Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

150 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 15

Magazinrundschau vom 19.11.2019 - The Atlantic

Amerika - wie ja eigentlich auch der Rest der Welt - ist zutiefst gespalten. The Atlantic spricht in seiner neuen Ausgabe von einem Bürgerkrieg. Ganz soweit ist es noch nicht, aber Yoni Appelbaum macht sich ernsthafte Sorgen. Einen der Hauptgründe für die Unversöhnlichkeit der politischen Lager sieht er im demografischen Wandel: Die Weißen werden in absehbarer Zeit nur noch eine Minderheit darstellen. Das ist vielen Weißen egal, aber vielen eben auch nicht: "Der Politikwissenschaftler Adam Przeworski hat erklärt, dass demokratische Institutionen, wollen sie überleben, 'allen relevanten politischen Kräften eine Chance geben müssen, von Zeit zu Zeit im Wettbewerb der Interessen und Werte zu gewinnen'. Aber, so fügt er hinzu, sie müssen noch etwas tun, das ebenso wichtig ist: 'Sie müssen selbst das Verlieren in einer Demokratie attraktiver machen als eine Zukunft mit undemokratischen Ergebnissen.' Dass Konservative - obwohl sie derzeit das Weiße Haus, den Senat und viele Regierungen der Bundesstaaten innehaben - den Glauben an ihre Fähigkeit verlieren, in Zukunft Wahlen gewinnen zu können, ist sehr schlecht für das reibungslose Funktionieren der amerikanischen Demokratie. Noch beunruhigender ist es, dass sie glauben, dass die Wahlverluste zu ihrer Zerstörung führen würden."

Ach was, die Zeiten waren schon mal viel gefährlicher, wischt Adam Sewer diese Befürchtungen vom Tisch. Er sieht eine ganz andere Gefahr: Dass die Angst vor Gewalt zu schwächlichen Kompromissen führt, unter denen dann Schwarze und Latinos zu leiden haben. Als Beispiel nennt er die Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Damals setzten die Demokraten (die damals auf der Seite der Sklavenhalter standen) alles daran, Schwarze weiter unter der Fuchtel zu halten. Die Republikaner hielten anfangs dagegen, gaben dann aber - um des lieben Friedens willen - in wesentlichen Punkten auf. "Die Kapitulation der Republikaner stellte die Zivilität zwischen den großen verfeindeten Parteien wieder her, aber der politische Burgfrieden verbarg einen entsetzlichen Anstieg der Gewalt gegen befreite Sklaven. 'Während sich die Parteien eindeutig aus der Konfrontation miteinander zurückziehen, gab es eine Entfesselung massiver suprematistischer weißer Gewalt im Süden gegen Afroamerikaner und eine systematische Kampagne ihrer Entrechtung im Süden', erklärte mir die Historikerin Manisha Sinha. 'Das ist eine Zeit, in der die weiße Vorherrschaft praktisch zu einer nationalen Ideologie wird.'"

Einen ganz anderen Punkt macht die aus ärmlichen ländlichen Verhältnissen stammende Historikerin Tara Westover im Interview: Die Spaltung der Menschen verläuft vor allem zwischen Stadt und Land. In den Städten hat die Digitalisierung neue Jobs und Reichtum geschaffen, auf dem Land wurden die alten Industrien demoliert, aber es entstand nichts Neues. "Das sieht man sogar auf der Ebene der Bundesstaaten. Nehmen wir die zwazig ärmsten Staaten, nach mittlerem Haushaltseinkommen, und Sie werden sehen, dass 18 von ihnen sich für Trump entschieden haben. Wenn Sie die 10 reichsten Staaten nehmen, gingen neun an Hillary Clinton. Unsere wirtschaftliche Spaltung verläuft nun fast perfekt entlang unserer politischen Spaltung." Es sei also "schwierig, die Idee zu verteidigen, dass die Demokraten im Allgemeinen die Stimme der wirtschaftlich Entrechteten sind. Vor kurzem haben das Brookings Institut und das Wall Street Journal festgestellt, dass in den Vereinigten Staaten die von Demokraten vertretenen Distrikte für zwei Drittel unseres nationalen BIP verantwortlich sind. Denken Sie einfach mal darüber nach. Es ist unbequem, aber es könnte an der Zeit sein zuzugeben, dass wir als Land einen Kampf zwischen den Besitzenden und den Habenichtsen führen und das viele von uns auf der linken Seite zu den Besitzenden gehören."
Stichwörter: USA, Amerika

