Magazinrundschau - Archiv

The New Republic

168 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 17

Magazinrundschau vom 07.08.2007 - New Republic

Solche Auseinandersetzungen kennen wir bisher nur aus amerikanischen Medien und Blogs. Ein amerikanischer Gefreiter namens Scott Thomas Beauchamp hat mehrere tagebuchähnliche Artikel für die New Repbulic online über ziemlich abscheuliche Details aus dem Alltag des Irakkriegs verfasst. Mehrere Blogs und Zeitungen stellten die Wahrhaftigkeit seiner Artikel in Frage. Die New Republic antwortet jetzt mit einem "Statement on Scott Thomas Beauchamp", mit dem sämtliche Vorwürfe der Kritiker Punkt für Punkt entkräftet werden sollen: "Für diesen Prozess nahm die New Republic Kontakt mit Dutzenden von Menschen auf. Redakteure und Mitarbeiter sprachen viele Male mit Beauchamp selbst. Wir sprachen auch mit Soldaten im Dienst und außer Dienst, Experten für Gerichtsmedizin und Journalistenkollegen, die seit langer Zeit über den Krieg berichten: Vor allem aber sprachen wir mit fünf anderen Kameraden aus Beauchamps Einheit, die seine Anekdoten sämtlich bestätigten."

Magazinrundschau vom 31.07.2007 - New Republic

Michael Crowley ist empört, wie sich einige Washingtoner Zirkel von der türkischen Regierung kaufen lassen, um den Völkermord an den Armeniern herunterzuspielen: "In den vergangenen Jahren haben sich Abgeordnete, Lobbyisten und ausländische Emissäre in einem harten Kampf um eine Kongress-Resolution verfangen, die offiziell die Massakrierung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid betrachtet. Die türkische Regierung verficht ihr Ziel mit dem Eifer eines Atatürks - wobei sie ebenso eine Multimillionen-Dollar-Brigade von früheren Abgeordneten und schmierigen Strippenziehern rekrutiert hat wie eine Gruppe von amerikanischen Juden, die überraschenderweise willig sind, die Rede vom Genozid kleinzuhalten." Die Lobby-Firma des früheren Oppostionsführers Richard Gephardt etwa kassiere 100,000 Dollar im Monat für ihre Dienste und bringe dafür Papiere in Umlauf, in denen der Genozid geleugnet wird.

Magazinrundschau vom 05.06.2007 - New Republic

Auf der Website der New Republic schreibt Paul Berman (Autor eines Buchs über Joschka Fischer) ein längeres Porträt über Bernard Kouchner, den neuen französischen Außenminister und ehemaligen "Arzt ohne Grenzen", den er als eine Parallelfigur zu Daniel Cohn-Bendit aufbaut. Die beiden haben 2004 gemeinsam ein Buch gemacht. Kouchner war für den Irak-Krieg, Cohn-Bendit dagegen, Stoff für eine lange Debatte. Das Buch hieß "Wenn du Präsident wirst." "Vaclav Havel hat einmal über den 'postmodernen Politiker' geschrieben, einen Politiker, der seine eigene Macht nicht allzu ernst nimmt, der sich von den Illusionen seiner Position nicht verführen lassen will. 'Der Staat bin nicht ich' ist das Motto eines postmodernen Politikers. Nach diesem Standard waren Kouchner und Cohn-Bendit ideale Postmoderne. Das Buchcover zeigte sie gleich als Lachende - Cohn-Bendit mit seinem Engelsgesicht und immer noch rotem Haar, Kouchner mit starker Nase und gemeißeltem Kinn. Beide saßen auf comichaft überpolsterten Sesseln, die seltsamerweise auf einer schütteren Rasenfläche aufgestellt waren."

