Magazinrundschau - Archiv

The New Republic

168 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 17

Magazinrundschau vom 12.09.2006 - New Republic

Michael Crowley sieht sich im Washingtoner Stadtteil McLean um, dem Zentrum der Republikaner in der Hauptstadt, das wiederum vom riesigen Anwesen des Lobbyistenpärchen Rogers beherrscht wird. "Innerhalb der republikanischen Zirkel ist Surry Hill ein ikonischer Platz, ein Shangri-La für jene, die sich auf dem Kapitolhügel und der K-Street abmühen. Es ist auch ein Beweis für die Belohnung, die ambitionierte Konservative im modernen Washington erwartet, wo die Politik gerade einen nie dagewesenen Reichtum verspricht. Man muss nur die Rogers fragen, die an der Spitze des Lobbyistenbooms der vergangenen zehn Jahre standen. Edwina, eine frühere Abegordnetenmitarbeiterin und Assistentin im Weißen Haus, arbeitete bei der Washington Group, an deren Spitze die frühere GOP-Repräsentatitn Susan Molinari steht und deren Klienten Boeing und die Regierung von Bangladesch einschließen. Ed, ein vormaliger Assistent im Weißen Haus von Bush und Reagan und ein regelmäßiger Gast in Shows wie NBCs Hardball, war 1991 einer der Gründer der einflussreichen Lobbyfirma Barbour Griffith & Rogers." Hier eine Liste seiner illustren Klienten.
Stichwörter: Bangladesch, Washington

Magazinrundschau vom 20.06.2006 - New Republic

Ryan Lizza berichtet in einem ziemlich lustigen Text vom ersten Treffen liberaler Blogger in Las Vegas, dem von der Website Daily Kos veranstalteten "Yearly Kos". Alle fanden es offenbar sehr bedeutend, die Stimmung war allerdings etwas gedrückt, weil sich der Guru der Szene, Armando, als Unternehmensanwalt für Wal-Mart geoutet hatte: "Las Vegas könnte der Beginn einer neuen Ära werden, in der Blogger Einfluss und Autorität genießen. Es könnte aber auch das Wochenende werden, an dem sich alle selbst verkauften. Die Ungewissheit darüber, was bei diesem Treffen passieren würde, trieb die Teilnehmer von 'Yearly Kos' zu einem seltsamen rituellen Tanz. Während dieser vier Tage kreisten Blogger, Politiker und Journalisten umeinander wie ein Trio von Unterwasser-Spezies, bei denen man nicht weiß, wer eigentlich wen frisst. Die Blogger machten sich entweder über die Journalisten lustig oder schleimten sich bei ihnen ein. Die Politiker gingen in einer Minute vor den Bloggern in die Knie und verdrehten über sie die Augen in den Unter-3-Pow-Wows mit den Mainstreammedien. Die Presse tat am Tag mit den Bloggern schön und flüchtete sich zu den 'MSM only'-Essen am Abend. Alle drei Gruppen waren sich einig, dass sich mit den Bloggern in ihrer Sphäre wirklich alles ändern würde. Nur wie, das wusste keiner."
Stichwörter: Las Vegas, Ungewissheit

Magazinrundschau vom 25.04.2006 - New Republic

Kelly Alexander klagt über den Starkult, durch den die Spitzenköche langsam das Dienen verlernen. "Vor ein paar Jahren traf ich für eine Geschichte über einen Kochwettbewerb in Schweden eine Gruppe von - im technischen Sinne - außerordentlich talentierten Köchen. Sie konkurrierten miteinander wie es professionelle Athleten tun, trainierten monatelang, unterwarfen sich rigorosen Körperertüchtigungen und rasierten ihre Schädel als Zeichen des Teamgeists. Sie waren die einzigen Menschen, die ich je gesehen habe, die ohne viel Gefühl, aber mit einer enormen Dynamik kochten." Der Restaurantbesitzer Marcus Samuelsson erklärt Alexander den neuen Typus des Kochs. "Sie kommen alle aus der gehobenen Mittelschicht; sie lernten in einer Umgebung, in der die Reaktion auf die Kundenwünsche nicht maßgeblich ist. Deshalb gehen sie an die Arbeit ran wie Sportler und nicht wie Handwerker. Es geht um Leistung und nicht um Service."
Stichwörter: Mittelschicht

