Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

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Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Al Ahram Weekly

Mohamed Salmawy, Generalsekretär der arabischen Schriftstellervereinigung, erklärt Rania Khallaf, warum er alle arabischen Kollegen zu einem Boykott der Pariser Buchmesse aufrief, bei der Israel als Gastland auftrat. "'Wir sind nicht gegen die Meinungsfreiheit oder gegen irgendeinen israelischen Schriftsteller. Die Pariser Buchmesse hat sich in diesem Jahr jedoch entschieden, dieses Ereignis politisch zu machen. Es gibt überhaupt keine Möglichkeit für einen Dialog, wenn eine Seite, der Aggressor, geehrt wird, und die andere Seite, das Opfer dieser Aggression, daran gehindert, wird, die Messe zu besuchen', sagte er mit Blick auf die Palästinenser." Politisch sei die Messe auch, weil Shimon Peres sie eröffnete. Hier der Artikel zur Messe selbst.

Nehad Selaiha hat drei Stücke über den Nahen Osten der amerikanischen Autorin und Menschenrechtsaktivistin Naomi Wallace gesehen. Wallaces politisches Theater erinnert Selaiha an die sechziger Jahre - "unsere sozialistischen Jahre" - als alles Theater in Ägypten politisch zu sein schien...

Magazinrundschau vom 18.03.2008 - Al Ahram Weekly

Nehad Selaiha ist total erschlagen von der Flut an interessanten Theaterinszenierungen, die über Kairo hereingebrochen ist. Das reiche Angebot löst tiefe Selbstzweifel aus: "Sind wir auf dem Weg zu einer richtigen Zivilgesellschaft? Hat das Theater als sozio-politische, kulturelle Praxis - und nicht nur als 'Entertainment' oder vom Staat manipuliertes Propagandaorgan - sich endlich von der staatlichen Kontrolle befreit und sich auf seine eigene fröhliche Weise verzweigt? In diesem Augenblick bin ich geneigt zu schwärmen, Überbleibsel einer alten Krankheit, und verkünde laut, dass der Marsch des Theaters weitergehen wird, gleichgültig, wieviele fallen und blutend am Wegesrand liegen bleiben werden. Aber Alter, Erfahrung und die Reste eines rigorosen akademischen Trainings hemmen mich. Von weitem funkelt das Bild, aber kommen Sie nicht zu nahe. Wenn Sie es tun, werden Sie feststellen, dass es alles zu riskant ist, ein Strohfeuer, das keine dauerhaften fundamentalen Strukturen hinterlässt, die man unterstützen oder überlebensfähig halten könnte."

Magazinrundschau vom 04.03.2008 - Al Ahram Weekly

Auch auf ägyptischen Märkten sieht man immer mehr chinesische Waren, notiert Dena Rashed. Sie sind oft billiger und besser als die heimischen Produkte. Beim Afrika Cup in Kairo wurde das besonders schmerzhaft deutlich. "Ich muss zugeben, dass viele Leute eigens nach den Nationalflaggen fragten, die in China hergestellt wurden, weil sie länger halten', sagt Abdu Gouda, der beim Ahli Club in Kairo arbeitet und seit vierzig Jahren vor dessen Tor die Wimpel des Clubs sowie ägyptische Nationalflaggen verkauft. Gouda kauft die Flaggen in Al-Moski, wo Großhändler Hunderte von anderen Kunden mit verschiedensten Waren versorgen. Ägyptische Flaggen sind ein paar Pfund teurer als chinesische, und sie sind laut Gouda eben auch nicht so gut."

Magazinrundschau vom 26.02.2008 - Al Ahram Weekly

In Kairo hat ein neuer Schönheitssalon für verschleierte Frauen für Aufruhr gesorgt, berichtet Gihan Shahine. Säkulare Medien wettern dagegen, dass etwa christliche Frauen ausgeschlossen werden. Die Besitzerin differenziert. "'Wir haben nie gesagt, dass sie nicht kommen dürfen', sagt Tork. 'Wir haben nur gesagt, dass wir unverschleierten Frauen nicht das Haar machen - ob sie nun Muslime oder Christen sind - weil wir uns nicht an ihrer Sünde beteiligen wollen [dass sie unverschleiert auf die Straße gehen]. Das stammt natürlich alles nicht von uns. Wir haben drei religiöse Gutachten von drei verschiedenen Religionsgelehrten bekommen, bevor wir uns entschieden haben, das zu tun. Es ist doch ganz einfach: in einem chinesischen Restaurant kann man kein Koshari bestellen, und man kann das Restaurant nicht dafür verantwortlich machen, nur eine bestimmte Art von Essen zu servieren.'"
Stichwörter: Schönheitssalons