Magazinrundschau vom 15.10.2019 - The Atlantic

Auch Atlantic widmet den Titel seiner November-Ausgabe Amazon. Franklin Foer erklärt, was Jeff Bezos, seines Zeichens reichster Mensch der Erde, so alles vorhat und was das für uns bedeutet: "Wenn jede Transaktion über Amazon abgewickelt wird, kann das Unternehmen eine 'Steuer' kassieren. Wenn Amazon Abos für Prämium-Kabelkanäle wie Showtime und Starz verkauft, liegt sein Anteil zwischen 15 und 50 Prozent. Während eine Ware bei Amazon auf Kunden wartet, zahlt der Verkäufer eine Gebühr. Amazon verdient, indem Verkäufer sich in das Ranking einkaufen. Wenn ein Unternehmen sich mit Amazon einlassen will, muss es bezahlen. Der Mann, der sich wie  Jean-Luc Picard aus Star Trek stylt, hat ein Geschäft aufgebaut, das eher zu Picards Erzfeinden, den Borg, passt, einer die Gesellschaft fressenden Größe, die ihren Opfern mitteilt, sie würden angepasst und einverleibt und Widerstand wäre zwecklos. Am Ende hängt, was Amazon einerseits anziehend und andererseits abstoßend macht, zusammen: Amazon hat jedes Ding der Welt im Angebot, das macht es zum größten Einkaufserlebnis ever. Jeder Gegenstand, das bedeutet, die Marktkraft ist auf beunruhigende Weise auf ein Unternehmen konzentriert. Amazons Smart speakers haben die magische Kraft, das gesprochene Wort in die elektronische Tat zu übersetzen, Amazons Türklingelkameras können der Polizei Videos übermitteln und erweitern so den Überwachungsstaat. Mit seiner einzigartigen Management-Struktur, seiner klaren Artikulation und Vermittlung von Werten und seiner umfassenden Datensammlung erobert Amazon spielend neue Geschäftszweige. Bezos ist der unumstrittene Sieger des Kapitalismus. Die Frage für unsere Demokratie ist, sind wir damit glücklich?"
Stichwörter: Amazon, Überwachungsstaat

Magazinrundschau vom 27.08.2019 - The Atlantic

In der neuen Ausgabe des Magazins befasst sich Obamas früherer Redenschreiber und Berater Ben Rhodes mit dem Schicksal der birmanischen Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die seit 2016 Regierungschefin von Myanmar ist und wegen ihrer indifferenten Haltung zum Völkermord an den Rohingya in der Kritik steht: "Sieben Jahre nach unserer ersten Begegnung frage ich mich, was Aung San Suu Kyi anstrebt. Zweifellos will sie Präsidentin werden, aber warum? Eine Antwort lautet: Als Aung Sans Tochter will sie die Macht über ein buddhistisches Myanmar, um ihr persönliches Schicksal zu vollenden. Die Demokratie wäre in diesem Fall für sie nur Mittel zum Zweck, und sich für die Rohingya einzusetzen, hieße dieses Ziel gefährden. Eine andere Antwort wäre: Sie möchte das Land wirklich in eine Demokratie verwandeln, Kontrolle über das Militär gewinnen, Frieden unter den ethnischen Gruppierungen stiften und ein Land schaffen, in dem es für die Menschen bergauf geht und wo ethnische Säuberungen der Vergangenheit angehören. Das aber bräuchte Geduld und unangenehme Kompromisse. Beide Antworten scheinen mir zutreffend. Über die Jahre habe ich Suu Kyi als Idealistin und Machtperson gleichermaßen kennengelernt, eine Frau, die von nationaler Versöhnung sprach, von Gewaltlosigleit und Dialog, die darauf bestand, keine Ikone zu sein, sondern eine Politikerin, die eine Partei führt, und zwar in einer erwachenden Demokratie, die mich um eine DVD des Films 'Glory' bat, eine Geschichte tragischen Heroismus' beim Kampf um Freiheit und Gleichheit. Ich erinnere mich ebenso an eine Frau, die dazu neigt, jede Konversation auf ihre eigenen Anliegen zu bringen, die alte Weggefährten aus der Zeit ihrer Inhaftierung fallen ließ, deren Rhetorik über Menschenrechte und Gesetze oft fadenscheinig war, die Frau, die sich so sehr interessierte für das Drama 'The Crown" über das britische Königshaus. David Mathieson von Human Rights Watch, der sie jahrelang unterstützte, sagte mir, dass Suu Kyis Fall eine Lektion enthalte: Unsere Hoffnung, das Gewicht eines ganzen Landes auf ein einzelnes Individuum zu setzen, ist zu viel, gleich wie faszinierend seine Geschichte auch sein mag."

