Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.03.2025 - Musik

An Karajan-Aufnahmen herrscht weißgott kein Mangel, aber die neue, 24 CDs umfassende Box "Live in Berlin 1953-1969" ist dann doch etwas Besonderes, schreibt Manuel Brug in der Welt: Über seine Studioaufnahmen wachte Karajan eifersüchtig, doch diese im genannten Zeitraum mit den Berliner Philharmonikern für den SFB und den RIAS entstandenen "Mitschnitte waren für Karajan Dienst am Subventionsgeber, Abfallprodukte ohne ewigen Wert, für das schnelle Vergessen der Radioarchive. Für die Nachwelt sind sie aber nun zwar keine Sensation, aber doch ein nachklingender Schatz ... Die Live-Konzerte sind nicht grundsätzlich anders in einer oft früh gefundenen, nur stetig ausgefeilteren, scheinbar definitiven Interpretation. Doch sie sind spontaner, direkter, abrupter. Sie sind auch aus dem Moment heraus und in der Konzertvariation mutiger als die geputzten, scheinbar perfekt makellosen Mikrosessions ohne Publikum", so Brug, der hier Karajan und das Orchester "bei der Arbeit" erlebt.

Weitere Artikel: Rahel Zingg (NZZ) und Patricia Shams (TA) stellen Zoë vor, die die Schweiz beim ESC vertreten wird. Andrian Kreye spricht in der SZ mit Thomas Anders, der die ersten sechs Modern-Talking-Alben ohne Dieter Bohlen neu aufgenommen hat. Ueli Bernays (NZZ), Edo Reents (FAZ), David Ensikat (Tsp) und Jakob Biazza (SZ) gratulieren Nina Hagen zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden Lady Gagas neues Album "Mayhem" (Welt, SZ, mehr dazu bereits hier). Rebecca Blacks neues Album (Standard), Pastels Britpop-Album "Souls In Motion" (FR), ein Frankfurter Konzert des Ensemble Modern mit Werken von Brigitta Muntendorf und Hainbach (FR) sowie neue Popveröffentlichungen, darunter ein neues Album von Hamilton Leithauser (Standard-Kritiker Karl Fluch hat viel Freude an "den großen Gesten").

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.03.2025 - Musik

Maurice Ravels 1920 noch unter den Eindrücken des Ersten Weltkriegs entstandenes Stück "La Valse" handelt davon, "wie Zivilisation in Auflösung gerät", ruft Clemens Haustein in der FAZ in Erinnerung. Joana Mallwitz hat das Stück nun bei ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern spielen lassen und dabei "die Aktualität des Stückes" neu unterstrichen: "Wie kurze Durchblicke in einem bedrohlichen Wolkentreiben blitzen hin und wieder noch Erinnerungen an Süße und Delikatesse auf. Im Nu versinken sie im infernalischen Strudel des Geschehens. Wurde das Stück in der Vergangenheit noch als Krimi mit Caféhaus-Charme verstanden, konsumierbar zur besten Sendezeit, so macht Mallwitz vom ersten Ton an deutlich, dass es ihr bitterernst ist. Der Herzschlag zu Beginn in den zupfenden Kontrabässen: so präsent als handele es sich um eine anatomische Innenschau. Das Tempo ist hoch, der Puls schon hier von einer rasenden Nervosität. Streichertremoli jagen wie Angstschauer vorüber, die Holzbläser melden sich verwirrt wie Vögel vor dem Gewitter - es grenzt an ein Wunder, dass die Dirigentin bei der Drastik schon des Beginns die Spannung bis zum Ende des Stückes halten kann. ... Beim Hören wechseln Schauer der Lust mit Schauern des Grauens." Beim Dlf Kultur kann man das Konzert nachhören.

Weitere Artikel: Julian Wachners Vorhaben, gemeinsam mit dem Tölzer Knabenchor eine "authentische Gesamtaufnahme" von Bachs 200 Kantaten aufzunehmen, lässt SZ-Kritiker Helmut Mauró nach ersten Eindrucken "auf Großes hoffen". "Wir werden nicht letzter Platz sein", verspricht Attila Bornemisza vom österreichischen Geschwister-Duo Abor & Tynna, das Deutschland beim ESC vertreten wird, im Zeit-Online-Gespräch. Sven Beckstette schreibt in der taz zum Tod von Roy Ayers (weitere Nachrufe bereits hier). Dorothea Walchshäusl porträtiert für die NZZ die Pianistin Alice Sara Ott, die gerade sämtliche Nocturnes von John Field eingespielt hat. Daraus eine Kostprobe:



