Magazinrundschau - Archiv

El Pais Semanal

79 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 8

Magazinrundschau vom 30.06.2020 - El Pais Semanal

"Wie wir die Generation verloren, die Spanien verändert hat": Mit einer bewegenden Reportage, die man auch als Podcast hören kann, nimmt El País Abschied von den fast 30.000 Menschen über siebzig oder gar achtzig, die der Corona-Pandemie in Spanien zum Opfer fielen: "Von der Generation, die nach dem Bürgerkrieg aufwuchs, die Diktatur durchmachte und anschließend die Hauptrolle bei der grandiosen Wiederbelebung ihres Landes übernahm. Deren Anstrengungen den gesellschaftlichen Aufstieg ihrer Kinder und Enkel ermöglichte. Deren Kampf die Grundlage für die Demokratie legte. Und die nach der Pleite von Lehman Brothers ihre Spardosen aufmachte, um ihre Kinder, Familien und die gesamte Volkswirtschaft zu unterstützen. Von all denen, die am Ende zu Hause, in Krankenhäusern oder in Altenheimen - letztere oft tödliche Fallen - allein starben, nachdem sie so viel gegeben hatten."
Stichwörter: Spanien, Corona

Magazinrundschau vom 19.05.2020 - El Pais Semanal

Alma Guillermoprieto, die Grande Dame der lateinamerikanischen Reportage, präsentiert ein großes El País-Dossier zur Corona-Pandemie in Lateinamerika: "Was mich am wütendsten macht, ist all die verlorene Mühe! Wir besiedeln eineinhalb Kontinente, von der Wüste um Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA bis zum nebligen Ushuaia, das so nah an der Antarktis liegt, wie kein anderer bewohnter Ort dieser Welt. Wir sind ein vielfarbiges Universum über 600 Millionen Anstrengungen gewohnter, fortschrittshungriger, zum Großteil mit einer unbegreiflichen Neigung zur guten Laune ausgestatteter Menschen. Wir überleben Wirtschaften, die langsam anwachsen, um erneut in Abgründen der Ungleichheit und Inflation zu versinken. Wir kämpfen seit mehr als zweihundert Jahren für Gleichheit und Demokratie - die Diktaturen lösen einander ab, und dennoch ist der Drang nach Veränderungen nie ganz erloschen. Millionen von Familien schuften hier wie Ameisen und sparen, um eine Wohnung abzuzahlen oder das Geld für die Studienkosten des ersten Familienmitglieds aufzubringen, das es an die Universität schafft. Und all diese jahrelangen Anstrengungen und Kämpfe lässt die blindwütige Macht eines Virus innerhalb weniger Wochen verschwinden wie ein Schwamm, der eine Tafel wischt. Denn vom Verlust menschlicher Leben einmal abgesehen, erwartet uns der Kollaps der Industrien, Geschäfte und Familienunternehmen dieser Region, die schon davor in einem schwierigen wirtschaftlichen Abstieg begriffen war, von Nicht-so-besonders zu Noch-viel-schlimmer. Ich muss an ein kleines indisch-afrikanisch-libanesisch-englisch-mexikanisches Restaurant in meinem früheren Viertel in México Ciudad denken, das zweimal täglich einer Handvoll Gästen teure exotische Gerichte servierte, oder an ein kleines Lokal nur zwei Straßen weiter, das seit Jahren bescheidene Mittagsmenüs anbot. Was wird aus ihnen werden, wenn monatelang kein Geld in ihre Kassen kommt? Oder aus den Bauern, die mühsam Bio-Kaffee für gehobene Ansprüche produzieren, jetzt, wo die neue Klasse von Leuten mit gehobenen Ansprüchen selbst verzweifelt nach Rettung sucht, weil ihre Kunstgalerien, Werbeagenturen oder Investmentfonds untergehen?" Im Folgenden überaus lesenswerte Reportagen aus El Salvador, Kolumbien, Argentinien, Brasilien, Venezuela, Chile, Nicaragua, Mexiko und von der amerikanisch-mexikanischen Grenze."