In der Titelstory erzählt Vann R. Newkirk die Geschichte der schwarzen Farmer in Mississippi, die in den letzten Jahrzehnten durch legale und manchmal nicht so legale Tricks ihr Land verloren haben: "Die Besitzer kleinerer Bauernhöfe, schwarze wie weiße, werden überall von größeren Wirtschaftskräften bedoht. Aber was mit den schwarzen Grundbesitzern im Süden und insbesondere im Delta geschah, ist anders und wurde nicht nur durch den wirtschaftlichen Wandel, sondern auch durch weißen Rassismus und lokale weiße Machtinhaber angetrieben. Ein Krieg, der mittels Besitzurkunden geführt wird, hat 98 Prozent der schwarzen Bauern in Amerika enteignet. Sie haben im letzten Jahrhundert 12 Millionen Hektar verloren. Aber selbst diese Aussage verfälscht die Geschichte. Tatsächlich fielen die meisten Verluste in die Zeit ab den 1950er Jahren. Mit Ausnahme einer Handvoll Farmern gehört die Schwarzen in dieser ertragreichsten Ecke des tiefen Südens fast nichts von der Erde unter ihren Füßen."
Anzeige

Magazinrundschau vom 17.09.2019 - The Atlantic

Während kontinentaleuropäische Museen beginnen, sich mit ihrer kolonialen Vergangenheit auseinanderzusetzen und über Rückgaben und Kooperationen nachdenken, bewegt sich im Mutterland des Kolonialismus in dieser Hinsicht gar nichts, berichtet Daniel Trilling. Die Briten geben nichts zurück, höchstens mal eine Haarlocke. So sitzt das British Museum auf einer Kollektion von elf Tabletts aus Holz und Stein, die nie jemand zu sehen bekommt, erzählt Trilling. "Es sind christliche Tafeln oder Tabots, die die Bundeslade darstellen, und sie gehören - obwohl das in diesem Fall ein umstrittener Begriff ist - der äthiopisch-orthodoxen Kirche, die glaubt, dass nur ihre Priester sie sehen sollten. Die Tabots wurden zusammen mit Hunderten anderer kostbarer Gegenstände - Prozessionskreuze, Gold- und Silberschmuck, illustrierte Manuskripte - von der britischen Armee 1868 beschlagnahmt, nachdem sie den äthiopischen Kaiser Tewodros II. in der Schlacht von Maqdala besiegt hatte. Es gibt kaum einen klareren Fall von offiziell genehmigter Plünderung: Als Tewodros Selbstmord beging, plünderten Soldaten seine Schatzkammer und versteigerten dann ihre Funde in ihrem Umfeld, um die Expedition zu bezahlen. Sie hatten sogar einen Experten des British Museum mitgebracht, um für einige der ausgesuchtesten Gegenstände zu bieten." Trotz mehrfacher Anfragen will das British Museum die Artefakte nicht zurückgeben, das beste Angebot bisher war, "dass es die Möglichkeit einer langfristigen Leihgabe in Betracht ziehen würde". Begründet wird dies unter anderem mit dem Hinweis, dass Britannien heute eine multikulturelle Gesellschaft sei und darum eine kulturelle Ressource für alle sein müsse. Für den äthiopisch-amerikanischen Autor Maaza Mengiste klingt das ziemlich lahm. Die Briten brauchen eine ehrliche Konversation über ihre Geschichte, meint er: "Wenn Britannien diese geraubten Gegenstände zurückgibt, dann muss es sich selbst neu erfinden. Ist es dafür stark genug?"

Magazinrundschau vom 23.07.2019 - The Atlantic

China nimmt Einfluss, und das ganz besonders in Deutschland und hier besonders in Universitäten. Wie rhizomatische Netzwerke unter dem Waldboden nutzt China allein in Deutschland Hunderte Studenvereinigungen und andere Organisationen, um einerseits Wissen nach China zu transferieren und andererseits die Studenten bei der Stange zu halten. Denn "Assimilation" ist verpönt, schreibt Didi Kirsten Tatlow. Über allem steht die "Abteilung für die Einheitsfrontarbeit des ZK der KPCh ", die für die Partei die Beziehungen zu den nicht parteigebundenen Eliten überwacht - eine äußerst undurchsichtige Organisation. "Eine grobe Zählung ergibt 230 Studentengruppen, die mit der Einheitsfront verbunden sind. Die reale Zahl dürfte um einiges höher sein. Dazu gehören deutsch-chinesische Freundschaftsgruppen, Kultur- und Wirtschaftsvereine, chinesische Handelskammern und ein Verein für 'öffentliche Diplomatie', der offen seinen Einfluss auf deutsche und europäische Politiker preist. Hinzu kommen dann noch Studentenverbände und zwanzig Konfuziusinstitute, die beide mit den Zielen der Einheitsfront übereinstimmen."