Besprochen werden ein Frankfurter Konzert des Orchestre de Paris unter Klaus Mäkelä zu Ehren Maurice Ravels (FR), ein von Zubin Mehta dirigiertes Konzert des West-Eastern Divan Orchestra in Wien (Standard), eine CD von Benjamin Appl mit Liedern von György Kurtág und Franz Schubert (FAZ), die 24 CDs und ein Buch umfassende Edition "Herbert von Karajan - Live in Berlin" (FAZ) und Lady Gagas neues Album "Mayhem" (FAZ-Kritiker Jan Wiele beschleicht der "Eindruck übertriebener Ordnung, fast schon von Ununterscheidbarkeit der Songs, die nahezu ausnahmslos in dieselbe Eurodance-Soße getunkt sind", mehr zum Album bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.03.2025 - Musik



Frisch auf dem Markt ist Lady Gagas neues Album "Mayhem", nach Exkursen in Jazz und Kino eine Rückkehr zu ihren Wurzeln im Blockbuster-Pop. Für Mathis Rabe von Zeit Online ist Lady Gaga einfach "die Königin des Nonsens", in deren Textzeilen sich die "uh-nanas" und "uh-gagas" mal wieder ekstatisch häufen. "In 'Abracadabra' schmettert sie diese Silben, die in keinem Wörterbuch stehen, mit opernhafter Dramatik über einen Techno-Beat. Kurz darauf wechselt sich die Stakkato-Bassdrum mit einem horrorfilmartigen Dröhnen ab, dann folgt ein House-Keyboard, dann ein E-Gitarren-Sample. Abracadabra zieht alle Register, die einer Pop-Produktion zur Verfügung stehen. Der Song hat drei verschiedene Refrains und eine Bridge. Alles tut so, als müssten hiermit die wichtigsten Zeilen in Szene gesetzt werden, die je ein Mensch geschrieben hat. Unter den großen Popstars macht das niemand so gut wie Lady Gaga: zeigen, dass die Grenze zwischen Kunst und Quatsch sich auflöst, wenn man nur genug Pyrotechnik zündet."

Rundheraus überhaupt keine Freude an dem Album hatte indessen Karl Fluch vom Standard. In Interviews beschwört Gaga die Myriaden an Einflüssen, die sie in dem Album verarbeitet haben will. "Gut, wer das heraushören möchte, kann das wahrscheinlich, schließlich erinnert die Aufzählung vermeintlicher Zutaten an 'einmal mit alles', wie das beim Kebab-Stand heißt. 'Mayhem' ist gängiger Mainstream-Pop. Manchmal schlanker, manchmal bombastischer angerichtet. In den Videos, von denen diese Musik nicht zu gering lebt, sieht man die Hauptdarstellerin, ihrem Ruf verpflichtet, in exzentrischen Outfits. So fällt es leichter, das Begleitgeräusch auszublenden. ... 'Mayhem' erinnert in seinem Bemühen wieder an den Trendstaubsauger Madonna: alles abdecken, was angeblich gerade angesagt ist. Oft ist das nur der Versuch, den Anschlussverlust zu kaschieren. Nirgends ist das so hart wie im Mainstream-Pop."

Weitere Artikel: Julian Weber schreibt in der taz zum Tod des Gitarristen Brian James, dessen Band The Damned mit "New Rose" 1976 die erste britische Punksingle veröffentlichte. Christian Wildhagen erinnert in der NZZ an Maurice Ravel, der vor 150 Jahren geboren wurde. Ljubiša Tošić blickt im Standard voraus auf das Kremser Festival Imago Dei Ende März. Nicht ganz frei von Amüsement nimmt Thomas Kramar in der Presse zur Kenntnis, dass der maltesische ESC-Beitrag "Kant" nach Protest der BBC umgetextet werden muss.



