Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 10 von 21

Magazinrundschau vom 09.10.2007 - Al Ahram Weekly

Nahed Nassr beschreibt die ganz eigentümliche Stimmung, in die die sonst so hektische Stadt Kairo während des Ramadan-Monats getaucht ist: "Während des Ramadan beherrscht zwischen Sonnenaufgang und -untergang - in den Fastenstunden - eine gewisse chaotische Harmonie das Tempo des Lebens in ganz Ägypten. Sogar Nicht-Muslime und Ausländer sind dieser Stimmung unterworfen. Und sie sind auch gar nicht die einzigen, die man in der Öffentlichkeit essen, trinken oder rauchen sehen kann. Dennoch fühlt jeder, ob er fastet oder nicht, einen Unterschied im Lauf der Dinge; jeder wird Teil des kontrollierten Chaos. Gegen Sonnenuntergang zum Beispiel sind die Straßen von einer Stille, die Kairo sonst völlig fremd ist, und manch einer geht genau zu diesem Zeitpunkt aus, um die Stadt auf eine Weise zu genießen, wie es zu anderen Zeit des Jahres nicht möglich ist."
Stichwörter: Ramadan

Magazinrundschau vom 02.10.2007 - Al Ahram Weekly

Ägypten debattiert über den Sinn und Unsinn von Fatwas. Gamal Qotb, ehemals Leiter des Fatwa-Rates der Al Azhar-Universität, hat begreiflicherweise eine recht gute Meinung über dieses traditionelle Instrument der Rechtsfindung: "Die Fatwa ist ein exzellentes Instrument, um soziale Krisen zu bewältigen. Aber wer sie ausspricht, darf nicht unabhängig handeln. Denn andere müssen einbezogen werden, besonders Spezialisten in den Feldern, um die es in der betreffenden Fatwa geht, ob es sich nun um wirtschaftliche, soziale oder politische Fragen handelt, so dass am Ende die beste Lösung steht."

Der Al-Ahram-Redakteur Azmi Ashour äußert sich dagegen wesentlich skeptischer: "In der Moderne hat die Fatwa ein Comeback erlebt, aber in neuer Verkleidung. Radikale islamische Gruppen bringen Fatwas heraus, um neue Gefolgleute anzuziehen, besonders in der Jugend, und um die Macht des Staates und der ihm nahestehenden religiösen Institutionen zu untergraben. Fatwas von Fundamentalisten sollen oft nur die Fatwas traditioneller und offizieller Organe ausstechen und haben eine klare politische Botschaft."
Stichwörter: Fatwa

Magazinrundschau vom 25.09.2007 - Al Ahram Weekly

Salah Eissa sieht einen Konstruktionsfehler im Traum der Islamisten von der Rückkehr zu einer goldenen Vergangenheit - diese goldene Vergangenheit lebte nämlich gerade davon, dass sie allem Neuen zugewandt blieb: "Das fundamentalistische Projekt hat eine Achillesferse. Es präsentiert den Traum der Wiederbelebung des ruhmreichen islamischen Reiches, ignoriert aber die Tatsache, dass diese Reich nur blühen konnte, weil es für andere Kulturen und Zivilisationen offen war. Das gilt für die muslimischen Rechtsgelehrten und Theologen, die offen waren für den Dialog und die Anwendung der Vernunft im Licht der Veränderungen und Herausforderungen der Wirklichkeit der Gegenwart und so eine ständige Quelle der Inspiration und Erneuerung waren. Umgekehrt begann der Niedergang der islamischen Zivilisation, als man sich der Anwendung der Vernunft und der Unabhängigkeit des Denkens verschloss."

Weitere Artikel: Galal Nassar deutet die US-Politik gegenüber dem arabischen Raum als eklatanten Fall von Neo-Orientalismus. Salonaz Sami stellt die Fernsehserie "Qadeyat Ra'i A'am" (Ein Fall für die Öffentlichkeit) vor, die sich an die Tabuthemen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung wagt.

