
Im Interview mit Nikolett Antal
spricht der
Schriftsteller Ákos Kormányos u.a. über die Darstellung
körperlicher Versehrtheit in der Literatur. Kormányos erhielt für seinen Gedichtband "Töredezettségmentesítés" (Defragmentierung) ein Literaturstipendium von zwei unabhängigen Literaturorganisationen für 2021/22. Der Dichter thematisiert in diesem Band seine eigene körperliche Behinderung. Außerhalb der literarischen Welt arbeitet er als
Psychologe auf der Onkologiestation des Klinikums der Universität Szeged. "Ich wollte nicht 'alles ist immer gut' schreiben. In der Psychologie mag ich es auch nicht, wenn jemand sagt, dass in allem
immer etwas Gutes steckt und das muss um jeden Preis erkannt und gesehen werden. Es nervt mich auch total, wenn ich höre, dass man auch als Behinderter ein volles Leben leben kann. Ich lebe ein
rundes Leben, voller von Freude und Glücksmomente, doch ich denke auch, dass ein
volles Leben etwas Anderes ist. Dazu kommt noch, dass ich als Psychologe in der Onkologie arbeite. Dort ist es wichtig, auch über Traurigkeit und Schmerz zu sprechen. ... Es ging um die Frage: wie man dieses Thema zur Belletristik formen kann. Dafür war die Distanz gut, denn ich dachte, dass wenn ich Distanz wahren kann, wenn ich mechanisch anatomische Abläufe schildern kann, was wiederum Empathie weckt, dann funktioniert das Thema, über das ich wirklich sprechen will. Ich wollte nicht schreiben, dass es
mir weh tut, denn der Leser muss dieses Gefühl selbst entwickeln." (Hintergrund: )