
Der Sozialwissenschaftler
András Bozóki, Dozent der CEU in Wien bewertet und analysiert im
Gespräch mit Judit Windisch die deutliche
Niederlage der Opposition bei den Parlamentswahlen von April: "Die Opposition war tatsächlich wesentlich zerstreuter und zerstrittener als es von außen erschien. Doch für mich sind die Differenzen der Opposition nicht die Frage, sondern ob es Demokratie oder Autokratie geben soll. Man kann viel Schlechtes über die Oppositionsparteien sagen, aber sie haben sich für die
Wiederherstellung der Demokratie ausgesprochen. Wenn sie gewonnen hätten, gäbe es jetzt eine labile, unsichere Zeit voller Streit, doch wir hätten einen Schritt Richtung Wiederherstellung der Demokratie getan. So aber bleibt es ein propagandistisches, innenpolitisch eigentlich uninteressantes, autokratisches System. Leider übersteigt dieses Problem das Niveau der Elitenkonflikte, denn es geht um wesentlich schlimmere und tiefere gesellschaftliche Verwerfungen. Man betrachte nur die massiv Fidesz-freundliche Provinz und die massiv oppositionelle Hauptstadt Budapest. Die Gesellschaft hat es akzeptiert, dass Fidesz einen solchen
infrastrukturellen Vorsprung erlangt hat, mit dem für sie agierenden Staat, mit den durch sie besetzten Medien und Propagandamaschinerien, dass der kleinste Fehler der Opposition auf das tausendfache vergrößert werden kann."