Magazinrundschau vom 04.09.2007 - Al Ahram Weekly

Einem echten Tabuthema in der ägyptischen Gesellschaft widmet sich Karim El-Khashab - Sex vor und in der beziehungsweise ganz ohne Ehe: "Eine auf Familieninteressen basierende arrangierte Ehe, der es an Zuneigung und Verständnis fehlt, wird kaum zu einem gesunden Sexleben führen. Für Männer ist das Masturbieren zu Pornos oder gar arabischen Videoclips eine bequeme Alternative zu den in jeder Hinsicht absurd aufwendigen Anstrengungen und Ausgaben einer Ehe oder den moralischen Problemen von vorehelichem Sex - schließlich es ist nicht teuer, Satellitenfernsehen zu abonnieren oder, wie es der Soziologe Said Mustafa nennt, 'das Fernsehen zu heiraten'. (...) Masturbation mag an und für sich eine harmlose Sache sein, aber die Tatsache, dass sie inzwischen in Ägypten den Sex ersetzt, findet Mustafa alarmierend."

Außerdem zeigt sich ebenfalls Karim El-Khashab bemüht um eine neutrale Berichterstattung über den in Kairo lehrenden Soziologen Saadeddin Ibrahim, der in der Washington Post heftige Vorwürfe gegen die ägyptische Regierung erhebt. Salonaz Sami informiert über das bei den jungen Erwachsenen Kairos in Mode gekommene "Cruisen", d.h. das ziellose Herumfahren mit dem Auto durch den dichten Großstadtverkehr und hat sich mit ägyptischen DJs der jüngeren Generation getroffen.

Magazinrundschau vom 28.08.2007 - Al Ahram Weekly

Khalil El-Anani wirft dem Westen vor, dem islamischen Fundamentalismus mit seinen Zwangsbeglückungen durch die Ideologien von Moderne und Liberalismus in die Hände zu spielen: "Alle dschihadistischen Bewegungen in der islamischen Welt verdanken sich dem Gefühl, dass der Westen ihre Geschichte und ihre Zivilisation gnadenlos attackiert, mit der Absicht, sie auszulöschen und durch die westliche Zivilisation zu ersetzen... Die brutale Intervention der USA in der arabischen Welt vor vier Jahren unter dem Banner von Demokratisierung und Liberalisierung hat diesem Phänomen mehr als alles andere Auftrieb gegeben. Das Ergebnis dieses schamlosen Versuchs, der Region ein einziges Modell der 'Moderne' zu präsentieren, hat einen weit verbreiteten Zustand der Anarchie hervorgebracht, in dem die Metamorphose zu fundamentalistischen und dschihadistischen Einstellungen fruchtbaren Boden fand."

Magazinrundschau vom 14.08.2007 - Al Ahram Weekly

Interessant findet Rania Khallaf die Essaysammlung von Safinaz Kazem zu großen Frauenfiguren der jüngeren ägyptischen Geschichte, auch wenn sie die politische Einstellung der bekannten Kolumnistin Kazem nicht teilen kann. "Natürlich wird Moussas Einstellung zum Schleier - Kazems eifrige, wenn nicht fanatische Rückkehr zu ihm hat die muslimische und politische Wiedergeburt der Autorin eingeleitet - besonders betont. 'Es war Moussa, die die Mädchenschule Banat Al-Ashraaf (Töchter der Nachkommen des Propheten) in Alexandria gegründet hat, 1919 an der Revolution beteiligt war und legendärerweise zusammen mit Hoda Sharawy and Seza Nabarawy auf die Internationale Frauenkonferenz in Rom 1923 fuhr. Als sie zurückkam, warf sie ihr islamisches Gewand aber nicht weg und trat darauf herum, wie es Hoda und Seza taten. Sie hält an ihrem Schleier bis zur letzten Minute ihres Lebens fest.' Aber man fragt sich doch: Hätte Kazem selbst nicht das Kopftuch angelegt und aufgehört, Männern die Hände zu schütteln, würde sie dann so viel über Moussa zu sagen haben?"

Und: Mohamed El-Assyouti schreibt den Nachruf auf Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni.

