Magazinrundschau - Archiv

Novinky.cz

70 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 7

Magazinrundschau vom 21.06.2022 - Novinky.cz

Unter dem Titel "Die Alten und der Krieg" - setzt sich der in Cardiff lehrende tschechische Rechtsphilosoph Jiří Přibáň mit den Reaktionen westlicher Philosophen - Étienne Balibar in Frankreich, Jürgen Habermas in Deutschland und Noam Chomsky in den USA - auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine auseinander und kommt in seinem Essay zu dem Schluss: "Trotz aller Unterschiede haben Habermas' Warnung vor einer Ethik der Überzeugung, die eine jüngere Politikergeneration zur Unterstützung eines gerechten Kriegs selbst zum Preis des höheren Risikos eines Atomkonflikts mit Russland bewege, und Chomskys Verurteilung der Scheinheiligkeit und niederen Beweggründe des Westens etwas gemeinsam, nämlich den tiefen Glauben, dass die Kritik eine moralisch höhere und wichtigere Tätigkeit ist als die eigentliche politische Entscheidungsfindung und deren Motive. Doch in Wirklichkeit", so Přibáň, "vermögen weder die politische Kritik noch ihre Theorien universell gültige Grundlagen der Politik oder Moral liefern." Den Westen der Scheinheiligkeit zu bezichtigen, sei an sich trivial, meint Přibáň und geht noch weiter: "Eine freie Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sie ein Mindestmaß an scheinheiligem Handeln ermöglicht. Die liberalen westlichen Demokratien sind selbstverständlich in dem Sinne scheinheilig, dass sie mit zweierlei Maß messen und sich mit den unterschiedlichen politischen Konflikten der Welt auf selektive Weise befassen." Der grundlegende Unterschied zu autoritären Regimes liege jedoch darin, dass in den Demokratien die Scheinheiligkeit Gegenstand der Kritik sei und man zugleich den ursprünglichen Wertmaßstäben Bedeutung beimesse. "Eine Welt ohne Scheinheiligkeit - das ist der Traum aller Tyrannen, denn in einer solchen Welt lassen sich Gefühle und Gedanken eines jeden Menschen kontrollieren. Regeln und Wertestandards sind dort nicht wichtig, darum kümmern sich die Ministerien der Wahrheit, die noch aus den grausamsten Kriegen einen Friedenskampf machen."

Magazinrundschau vom 12.04.2022 - Novinky.cz

Der kroatisch-österreichische Philosoph Boris Buden, Autor unter anderem des Buchs "Zone des Übergangs - Das Ende des Postkommunismus" aus dem Jahr 2009 (mehr hier), beklagt im Gespräch mit Petr Agha die verpasste Chance des Westens nach 1989: Nicht nur der Verlierer des Kalten Krieges, auch der Sieger hätte sich erneuern müssen. Der Zusammenbruch des Warschauer Pakts hätte zu einer neuen globalen Friedenspolitik, zu einer radikalen Politik der Abrüstung führen müssen. "Das, was wir heute Nato-Erweiterung nennen und wovon alle sprechen, ist nur die Folge ... der Unfähigkeit des Westens, den historischen Moment des Wandels zur erkennen. Das gegenwärtige Chaos ist Ergebnis davon." Die westlichen Eliten wünschten sich jetzt, dass irgendwelche Oligarchen oder hohen Beamten einen Putsch gegen Putin anführten und ihn absetzten. "Das Ziel ist die Beseitigung einer Person (…) aber niemand spricht vom System. In Russland herrscht eine parlamentarische Oligarchie. Darin unterscheidet sich die Ukraine nicht wesentlich von Russland. Der Ökonom Thomas Piketty schrieb vor rund zehn Jahren, auch die Vereinigten Staaten seien auf dem Weg zu einer Oligarchie. Die parlamentarische Oligarchie ist nämlich das perfekte System für das Funktionieren des neoliberalen Kapitalismus; und genau deshalb hat Putin so viele Sympathisanten im rechten Flügel der europäischen und internationalen Politik von Bolsonaro bis Le Pen."
Stichwörter: Nato, Nato-Erweiterung

