
In der vergangenen Woche wurde nicht nur die Umwandlung weiterer
Universitäten in private Stiftungen beschlossen, sondern auch die Übertragung staatlichen Vermögens an die Universitätskuratorien, die ausschließlich von aktiven Politikern der Regierungspartei oder dem Ministerpräsidenten ergebenen Wirtschaftsakteuren bestehen (Ministerpräsident Orbán betonte in seiner wöchentlichen Radioansprache, dass "internationalistisch-globalistische" Vertreter keinen Platz in den Universitätskuratorien erhalten werden.) Beobachter meinten, dass Orbán - die kommenden Wahlen im Blick - versuche, sich auf eine mögliche Niederlage vorzubereiten und so einen
Parallelstaat aufzubauen, der eine Regierung durch die Opposition unmöglich machen würde. Der Publizist János Széky
zweifelt daran, dass es überhaupt zu einer Wahlniederlage von Orbán kommen kann: "In Ungarn entscheidet für unabsehbare Zeit eine Zwei-Drittel-Mehrheit nicht nur über die Wirtschaft, sondern auch über Schlüsselpositionen der Staatsmacht, von der 'Wahl' des Generalstaatsanwalts über das Nationale Wahlkomitee bis zum Medienrat. Meiner Meinung nach ist
Demokratie etwas anderes. (...) Ja, Ungarn wurde in den vergangenen Jahren aus Mitteleuropa in jene Region verschoben, wo eine bunte Revolution nicht mehr auszuschließen ist. Doch wenn wir uns die bunten Revolutionen anschauen, brachten die romantischen Ereignisse überall
bereits existierende starke Parteien an die Macht. In Ungarn fehlt aber der politische Wettbewerb, der geeignete Politiker und charakterliche Parteien entstehen lässt. Dass die Opposition nun versucht, ja dazu gezwungen wird, sich wie 'eine Partei' zu benehmen und zu agieren, soll einem nur vorgaukeln, es könne in den nächsten vierzig Jahren Freiheit geben."