
In seinen politischen Anfängen war
Viktor Orbán sehr russlandkritisch, um nicht zu sagen -feindlich, und seine Wähler mit ihm. Irgendwie ist es ihm gelungen, diese Meinung umzudrehen. Ob ihm das auch in Bezug auf die EU gelingt,
fragt sich István Riba. Nachdem die Europäische Kommission aufgrund des "Rechtstaatlichkeitsmechanismus" anfallende Zahlungen aus dem EU-Wiederaufbaufond an Ungarn weiterhin zurückhält, kam eine Diskussion in Ungarn auf, ob der ungarische Ministerpräsident Orbán Ungarn nun
aus der EU führen wolle. "Orbán ist ein hervorragender Stratege darin, wie er die Stimmung seines Lagers gänzlich umformen kann. Dies zeigt sich besonders gut in der Beziehung zu Russland. Die ungarische Rechte war stets russlandfeindlich, Orbán selbst begründete mit seiner Ansprache am Budapester Heldenplatz 1989 sein Charisma mit russlandfeindlichen Forderungen. Bis 2009 behielt auch die Fidesz-Partei diese Haltung, für die Partei und für Orbán war es stets wichtig das erwachende
imperialistische Verlangen Russlands zu kritisieren." Die Russlandpolitik Orbáns legte dann 2009 eine Wende um 180 Grad hin, und es gelang ihm, sein Lager innerhalb weniger Jahre
russlandfreundlich zu stimmen. "Selbst unter den Fidesz-Wählern hat die Aggression gegen die Ukraine die Beliebtheit Moskaus erschüttert. Trotzdem sind nicht wenige für die Orbánschen Propaganda empfänglich, dass die Ukraine für den Ausbruch des Krieges mindestens genauso verantwortlich sei wie Russland, wenn nicht mehr. Und wenn selbst ein
so offensichtlich falsches Narrativ im Wählerlager von Fidesz akzeptiert wird, dann wäre es leicht möglich, den Großteil seiner Anhänger gegen die Europäische Union einzustimmen. Das Ergebnis eines eventuellen Referendums über den Verbleib Ungarns in der EU stünde in diesem Fall auf des Messers Schneide."