Magazinrundschau vom 10.03.2020 - El Pais Semanal

"La guitarra de Lorca": Federico García Lorca war nicht nur ein Dichtergigant, sondern auch begeisterter Gitarrist, erzählt der Journalist Jesús Ruiz Mantilla: "Mit acht bekam er von seiner Tante Isabel, die selbst Gitarre spielte, eine Gitarre geschenkt und war ab sofort Teil des Familienorchesters der Lorcas - auch sein Großvater Baldomero, sein Vater und seine Kusine Aurelia spielten Gitarre. Wie seine Schwester Isabel in ihren Memoiren berichtet, spielte er mit seinem Instrument außerdem regelmäßig seine Eltern und Geschwister in den Siesta-Schlaf. Auch als Flamenco-Gitarrist versuchte er sich und nahm dafür Unterricht bei den Lokalgrößen El Lombardo und Frasquito er de la Fuente. 1996 ließ Lorcas Nichte Laura das im Familienbesitz erhaltene Instrument ihres Onkels gründlich überholen und erlaubte u.a. so berühmten Besuchern des Lorca-Familiensitzes wie Patti Smith, Lou Reed und Bob Dylan, darauf zu spielen. Nun hat der spanische Gitarrist Samuel Diz mit Lorcas Instrument eine ganze CD mit Kompositionen spanischer Lorca-Zeitgenossen eingespielt und geht mit dem Programm auf Tournee ."
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Magazinrundschau vom 21.01.2020 - El Pais Semanal

Die Journalistin Amelia Castilla berichtet in einer ausführlichen Reportage über den Alltag der rund 10.000, zwischen achtzehn und achtzig Jahre alten "Schlepperinnen" im buchstäblichen Sinn an der spanisch-marokkanischen Grenze in den Enklaven Ceuta und Melilla: "Für Tageslöhne zwischen 10 und 30 Euro - je nach Gewicht - schleppen sie bis zu 80 Kilo schwere Bündel über die Grenze nach Marokko, beziehungsweise 'so viel, wie ein Mensch allein tragen kann', was aus marokkanischer Sicht, zumindest vorläufig noch, eine legale Wareneinfuhr darstellt - aus spanischer bzw. europäischer Sicht gibt es ohnehin kein Problem: Die von asiatischen, algerischen, französischen oder spanischen Unternehmen per Schiff angelieferten Waren sind, mit der vor Ort stark reduzierten Mehrwertsteuer, legal in Ceuta oder Melilla, und damit in Spanien, erworben worden und füllen später beispielsweise marokkanische Supermarktregale." Auf marokkanischer Seite begehrt ist auch französischer Pastis, dessen Einfuhr ist jedoch, da Alkohol, verboten. Auf Fotos ist zu sehen, wie sich manche Schlepperinnen Flasche um Flasche davon mit Klebeband am Leib befestigen. Darüber können noch mehrere Schichten ebenfalls zu verkaufender Textilien kommen. Für die oft stundenlangen Wartezeiten bis zum Überqueren der Grenze behelfen manche Frauen sich mit Windeln, um bloß nicht aus der Warteschlange aussteigen zu müssen.
Stichwörter: Marokko, Mehrwertsteuer

Magazinrundschau vom 06.08.2019 - El Pais Semanal

Neue Wege in Brasilien. Die Journalistin Naiara Galarraga Gortázar stellt die 25 Jahre alte Nachwuchspolitikerin Tabata Amaral vor, "die brasilianische Alexandria Ocasio-Cortez": "Ihre Wahl zur Abgeordneten war der krönende Abschluss einer sorgfältig geplanten Strategie, die eine andere, neue Art von Abgeordneten ins brasilianische Parlament bringen soll. Nachdem sie einen Ethik-Test bestanden hatte, wurden Amaral und weitere 132 - unter insgesamt 4000 Bewerbern ausgewählte - Personen, die noch nie ein öffentliches Amt innegehabt hatten, sechs Monate in Gesundheit, Erziehung, öffentliche Verwaltung, Wirtschaft und Führungskompetenz ausgebildet, mit dem Ziel, einen Parlamentssitz zu erreichen. Ausgedacht hat sich das Ganze der Unternehmer Eduardo Mufarej, der zu diesem Zweck die Gruppierung 'RenovaBR' ins Leben gerufen hat. Zehn von ihnen schafften es tatsächlich ins Parlament, wo sie nun verschiedenen politischen Formationen angehören, linken wie rechten. Andere Organisationen, die in ähnlicher Weise versuchen Nachwuchstalente in die Politik zu bringen, sind RAPs, begründet von dem Miteigentümer des Naturkosmetik-Riesen 'Natura' Guilherme Leal, oder 'Ocupa Política', die vier junge Abgeordnete der linken PSOL unterstützen. (...) Der Politologe Fernando Limongi gibt allerdings zu bedenken, dass sich hinter manchen dieser Gruppierungen auch altbekannte Vertreter herkömmlicher Interessen verbergen: 'Da Parteispenden seit 2015 verboten sind, versuchen manche Unternehmer auf diese Weise, ihre Leute indirekt an die Macht zu bringen.' Mufarej selbst beschreibt seine Gruppierung so: 'RenovaBR hat kein politisches Programm, unsere Mission ist es, talentierte Menschen für die Politik zu gewinnen,von der sich die brasilianische Gesellschaft in den letzten 30 Jahren abgewandt hat. Wir brauchen neue Bezugsfiguren, egal ob links oder rechts, damit die Leute wieder an die Politik glauben.'"

