Magazinrundschau - Archiv

Il Foglio

72 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 8

Magazinrundschau vom 19.12.2006 - Foglio

Jeder Journalist wirbt für irgendetwas, schreibt Giampiero Mughini, der vom Presserat in Lazio für seinen Auftritt in einer Handywerbung gerügt wurde. "Ich rede etwa von dem sehr sympathischen Carlo Rossella, ein großartiger Journalist, den ich seit 30 Jahren kenne und über den ich einen Roman schreiben würde, wenn ich die Disziplin dafür hätte. Er ist die perfekte Inkarnation der Mischung aus großem journalistischen (und literarischen) Talent und absolut keinem ethischen Rückgrat. In seinen Journalen ist die Produktplatzierung eine Konstante, eine ständige Versuchungsanordnung zur Unmöglichkeit, Nein zu sagen."

Alle Spionage- und Agentengeschichten der Gegenwart hat Shakespeare in "Hamlet" schon erzählt, winkt Siegmund Ginzberg ab (erst hier und dann hier). "Es gibt sogar Polonium. Die Giftmörder enden so böse wie ihre Opfer, dahingerafft von ihrem eigenen Gift. Ab einem gewissen Punkt verliert man die Übersicht, wer nun wen ermorden will, auf wessen Rechnung und um wen zu rächen."

Weitere Artikel: Gabriella Mecucci besichtigt das "Haus der ersten Republik", einen sechsstöckigen Palazzo in der römischen Via Cristoforo Colombo, wo unter anderem Pietro Nenni, Antonio Giolitti und Ugo La Malfa wohnten. Und Ugo Bertone stellt den in Italien lebenden, in Frankreich geborenen und Polnisch sprechenden Finanzmagnaten Romain Zaleski vor.

Magazinrundschau vom 12.12.2006 - Foglio

Der Schauspieler Giampero Mughini erinnert sich an die glorreichen siebziger Jahre, als er sich mit dem Regisseur Nanni Moretti anfreundete und sie "Ecce bombo" drehten. "Eine der beiden Szenen spielte auf der Terasse der Wohnung einer jungen und reichen römischen Bürgerlichen. Einige Jahre später musste diese Frau einige Tage im Gefängnis verbringen, weil sie angeblich einen roten Terroristen beherbergte. An dem Abend als wir in die Wohnung kamen, um die Szene für Nannis Film zu drehen, saß tatsächlich einer auf der Couch. Ich hatte ihn 1977 bei den Demonstrationen gesehen, wo er sich fürchterlich aufführte."

Weiteres: Fabio Canessa entdeckt den anarchisch angehauchten, aber attraktiven Intellektuellen Luciano Bianciardi als einen der vielschichtigsten italienischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Und Ugo Bertone poträtiert den Mexikaner Carlos Slim Helu, der nun Brasiliens Telekommunikation aufkauft.
Stichwörter: Bertone, Moretti, Nanni

Magazinrundschau vom 05.12.2006 - Foglio

"Ein Buch, von dem jeder Verleger träumt." Völlig zu Recht hat es Ottavio Cappellanis spaßiger Mafia-Roman "Chi e Lou Sciortino?" jetzt nach Amerika zu Farrar, Straus & Giroux geschafft, meint Mariarosa Mancuso. Auch im Roman zieht es Sizilianer gen USA. "Die Sciortino-Familie wäscht ihr schmutziges Geld im Kinogeschäft. Sie kauft oder baut Kinosäle in der amerikanischen Provinz, und es ist nicht so wichtig, dass keine Menschenseele kommt, um sich das Programm anzusehen. Jeden Montag kommt irgendjemand mit einem Köfferchen voller Geld und kauft alle Tickets der ganzen Woche. An der Kasse fragt natürlich keiner nach dem Ausweis, die Steuern werden regulär gezahlt, auf den Bruchteil der Einnahmen, die dem FBI zuliebe ausgewiesen werden." (In Deutschland ist der Roman ganz unbemerkt erschienen.)

Weiteres: Siegmund Ginzberg erzählt (hier und dann hier) drei Geschichten von ermordeten Agenten. Stefano di Michele porträtiert den Präsidenten des italienischen Abgeordnetenhauses Fausto Bertinotti.
Stichwörter: FBI, Geld, Mafia

Magazinrundschau vom 31.10.2006 - Foglio

Der unter dem Pseudonym Ibn Warraq publizierende Autor des Buches "Warum ich kein Muslim bin" kommentiert gegenüber Giulio Meotti Umberto Ecos Essay von 1995 über den "Ewigen Faschismus". Warraq kritisiert Ecos um Verständnis bemühte Haltung zum Islamismus scharf. "Ich frage Eco: Darf der Westen seine Meinungsfreiheit aufgeben, für die Tausende gestorben sind? Seid stolz, entschuldigt Euch für nichts. Müsst Ihr Euch für Dante, Shakespeare und Goethe entschuldigen? Und Mozart, Beethoven und Bach? Und Rembrandt, Vermeer, van Gogh, Galileo, Kopernikus und Newton? Und das Penicllin und den Computer? Und die Menschenrechte und die parlamentarische Demokratie? Der Westen braucht keine Belehrungen von einer Gesellschaft, die Frauen unterdrückt, ihre Klitoris beschneidet, Ehebrecherinnen steinigt und Säure in ihre Gesichter kippt."

