
Im vornehmen Budapester 12. Bezirk steht ein
Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs in Gestalt eines sogenannten
Turulvogels. Das Mahnmal war wiederholt Gegenstand kontroverser Debatten, weil der Turulvogel als Symbol u.a. von den ungarischen Nazis verwendet wurde, weil das Mahnmal ohne Genehmigungen errichtet wurde und auch, weil bei den Namen der aufgeführten Bezirksbewohnern mehrere Täter aufgeführt werden, die an Massenmorden an Juden beteiligt und später von den Sowjets hingerichtet wurden (So auch der Großvater eines prominenten Politikers der Regierungspartei Fidesz.). Ein in der vergangenen Woche präsentierter Dokumentarfilm des Regisseuren
Dániel Ács mit dem Titel "Das
Denkmal der Mörder" (A gyilkosok emlékműve) brachte das Mahnmal erneut in den Fokus von Debatten, nachdem absurderweise verkündet worden war, dass das Mahnmal doch bleiben und lediglich als eine 'Vogel-Statue' fungieren solle. Der Historiker
László Karsai fasst die Debatte aber auch die Stärken sowie Schwächen des Dokumentarfilms zusammen: "Es ist ein Eckpfeiler des ungarischen Holocaust-Gedenkens, wer die Täter waren, ob wir sie benennen, wer die Opfer waren und ob wir sie auch benennen. Auf den Weltkriegsmahnmalen werden aber 'Verfolgte' aufgeführt und nicht Juden. Auch die Täter werden nicht benannt, der Täter ist der namenslose und unpersönliche zweite Weltkrieg. (...) Die Verwaltung des 12. Bezirks hätte auch entscheiden können, dass das Mahnmal abgebaut wird, doch in diesem 'herrschaftlichen' Bezirk wäre das
politischer Selbstmord gewesen. So bleibt die Turulstatue und die erste Idee war, dass sie 'kastriert' wird, sprich, die Namen der zivilen Opfer, die Namen der Juden und die Namen ihrer Mörder entfernt werden. (...) Dann wollte man die Statue umtaufen zu einem
Mahnmal für den Ersten Weltkrieg, aber auch daraus wurde nichts. Gleichzeitig möchte man aber ein neues Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs errichten. Die Frage bleibt nur: wozu?"