Magazinrundschau vom 18.04.2006 - New Republic

In einem sehr interessanten Beitrag über den Iran beschreibt der Politologe Matthias Küntzel, was es mit den fanatischen Basitschi auf sich hat, die Präsident Ahmadinedschads wichtigste Bastion darstellen. Hervorgegangen sind diese "Sturmtruppen der islamischen Revolution" aus den Truppen von Kindersoldaten, die Ajatollah Chomeini im irakisch-iranischen Krieg in die Minenfelder gejagt hatte. "Der Basitschi-Kult der Selbstaufopferung ließe einen auch in jedem anderen Land frösteln. Im Kontext des iranischen Atomprogramms jedoch wirkt ihr obsessives Märytertum wie eine brennende Lunte. Heutzutage werden die Basitschi nicht mehr in die Wüste geschickt, sondern in die Laboratorien. Basitschi-Studenten werden ermuntert, sich in technischen und wissenschaftlichen Fächern einzuschreiben. Laut einem Sprecher der Revolutionären Garden ist das Ziel, den 'technischen Faktor' zu nutzen, um die nationale Sicherheit zu stärken. Was bedeutet das? Vielleicht das, was vor drei Jahren der damalige iranische Präsident Hashemi Rafsandschani erklärte, dass nämlich schon 'eine einzige Atombombe auf Israel alles zerstören' würde. Wenn Israel dagegen mit seinen eigenen Atomwaffen reagiert, würde es nur 'Schaden in der islamischen Welt anrichten'." (Auf Deutsch ist der Artikel in der Antifa-Zeitschrift Phase 2 zu lesen).

Magazinrundschau vom 21.02.2006 - New Republic

In einem äußerst lesenswerten Essay denkt der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Amartya Sen darüber nach, welche Form der Multikulturalismus in Zukunft annehmen könnte. In vielen europäischen Ländern etabliere sich die Auffassung, Menschen seien definiert durch ihre Herkunft, ihre Religion und ihre Kultur. Diese angeborene, also nicht frei gewählte Identität werde für bedeutender gehalten als zum Beispiel politische Ausrichtung, Sprache oder Klasse. Für Sen ist das kein Multikulturalismus: "Die lautstarke Verteidigung des Multikulturalismus, die wir in diesen Tagen hören, ist oft nichts weiter als ein Plädoyer für pluralen Monokulturalismus. Wenn ein junges Mädchen aus einer konservativen Immigrantenfamilie mit einem englischen Jungen ausgehen will, ist das sicherlich eine multikulturelle Initiative. Im Gegensatz dazu ist der Versuch ihrer Eltern, sie davon abzuhalten (was oft genug vorkommt) kaum ein multikultureller Akt, denn sie versuchen, die Kulturen getrennt zu halten. Und doch ist es das Verbot der Eltern, das von den Vertretern des Multikulturalismus mit der Begründung, es sei wichtig, traditionelle Kulturen zu respektieren, am lautesten verteidigt wird - als ob die kulturelle Freiheit einer jungen Frau überhaupt keine Bedeutung hätte und als ob die verschiedenen Kulturen in voneinander abgekapselten Schubladen bleiben sollten."

Magazinrundschau vom 31.01.2006 - New Republic

"Arrivederci Moma", ruft Jed Perl. Er vermisst bei dem kürzlich umgebauten Museumsriesen eine "ernsthafte künstlerische Mission" und beklagt die Kommerzialisierung sowie die "uninspirierten bis peinlichen" Ausstellungen. "Für das Moma hat mit seinem 75. Geburtstag die schlimme Phase begonnen, in der der visionäre Eifer und die megalomanische Energie der Gründergeneration verschwunden ist. Die institutionelle Autorität, die Alfred H. Barr Jr., Gründungsdirektor und Spiritus rector des Museums bis in die Sechziger, fast im Alleingang schuf, hat zwangsläufig ihre dramatische Aura verloren und ist fad geworden: im besten Fall bietet sie eine Form von institutionalisiertem Prestige, das gute Arbeit ermöglicht, im schlimmsten Fall ist sie ein institutioneller Panzer, hinter dem jeder machen kann, was er will."
Stichwörter: Jed Perl, Moma