Magazinrundschau vom 30.07.2019 - El Pais Semanal

"Was für ein Glück, dass das Siegertrikot der Tour de France gelb ist!", jubelt Héctor Abad: "In diesem Juli und August feiert Kolumbien 200 Jahre Unabhängigkeit. Zweihundert Jahre Einsamkeit haben uns Kolumbianern nicht gereicht, um zusammenzufinden und unsere Gegensätze zu überwinden. Die Fahne, die sich unsere Republik einst gegeben hat, ist in drei Streifen unterteilt. Die obere Hälfte ist gelb, die untere Hälfte teilen sich Blau und Rot. Blau ist die Farbe der 'Goten' (der Konservativen), Rot die der Progressiven (der Liberalen). Die Gegenüberstellung von Roten und Blauen, Linken und Rechten, war oftmals der Auslöser unserer Bürgerkriege. Viele Führerfiguren werden bei uns wahrscheinlich deshalb umgebracht, weil sie als Rote betrachtet werden, als Bedrohung für die Blauen. Seit einigen Jahren wird in Kolumbien jedoch auch eine pazifistische, nicht sektiererische Alternative verteidigt, die mit dem gelben Streifen gleichgesetzt wird. Für uns ist Egan Bernals Triumph ein Symbol der Vereinigung: Goten und Liberale, Linke und Rechte, Katholiken und Priestertöter, Atheisten und Evangelikale sind gleichermaßen glücklich darüber. Wir wünschen uns, dass Egan Bernal noch lange lebt und noch viele Male triumphiert, und dabei immer gelb trägt - gelb, die letzte Farbe, die Borges sah, bevor er blind wurd, gelb, die Farbe, mit der Gabriel García Márquez stets seinen Tisch bedeckte, um das Unglück fernzuhalten, gelb, die Farbe, die das Zusammenleben und die Versöhnung eines Landes symbolisiert, das noch viele friedliche Triumphe benötigt, um zusammenfinden und überleben zu können."
Stichwörter: Kolumbien, Bernal, Egan

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - El Pais Semanal

Der argentinische Schriftsteller und Journalist Martín Caparrós liefert einen sehr ausührlichen und lohnenden Bericht aus der venezolanischen Hauptstadt Caracas: "Seit dem Tod von Hugo Chávez haben etwa drei bis vier Millionen Venezolaner ihr Land verlassen, anders gesagt, ungefähr jeder Zehnte. In Caracas gibt es folglich Tausende leerstehender Wohnungen, vor allem in den Vierteln der Mittel- und Oberschicht. Manche müssen zu beschämenden Preisen an irgendwelche Spekulanten verkaufen, die die Lage ausnutzen. Von den anderen vermieten viele ihre Wohnungen lieber nicht, wenn sie weggehen, weil sie fürchten, dass sie die (Zwischen-)Mieter später nie mehr aus ihren Wohnungen herausbekommen. So ist ein neuer Beruf entstanden: Betreuer leerstehender Wohnungen. 'Da muss man vielleicht so alle zwei Tage vorbeischauen, mindestens einmal die Woche, ein bisschen lüften, saubermachen, das Wasser laufen lassen, die Blumen gießen, falls es welche gibt, Rasen mähen. Die Besitzer zahlen einem dafür 50 oder 100 Dollar, das ist hier viel Geld', erzählt Carlos, ein vierzigjähriger arbeitsloser Bankangestellter. Manche Leute kümmern sich um mehrere Wohnungen gleichzeitig - so bietet das massenhafte Weggehen einigen die Chance, zu bleiben."

