Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 11 von 21

Magazinrundschau vom 29.05.2007 - Al Ahram Weekly

Nachdem sie für ihre zahlreichen Attentate mehrere Jahren im Gefängnis gesessen hatten, gaben führende Mitglieder der islamistischen Al-Gamaa Al-Islamiya (die einst Sadat ermorden ließ) ihr politisches Debüt. Abdel-Moneim Said blickt befremdet auf die Vorstellungen der Partei von der Demokratie, die kein politisches System der Gewaltenteilung sei, sondern vor allem zur öffentliche Kontrolle darüber dienen soll, dass die Scharia auch richtig angewendet wird. Auch sonst vermisst Said einiges im Programm der Partei: "Wozu sie bisher noch überhaupt nicht Stellung bezogen bezogen hat, sind die Probleme des Landes. Al-Gamaa hat nichts zu Bildung, Gesundheit oder Verwaltung zu sagen. Soll das Land eher zentral oder dezentral geführt werden? Wir können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen? Die Mitglieder von Al-Gamaa sind besessen davon, den islamischen Dresscode enzuhalten, die Kopten unter Druck zu setzen und gegen den Westen zu kämpfen. Haben sie nicht mehr zu sagen?"

Nehad Selaiha stellt einen sehr interessanten Theaterautor vor, "Mustafa Saad, der einzige Theaterautor, den ich kenne, dessen Stücke einzig und allein den Zweck haben, seine Theorie, was Theater sein und tun soll, zu dramatisieren. Sein 'Masrah Al-Istifham' (Theatre of Enquiry), dessen gerade gespieltes Stück '3-1' die elfte und extremste Illustration seiner Theorie ist, begreift das Theater als gemeinsame Aktivität. Die Zuschauer sollen zum kritischen Denken bewegt werden, sie sollen das, was sie sehen, hinterfragen und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. In seinen Anmerkungen zu dem Stück schreibt Saad: 'Nach Jahren der Untersuchung und Befragung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass unser Problem in der arabischen Welt (ob als Subjekte oder Herrscher) nicht das Fehlen guter Theorien ist oder ihr Missbrauch, sondern die Art, wie wir durch unsere Erziehung programmiert sind immer nur zu wiederholen, was Tradition und Autoritäten uns beigebracht haben. Deshalb tendieren wir dazu, in Klischees zu sprechen, unsere Probleme einfach nur zu wiederholen, statt sie zu analysieren und selbst eine Lösung zu finden."

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - Al Ahram Weekly

Eine Katastrophe nennt Ramzy Baroud die palästinensische Konferenz, die Anfang Mai in Rotterdam stattgefunden hat.Weder gab es eine zentrale Botschaft noch wurden die meist arabischen Redner ins Englische übersetzt. Was manchmal offenbar allerdings gar nicht so schlecht war. "Wütende Beiträge von wütend klingenden arabischen Männern überschatteten oder ersetzten vielfach die Reden von einigen der brillantesten und schlagfertigsten palästinensischen Gelehrten und Aktivisten, die nun mal in Europa leben. Weibliche Teilnehmer gab es kaum. Alles in allem ein fantastischer Beitrag zum Klischee der Araber, deren Kultur ohnehin in den Medien als männerdominiert, agressiv und irrational geschildert wird. Natürlich war die Konferenz alles andere als eine Konferenz. Es gab keine Arbeitspapiere, es wird nichts veröffentlicht werden. Eigentlich gab es kaum Gedrucktes, das irgendeine Bedeutung aufweisen konnte."
Stichwörter: Rotterdam

Magazinrundschau vom 10.04.2007 - Al Ahram Weekly

In einem Artikel, der ausschließlich den israelischen Kolonialismus für die Lage in Palästina verantwortlich macht, schildert Ramzy Baroud auch die hierzulande wenig bekannten Probleme palästinensischer Flüchtlinge im Irak: "Die Not der Palästinenser im Irak wächst sich zur Horrorstory aus. Saddam hatte die Palästinenser gut behandelt, aber er hatte ihre Versuche vereitelt, Land zu erwerben, denn sie sollten nicht fest ansiedeln und auf ihr Rückkehrrecht in die Heimat verzichten. Als Saddams Statue gefällt wurde, vertrieben irakische Landbesitzer Tausende von Palästinensern. Über 500 Palästinenser sind seitdem im Irak getötet wurden, Tausende wurde verletzt und der große Teil der übrigen Palästinenser lebt in Zeltstädten nahe der jordanischen Grenze."

