Carlos Fuentes will
wie Honore Balzac sein.
Er hat das schon mehrfach gesagt und sagt es auch hier wieder: "So wie Balzac die menschliche Komödie seiner Zeit darstellen wollte, möchte ich die Gesellschaft meiner Zeit wiedergeben, ihre Schattierungen erforschen und die verschiedenen
Wesensarten, in denen diese Welt zum Ausdruck kommt". So also
spricht ein wahrer Dichter, hier im Interview mit der
N genannten Kulturbeilage der
argentinischen Tageszeitung Clarin. Natürlich bedeutet Balzac zu sein für den
mexikanischen Schriftsteller auch
politisch Stellung zu beziehen. Er hat das gerade in einem neuen Buch getan, dessen Titel eigentlich keiner Übersetzung bedarf:
"Contra Bush". Wird dieses Werk einen Einfluss auf das Wahlverhalten der Latinos in den USA haben, fragen die Interviewer. "Man kann nie wissen, welche Wirkung die eigenen Worte haben", antwortet Fuentes. "Ich vertraue aber darauf, dass die
Latinos gegen Bush wählen. Nicht nur wegen meines Buches, sondern auch weil die von ihm hervorgerufene Abscheu universal ist".
Wesentlich sympathischer kommt der ebenfalls interviewte
Cesar Aira daher, ein
argentinischer Tausendsassa, der nach erstem Ruhm in Spanien nun auch in Deutschland veröffentlicht und hoffentlich auch gelesen wird. Es ist ein höchst interessantes Gespräch mit einem 56-jährigen Autor, der mehr als 30 Bücher veröffentlicht hat, von denen
keines wie das andere ist. "All meine Bücher sind Experimente. Sie sind so angelegt, aber es handelt sich nicht um Experimente, die mit der Seriosität des Wissenschaftlers betrieben werden, sondern mit der
amethodischen Seriosität eines verrückten Erfinders oder eines Kindes, das Chemiker spielt und zwei Substanzen mischt: mal gucken, was passiert",
erzählt Aira. Julio Cortazar hält er übrigens für überbewert und so zitiert er denn auch den schönen Ausspruch, dass der
beste Cortazar ein schlechter Borges sei. Und was hält er von Carlos Fuentes? Vielleicht fragt ihn ja mal jemand bei seinen bevorstehenden
Lesungen in Deutschland.
Und
N kann noch mit zwei weiteren großen Interviews aufwarten - schließlich handelt es sich um eine Jubiläumsausgabe: Da wäre einmal
Richard Rorty. Wie der
us-amerikanische Philosoph in genau zwei Sätzen
Samuel Huntington abfertigt, warum er sich lieber nicht zum französischen Kopftuchstreit äußern will, und wie er eingesteht, dass er
Foucaults Begriff der Archäologie nie verstanden hat, all dies und einiges mehr ist hier
nachzulesen. Als Dreingabe dann noch ein viertes Gespräch, nämlich mit dem argentinischen Maler
Carlos Alonso. Der 75-Jährige kann aus eigener Erfahrung
erklären, warum es gerade für kreative Menschen so schwierig ist, mit
dem Rauchen aufzuhören.