Magazinrundschau vom 29.05.2007 - New Republic

Paul Berman publiziert einen riesenhaften Essay über Tariq Ramadan. Er stellt all die Fragen, die Ian Buruma nicht oder nur oberflächlich in seinem Ramadan-Porträt für die New York Times gestellt hat. Berman hat nicht mit Ramadan gesprochen, aber er hat seine Bücher gelesen. Mit großer Geduld und Genauigkeit (ausgedruckt hat der Artikel 47 Seiten!) geht er Hinweisen, Widersprüchen und Interpretationsmöglichkeiten nach. Am Ende kommt er auch auf die vom Perlentaucher und signandsight.com lancierte Bruckner-Buruma-Debatte zu sprechen. Berman konstatiert einen "reactionary turn in der intellektuellen Welt" und spricht damit einige Autoren an, die gegen Ayaan Hirsi Ali polemisierten: "Eine Kampagne wie die gegen Hirsi Ali hätte noch vor ein paar Jahren niemals stattfinden können. Eine anhaltende Attacke auf eine authentische liberale Dissidentin, die gegen Ungerechtigkeiten in abgelegenen Teilen der Welt und sogar den Hinterhöfen Westeuropas protestiert, eine anhaltende Attacke, die fast schon die Erwähnung der Unterdrückung von Frauen und den Kampf für Frauenrechte aus der Diskussion ausradiert - nein, das hätte noch gestern nicht passieren können, außer bei der extremen Rechten. Das ist ein neues Ereignis."

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - New Republic

Entsetzt über die Vorstellung, der "vulgäre Australier" Rupert Murdoch könne sich mit dem Wall Street Journal ein Kronjuwel des amerikanischen Journalismus einverleiben, ruft The New Republic in seinem Editorial die Linke auf, ihre Vorbehalte gegen die Mainstream-Medien aufzugeben. Denn die Krise der Zeitungen sei nicht so sehr eine der Bilanzen, sondern der Sichtweise: "Traurigerweise haben die großen Features der Zeitungen nicht die Liebe der Liberalen errungen. Es gibt viele, vor allem in der Bloggosphäre, die es gar nicht erwarten können, auf den Gräbern der alten MSM-Torwächter zu tanzen. Sie favorisieren den Aufstieg des Bürgerjournalismus, wie Technik-Enthusiasten gern die Blogger und das Wikipedia-Modell bezeichnen. (...) Aber die Mainstream-Medien geben sich wenigstens die Mühe, Ereignisse neutral zu verstehen, und dies ist eine Quelle ihrer Autorität und ihres Prestiges, die auch die schärfsten Kritiker in der politischen und wirtschaftlichen Elite respektieren müssen."

Magazinrundschau vom 20.02.2007 - New Republic

The New Republic hat die Debatte online gestellt, die sich an einem Aufruf des Historikers Jeffrey Herf entzündet hat, eine neue American Review of Books zu gründen. Grund seines Appells ist, dass selbst in der New York Times Book Review oder der New York Review of Books nur ein Bruchteil der rund 10.000 wissenschaftlichen Bücher rezensiert werden, die jährlich veröffentlicht werden. Weiter heißt es bei Herf: "Wir Wissenschaftler wissen, dass es in den ganzen Vereingten Staaten sehr gute Universitäten gibt. Wir wissen, dass über das ganze Land verstreut Talent zu finden ist wie niemals zuvor, sowohl über die traditionell bekannten Universitäten wie über Manhattan hinaus, das angesichts der dortigen hohen Lebenshaltungskosten kaum noch das wissenschaftliche und intellektuelle Mekka ist, das es einst war. Wir wissen, dass eine große Anzahl gut geschriebener, gründlich recherchierter und wichtiger Arbeiten in diesem Land einem betäubenden Schweigen anheimfällt. Wir wissen, dass die meisten nicht-spezialisierten Akademiker dieses Landes keine Ahnung davon haben, was in den Bereichen Geschichte, Politikwissenschaft, Soziologie, Ökonomie, Philosophie, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Naturwissenschaft und anderen kleineren Disziplinen eigentlich vor sich geht."

Magazinrundschau vom 21.11.2006 - New Republic

The New Republic beugt das Knie und bekennt im Editorial: "Wir bedauern es zutiefst, den Krieg gegen den Irak unterstützt zu haben. Die letzten drei Jahre haben unseren Idealismus beschwert und uns an die Grenzen der Macht Amerikas und unserer eigenen Weisheit erinnert."