Jill Kamel warnt in einem zweiten Artikel vor der Zerstörung der Königsgräber in Luxor durch allzu viel Tourismus.

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - Al Ahram Weekly

Etwas neidisch guckt Hassan Nafaa nach Mauretanien. Dort macht die Militärregierung tatsächlich ihr Versprechen war und lässt Colonel Ely Ould Mohamed Vall, der 2005 durch einen Putsch an die Macht gekommen war, in freien Wahlen absetzen (mehr). Ein Beispiel für Ägypten? "Vor Mauretanien gab es nur einen einzigen Fall, in dem das Militär friedlich einer zivilen Regierung Platz machte - Siwar Al-Dahab im Sudan. Das macht das mauretanische Experiment nur noch wichtiger. Es könnte sogar ein Vorbote kommender Dinge sein. Ich habe das Gefühl, wir werden noch andere Fälle sehen, in denen das Militär als Brutkasten für Demokratie dienen könnte. Meine Gründe: erstens durchlebt die arabische Region gerade eine Art Unsicherheit und Verzweiflung, die in unkontrollierbarem Chaos enden könnte. Zweitens gibt es keine organisierten und vertrauenswürdigen Gruppen, die eine alternative politische Vision anzubieten hätten und einen friedlichen Übergang der Macht garantieren könnten. Und drittens ist die Öffentlichkeit bestürzt über die konventionelle Rolle des Militärs und hofft auf eine Veränderung, die den Prozess der Demokratisierung anstoßen könnte."

Weitere Artikel: Das Potenzial für eine Veränderung ist da. Ayman El-Amir denkt über die "schweigende Mehrheit" in der arabischen Welt nach, die keine Möglichkeit habe, sich frei zu äußern. Aber "wie Magma unter der Erdkruste ist sie glühend heiß, bewegt, ruhig brodelnd und auf den Moment des Ausbruchs wartend."

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - Al Ahram Weekly

Anlässlich des ägyptischen Frauentags am 16. März untersucht ein Dossier den noch unbefriedigenden Stand der Emanzipation. Dina Ezzat referiert die Ergebnisse einer Konferenz des nationalen Frauenrats, die dem des Arab Human Development Report des UNDP ziemlich ähnlich sind: "Als entscheidend wertet der Report, die Diskriminierung von Frauen als kulturelles Konstrukt bei den Wurzeln zu packen. In einer Welt, in der die Religion, der Islam, benutzt wurde und wird, die geringe Stellung der Frau in den meisten arabischen Ländern zu rechtfertigen - und zwar mehr als Recht und Gesetz dies tun - muss der Islam sorgfältig als Quelle gedeutet werden, die die Emanzipation von Frauen fördern kann. Dies ist vielleicht der Grund, warum der Ruf nach einer Wiederbelebung des Idschtihad - die Ermutigung zur unabhängigen Rechtslehre, wie die Autoren es nennen - immer wieder in den verschiedenen Kapiteln des Reports auftaucht. 'Die Ursachen der Diskriminierung von Frauen in der arabischen Tradition müssen bekämpft werden', und deshalb darf sich die Frauenfeindlichkeit nicht durch eine voreingenommene Auslegung des Korans speisen, empfiehlt der Report."

Außerdem porträtiert Amira El-Noshokaty ägyptische Karrierefrauen. Ein weiteres Dossier blickt zurück auf hundert Jahre ägyptischen Film (hier, hier und hier). Und Rania Khallaf erinnert an den Komponisten und Pionier moderner arabischer Musik, Sayed Darwish.

