Magazinrundschau - Archiv

Nepszabadsag

215 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 22

Magazinrundschau vom 23.05.2014 - Nepszabadsag

Am Wochenende wurde der neue Film des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó "Fehér Isten" in Cannes gezeigt. Géza Csákvári stellt ihn in Népszabadság vor: "Der "Weiße Gott" stellt einen Epochenwechsel dar. Am meisten aus der Sicht von Regisseur Mundruczó: Im Stil und in der Atmosphäre schafft er es, sich von den bisherigen Arbeiten seines Lebenswerkes zu entfernen... Trotz der formalen und sprachlichen Universalisierung ist der Film aber in seiner Thematik und kulturellen Kodierung ungarischer als alles zuvor. Vor allem in Ungarn werden die frustrierten und an einem gestörten Polizeistaat erinnernden gesellschaftlichen Anomalien ernst genommen werden. In den glücklicheren Teilen der Welt wird sicherlich davon ausgegangen werden, dass der dramaturgische Grundlage des Drehbuchs eine gigantische Fiktion ist."

Magazinrundschau vom 16.05.2014 - Nepszabadsag

Am vergangenen Donnerstag hielt der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán eine Rede auf dem Europaforum des WDR in Berlin. Die langjährige Deutschland-Korrespondentin Edit Inotai kommentiert die Rede kritisch: "Im Gebäude des Auswärtigen Amtes lud Viktor Orbán Europa zu einer Zeitreise an. Seine Worte beschworen einen Kontinent herauf, der die Lösungen seiner Probleme in der Vergangenheit sucht. Erneut grüßte die Überzeugung des Regierungschefs, dass irgendwo um 1968 die Geschichte entgleist ist, dass die liberale Gesellschaft eine Sackgasse ist, und dass es besser ist, wenn wir uns zurückbomben, sagen wir mal in die Friedensära der Zwischenkriegszeit."

Magazinrundschau vom 09.05.2014 - Nepszabadsag

Im Gespräch mit György Vári schildert die Dichterin und Schriftstellerin Krisztina Tóth, wie sich das gegenwärtige politische und gesellschaftliche Klima in Ungarn in den letzten 25 Jahren verändert hat: "Es ist jetzt schwerer als damals, denn vor der Wende kribbelte in jedem das Gefühl, dass alles nur noch kurz so bleibt, bevor sich alles ändert. Meine Generation ist zu alt, um auch jetzt noch zu denken: Diese paar Jahre werden wir schon noch überstehen. Den größeren Teil meines Erwachsenenlebens wird es so bleiben, aber ich bin jetzt nicht mehr zwanzig, sondern fünfundvierzig. Und ich spreche keineswegs nur von politischen Ereignissen: In ganz alltäglichen Situationen kann diese schlecht gelaunte Perspektivlosigkeit gefühlt werden."
Stichwörter: Toth, Krisztina, Ungarn

Magazinrundschau vom 21.03.2014 - Nepszabadsag

Die größte ungarische Buchhandelskette Alexandra hat offensichtlich Finanzierungsschwierigkeiten. Das Buchimperium wurde durch den Wachstumszwang immer größer: die Alexandra-Gruppe besteht heute aus fünfzig Unternehmen, beschäftigt achthundert Mitarbeiter, unterhält Geschäftsbeziehungen mit allen ungarischen Verlagshäusern - zwanzig bis dreißig davon als Exklusivpartner - und hat einen Jahresumsatz von 20 Milliarden Forint (ca. 66 Millionen Euro) sowie Verbindlichkeiten in Höhe von 19 Milliarden Forint. Zoltán Batka schildert die Situation des Unternehmens: "Die Gläubiger initiierten kein Verfahren gegen den Konzern in der Hoffnung, dass sie früher oder später ihr Geld doch erhalten werden. Die Verlage befürchten darüber hinaus zurecht, dass bei Schließung des Marktführers Alexandra, der gesamte ungarische Buchhandel in den Schoß von Libri fällt - mit allen Vorteilen einer dominanten Marktposition für den Buchhändler, aber mit all den Nachteilen für die Verlage."

