
Auch die
Journalistin Veronika Munk, mittlerweile
Direktorin für Innovation und neue Märkte des slowakischen Verlagshauses
Dennik N,
macht sich Gedanken über das geplante Gesetz. Munk arbeitete früher für das größte Nachrichtenportal Ungarns,
Index.hu, bis dieses von regierungsnahen Unternehmen aufgekauft, die Redaktion komplett ausgetauscht und auf Regierungslinie gebracht wurde. Die damalige Redaktion von
Index.hu gründete daraufhin das Portal
telex.hu, zusammen mit einer Schwesterredaktion in
Rumänien (für die Leser der ungarischen Minderheit, was wiederum in Sachen Auslandsspenden relevant sein kann). Munk verließ nach einem Jahr der Gründung und Etablierung
telex.hu und arbeitet seitdem in der Slowakei, wo die freie Presse mittlerweile seitens der neuen Regierung ebenfalls bedroht wird. "Der neue Gesetzesentwurf in Ungarn ist überhaupt kein Gesetz, sondern nur ein mit Paragraphen getarnter
Freibrief der Machthaber, die ihre politische Vorherrschaft um jeden Preis verteidigen. Er kann nicht durchgesetzt werden, weil er nichts vorschreibt, außer dass der Direktor des sogenannten Anti-Souveränitäts-Teams in Zusammenarbeit mit der Regierungspartei machen kann, was er wollen. Wir wissen nicht, ob dieses Instrument genutzt werden wird. Wird es sofort eingesetzt? Werden sie an einer Organisation
ein Exempel statuieren? Wird es ein
Damoklesschwert bleiben, das über den Köpfen der unabhängigen Medien schwingt? Werden sie uns auf die Liste setzen, werden sie die Kontrolle aufrechterhalten, sodass wir
uns verbiegen müssen, sodass wir bei jeder einzelnen Leserspende z.B. aus Cluj (in Siebenbürgen) um Erlaubnis betteln müssen, bitte, bitte, lasst sie uns behalten dürfen? Schielen sie darauf, die Leser zu erschöpfen, auf dass diese bald die Nase voll haben von diesem Gesetz und dem Gejammer der Medien? (...) Die freie Presse ist wie eine Wasserleitung, wenn sie gut funktioniert, merken wir es nicht einmal, wir benutzen sie einfach. Wenn man den Wasserhahn zudreht oder mancherorts absichtlich das Rohr durchsticht, richten man jedoch großen Schaden an. Zum Glück gibt es für eine totale Austrocknung nicht genügend Kraft im System. In den letzten 15 Jahren haben wir gesehen - und ich habe es miterlebt -, wie sich der
Qualitätsjournalismus gemeinsam mit den Lesern seinen Weg gebahnt hat. Er wird es wieder tun."