Der neue Bill Gates heißt Eric Schmidt, ist unter anderem CEO von Google und Mitglied des Verwaltungsrats von Apple, und setzt sich politisch für die Demokraten ein, weiß Claudio Cerasa. Die USA müssen lernen, sich zurückzuhalten, lernt Siegmund Ginzberg aus seinem Vergleich (hier und hier) der römischen Besetzung Judäas. Der Schriftsteller und Drehbuchautor Alessandro Schwed erzählt in einem Schwank, wie einer seiner Verwandten bewiesen hat, dass wir nicht vom Affen, sondern von Steinen abstammen.

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - Foglio

Sandro Fusina hat mit den Szenen, die Paolo Ventura mit Puppen nachstellt und dann fotografiert, die letzten Kriegstage in Mailand so intensiv miterlebt wie nie zuvor. Ob Soldaten, Schwarzhändler oder Prostuierte: "In diesen Arrangements gibt es keine Helden, keine Gewinner und keine Schöngeister... Und die Künstler? Sie schmachten in ihren Ateliers und starren ins Leere. Oder sie werden von der Portiersfrau erhängt an der Zimmerdecke aufgefunden, das letzte Bild lehnt noch an der Wand. In diesen Augenblicken, in denen sich zwei Leben kreuzen, hassen und lieben sich die Männer und die Frauen, immer mit dem gleichen Ausdruck in den Augen."

Gabriella Mecucci feiert die italienische Vorherrschaft im Restauratorengeschäft. Lino Januzzi stellt Massimo Pinis Biografie des italienischen Politikers Bettino Craxi vor, die Craxi wohl gefallen würde.
Stichwörter: Puppen, Italienische Politik

Magazinrundschau vom 17.10.2006 - Foglio

Ugo Bertone erzählt die tragische Geschichte der japanischstämmigen Amerikanerin Iva Toguri, die während des Zweiten Weltkriegs in Japan strandete und dort als Sprecherin von Propagandasendungen requiriert wurde, die sich an das amerikanische Militär richteten. Unter den Soldaten wurde sie als "Tokyo Rose" berühmt und berüchtigt (mehr). "Das Fantasma dieser schicksalbehafteten Stimme verhexte Abertausende von Marines - in den Dschungeln von Neuguinea oder auf den Landungsbooten vor den Stränden von Iwo Jima, die sich bald mit Blut tränken würden. In diesen Nächten des Wartens, wo jede Nacht als die allerletzte Nacht galt, wurde der Jazz des Radiosenders aus Tokio von einer Frauenstimme unterbrochen, vielleicht der letzten weiblichen Stimme in einem viel zu kurzen Leben: 'Lauscht, Männer, lauscht, solange ihr noch lebt.'"

Auf den gleichen Seiten fragt sich Siegmund Ginzberg, wie lange China Nordkorea noch unterstützen wird. Giuseppe Garibaldi, der Held des italienischen Risorgimento, und Aureliano Buendia aus Gabriel Garcia Marquez' "Hundert Jahre Einsamkeit" weisen erstaunliche Ähnlichkeiten auf, behauptet Nicola Fano in seinem Geburtstagsartikel für ersteren. Andrea Riccardi, der Gründer der Gemeinschaft von Sant'Egidio, setzt in Sachen spiritueller Erneuerung des Westens große Hoffnungen auf Benedikt XVI.

Magazinrundschau vom 10.10.2006 - Foglio

Stefano di Michele betrachtet die Plakate, mit denen sich die politischen Parteien Italiens in den letzten Jahrzehnten beharkt haben. Ein Höhepunkt war die bleierne Zeit der Roten Brigaden in den Siebzigern. "Das wirksamste Plakat - ein auch optischer Bruch mit jeglicher Zweideutigkeit - der Pci (Kommunistische Partei Italiens) war das Foto eines Straßenpflasters mit dem mit Kreide gezeichneten Umriss eines Körpers und dem Barett eines Polizisten, der gleichsam aus dem Plakat hinaustrat und sich zum Betrachter umwandte: Sie schießen auf die Uniform und drinnen steckt ein Mensch. Sie schießen alle auf uns."

Nicht nur in den USA wird der Film- und Fernsehmarkt christlicher, beobachtet Maurizio Crippa, nennt aber für Italien selbst leider nur wenige Beispiele. "Wenn im vergangenen Jahr 'Karol' mit über 13 Millionen Zuschauern der meistgesehene Film war, besteht in diesem Jahr Mediaset auf die Quotenkrone und wird auf die 'Magierkönige' von Agostino Sacca mit einer weihnachtlichen 'Heiligen Familie' antworten, die durch die Präsenz von Alessandro Gassmann veredelt wird."