Magazinrundschau vom 19.02.2008 - Al Ahram Weekly

Margot Badran feiert die Bedeutung des iranischen Frauenmagazins Zanan als Wegbereiter für einen islamischen Feminismus. "Mit Weitblick, Entschlossenheit, journalistischer Erfahrung und der Unterstützung durch Gleichgesinnte gründete Shahla Sherkat ein unabhängiges und in Geschlechterfragen fortschrittliches Journal. Auf den Seiten von Zanan, veröffentlichten Frauen neben männlichen Autoren (die weibliche Pseudonyme benutzten), darunter auch aufstrebende Religionsgelehrte, ihre Neuinterpretationen des Koran und anderer religiöser Texte, die auf ein gleichberechtigtes Veständnis des Islam hinausliefen. Zeitgleich entstanden in den Neunzigern ähnliche Inititativen in der muslimischen Welt, die die Beschränkungen und die Ungleichheit innerhalb der diversen patriarchalischen Islamvarianten aufheben wollten." Dass das Magazin jetzt verboten wurde, wird den Konservativen nichts nützen. "Zanans Vision bleibt lebendig."

Weiteres: Samir Farid berichtet von der Berlinale und die Reaktion auf den einzigen arabischen Film, Youssri Nasrallahs im Panorama gezeigten "Aquarium". Die Sichtbarkeit arabischer Filmemacher wird sicherlich durch das Festival von Abu Dhabi steigen, das im Oktober zum zweiten Mal stattfinden wird. "Verführerisch für alle Filmemacher wird vor allem der mit einer Million Dollar dotierte Hauptpreis sein - der höchste in der Geschichte internationaler Filmfestivals."

Magazinrundschau vom 29.12.2007 - Al Ahram Weekly

In Ägypten wird es im nächsten Jahr ähnlich kontrovers zugehen wie in diesem, schätzt Assem El-Kersh. "Die Regierung und die Opposition, die Regierung und die Presse, die Presse und die Presse, der neue Justizminister und die ihn verachtenden Richter, der Luxus von Kairo und die Armut von Oberägypten, der Konflikt zwischen Überfluss und Bedürftigkeit, der die Gesellschaft immer mehr durchdringt und sich in leeren Nordküsten-Resorts und übervollen Elendsvierteln manifestiert. Der Gegensatz wurde in verschiedensten Zusammenhängen deutlich, direkt und metaphorisch: Proteste in Fabriken, Universitäten und den Straßen der Innenstädte auf der einen Seite, auf der anderen die immer rigoroser werdenden Zentralen Sicherheitskräfte; die Neun-Uhr-Nachrichten im Staatsfernsehen und die Überschriften der unabhängigen Tageszeitungen, offizielle Verlautbarungen und Talkshow-Gäste, knappe Outfits und der Hijab, Blogger und Zensoren..."

Magazinrundschau vom 27.11.2007 - Al Ahram Weekly

Rania Khallaf schwärmt von Moving Walls, einer Ausstellung amerikanischer Fotografen, die ihre Reisen in den arabischen Raum dokumentieren. Faszinierender noch findet Khallaf aber ein anderes Projekt, das islamisches Leben in New York zeigt. Es handelt sich um das Werk "mit dem Titel 'NY Masjid: Die Moscheen von New York City' von Edward Gradzda. Eine inspirierende Vision des muslimischen New York: die Gebäude, die Gesichter, man kann gar nicht glauben, dass sich all das in der Welt-Hauptstadt der Nicht-Muslime abspielt. Eine allgemeine Langsamkeit konterkariert das stereotype Bild des Big Apple, während wir auf Schrifttafeln erfahren, dass in dieser Stadt, deren Bewohner zu 75 Prozent Immigranten sind, 100 Moscheen existieren und 800.000 Muslime leben, darunter Afroamerikaner, aber auch, in wachsender Zahl, Latinos."

Weitere Artikel: Ibraham Nawar beobachtet den Aufstieg des Iran zur Nahost-Supermacht, erklärt die Gründe und warnt vor der destabilisierenden Wirkung, die sich für die Region daraus ergeben könnte. Mona El-Nahhas informiert über Proteste ägyptischer Universitätsprofessoren gegen staatliche Eingriffe in ihre Arbeit. Scharfe Kritik übt Nehad Selaiha an der miserablen Behandlung der Künstler beim 2. Frauen-Theaterfestival in Kairo. Und Mohammed Baraka beschreibt die Fallen, die auf einen arabischen Schriftsteller warten.

