
Der slowakische Journalist
Martin M.
Simecka und der ungarische Architekt
Laszlo Rajk waren in jungen Jahren Dissidenten unter den kommunistischen Regimen ihrer Länder. Außerdem waren sie beide
Söhne überzeugter Kommunisten, die wegen abweichlerischer Meinungen verurteilt worden waren: Milan Simecka 1968, Laszlo Rajk senior 1949. Die Söhne
unterhalten sich über ihre Väter und über die Frage, warum es bis heute schwer ist,
Dissident zu sein.
Dazu Martin M. Simecka: "Ich war praktisch mein ganzes Leben umgeben von ehemaligen Kommunisten, die ja immer
charmante Menschen sind. Meine Frau Marta kommt aus einer kommunistischen Familie: ihr Vater war während des Zweiten Weltkriegs in Moskau und in den Fünfzigern Chefredakteur der kommunistischen Zeitung. Wir kommen alle aus kommunistischen Familien. Unsere Familien waren Opfer anderer Kommunisten,
böser Kommunisten. Sogar heute finde ich es problematisch zu sagen, ich sei ein Antikommunist. Ich mag dieses Wort nicht. Ich hatte einen
Mordskrach mit Adam Michnik über die
Kundera-Affäre [die Simecka in seiner Zeitschrift
Respekt publik machte], und er sagte zu mir: 'Weißt du, was mit dir los ist? Du gehörst jetzt zu den Antikommunisten. Das ist
die schlimmste Sache von der Welt.' Es gibt sie also immer noch, diese linke intellektuelle Mafia in Europa, wenn ich mal so sagen darf. Es gibt eine tiefe Verbundenheit, nicht nur gemeinsame Erfahrungen, aber eine Weltsicht, ein Bekenntnis zu sozialer Gleichheit und Freiheit, die natürlich viele Kommunisten am Anfang teilten. Es ist an der Zeit, diese Fragen aus einer neuen Perspektive zu diskutieren, vor allem jetzt, wo die Linke in Europa an Ideenmangel leidet und
nicht mehr die Freiheit verteidigt."
Laszlo Rajk: "Es gibt zwei fundamentale Elemente in der politischen Wende, die in der Vergangenheit wurzeln, und kein postkommunistisches Land konnte damit wirklich umgehen. Das sind die
Privatisierung und die
Nomenklatura. Jedes Land hat verschiedene Methoden der Privatisierung oder Teilprivatisierung probiert und keine war erfolgreich. Keine. (...) Man kann dieses Element nicht auslassen, wenn man über die Nomenklatura spricht und wie sie sich in die neue Ära katapultiert hat. Das sind zwei Schlüsselfragen, die das gegenwärtige politische Leben beeinflussen und es auch in Zukunft tun werden."