Besprochen werden ein Konzert von Lenny Kravitz in Zürich (NZZ) und ein von Marie Jacquot dirgiertes Konzert der Wiener Symphoniker mit dem Pianisten Vadym Kholodenko (Standard).
Stichwörter: Lady Gaga, Pop, Ravel, Maurice, Techno, Esc

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.03.2025 - Musik

"Die Parallelen zu 1933 sind unübersehbar", argumentiert der Geiger Christian Tetzlaff im Podcast von Backstage Classical seine Entscheidung, seine US-Tournee angesichts von Trumps Polit-Vandalismus abzusagen. In der Tonhalle Zürich spielte er eben unter Paavo Järvi, berichtet Christian Wildhagen in der NZZ. "Mit seinem entschlossenen Boykott steht der Geiger in der Branche zurzeit noch recht allein da, aber diese Haltung könnte zum Vorbild für weitere europäische Musiker werden. Und wie um letzte Zweifel an ihrem Standpunkt auszuräumen, stimmten die beiden Tetzlaff-Geschwister nach der leidenschaftlich aufgewühlten Wiedergabe des Brahms-Konzerts dann noch die ukrainische Nationalhymne an." Die New York Times hat mit Tetzlaff über dessen Entscheidung gesprochen.

Die Popkritiker trauern um den Jazzvibrafonisten und Sänger Roy Ayers, dessen Wohlfühl-Hits wie "Everybody loves the Sunshine" im Nu "gute Laune, wohlige Melancholie oder dampfige Balzstimmung" hervorrufen, wie Andrian Kreye in der SZ schreibt. Im Hiphop war Ayers eine Weile "der meistgesampelte Musiker", seine Stücke waren "von einem tiefen Optimismus durchzogen. Der schlug sich in Beats nieder, die nicht sofort in den Unterleib, sondern erst einmal in die Finger und die Schultern gingen."



Ayers hielt sich nie lange bei einer Spielart von Jazz, Soul und Funk auf, erfahren wir von Jan Wiele in der FAZ. "Den typischen Funk-Jazz sogenannter Blaxploitation-Filme, den heute viele in der Ableitung von Quentin Tarantinos 'Jackie Brown' kennen, prägte Ayers im Original, nämlich etwa mit dem Soundtrack zu Jack Hills Film 'Coffy' mit Pam Grier von 1973. Nachdem er, inspiriert von Miles Davis' Fusion-Ideen, das Genre des tanzbaren, auch mit Discomusik flirtenden Jazz mit revolutioniert hatte, schlug er einen weiteren Haken in der Kollaboration mit dem nigerianischen Jazzer Fela Kuti. Ayers inspirierte Popmusiker von Erykah Badu bis zu Pharrell Williams und zeigte bis ins höhere Alter auch bei diversen europäischen Auftritten seine Coolness."



Weiteres: Max Nyffeler berichtet in der FAZ von der Musikfilmmesse Avant Première in Berlin. Wilhelm von Sternburg erinnert in der FR an Maurice Ravel, der heute vor 150 Jahren geboren wurde. Besprochen werden das neue Album von Panda Bear (Standard) und weitere neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album von Lady Gaga ("ein fulminantes Comeback", schreibt Anna Ruhland im Tagesspiegel).

In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Stephan Sura über "Teardrop" von Massive Attack:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.03.2025 - Musik

Jan Brachmann erinnert in der FAZ mit einem großen Text an Maurice Ravel, dessen Geburtstag sich morgen zum 150. Mal jährt. Dominika Hirschler spricht für VAN mit dem Piano-Duo GrauSchumacher. Christine Lemke-Matwey porträtiert in der Zeit Matthias Moosdorf, der früher Cellist im Leipziger Streichquartett war und seit 2021 für die AfD im Bundestag sitzt. Die Agenturen melden, dass das Bach-Archiv in Leipzig einige wertvolle Originale aus New York erhält.

Besprochen werden ein Berliner Abend mit dem Chansonnier Tim Fischer und den Liedern von Hildegard Knef (Tsp) sowie neue Alben von Max Andrzejewski (FR), der Chills (Standard) und von Bob Mould, der einst in den Achtzigern den Alternative Rock erfunden hat (Standard).

Stichwörter: Ravel, Maurice, AfD

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.03.2025 - Musik

Jakob Biazza plaudert für die SZ mit Lenny Kravitz. Ljubiša Tošić porträtiert für den Standard den Schlagzeuger Alex Deutsch. Christian Schachinger bereitet im Standard aufs Elevate Festival in Graz vor. Besprochen werden Chris Imlers neues Album "The Internet Will Break My Heart" (FR), Christopher Owens' Album "I Wanna Run Barefoot Through Your Hair" (Jungle World), neue Klassik- und Jazzveröffentlichungen (Standard) und Albrecht Schraders neues, schlicht nach ihm selbst benanntes Album (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.03.2025 - Musik