Magazinrundschau vom 06.11.2007 - Al Ahram Weekly

Nahed Nasser sammelt Reaktionen ägyptischer Schriftsteller auf den Nobelpreis für die in Arabien recht unbekannte Europäerin Doris Lessing. Viele quittieren die Entscheidung ganz schön beleidigt, aber nicht alle: "Für die junge Autorin Afaf El-Sayed ist die Entscheidung der Schwedischen Akademie nicht als solche verdächtig. Dass Lessing nicht so bekannt ist, sei einfach der Tatsache geschuldet, dass sie nicht ins Arabische übersetzt wurde - ganz gemäß dem Massengeschmack: 'Die bekanntesten Bücher sind nicht notwendig die besten.' Und nirgends trifft dies mehr zu, sagt El-Sayed, als in der Übersetzung arabischer Literatur in Sprachen, die ihre Erzeugnisse in das Regal 'International' stellen. Das habe zum Teil mit Korruption und Nepotismus zu tun, zum Teil mit der chaotischen Natur von Übersetzungsinitiativen, mit einem 'alle machen alles und mit Takeaway-Autoren, die Boulevard als Literatur präsentieren'... Für El-Sayed ist jedoch der innerarabische Austausch viel wichtiger als ein gerechterer Umgang mit Übersetzungen: von 150 libyschen Autoren, die sich jüngst in Tripolis versammelt hatten, kannte sie gerade mal zwei; 'das Gleiche in Marokko'."

Eine großartige Studie von Radwa Farghali zur Prostitution von Minderjährigen hat Mohamed Baraka einmal mehr zu Bewusstsein gebracht, wie wenig in Ägypten über Sex geschrieben wird: "Was nicht überrascht, wenn man bedenkt, in welchem Maße Sex in orientalischen Gesellschaften tabu bleibt, wo schiere Prüderie mit einem ethischen Standpunkt verwechselt wird und systematische Unterdrückung in verschiedene Formen der Schizophrenie mündet."

Magazinrundschau vom 30.10.2007 - Al Ahram Weekly

Hala Sakr berichtet sehr ausführlich über eine Fernsehserie, die die vor mehr als fünfzig Jahren abgeschaffte Monarchie und vor allem den letzten König Farouk in sehr viel positiverem als dem offiziell erwünschten Licht dastehen lässt: "Die Lawine der Monarchie-Begeisterung hat das Land überrascht und ein Wochenmagazin, das oft dafür kritisiert wird, der Regierung allzu nahezustehen, dazu veranlasst, diese Woche eine Beilage mit dem Titel 'Lang lebe die Republik' zu veröffentlichen. Darin unternehmen es ältere Kommentatoren, die die Monarchie noch erlebt haben, das republikanische System gegen die Monarchie zu verteidigen. Sie wenden sich an eine Generation, die die Geschichtsschreibung der letzten 55 Jahre mit großer Skepsis betrachtet, und versuchen damit, die öffentliche Meinung zu korrigieren. Die nämlich sieht 'die Wahrheit über Ägyptens verleumdeten König', der abdankte, um Blutvergießen zu verhindern, in der Fernsehserie bestätigt."

Weitere Artikel: Es gibt zwar keine wirklich verlässlichen Zahlen - viel spricht aber dafür, meint Sahar El-Bahr, dass die Selbstmordrate in Ägypten derzeit stark zunimmt. Amira Howeidy informiert über Diskussionen der ägyptischen Muslimbrüderschaft, ob sie in ihrem Wahlprogramm auch einen nicht-muslimischen Präsidenten für akzeptabel erklären sollen.

Magazinrundschau vom 16.10.2007 - Al Ahram Weekly

Omayma Abdel-Latif und Amany Abulfadl wehren sich gegen die ihrer Ansich nach westliche Vorstellung, dass in der arabischen Welt und den islamistischen Bewegungen Frauen benachteiligt oder gar unterdrückt würden. Abdel-Latif schreibt über die islamistischen Frauen: "Viele treffen ihre eigene Wahl, wenn es darum geht, welches Politik- und Gesellschaftsmodell sie als Aktivistinnen favorisieren. Sie sind nicht der Ansicht, dass sie gegenüber westlichen Frauen im Rückstand sind, weil der Maßstab, mit dem sie ihre Fortschritte und Errungenschaften messen, ein anderer ist. 'Wir haben nicht diesen ewigen Gleichheits-Komplex', meinte Um Mahdi, die Chefin des weiblichen Arms von Hayeet Daam Al-Muqawama, der Organisation zur Unterstützung des Widerstands - der Finanzabteilung der Hisbollah. 'Wir wollen Gerechtigkeit, nicht Gleichheit', fügte sie hinzu. Ähnlich sehen es die aktivistischen Frauen in der Muslimbrüderschaft. Sie betonen die 'Komplementarität der Rollen' zwischen den Geschlechtern."
Stichwörter: Muslimbruderschaft, Hisbollah