Eine guten Einblick in die Probleme des ungarischen Buchmarkts gibt auch dieses Interview mit der Übersetzerin Lídia Nádori auf der Webseite des Goetheinstituts in Ungarn.

Magazinrundschau vom 28.02.2014 - Nepszabadsag

Der Schriftsteller und Literaturhistoriker László Szilasi veröffentlichte vor kurzem seinen zweiten Roman mit dem Titel "A harmadik híd" ("Die dritte Brücke", Magvető, Budapest, 2014). Mit Szilasi sprach Sándor Zsigmond Papp über die Beziehung von Kultur und Politik: "Man sagt, dass der Kulturkonsum mit Ausnahme der skandinavischen Länder in ganz Europa zurückgeht. Das bedeutet aber vorerst nicht das Aufhören der Produktion von Kultur. Die Lust der Politik, Kultur als Geisel zu nehmen, mag keine Grenzen haben, ihre Fähigkeit hierzu hat aber definitiv welche. Sie kann beispielsweise keine Talente gebären. Und bis jetzt konnte sie auch nicht in die luftigen Romanstrukturen vordringen. Sie ist ausgesperrt, die Arme."

Magazinrundschau vom 21.02.2014 - Nepszabadsag

Der Zusammenschluss der jüdischen Gemeinden in Ungarn hat beschlossen, das ungarische Holocaust-Gedenkjahr zu boykottieren und staatliche Gelder zur Verwirklichung der Programme selbst nicht in Anspruch zu nehmen. So reagiert die Organisation auf die erinnerungspolitischen Entscheidungen der Regierung über das Mahnmal der deutschen Besatzung, das Haus der Schicksale, sowie auf die Äußerungen des Direktors des neuen historischen Instituts Veritas, Sándor Szakály, der die Deportation von Juden aus Ungarn im Jahre 1941 - vor der deutschen Besatzung - in einem Interview als 'fremdenpolizeiliche Maßnahme' bezeichnete. Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder solidarisiert sich in einem offenen Brief und appelliert gleichzeitig an die ungarische Regierung ihre Pläne zu überdenken. Das Schreiben wurde in der Wochenendausgabe von Népszabadság veröffentlicht: "Es ist besorgniserregend, dass die ungarische Regierung widersprüchliche Botschaften in die Welt sendet: Mal erkennt sie die Verantwortung bei der Deportation der Juden an, gleichzeitig billigt sie ein verletzendes Mahnmal, das die jüdische Gemeinschaft nur als Ohrfeige interpretieren kann. Mit den Versuchen der Rehabilitierung von Miklós Horthy ist das entstandene Gesamtbild über Ungarn in Amerika, Europa und Israel negativ."

Magazinrundschau vom 07.02.2014 - Nepszabadsag

Ungarn schließt einen Deal mit Russland über die Erweiterung des ungarischen Atommeilers von Paks. Der ungarisch-amerikanische Historiker John Lukacs appellierte deshalb an die ungarische Führung, die Bindung an den Westen nicht mit einer Bindung an Russland einzutauschen. Der Philosoph Gáspár Miklós Tamás lehnt die Erweiterung des Meilers ab, aber ebenso die metaphorische Gographie von "Westen" und "Osten". Sein Artikel erschien in der Wochenendausgabe von Népszabadság. "Das Problem mit Putin ist nicht, dass er Russe ist, die von ihm Unterdrückten sind auch Russen, beziehungsweise nationale Minderheiten in Russland - das Problem ist das freiheitsfeindliche, antidemokratische, diskriminierende, chauvinistische, homophobe Wesen seines Systems. Die Metapher des 'Ostens' nimmt Unterdrücker und Unterdrückte unter einem Hut. Das ist unerträglich. Die Idee der Freiheit und der Emanzipation ist geographisch nicht beschränkt."