Magazinrundschau vom 07.08.2007 - Al Ahram Weekly

Der an der Columbia University in New York als Professor für Iranische Studien lehrende Hamid Dabashi sieht Zack Snyders Comicverfilmung "300" nicht als Ode auf den Westen, sondern als subversives Porträt einer verwahrlosten Kultur. "So funktioniert ein illusionäres Empire. Diese Soldaten, die zu Killermaschinen trainiert und um den halben Globus geschickt werden, um Menschen im Irak oder in Afghanistan zu verstümmeln und zu ermorden, tun das nicht aus ideologischer Überzeugung, politischer Haltung, moralischem Prinzip oder einem zivilisatorischen Gefühl der Überlegenheit heraus, sondern weil sie mit diesen verspielten Comicheften, Videospielen und Filmen gefüttert wurden. Das reicht so weit, dass sie in Afghanistan und dem Irak nicht mehr menschliche Wesen sehen, die sie abschießen, sondern Comicstrips, Videobilder, Sonntagsmatinee-Doublefeatures - die wahnhafte Vorstellung einer sonst tödlich realen Welt." (Immerhin erhebt diese Kultur Kritiker in Professorenrang, die im Iran wahrscheinlich im Gefängnis landen würden.)

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - Al Ahram Weekly

Nach den Tagen der Gewalt in Palästina, Irak und Libanon legt der Politologe Amr Hamzawy, Fellow am Carnegie Endowment for International Peace in Washington, einen recht deprimierten Essay über die Chancen der Demokratie in den arabischen Ländern vor: "Unsere Gesellschaften sind wirklich in einer Krise. Sie schwanken zwischen Zögern und radikaler Entschlossenheit ohne jede Legitimität (Unterstützung durch die Bevölkerung) in Fragen, die für uns absolut wesentlich sind, wie die Beziehung zwischen Individuum, Gruppe und Staat, die Rolle der Religion in der Politik, die Definition einer bürgerlichen Orientierung für die Politik und - ganz grundlegend - ein System, um Mehrheiten und Minderheiten auszubalancieren. Hier ist die Dominanz einer extremen Kultur der Gewalt zugleich Folge und Ursache für die Unfähigkeit, Mechanismen einer friedlichen Konstruktion von Harmonie zu schaffen." Am beeindruckendsten der Schluss des Artikel: "Heute verweigert mein Geist die Suche nach analytischen Perspektiven oder Formulierungen, die auch nur die leiseste Hoffnung zurückbringen können."

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Al Ahram Weekly

Die ägyptische Bloggerszene blüht, weshalb das Goethe-Institut in Kairo die Internet-Kommentatoren nun explizit einlud, um mit jungen Filmemachern zu diskutieren. Das ist fast gelungen, notiert Sarah Carr. "In der Fragerunde forderte eine Zuhörerin die Filmemacher des Mittleren Ostens auf, doch weiterhin derlei Filme zu produzieren, um den Reichtum der arabischen Kultur dem Westen zu zeigen und die guten Seiten der Region zu betonen. Darauf bemerkte ein anderer Gast, dass er sich eigentlich nicht vorstellen könne, was für Gutes sie da denn im Sinn habe. Er fühle sich eher, als würde 'dieses Land uns jeden Tag auf dem Kopf herumtrampeln'. Er machte dann schnell einen Abgang, gefolgt von der Frau, die den ursprünglichen Kommentar gemacht hatte. Man hörte sie draußen weiter argumentieren, während die Organisatoren ihre Hoffnung ausdrückten, dass weitere Veranstaltungen folgen werden, um die unabhängige Kulturszene zusammenzubringen und zu stärken."
Stichwörter: Goethe-Institut, Kulturszene

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - Al Ahram Weekly

Rania Khallaf empfiehlt in einer schlecht übersetzten und darum schwer verständlichen Kritik einen neuen Roman Ibrahim Farghalis (mehr hier), den sie als den "magischen Realisten seiner Generation" vorstellt. Die Fabel klingt nicht gerade so, als wäre der Roman bei der Al-Azhar-Universität für ein Gutachten eingereicht worden: "Haneen, die Heldin - Tochter einer christlichen Mutter und eines muslimischen Vaters - stellt eine Art Maß für religiöse Toleranz dar. In 'Jinniyah fi Qarora' steht eher Haneens persönliches Leben im Vordergrund, es geht um Identität. 'Eine Hure', so beginnt der Roman, 'nein, ich bin keine Hure'. Als Tochter ägyptischer Eltern wächst Haneen in Frankreich auf, und ihr Selbstbild ist widersprüchlich. Sex ist aber immer da und taucht zum ersten Mal mit dem zentralen Bild eines (weiblichen) Flaschengeists auf."
Stichwörter: Mutter, Realisten