen werden der Berliner Auftritt von AC/DC (Tsp), BruceSpringsteens Box "Tracks 2" mit sieben in den Achtzigern und Neunzigern aufgenommenen, bis dato aber unveröffentlichten Alben (FAZ) und ein Dubliner Konzert von NeilYoung mit VanMorrison im Vorprogramm (FAZ).
Mit der Compilation "Tracks II: The Lost Albums" macht BruceSpringsteen sieben in den Achtziger- und Neunzigerjahren produzierte, aber nie veröffentlichte Alben zugänglich, die den "Boss" von eher ungewohnter Seite zeigen, erklärt Jan Jekal auf Zeit Online: Mit Trip-Hop, Bossanova, Jazz-Pop, sogar mit Ambient hat Springsteen damals experimentiert. Den Höhepunkt der Zusammenstellung bilden "die Streets of Philadelphia Sessions: Zehn Songs, in denen Springsteen den Sound des Titelstücks weiter ergründet, tranceartige Synthesizer über Hip-Hop-Beats legt und zusammen mit E-Gitarren-Texturen geisterhafteKlangwelten erschafft. Kein Zugeständnis an den Trip-Hop-Sound der damaligen Stunde ist diese Musik, sondern perfekte Kulisse für seine Stimme." Hingegen "anderes ist zu Recht in der Schublade geblieben: 'Somewhere North of Nashville' etwa, eine Honkytonk-Rockabilly-Platte," bietet nur "Generisches, auch unangenehm lüsternesSaloon-Gerumpel".
Besprochen werden außerdem BeatrixBorchards Buch "Fanny und Felix Mendelssohn" (NZZ), das neue Album von Lorde ("Ihre Selbstfindung bleibt eine Nabelschau", seufzt Amira Ben Saoud im Standard), ein Wiener Strauss- und Bruckner-Abend mit der StaatskapelleBerlin unter ChristianThielemann (Standard), das neue Album von Haim (online nachgereicht von der FAS), LucileRichardots Album "Northern Light" mit Aufnahmen schwedischer Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert (FAZ) und das Album "Apple Cores" des JamesBrandonLewis Trios (FAZ).
Andreas Borcholte ruft auf Spiegel Online schon mal den Lorde-Summer als Nachfolger des Brat Summers aus: Die Neuseeländerin hat mit "Virgin" ihr viertes Album veröffentlicht, der Titel ist für ihn "ein Hinweis darauf, dass sich Lorde als frei und unberührt von Ruhm, Romanzen und tradierten Ritualen betrachten will, ganz für und bei sich selbst." Sie schlägt musikalisch eine neue Richtung ein: Es entsteht "ein kristalliner, in den Strophen oft auf wenige Klang-Gimmicks reduzierter Hyperpop, der in euphorische Ohrwurm-Refrains explodiert. Es wirkt, als wäre Lorde, getriggert durch entfesselnde Ereignisse, wirklich in der Lage, eine Art pubertäre Pop-Urgewalt anzuzapfen."
Auch Elisabeth Fleschutz ist in der FAS begeistert, gerade von der immensen Körperlichkeit, die dieses Album ausstrahlt: "lyrisch roh und rau, ohne Angst vor dem Unbequemen, fast Ekligen, wie sie selbst sagte. Das beweist gleich der erste Song 'Hammer': 'They're piercing my ears /I'm making a wish when the needle goes in', 'Don't know if it's love or if it's ovulation / when you're holding a hammer / everything looks like a nail'. Der Song - und mit ihm das Album - beginnt mit einem Synthesizer, der von Ohr zu Ohr wandert und wie flirrender Sommer klingt. Retrosynthesizer tragen das Album überhaupt, geben auf minimalistische Art fast immer den Rhythmus vor. Die Lieder beginnen ruhig und bauen dann ein größeres Elektro-Pop-Finale mit treibenden Beats auf. Auch musikalisch hat 'Virgin' also eine klare Linie, ist wieder ein Konzeptalbum, das genau weiß, was es will." Weitere Besprechung in der NZZ. Wir hören rein:
"Eine wahre Schatztruhe" istBruce Springsteens jüngste Veröffentlichung "Tracks II - The Lost Albums" für Eric Facon in der NZZ. Gleich sieben nie erschienene Alben sind darauf versammelt, von denen Facon sich besonders für "Twilight Hours" begeistern kann: "Es enthält jazzige Grossstadt-Balladen über die Einsamkeit, die einen an der Grenze zwischen Nacht und Morgen überfällt, die man sich gut als Vorlage für Frank Sinatra vorstellen könnte. Dass Springsteen so etwas kann, weiss man seit 'Meeting Across the River' von 1975. Warum er diese Facetten seines Schaffens derart selten gezeigt hat, lässt sich nur vermuten. Ein neuer Springsteen? In gewissem Sinn. 'Tracks II - The Lost Albums' zeigt einen Musiker, der stilistisch weit neugieriger scheint als bisher angenommen." Weitere Besprechungen im Standard, in der FR und bei Spiegel Online.
Weiteres: Tomas Bächli erinnert in der Taz an den 100. Todestag des Komponisten Erik Satie. Jürgen Kesting gratuliert dem Bariton Thomas Hampson in der FAZ zum Siebzigsten. Die Wams bespricht PJ Harrisons Buch "Gallagher" über die Brüder, die die Band Oasis gründeten. FAZ, Standard und Spiegel Online trauern um den Filmkomponisten Lalo Schifrin, der am Donnerstag im Alter von 93 Jahren verstorben ist.
Besprochen wird: Das neue Album "Ensoulment" von der Band The The (NZZ).
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