Magazinrundschau vom 22.02.2022 - Novinky.cz

Anlässlich einer Ausstellung im Brünner Haus der Kunst schwärmt Petr Fischer von der großen Filmkünstlerin Ester Krumbachová, der viel zu unbekannten und im Verborgenen gebliebenen "Muse der tschechoslowakischen Neuen Welle der Sechzigerjahre". Sie habe Filme nicht nur "angekleidet, sondern deren bildliche Bedeutung geprägt und sie durch ihre fantasievolle Verspieltheit in Bewegung versetzt". In der Ausstellung offenbare sich Krumbachovás Schaffen als großes magisches Universum, wobei "Magie" hier mehrere Bedeutungen einschließe: "als reine Bezauberung durch die Möglichkeiten des Erzählens, durch Film und Bilder, aber auch als eine tiefere Durchdringung der Welt, die sowohl eine faustische Erkenntnis als auch eine schicksalhafte Katastrophe mit sich bringen kann." Krumbachová wirkte nicht nur als Drehbuchautorin (etwa als Co-Autorin des Avantgardefilms "Tausendschönchen" von 1966), sondern auch als Bühnenbildnerin, Regisseurin, Fotografin, Grafikerin und Kostümbildnerin. Ihre vielfältigen Berufe hat sie - so Fischer - "wie eine Schamanin genutzt, um ein Ereignis auszulösen, an dem wir nicht nur als Zuschauer eines Kunstwerks, sondern immer auch vor allem als Mitschöpfer teilnehmen. (…) So wie der Surrealist Jan Švankmajer von der Magie der materiellen Verwandlung besessen ist, in der sich das stete Schaffensprinzip des Universums widerspiegelt, fasziniert Krumbachová das Wechselspiel zwischen Innen und Außen, die Ironie der sich ergänzenden Gegensätze (Mann und Frau; Aktivität und Passivität). Deshalb sind ihre Kostüme und künstlerischen Konzepte auch niemals etwas Äußerliches, sondern drücken immer eine innere Idee des jeweiligen Werks aus." (Ihren einzigen Film als Regisseurin - "Vražda ing. Čerta" / "The Murder of Mr. Devil" - kann man übrigens hier sehen - und die englischen Untertitel anklicken.)
Anzeige

Magazinrundschau vom 16.11.2021 - Novinky.cz

In den sozialen Medien Tschechiens hat sich eine lebhafte Debatte darüber entwickelt, ob es den Feiertag am 17. November (der an den Beginn der Samtenen Revolution 1989) erinnert, überhaupt noch braucht. Einige jüngere Stimmen meinen, es handele sich um einen Wohlfühltag der Boomer-Generation, um wohlfeilen Antikommunismus. Nicht wenige Gegenstimmen in den Medien haben daraufhin den Gedenktag klar verteidigt, darunter Saša Mitrofanov, russisch-tschechischer Journalist (und bekennender Boomer): Europa sei gerade nur einen Schritt entfernt von einem militärischen Konflikt, den Wladimir Putin über seinen Handlanger Lukaschenko an der weißrussisch-polnischen Grenze zu provozieren versuche, wobei er Flüchtlinge als lebende Schutzschilde missbrauche. "Putins Ziel ist dabei zuallererst, den Westen dazu zu bringen, ihn an den Verhandlungstisch derer zurückzuholen, die über die Weltgeschicke entscheiden." Dahinter stehe der Versuch, Europa in eine westliche und eine östliche Machtsphäre zu spalten. "Tschechien würde zu der russischen gehören." Wer heute also Antikommunismus als "wohlfeil" empfinde, der werde anders denken, sollten sich Putins Pläne realisieren. Saša Mitrofanov schließt: "Mit dem 17. November 1989 begann ein Prozess, der die heutigen Debatten darüber, ob und wie wir diesen Gedenktag begehen sollten, überhaupt erst möglich gemacht hat."

Magazinrundschau vom 19.10.2021 - Novinky.cz

Iva Přivřelová unterhält sich mit der bosnischen Filmemacherin Jasmila Žbanić, deren Film "Quo vadis, Aida?" über das Massaker von Srebrenica dieses Jahr viel positives Echo fand. Allerdings nicht von überall: "In Venedig haben wir uns lieber kundig gemacht, ob sich serbische Journalisten auf dem Festival befinden, um uns darauf vorzubereiten, was auf der Pressekonferenz passieren könnte, denn die meisten serbischen Zeitungen werden von der Regierung kontrolliert. Es war aber keiner da. Trotzdem erschien am Tag der Premiere eine negative Rezension in Serbien, obwohl der Schreiber den Film gar nicht gesehen haben konnte." Žbanić betont, dass alle ihre Filme von der Gegenwart handeln, auch "Quo vadis, Aida?", obwohl er zum großen Teil 1995 spielt. "Serbische Nationalisten leugnen immer noch den Genozid, was die Überlebenden verletzt und die politische Landschaft sowohl in Serbien als auch in Bosnien beeinflusst." Oft höre sie von Europäern, dass die Geschehnisse des Jugoslawienkriegs nicht viel mit dem europäischen Kontinent zu tun hätten. "Dabei sind wir alle viel mehr miteinander verbunden, als uns lieb ist. Indem wir zugelassen haben, dass es zum Massaker von Srebrenica kommen konnte (…) haben wir gleichsam die eigenen europäischen Nationalisten angespornt. Denn sie haben erkannt, dass man einen Genozid begehen kann, ohne dafür bestraft zu werden. Unlängst habe ich ein Interview mit Breivik gelesen, der all diese jungen Leute in Norwegen umbrachte - und er erwähnte Ratko Mladić und Radovan Karadžić (…) als Menschen, die er bewundere. Zur Zeit des Interviews waren die beiden noch keine verurteilten Kriegsverbrecher, sondern ganz normale europäische Bürger. Wären sie schon Jahre zuvor verhaftet und bestraft worden, wäre es womöglich auch mit Breivik anders verlaufen. Das meine ich, wenn ich sage, wir sind alle miteinander verbunden."