Magazinrundschau vom 13.03.2007 - Al Ahram Weekly

Der aus Isarel stammende Filmemacher, Autor und bekennende Antizionist Haim Bresheeth ("Introducing the Holocaust") fordert den kulturellen Boykott seiner Heimat als Antwort auf die "üble Propaganda" gegen liberale jüdische Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Tony Judt, die mit ihrer Kritik an der israelischen Politik "führende jüdische Organisationen des Westens" verärgert hätten: "Das Vergehen? Israels unveräußerliches Recht anzuzweifeln, alles und jeden im Nahen Osten zu zerstören oder einzusperren. Wie der Observer berichtete, drohen jüdische Organisationen mit dem Vorwurf des Antisemitismus. Während es in anderen Ländern ein demokratisches Recht ist, seine Regierung zu kritisieren, existiert so ein Recht offenbar nicht, wenn es um Israel geht ... All das ist Teil eines größeren Phänomens: der Mobilmachung jüdischer Zirkel gegen die immer lauter werdenden Stimmen jüdischer Kritiker der israelischen Gräueltaten in Palästina und anderswo."

Außerdem: Nehad Selaiha berichtet vom ersten Internationalen Forum für Kinder- und Jugendtheater in Kairo. Mohamed El-Assyouti annonciert das erste Frauen-Filmfestival vom 8.-16. März, das auch Marc Rothemunds "Sophie Scholl" zeigt. Und Hadeel Al-Shalchi sieht die Ausstellung der Gewinner des World Press Photo 2006 in Zamalek als Chance für ein neues visuelles Verständnis.

Magazinrundschau vom 06.03.2007 - Al Ahram Weekly

Die Kanadierin Hadeel Al-Shalchi (weblog), die seit zehn Jahren freiwillig das Kopftuch trägt, erlebt einen positiven Kulturschock, als sie nach Kairo kommt. Fast jede trägt hier Kopftuch, das Angebot ist phantastisch: "Da ich aus einem Land komme, in dem es nicht viele Kopftücher gibt, fühlte ich mich in den Kopftuchgeschäften wie in einer Oase. Ich stand mit aufgerissenen Augen in einem Laden und dachte: 'Oh mein Gott - ich will sie alle!'" Mit der Zeit wird sie aber unsicher, wie ernst es den Ägypterinnen eigentlich damit ist. "Viele Frauen scheinen das Kopftuch zu tragen, ohne nachzudenken. Sie bringen Begründungen wie 'Ich will nicht in die Hölle' oder 'Das muss ich tun', 'Meine Eltern haben es mir gesagt', 'Das macht doch jeder so'... Aufkleber in den U-Bahn-Stationen warnen die Frauen, den Hijab zu tragen, wenn sie ihrem Gott am Tag des Jüngsten Gerichts begegnen - fühlst Du Dich schuldig, es nicht zu tragen? Willst Du in diesem unmoralischen Zustand gesehen werden? Und wenn sich ein Mädchen gegen das Kopftuch entscheidet, dann kann sie sich entweder auf Belästigungen oder Bemerkungen von Männern auf der Straße gefasst machen, oder sie ist plötzlich eine koptische Christin."

Magazinrundschau vom 06.02.2007 - Al Ahram Weekly

Amany Abulfadl Farag (mehr hier), Mitglied des ägyptischen Zentrums für die Angelegenheiten der Frau (MARAM), wittert die feministische Propaganda neokolonialer Aliens in dem von der Uno initiierten Arab Report of Human Development 2005, der die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der arabischen Welt zum Thema hat: "Der Report widmet zwei Seiten (S. 116 - 118) Ehrenmorden, häuslicher Gewalt und der Beschneidung von Frauen. Nur ein Absatz handelt von Frauen unter Besatzung. Darfur wird nicht erwähnt. Ehrenmorde forderten in den letzten zwei Jahren das Leben von 20 Frauen in den arabischen Ländern, besagt der Report. Im Irak hat der bewaffnete Konflikt das Leben von 100.000 Frauen gefordert." Auch in der westlichen Welt werden Frauen misshandelt, so die Autorin, ohne das dies in regionalen Reporten festgehalten werde. "Die Fixierung auf arabische Frauen macht arabische Intellektuelle misstrauisch. Sie weigern sich, arabische Frauen als Vorwand für fremde Kräfte benutzen zu lassen, die uns ihre ausländischen Vorstellungen aufzwingen wollen. Die Befürchtung, Frauenthemen könnten zum raison d'etre für ausländische Einmischung werden, ist wohl begründet - der Report betont die Wichtigkeit 'externer Reformen' (S. 63)."