Magazinrundschau vom 24.06.2019 - The Atlantic

Im aktuellen Heft macht sich William Langewiesche daran, den Fall der vor fünf Jahren auf mysteriöse Weise zwischen Kuala Lumpur und Peking über dem Indischen Ozean verschwundenen malaysischen Boeing 777 aufzuklären: "Soviel lässt sich mit Sicherheit über das Schicksal von MH370 sagen: Erstens war das Verschwinden eine vorsätzliche Handlung. Es ist unvorstellbar, dass die uns bekannte Flugroute durch eine Kombination aus Systemausfall und menschlichem Versagen verursacht wurde. Feuer, Rauch, Explosion, Zusammenbruch des Kontrollsystems, Sturm, Eis, Blitz, Vogelschlag, Meteorit, Vulkanasche, mechanisches Versagen, Sensoren-, Instrumenten-, Funkversagen, medizinischer Notfall, Bombe - nichts davon erklärt die Flugroute. Zweitens fand die Steuerung des Flugzeugs trotz gegenteiliger Theorien nicht aus der Ferne statt, sondern aus dem Cockpit … Die MH370 flog höchstwahrscheinlich mit Autopilot Richtung Süden in die Nacht. Wer auch immer im Cockpit war, war aktiv und lebendig. War es eine Entführung? Das ist die im offiziellen Bericht bevorzugte Lösung. Es ist die schmerzloseste Erklärung für jeden, der in dieser Nacht Autorität besaß, wirft jedoch immense Probleme auf. Das wichtigste ist, dass die Cockpittür massiv, elektrisch verriegelt und videoüberwacht war. Außerdem vergingen weniger als zwei Minuten zwischen Zaharies (der Pilot, d. Red.) Gutenachtgruß an den Tower in Kuala Lumpur und dem Abgehen von der regulären Route. Wie sollte es den Entführern möglich gewesen sein, den Zeitpunkt der Übergabe an die vietnamesische Flugsicherung abzupassen, um Zugang zum Cockpit zu erhalten, und das, ohne dass die Piloten einen Notruf übermitteln konnten?"
Stichwörter: Mh370

Magazinrundschau vom 28.05.2019 - The Atlantic

Elizabeth Winkler hat sensationelle Nachrichten - Shakespeare war eine Frau! In der neuen Ausgabe des Magazins sammelt Winkler Indizien und nennt einen Namen: Emilia Bassano. "Ist je jemand auf die Idee gekommen, dass der Schöpfer all der außergewöhnlichen Frauenfiguren selbst eine Frau war? … Die vorherrschende Ansicht war, dass in der Renaissance in England keine Frau für das Theater schrieb, weil das gegen die Regeln verstieß. Religiöse Verse und Übersetzungen wurden als geeignete literarische Aktivitäten für Frauen angesehen, 'closet dramas', die nur für die private Lektüre gedacht waren, waren akzeptabel. Die Bühne war tabu. Wissenschaftler haben allerdings herausgefunden, dass Frauen als Gönner, Anteilseigner, Kostümbildnerinnen und Kassiererinnen in das Bühnen-Geschäft involviert waren. Darüber hinaus wurden 80 Prozent der in den 1580er Jahren gedruckten Stücke anonym geschrieben, und diese Zahl fiel erst in den frühen 1600er Jahren unter 50 Prozent … Bassano wurde 1569 in London als Tochter einer venezianischen Einwandererfamilie - wahrscheinlich jüdische Musiker und Instrumentenbauer - geboren und war eine der ersten Frauen in England, die einen Gedichtband veröffentlichte (angemessen religiös und doch verblüffend feministisch gegen männliche Unterdrückung und für die Befreiung der Frau streitend). Ihre Existenz wurde 1973 vom Oxford-Historiker A. L. Rowse aufgedeckt, der spekulierte, sie sei Shakespeares Geliebte gewesen, die in den Sonetten beschriebene 'Dark Lady'. In dem Stück 'Emilia' geht die Dramatikerin Morgan Lloyd Malcolm noch einen Schritt weiter: Ihr Shakespeare ist ein Plagiator, der Bassanos Worte für Emilias berühmte Verteidigung der Frauen im Othello verwendet. Könnte Bassanos Beitrag noch größer und direkter sein? Die Idee fühlte sich wie eine feministische Fantasie über die Vergangenheit an. Doch Geschichten über verlorene und verdeckte Errungenschaften von Frauen haben oft etwas Traumhaftes, da sie eine andere Geschichte als die enthüllen, die wir kennen. Hatte ich mich hinreißen lassen, Shakespeare nach dem Bild unserer Zeit neu zu erfinden? Oder blickte ich hinter die geschlechtsspezifischen Annahmen, auf eine Frau, die wie Shakespeares Heldinnen eine raffinierte Verkleidung trug? Vielleicht war die Zeit endlich gekommen, sie zu erkennen."