Magazinrundschau vom 02.10.2018 - El Pais Semanal

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"Wie Gabriel García Márquez einmal eben schnell einen Verlag rettete (der gar nicht sein Verlag war)." Der spanische Journalist Juan Cruz rekapituliert die Geschichte des berühmten spanischen Verlags Tusquets Editores, der nächstes Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag feiert und sich in seiner Bedeutung für die spanischsprachige Welt mit der des Hanser-Verlages hierzulande vergleichen lässt. Seit kurzem befindet Tusquets sich allerdings unter dem Dach der Planeta-Verlagsgruppe. "Als der Bankrott drohte, rief Beatriz de Moura, die den Verlag erst ein Jahr davor mit ihrem damaligen Mann, dem Architekten Oscar Tusquets gegründet hatte, García Márquez an, den sie im Nachtleben von Barcelona kennengelernt hatte, als er noch kein berühmter Schriftsteller war: 'Gabo (wie García Márquez' Spitzname lautete), du bist sehr reich, und Tusquets braucht Geld.' Worauf der eher wortkarge García Márquez, der sich bereits im Erfolg seines Romans 'Hundert Jahre Einsamkeit ' sonnte, erwiderte: 'Ich schenk dir was, das dich reich machen wird.' Dieses Geschenk waren die Rechte an der Jahre zuvor in der Zeitschrift El Espectador veröffentlichten Reportage Bericht eines Schiffbrüchigen, die in Buchform in über hundert Auflagen millionenfach verkauft wurde und Tusquets buchstäblich vor dem Schiffbruch rettete."

Magazinrundschau vom 29.05.2018 - El Pais Semanal

"Die Sandräuber sind unterwegs." Passend zum Beginn der europäischen Strandsaison beschreibt die Journalistin Carmen Gómez-Cotta die katastrophalen ökologischen Folgen des weltweit steigenden, vielfach illegalen Sandhandels: "Nach Wasser und noch vor fossilen Brennstoffen ist Sand heute der weltweit meistnachgefragte Rohstoff: Etwa 59 Milliarden Tonnen Sand werden inzwischen jährlich auf der Erde verbraucht, 85 Prozent davon für Bauvorhaben - für ein mittelgroßes Haus braucht man 200 Tonnen, für ein Krankenhaus 3000 Tonnen, für einen Kilometer Auttobahn 30.000 Tonnen. Zu den größten Sand-Importeuren gehören ausgerechnet die von Wüsten umgebenen Vereinigten Arabischen Emirate - Wüstensand ist für das Anrühren von Beton nur schlecht geeignet, also importiert man Sand aus Australien, allein für den 828 Meter hohen Burj Khalifa-Tower in Dubai etwa 110.000 Tonnen, für die künstlichen Palm Islands bislang 385 Millionen Tonnen.. Gleichzeitig verschwinden die Strände - die Strände der Kanarischen Inseln etwa überleben heutzutage durch Sandimporte aus der West-Sahara."

Magazinrundschau vom 10.04.2018 - El Pais Semanal

Javier Cercas folgt dem Ratschlag eines alten amerikanischen Freundes: "Mein Freund wirft mir vor, dass ich zu viel über Politik schreibe, besonders über katalanische Politik: 'Das Beste, was ein Romancier zu sagen hat, sagt er mit seinen Romanen, nicht mit seinen Meinungen. Hast du ernsthaft geglaubt, mit all deinen Zeitungsartikeln und Interviews könntest du die Unfähigkeit der spanischen Regierung abmildern, die nicht begriffen hat, dass man einen Putschversuch des 21. Jahrhunderts nicht mit Mitteln des 20. oder 19. Jahrhunderts aufhalten kann? Oder dass all deine Argumente irgendwen von seinen Überzeugungen abbringen könnten? In Katalonien geht es jetzt nur noch um Glaube, nicht mehr um Vernunft. Wie lautet das Proust-Zitat, das du immer so gerne anführst: 'Was auf unvernünftige Weise in einen Kopf hineingelangt ist, kann nicht vernünftig wieder herauskommen.' Beim Abschied bittet er mich, nie wieder über Katalonien zu schreiben. 'Das verspreche ich dir', antworte ich."