Giancarlo Dotto stellt den italienischen Boxer Primo Carnera vor, der als erster Muskelprotz im Kino Urvater aller Rambos und Conans war. Siegmund Ginzberg erzählt erst hier und dann hier von den Reisen Ibn Battutas, des arabischen Marco Polos.

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - Foglio

Adriano Sofri entdeckt in den immerhin vier bisher veröffentlichten Büchern von Roms Vorzeigebürgermeister Walter Veltroni, das jüngste eine Autobiografie, einen Hang zur Nostalgie, und bestimmt Veltroni damit zum Prototypen eines neuen Menschenschlags. "Die Entwertung der Gegenwart, die Objekte, die immer schon ihr eigenes Ablaufdatum und ihre Überflüssigkeit in sich tragen, bewirken im Menschen - der nicht mit dem Fortschritt mithalten kann, nicht einmal Bill Gates, nicht einmal Veltroni, weil die Welt modern und der Mensch antiquiert ist, wie Günther Anders sagt - die Wiederkehr der Nostalgie, des Sammlertums, des Antiquariats, und darüber hinaus des Modernariats. Das Modernariat ist die Leidenschaft für die persönliche Altertümlichkeit. Ich spreche von dem Telefon aus Bakelit, das mitten in Walters Zimmer steht."

Weitere Artikel: Giulio Meotti zeigt sich (erst hier und dann hier) sehr beeindruckt vom konservativen Mitstreiter Mark Steyn, der im Spectator und auch in einem neuen Buch gegen den demografischen Kollaps Europas und den Vormarsch des Islamismus anschreibt. "Halb Jerry, halb Bernard Lewis, ein Hauch Bible Belt, der Schwung des Schelms, der einen Nazioffizier im Ghetto nachäfft und eine Note Irving Berlin, den Autor von 'Good Bless America'. Alles zusammengeben, schütteln und servieren." Und Stefania Vitulli empfiehlt das Buch des Landsmanns Alessandro Scafi, der die historischen Paradiese auf Erden im Band "Mapping Paradise" versammelt hat.

Magazinrundschau vom 19.09.2006 - Foglio

Annalena Benini widmet der Journalistin und sozialdemokratischen Europaabgeordneten Lilli Gruber ein bittersüßes Portät. Am Abend der Wahl von Ahmadinedschad war die "rote Lilli" auf einer Party in Teheran. "Die Nacht war lang, Gruber wurde von einem reichen Teppichhändler begleitet, der sehr gut tanzte und ihr dabei direkt in die Augen schaute. Aber mal im Ernst: 'Am Tisch sorgt sich niemand wirklich um den Sieg von Ahmadinedschad. Der Champagner ist frisch, der Kaviar köstlich, das Silberservice luxuriös.' Lillis Reisen sind immer so, 'die Leidenschaft des Verstehens' kombiniert mit eisgekühltem Champagner. Und sie ist überallhin gegangen, sie hat ihr Leben riskiert, hat auch im Bombenhagel jeden Tag sechzig Bahnen in ihrem Hotelpool gezogen und hat die islamistischen Terroristen Aufständische genannt."
Stichwörter: Champagner

Magazinrundschau vom 12.09.2006 - Foglio

Am 13. Oktober startet das neue Kinofestival von Rom, der kulturelle Supercoup des römischen Bürgermeisters Walter Veltroni. Voller Bewunderung schildert Marianna Rizzini den Macher Veltroni, der laut Pigi Battista alles verbinden kann, "Simon & Garfunkel, Kennedy, Afrika, Ian Mc Ewan, alles in einem Kaleidoskop. Veltroni akkumuliert alles, schleift es glatt, er macht aus einer tragischen Geschichte eine Gallerie von Heiligen. Aber sein Modell funktioniert. Veltroni repräsentiert die Essenz der Postmoderne. Er hat innerhalb der Politik ein System der symbolischen Bezugnahme installiert, das die Fiktion einbezieht, den Gesang, das Kino, das Buch. Moderate Politik besteht eben auch daraus, Veltroni hat das verstanden. Tatsächlich ist der Einzige, der das im gleichen Maße begriffen hat, Berlusconi. Und in Frankreich Nicolas Sarkozy."

Edoardo Camurri lästert dagegen über die besonders im Herbst grassierende Festivalflut. "Das Festival, namentlich die kulturelle Variante, ist ein Ort der kollektiven Freude, wo das passiert, was schon Saul Bellow beschrieben hat: 'Die Ideen eines Genies werden von Intellektuellen in Dosen gepackt'... Die kulturellen Festivals produzieren Ungeheuer, und sind, betrachtet man Zahlen und Besucher, ein Massenphänomen. Wie die Fußballspiele, die Pilgerreisen nach Mekka und die Strände von Capalbio."