Magazinrundschau vom 14.01.2014 - Nepszabadsag

Der Wirtschaftstheoretiker und Publizist György Marosán sieht in der gegenwärtigen politischen Kultur des Landes ein Hindernis bei der Lösung der Probleme. So lehnt er auch einen dogmatischen Linksruck, gewissermaßen spiegelverkehrt nach dem Vorbild der Konservativen, ab. "Jede Partei geht davon aus, dass es nur eine moralisch fundierten Ansicht gibt: ihre eigene. Wer die Welt anders sieht, ist entweder töricht oder böse, oder beides. Wenn ein Politiker etwas durchsetzen möchte - neue Steuerschlüssen, eine Rentenerhöhung oder die Zulassung der Abtreibung - dann wird das Problem immer aus der Sphäre der Rationalität herausgehoben und zu einer moralischen Frage erklärt. Eine Untersuchung über die Wirkung gibt es nicht, was die Wissenschaft sagt, ist uninteressant. Umsonst sagt die Vernunft: denke über die Folgen nach, höre den anderen zu, überlege und mache einen Kompromiss. Die Parteien verkünden aus ihren unhinterfragbaren moralischen Grundhaltungen heraus: die Nation, die Freiheit, die Gerechtigkeit, die Gleichheit, die Ehre sind nicht zu verkaufen! Kompromissbereitschaft ist heute Verrat. (...) Das Problem ist aber, dass wir heute ausschließlich mit Themen konfrontiert sind, die gerade nicht aus der Perspektive eines einzigen Interesses, einer einzigen moralischen Auffassung gelöst werden können."
Stichwörter: Abtreibung, Wissenschaft

Magazinrundschau vom 07.01.2014 - Nepszabadsag

Tamás Pajor, ehemaliger Frontmann der legendären Band "Neurotic" und seit 25 Jahren Sänger der Band "Amen", denkt im Interview über die Veränderungen in der populären Musik nach. Er selbst hatte einst vor laufender Kamera für János Xantus' Dokumentarfilm "Rock-Térítő" (Rock-Bekehrer) seine spirituelle Seite entdeckt. Pajor stammt aus einer säkularen jüdischen Familie und ist auch als Prediger tätig: "In den Sechzigern war die Beatkultur eine Gegenkultur, ein Gegenpol zum Kapitalismus und der Verbraucherkultur nach dem Zweiten Weltkrieg. Das war richtig, denn der Mensch ist nicht als Konsument geschaffen worden. (...) So kam der politische Protest, der östliche Mystizismus. Letzterer war damals richtungsweisend für die junge Generation und die Ideologen aus Woodstock. Das stand völlig dem entgegen, was das Showbiz heute vertritt. Heute ist diese 'Gegenkultur' zum größten Motor dessen geworden, wogegen sie einst ihre Stimme erhob. Die Unterhaltungsindustrie vereinnahmte den Beat. Wie kann zwischen Woodstock und dem X-Faktor ein Gleichheitszeichen gesetzt werden? Ich setze keins. Doch die Kontinuität zwischen den beiden ist nicht zu leugnen. Unterhaltung ist heute Religion."

Magazinrundschau vom 26.11.2013 - Nepszabadsag

Anita Pethő stellt Lajos Parti Nagys Novellenband "Mi történt avagy sem" (Was passierte oder nicht) vor, der die realen Verhältnisse des Landes leicht ins Unwirkliche verschiebt: "Die Novellen des Bandes sind für solche Menschen, denen politischer Anstand oder Toleranz nicht nur bekannt sind, sondern auch zu befolgende Werte. Zugleich geht es um hier um Menschen, für die diese Ideen nicht mal in Form der Verneinung existieren, um Situationen, in denen solche Ideen keinen Wert haben und in denen der andere nur die Sprache der Gewalt kennt. Fehlender Respekt gegenüber anderen Menschen und Grausamkeit gehen in den Novellen Hand in Hand... Aus welchem Blickwinkel auch immer betrachtet, die Welt in diesem Band ist weder schön noch gut."

Ervin Tamás empört sich über die Besetzung des Direktorenpostens des Budapester Theaters Vígszínház, die nach der neuen Ausschreibung auf 18 Monate beschränkt werden soll: "Wir möchten Béla Hamvas glauben, der sagte: 'Wen ich belüge, der verachtet mich weniger, als ich den verachte, der sich von mir belügen lässt.'"
Stichwörter: Anstand