In der FAZ gratuliert Niklas Maak dem Yello-Sänger Dieter Meier zum 80. Geburtstag - oh yeah:



Besprochen werden ein Wiener Konzert der Tschechischen Philharmonie unter Semyon Bychkov (Standard) und der Tourauftakt von Tokio Hotel (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.03.2025 - Musik

Der Schriftsteller Tex Rubinowitz schreibt im Standard ausführlich mäandernd über Andreas Doraus Konzeptalbum "Wien". Stella Schalamon (Zeit Online) und Manuel Brug (Welt) resümieren Stefan Raabs Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Joachim Hentschel schreibt in der SZ einen Nachruf auf David Johansen, den im Alter von 75 Jahren gestorbenen Sänger der New York Dolls. In der FAZ erinnert Jan Brachmann an den Pianisten und Komponisten Moritz Moszkowski, der vor 100 Jahren gestorben ist. Bei den Brit Awards hat Charli XCX abgeräumt, melden die Agenturen. Außerdem melden sie, dass die Soulsängerin Angie Stone bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Besprochen werden ein Konzert des Gewandhausorchesters unter Andris Nelsons mit Lucas und Arthur Jussen (FR) und das neue Album von Panda Bear (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.03.2025 - Musik

Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt der Musiker Zartmann, der heute abend in Berlin spielt, wie man authentisch und achtsam bleibt. Ljubiša Tošić ist im Standard gespannt auf das Konzert von Shake Stew heute Abend in Wien. Christian Schachinger wirft für den Standard einen Blick auf Bob Dylans mitunter etwas wunderlich anmuntende Social-Media-Aktivitäten.

Besprochen werden Albertine Sarges' Album "Girl Missing" (taz), das Album "Start / Stop" des Tobias Hoffmann Trios (FR), ein Wiener Konzert von Louise Alder und Mauro Peter (Standard) und das neue Album von Darkside ("So klingt Musik, die von etwas erzählt, das sie gleichzeitig überwindet", freut sich Tobi Müller auf Zeit Online).

Stichwörter: Social Media

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.02.2025 - Musik

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Ziemlich wütend ist tazler Julian Weber nach der Lektüre von Liz Pellys Buch "Mood Machine", einer kritischen Recherche über die Machenschaften von Spotify. Nicht nur der Datenkapitalismus des Konzerns und die finanzkräftige Unterstützung von Donald Trump durch Spotify-Gründer Daniel Ek stoßen ihm auf. Sondern vor allem, dass Spotify zwar Umsätze einfährt, wie sie zu den goldenen Zeiten der Musikbranche üblich waren und Ek gar nicht mehr weiß, wohin mit seinem Geld, während der überwältigende Teil der Musiker aber von dem Geldsegen so gut wie nichts abbekommt. "Spotify teilt Musikschaffende intern in verschiedene 'Etagen' (englisch tiers), je nach Erfolgsaussicht. ... 2023 entschied der Streaminganbieter, erst ab einer Anzahl von mehr als 1.000 Streams Musik zu vergüten. 'Das Internet ist ein Major-Business: Amazon, Eventim, Spotify', erklärt Maurice Summen. ... 'Wir bekommen seit Jahren die gleichen Microcent-Beträge ausgeschüttet. Mir fällt kein anderes Business ein, in dem die Preise seit ewig gleichgeblieben wären. Da wünsche ich mir zumindest mal einen Inflationsausgleich.' ... Aktuell kommt eine unabhängig erstellte Studie des Netzwerks Digitale Kultur zu einem eindeutigen Ergebnis: 75 Prozent der deutschen Streamingumsätze gingen 2023 an 0,1 Prozent der Künstler:innen. 68 Prozent der Künstler:innen verdienten mit Streaming weniger als 1 Euro. The Winner takes it all. Auch darum hält sich in der Indieszene ein hartnäckiges Gerücht: Majorlabels haben Sonderkonditionen mit Spotify ausgehandelt."

Außerdem: Karl Fluch erzählt im Standard die tragische Geschichte der Musikerin Q Lazzarus, die immer mal wieder mit Erfolgen nach oben kam, bis sie in den Neunzigern komplett in der Versenkung und im Elend verschwand. Besprochen werden ein Konzert von Moin (taz), ein Auftritt des Jazzpianisten Brad Mehldau am Casals-Forum in Kronberg (FAZ) und Moonchild Sanellys Album "Full Moon" (FR).