Wie aber soll es jetzt weitergehen im Irak? 14 Strategen, Historiker, Politiker, Politologen und Journalisten wurden um ihre Meinung gebeten. Einige dürfen wir online lesen. Sie sind geprägt von Bitterkeit, Zynismus und Verzweiflung.

Peter Beinart "kann sich den Irak nicht mal mehr vorstellen. Er übersteigt meine Fähigkeit, mir Horror auszumalen. In einem Interview mit Anthony Shadid von der Washington Post beschrieb eine Frau namens Fatima es so: 'Ein Drittel von uns stirbt, ein Drittel flieht und ein Drittel wird zu Witwen.' Im Leichenschauhaus von Bagdad unterscheiden sie Schiiten von Sunniten, weil erstere geköpft sind und letztere mit einer Bohrmaschine getötet wurden. Moqtada Al Sadr fürchtet sich inzwischen vor seinen eigenen Männern. Ich bin erwachsen geworden mit der Vorstellung, die Vereinigten Staaten hätten die Mission, solche Schändlichkeiten zu beenden. Und jetzt können die Vereinigten Staaten sie nicht nur nicht stoppen, sie sind der Grund dafür." Für Beinhart gibt es nur eine letzte Karte, die die USA ausspielen kann: "Die Drohung den Irak sofort zu verlassen. Ausgenommen Sadr will das kein irakischer Politiker. Wir müssen diese Drohung so dramatisch wie möglich aussprechen, und wenn die irakischen Führer darauf nicht reagieren, so schnell wie menschenmöglich abziehen."

Außerdem: Leon Wieseltier will alles, nur keinen Rückzug: "Eine Erhöhung der Truppenstärke... eine Reform des irakischen Militärs..., ein föderales Arrangement... eine internationale Konferenz... einen Versuch, Syrien auf unsere Seite zu ziehen... einfach alles." Martin Peretz, Chefredakteur des New Republic, ist so bitter, dass er überhaupt keine Lösung mehr sieht. Für Lawrence F. Kaplan gilt dasselbe. Reza Aslan heckt einen komplizierten Plan aus, der Amerikaner, nationalistische Rebellen, Syrer und Iraner miteinschließt. Niall Ferguson fordert: "Mehr Geld, alte Eliten (er erwähnt Gertrude Bell als Vorbild) plus die Vereinten Nationen. Es ist ein Rezept, dass einen Neocon zum Heulen bringt. Andererseits sollten die Neocons längst heulen."

James Kurth ist für einen Rückzug. Aber nicht sofort: "Bevor es den Irak verlässt, muss Amerika einen dramatischen und entscheidenden Sieg über die sunnitischen Rebellen erringen - einen Sieg, der die untragbaren Kosten und vollkommene Vergeblichkeit des islamistischen Traums von einer muslimischen Unna unter der Herrschaft eines globalen Sunni-Kaliphats demonstriert. Der Sieg muss mehr als ein militärischer sein; er muss auch politisch sein: Die Vereinigten Staaten sollten den Irak in zwei Teile spalten, den Kurden die Kontrolle über den Norden lassen und den Schiiten die Kontrolle über den Süden - und die Sunniten staatenlos dazwischen."

Magazinrundschau vom 31.10.2006 - New Republic

Für einen gefährlichen Schritt einen rutschigen Abhang hinab halten Philip H. Gordon & Omer Taspinar das französische Gesetz, das die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt. "Das neue französische Gesetz ist nur das letzte Beispiel einer illiberalen Politik in Europa, die sich als Liberalismus verkleidet. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben eine ganze Zahl von europäischen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und Frankreich, Gesetze gegen die Leugnung des Holocaust erlassen. Befürworter argumentieren, dass die Gesetze es diesen Nationen ermöglichen, politisch für die Sünden der Vergangenheit zu büßen, und sicherstellen, dass Holocaust-Leugner nicht denselben Antisemitismus pflegen, der zu eben diesem Holocaust geführt hat. Tatsächlich können sie einer ganzen Anzahl von verschiedenen ethnischen oder religiösen Gruppen als Inspiration dienen, die die gleiche rechtliche Anerkennung ihrer historischen Leiden erhalten möchten wie die Armenier. Doch die Parlamente in Europa täten besser daran, solche Gesetze außer Kraft zu setzen, als den Ansprüchen aller Gruppen gerecht zu werden. Wollen wir wirklich, dass eine Regierung entscheidet, welche historischen Sichtweisen akzeptabel sind und für welche man ins Gefängnis muss?"

