
The
New Republic beugt das Knie und
bekennt im Editorial: "
Wir bedauern es zutiefst, den Krieg gegen den Irak unterstützt zu haben. Die letzten drei Jahre haben unseren Idealismus beschwert und uns an die Grenzen der Macht Amerikas und unserer eigenen Weisheit erinnert."
Wie aber soll es jetzt weitergehen im Irak?
14 Strategen, Historiker, Politiker, Politologen und Journalisten wurden um ihre Meinung gebeten. Einige dürfen wir online lesen. Sie sind geprägt von Bitterkeit, Zynismus und Verzweiflung.
Peter Beinart "kann sich den Irak
nicht mal mehr vorstellen. Er übersteigt meine Fähigkeit, mir Horror auszumalen. In einem Interview mit Anthony Shadid von der
Washington Post beschrieb eine Frau namens Fatima es so: 'Ein Drittel von uns stirbt, ein Drittel flieht und ein Drittel wird zu Witwen.' Im Leichenschauhaus von Bagdad unterscheiden sie Schiiten von Sunniten, weil erstere
geköpft sind und letztere mit einer
Bohrmaschine getötet wurden.
Moqtada Al Sadr fürchtet sich inzwischen vor seinen eigenen Männern. Ich bin erwachsen geworden mit der Vorstellung, die Vereinigten Staaten hätten die Mission, solche Schändlichkeiten zu beenden. Und jetzt können die Vereinigten Staaten sie nicht nur nicht stoppen, sie sind der Grund dafür." Für Beinhart gibt es nur eine letzte Karte, die die USA ausspielen kann: "Die
Drohung den Irak sofort zu verlassen. Ausgenommen Sadr will das kein irakischer Politiker. Wir müssen diese Drohung so dramatisch wie möglich aussprechen, und wenn die irakischen Führer darauf nicht reagieren, so schnell wie menschenmöglich abziehen."
Außerdem:
Leon Wieseltier will alles, nur keinen Rückzug: "Eine Erhöhung der Truppenstärke... eine Reform des irakischen Militärs..., ein föderales Arrangement... eine internationale Konferenz... einen Versuch, Syrien auf unsere Seite zu ziehen... einfach alles."
Martin Peretz, Chefredakteur des
New Republic, ist
so bitter, dass er überhaupt keine Lösung mehr sieht. Für
Lawrence F. Kaplan gilt dasselbe.
Reza Aslan heckt einen komplizierten Plan aus, der Amerikaner, nationalistische Rebellen, Syrer und Iraner miteinschließt.
Niall Ferguson fordert: "Mehr Geld, alte Eliten (er erwähnt Gertrude Bell als Vorbild) plus die Vereinten Nationen. Es ist ein Rezept, dass einen Neocon zum Heulen bringt. Andererseits sollten die Neocons längst heulen."
James Kurth ist
für einen Rückzug. Aber nicht sofort: "Bevor es den Irak verlässt, muss Amerika einen dramatischen und entscheidenden
Sieg über die sunnitischen Rebellen erringen - einen Sieg, der die untragbaren Kosten und vollkommene Vergeblichkeit des islamistischen Traums von einer muslimischen Unna unter der Herrschaft eines globalen Sunni-Kaliphats demonstriert. Der Sieg muss mehr als ein militärischer sein; er muss auch politisch sein: Die Vereinigten Staaten sollten den Irak in zwei Teile
spalten, den
Kurden die Kontrolle über den Norden lassen und den
Schiiten die Kontrolle über den Süden - und die
Sunniten staatenlos dazwischen."