In der Titelstory sieht James Carroll für die Katholische Kirche nur eine Möglichkeit, sich nach den Missbrauchsskandalen zu erneuern: Sie muss ihre Hierarchie und den Klerikalismus abschaffen. "Die Kirche, die ich voraussehne, wird von Laien regiert werden, wobei das Verb dienen angemessener wäre als regieren. Es wird Führer geben, die Gemeinschaften in der Anbetung versammeln, und weil die Tradition reich ist und tief in der Menschheitsgeschichte Akkorde anschlägt, können solche sakramentalen Befähiger durchaus als Priester bekannt sein. Dazu werden auch Frauen und verheiratete Menschen gehören. Sie werden ontologisch allen anderen gleich sein. Sie werden keinem feudalen Übergeordneten Lehnstreue schulden."

Weitere Artikel: Franklin Foer beschreibt Victor Orbans Krieg gegen George Soros' Central European University. Darcy Coutreau erzählt die Geschichte einer Mexikanerin, die es nach Jahrzehnten geschafft hat, legal in Amerika zu leben.

Magazinrundschau vom 04.06.2019 - The Atlantic

Emma Green erkundet die düsteren Perspektiven für Christen in Nahost, eine Gefahr für den Pluralismus in der Region, warnt sie, aber auch eine politische Gelegenheit: "Der prekäre Zustand des Christentums im Irak ist tragisch. Die Welt könnte bald Zeuge der dauerhaften Vertreibung einer uralten Religion und eines uralten Volkes werden. Die Bewohner dieser Gegend teilen mehr als den Glauben: Sie nennen sich Suraye und fühlen sich alten Völkern verbunden, die dieses Land lange vor Christi Geburt bewohnt haben. Das Schicksal des Christentums in der Ninive-Ebene ist von geopolitischer Bedeutung. Religiöse Minderheiten sind ein Test für den Pluralismus eines Landes; eine gesunde liberale Demokratie schützt gefährdete Gruppen und ermöglicht ihnen gesellschaftliche Teilhabe. Ob Christen in Ländern mit muslimischer Mehrheit überleben können, ist ein entscheidender Indikator dafür, ob die Demokratie an diesen Orten lebensfähig ist. Im Irak sind die Aussichten düster, wie auch in anderen Ländern der Region, in denen alte christliche Bevölkerungsgruppen leben, darunter Ägypten, Syrien und die Türkei. Christen an diesen Orten sind Diskriminierung, staatlich gestützter Einschüchterung und dauernder Gewalt ausgesetzt. Sie haben allerdings einen mächtigen Verbündeten: die USA, die unter Trump der Unterstützung des Christentums im Nahen Osten noch höhere Priorität einräumen als unter Bush oder Obama. Unter Trump flossen hohe Investitionen in die Region. Diese außenpolitische Position ist zum Teil innenpolitisch begründet. Den konservativen Trump-Wählern liegen unterdrückte Christen am Herzen, und sie unterstreichen das durch effektives Lobbying. Aber die Notlage der Christen in der Region spielt auch einer Regierung in die Karten, die ihre Außenpolitik als Kampf um die den globalen Einfluss des Westens betrachtet. Für Trump ist das Christentum ein Bollwerk westlicher Werte in einer Region voller Feinde."