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - New Republic

Als Triumph des Optimismus über die Zurechnungsfähigkeit geißelt The New Republic im Editorial das Agieren der Vereinten Nationen in der Frage des Völkermords in Darfur: "Die Resolution enthält einen entscheidenden Haken: ein implizites Versprechen, dass keine Friedenstruppen Darfur ohne Einwilligung der sudanesischen Führung betreten würden. Das war die optimistische Logik, da schließlich jeder weiß, dass es genau die sudanesische Führung ist, die beim Völkermord in Darfur die Regie führt. Und welcher Völkermörder lädt schon fremde Truppen in sein Land, um sein eigenes teuflisches Treiben zu stoppen? Im Ergebnis dürfte es niemanden überrascht haben, dass der Sudan das Flehen der UN recht unverblümt abwies. Doch die Optimisten versuchen es weiter, und auch sechs Wochen später drängen, bitten, umschmeicheln sie die Gangster, die den Sudan regieren, doch bitte zu erlauben, dass UN-Truppen nach Darfur dürfen. Aber die Gangster sagen immer noch Nein. Die Diplomaten bitten weiter. Das kann man Optimismus nennen. Man kann es aber auch undiplomatisch bezeichnen: als blanken Wahnsinn."

Peter Beinart hofft, dass sich die USA nach dem Wahlkampf endlich den Realitäten im Irak stellen. Seiner Einschätzung nach haben sie nur zwei Möglichkeiten: Entweder unternimmt die Regierung letzte verzweifelte Anstrengungen, die wahrscheinlich scheitern werden, oder sie akzeptiert die Niederlage und versucht, die Folgen zu mindern. "Es ist die Wahl, die man gegenüber einem sterbenden Patienten hat: zwischen aggressiven Maßnahmen, die vielleicht ein Wunder bewirken, aber auch die Agonie vergrößern können, und einem Loslassen des Patienten, in der Hoffnung, dass man wenigstens den Schmerz lindern kann, wenn man sich dem Unvermeidlichen beugt."

Magazinrundschau vom 19.09.2006 - New Republic

"Wenn man nicht weiß, gegen wen man kämpft, kann man nicht gewinnen", schreibt Peter Beinart. Nach dem Krieg gegen den "Terrorismus" und die Achse des Bösen" steht jetzt der Kampf gegen den "Islamofaschismus" an, Beinhart hätte dies gern ein wenig präziser: "Der durchschnittliche Aufständische im Irak kämpft nicht für eine utopische Vision des Islams, er kämpft, weil amerikanische Soldaten seinen Cousin getötet haben oder weil Schiiten sein Land rauben. Amerikas Feinde im Irak umfassen Totalitaristen, aber vor allem Nationalisten und Tribalisten... Ein Krieg gegen islamischen Totalitarismus hat klare Grenzen: Er bedeutet einen Kampf gegen gewalttätige Islamisten. Ein Krieg gegen Islamofaschismus hat dagegen keine Grenzen, und genau das ist der Punkt: Der Begriff lässt die Regierung Bush immer neue Feinde finden - erst den Irak, jetzt den Iran, wobei er impliziert, sie alle würden die Ideologie von Al-Qaida teilen und die gleiche Art der Bedrohung darstellen. Das stimmt nicht, und fünf Jahre nach dem 11. September lässt es Amerikaner zunehmend verwirrt und skeptisch darüber zurück, gegen wen wir kämpfen und ob wir gewinnen können."