Magazinrundschau vom 24.01.2006 - New Republic

Der ägyptische Dramatiker und Satiriker Ali Salem versetzt sich in die Gedankenwelt eines Terroristen. Fouad Ajami hat den Text übersetzt, der ursprünglich in der arabischen Tageszeitung Al Hayat in London erschienen ist. "Wir sind im Krieg, und für den Sieg in diesem Krieg braucht es Klarheit und Offenheit. Es ist unmöglich, diese Region zu verändern und zu reformieren, wenn wir nicht das meiste davon zerstören, was heute darin existiert. Wir können die Existenz eines Staates in Palästina oder dem Irak nicht erlauben. Wir arbeiten daran, den Staat in allen Ländern der Araber und Muslime zu vernichten. Denn der Staat, mit seinen modernen Elementen, seinen Gesetzen und seiner Verfassung, seinem Parlament und den Menschenrechten und seiner Gewaltenteilung und Hingabe an den Fortschritt könnte zur menschlichen Erfüllung führen, und diese Entwicklung können wir nicht dulden."
Stichwörter: Irak, Gewaltenteilung

Magazinrundschau vom 29.11.2005 - New Republic

Paul Berman veröffentlicht im New Republic einen riesigen Essay über den französischen Antiamerikanismus und kommt nach der Lektüre einiger Bücher unter anderem von Pierre Rigoulot und Philippe Roger zu einem überraschenden Schluss: "Frankreichs Grandeur", schreibt Berman, "ist nicht ganz eine Illusion. Es könnte sogar ein Zeichen französischer Grandeur sein, dass ausgerechnet hier - in einem Moment, wo Antiamerikanismus sich von links bis rechts in der ganzen Welt verbreitet hat - in aller Stille eine neue Literatur des Anti-Antiamerikanismus entstanden ist, eine neue, radikale und brillante Literatur, die noch keine große Wirkung auf die Welt oder gar die öffentliche Meinung in Frankreich gezeitigt hat und gewiss auch keinen plötzlichen Ruck bringen wird, und die doch in den nächsten Jahren als ein Hauptereignis in der Ideengeschichte gelten könnte." Von Paul Berman selbst gibt es übrigens auch ein neues Buch über die Entwicklung der europäischen Linken "Power and the Idealists" (hier eine viel versprechende Rezension von Peter Ross Range, der das Buch nahezu zur Pflichtlektüre für "liberale Internationalisten" erklärt).

Magazinrundschau vom 02.08.2005 - New Republic

Ihr Konservatismus hindert die Republikaner daran, angemessen auf die Bedrohung durch terroristische Nuklearangriffe zu reagieren, warnt J. Peter Scoblic. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis 2010 eine Atombombe auf amerikanischem Boden explodiert, beträgt nach diversen Schätzungen immerhin bis zu fünfzig Prozent. Eine Gefahr, mit der die Neokonservativen strukturell überfordert sind. "Die Bush-Administration glaubt nicht an international bindende Abkommen - eine Konsequenz des Konservatismus, der darauf besteht, das jede Reduzierung der amerikanischen Souveränität auch den amerikanischen Interessen schadet. 2001 lehnte das Weiße Haus eine Eingabe ab, die vorsah, die Konvention über biologische Waffen zu unterstützen, die den Besitz von Bakterien zur offensiven militärischen Nutzung untersagt. Das hätte uns die Möglichkeit gegeben, verdächtige Labore in anderen Ländern zu untersuchen."

Magazinrundschau vom 13.09.2004 - New Republic

Der irische Dichter Seamus Heaney greift zur Feder, um den verstorbenen Czeslaw Milosz zu betrauern. Neben einer ausführlichen Würdigung des Werks erinnert sich Heaney an zwei Begegnungen mit dem bereits betagten Milosz in Krakau Anfang der Neunziger: "Beim ersten Mal war er ans Bett gefesselt, zu krank um eine Konferenz zu seinen Ehren zu besuchen. Das zweite Mal hatte er sich in seinem Wohnzimmer niedergelassen, genau im Angesicht der lebensgroßen Bronzebüste seiner zweiten Frau Carol. 30 Jahre jünger als er, starb sie 2002 einen schnellen und grausamen Tod an Krebs. Und als er so da saß auf der einen Seite des Raums, die Büste ihm gegenüber, schien der alte Dichter sie und alles andere bereits von fernen Gestaden aus zu betrachten. Zu dieser Zeit wurde er von seiner Schwiegertochter gepflegt, und vielleicht war es neben seiner entrückten Erscheinung auch ihre über allem schwebende Aufmerksamkeit, die an den alten Ödipus denken ließ. An den alten König Ödipus, bewacht von seinen Töchtern im Hain auf Kolonos, der nun den Ort erreicht hatte, von dem er wusste, er würde hier sterben. Kolonos war nicht sein Geburtsort, aber es war der Ort, an dem er zu sich selbst zurückkehrte, zur Welt und ins Jenseits; genau das könnte man auch von Milosz in Krakau sagen." (Von Milosz selbst gelesene Gedichte gibt es hier)