Magazinrundschau vom 26.03.2019 - The Atlantic

Douglas Quenqua berichtet über Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas und wie die Organisation damit umging, bis ein ehemaliges Mitglied die entsprechenden Dokumente leakte: "März 1997 sandte die Watchtower Bible and Tract Society, die gemeinnützige Organisation, die die Zeugen Jehovas beaufsichtigt, einen Brief an jede ihrer 10.883 US-Gemeinden und an weitere Gemeinden weltweit. Man war besorgt über das rechtliche Risiko durch mögliche Kinderschänder in seinen Reihen. Der Brief enthielt Anweisungen, wie mit einem bekannten Täter umzugehen sei: Schreiben Sie einen detaillierten Bericht, der 12 Fragen beantwortet - War dies ein einmaliges Ereignis, oder hatten die Angeklagten eine Vorgeschichte von Kindesmissbrauch? Wie wird der Angeklagte in der Community wahrgenommen? Weiß noch jemand anderes von dem Missbrauch? - und schickt ihn in einem speziellen blauen Umschlag an das Hauptquartier von Watchtower. Bewahren Sie eine Kopie des Berichts vertraulich in Ihrer Gemeinde auf, so die Anweisungen weiter, und geben Sie sie nicht an Dritte. So bauten die Zeugen Jehovas die vielleicht größte Datenbank der Welt mit undokumentierten Fällen von Kindesmissbrauch auf: Zehntausende Namen und Adressen aus einem Zeitraum von mindestens zwei Jahrzehnten, in einer durchsuchbaren Microsoft-Datei zusammengefasste, detailliert aufgezeichnete Akte möglichen Missbrauchs, von denen die meisten nie an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet wurden. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Großteil der Aufmerksamkeit für Missbrauchsvorwürfe auf die katholische Kirche und andere religiöse Gruppen konzentriert. Weniger beachtet wurde der Missbrauch unter den Zeugen Jehovas, einer christlichen Sekte mit mehr als 8,5 Millionen Mitgliedern. Trotz mehrerer Gerichtsbeschlüsse zur Freigabe der in der Datenbank enthaltenen Informationen hat Watchtower in dieser Zeit Millionen Dollar investiert, um sie geheim zu halten, sogar vor den Überlebenden der betreffenden Geschichten. Diese Bemühungen waren bemerkenswert erfolgreich, bis vor kurzem."

Magazinrundschau vom 02.01.2019 - The Atlantic

Was eint die Rechtspopulisten auf der ganzen Welt? Ihr Rassismus? Kann man zum Beispiel von Rodrigo Duterte nicht sagen. Der Kampf gegen Ungleichheit und Globalisierung? Dann hätten die Polen nie rechts gewählt. Nein, die Rechtspopulisten - von Bolsonaro, über Trump, Duterte bis Victor Orban und Matteo Salvini - haben nur eins gemeinsam, meint Peter Beinart: den Kampf gegen Frauen. Dazu gehört ganz wesentlich die Verschärfung oder Abschaffung des Rechts auf Abtreibung und die öffentliche Verächtlichmachung - bis hin zu offenen Vergewaltigungsdrohungen - von Konkurrentinnen (Duterte forderte seine Soldaten gar auf, weibliche Rebellen "in die Vagina" zu schießen, das würde sie "nutzlos" machen.) "Langfristig erfordert ein Sieg über die neuen Autoritäten mehr als nur die politische Stärkung von Frauen. Er erfordert eine Normalisierung ihrer Ermächtigung, damit Autokraten weibliche Führer und Demonstranten nicht zu Symbolen politischer Perversität machen können. Und er erfordert die Auseinandersetzung mit dem tiefer liegenden Grund, warum viele Männer - und einige Frauen - die politische Macht von Frauen als unnatürlich ansehen: weil sie die Hierarchie, die sie zu Hause sehen, untergräbt. "'Der erste [Geschlechts-]Unterschied, den Individuen bemerken', sagte die Politologin Valerie Hudson mir, 'ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern im eigenen Haus. Das schafft die erste politische Ordnung, wie die Dinge natürlicherweise geregelt sein sollten.' Es ist daher nicht verwunderlich, dass Autoritäten oft erfolgreich sind, wenn Frauen - insbesondere feministische Frauen - die männliche Dominanz des öffentlichen Lebens in Ländern bedrohen, in denen Männer noch immer im privaten Bereich das Sagen haben."

Außerdem: Dahlia Lithwick liest Jane Sherrons Biografie der amerikanischen Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg, die zeige, dass man kein Gangster sein muss, um Dinge zu ändern. Und Stephen Metcalf fragt: Warum ist Andy Warhol immer noch so berühmt?