Weiteres: Rania Khallaf (hier) und Hadeel Al-Shalchi (hier) schildern ihre Eindrücke von der 39. Internationalen Buchmesse Kairo, auf der es offenbar nur wenig internationale Literatur zu lesen gibt (dafür war die Lesung des islamkritischen algerischen Religionswissenschaftlers Mohamed Arkoun gut besucht). Und im Interview mit Ezzat Ibrahim erläutert der amerikanische Politikwissenschaftler Ian Shapiro ("Containment: Rebuilding a Strategy against Global Terror") seinen Vorschlag zu einer neuen US-Politik in Nahost: Kontrolle statt Konfrontation.

Magazinrundschau vom 23.01.2007 - Al Ahram Weekly

Nehad Selaiha hat eine Inszenierung von Yusri El-Guindis "Al-Yahudi Al-Ta'eh" (Der ewige Jude) gesehen. Die Inszenierung hat ihr nicht gefallen, aber das Stück hat es in sich. El-Guindi, "glühender Sozialist und Verfechter eines arabischen Nationalismus" schrieb es 1968 unter dem Eindruck der Ermordung Robert Kennedys durch den Palästinenser Sirhan. Er "identifizierte Sirhan mit allen Unterdrückten dieser Erde, die Juden eingeschlossen, und machte aus ihm ein Symbol aller Opfer des westlichen Kapitalismus. Die tragische Geschichte des palästinensischen Volkes sah El-Guindi aus einer erweiterten historischen Perspektive, die die tragische Geschichte der Juden umfasste. Die Schicksale dieser beiden Völker schien ihm auf tragische Weise verknüpft. Man könne, so sein Argument, nicht von dem einen Volk sprechen ohne das andere zu erwähnen. Um diese imaginäre Verflechtung zu erreichen, grub El-Guindi eine populäre Figur aus der christlichen Folklore aus, den Ewigen Juden, der nach der Legende Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung verhöhnt haben soll und deshalb zur ewigen Wanderschaft durch die Zeit verdammt worden sei."
Stichwörter: Folklore

Magazinrundschau vom 07.11.2006 - Al Ahram Weekly

Mit der Vergangenheit ein für allemal aufräumen, um zu verhindern, dass aus historischer Schuld politisches Kapital geschlagen wird, will Gamil Mattar und skizziert dazu eine internationale Charta: "Die Zivilisation muss von vorn anfangen. Vielleicht ist als ein Schritt in die richtige Richtung eine internationale Charta vonnöten, die von den Vertretern der UNO-Mitgliedsstaaten, der noch nicht unabhängigen Nationen und der Minderheiten in bestehenden Staaten entworfen und unterzeichnet wird. Dieser Charta soll als konstitutiver Bestandteil eine schriftliche Erklärung aller Unterzeichner beigefügt werden, in der sie ihre Schuld gegenüber anderen Völkern eingestehen und eine Entschuldigung anbieten, die von den betreffenden Völkern ihrerseits akzeptiert wird." Und dann: Schwamm drüber.

Ibsens "Peer Gynt" mit Edvard Griegs Bühnenmusik, zur Krönung des Ibsenjahres aufgeführt vor den Pyramiden von Gizeh - für Amal Choucri Catta ist das ein Grund zum Schwelgen. Nehad Selaiha dagegen sind Zweifel gekommen, ob damit nicht Ibsens unerfreulicher Orientalismus und seine wenig schmeichelhafte Meinung über die ägyptische Kultur übertüncht werden.