Magazinrundschau vom 06.07.2021 - Novinky.cz

Kateřina Smejkalová berichtet über die unlängst veröffentlichte Studie "Eine Gesellschaft - Unterschiedliche Lebenswelten", die das Prager Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen mit der Demokratischen Masaryk-Akademie und dem Meinungsforschungsinstitut STEM über die Zufriedenheit beziehungsweise Unzufriedenheit der Tschechen mit der Entwicklung nach 1989 durchgeführt hat. Deutlich geworden sei dabei: Sowohl die Bürger, die die Gesamtentwicklung des Landes positiv sähen, als auch jene, die dem Sicherheitsgefühl und einer größeren menschlichen Nähe der Vorwendezeit nachtrauerten, hegten eine sehr skeptische Distanz zur Politik. Dennoch zweifelten auch die kritischen Stimmen, die "starke Persönlichkeiten an der Staatsspitze" forderten, ausdrücklich nicht die Demokratie als solche an und wünschten sich keine autoritären Politikformen. In beiden Gruppen würden ferner die Immigration als auch die Stellung der Roma in der Gesellschaft als drängende Probleme gesehen und sehr kompromisslos bewertet. Ein weiteres Fazit der Studie: "Die oft genannte These von der Polarisierung der Gesellschaft in dem Sinne, dass es zwei Lager gäbe, die in allen Fragen gegensätzliche Positionen einnähmen, trifft nicht zu." Man müsse eher von einer Fragmentarisierung sprechen, da sich je nach Thema ganz unterschiedliche Lager bildeten. Smejkalová zieht hier eine klare begriffliche Unterscheidung: Während die Pluralität der Meinungen in einer Gesellschaft natürlich und wünschenswert sei, berge die Fragmentarisierung die Gefahr des Zerfalls und der Unmöglichkeit, zu einer Einigkeit oder zu konstruktiven Kompromissen zu gelangen.

Magazinrundschau vom 08.06.2021 - Novinky.cz

Die tschechisch-deutsche Publizistin Alena Wagnerová erkennt in einem Essay gewisse Ähnlichkeiten zwischen den hierarchischen Machtstrukturen der Katholischen Kirche und der Kommunistischen Partei: Indem Lenins Vorstellung der Arbeiterklasse als Avantgarde sich institutionalisierte, entstanden autoritäre, hierarische Strukturen, die der katholischen Kirche ähnelten. "Ihre Priester wurden Funktionäre und ihr 'unfehlbarer' Kopf die Stalinsche Komintern." Im Prozess der Institutionalisierung hätten sich bei beiden Institutionen die geistigen Grundlagen verändert (wenn auch bei den Katholiken schon viele hundert Jahre vorher). "Aus der Verkündigung und der Botschaft wurde ein Dogma (…), aus der Idee eine Ideologie, aus den einst Verfolgten wurden Verfolger, was früher oder später bedeutet, dass sich Macht und Gewalt verbünden und eine blutige Spur hinterlassen: bei der katholischen Kirche durch Kreuzzüge, Inquisition und Exkommunikationen, bei der kommunistischen Partei durch Schauprozesse, Hinrichtungen, Arbeitslager - und Panzer." Freilich habe es in beiden Institutionen immer auch einfache Gläubige beziehungsweise Parteimitglieder sowie geistige Eliten gegeben, die die ursprüngliche Botschaft hochhalten wollten. Doch in autoritär-hierarchischen, undemokratischen Institutionen würden Kritik und Reformversuche immer zum Problem, da sie automatisch Machtverlust bedeuteten. Und Wagnerová kommt zum Fazit: Der Bedeutungsverlust der verbliebenen kommunistischen Parteien sollte der katholischen Kirche in ihrer derzeitigen Krise eine Lehre sein.

Magazinrundschau vom 09.02.2021 - Novinky.cz

Štěpán Kučera unterhält sich mit dem tschechischen Soziologen Zdeněk Konopásek über das gewandelte Verhältnis von Wissenschaft und Politik. "Die politische Kraft der Wissenschaft", so Konopásek, "beruhte paradoxerweise lange Zeit in ihrer Apolitizität. Wissenschaftler mischten sich in unsere Kontroversen wie Schiedsrichter aus einer anderen Welt. Sie legten uns nackte, neutrale Fakten vor, die von jeglichem politischen Charakter bereinigt waren. Man glaubte allgemein, über eine wissenschaftliche Wahrheit könne man nicht abstimmen. Die Logik der Politik hingegen funktionierte völlig anders. Die Politik, dachte man, stütze sich nicht auf objektive Fakten, sondern auf eine mächtige Mehrheit subjektiver Meinungen. Aus diesem Grund wird noch heute eine Regierung aus Fachleuten als Ausnahmezustand empfunden, als Überbrückungsmaßnahme, bevor wieder die eigentliche Politik beginnt. Heute allerdings, wenn ich da als Forscher mit Fakten ankomme, komme ich nolens volens auch mit einem politischen Standpunkt. Eine wissenschaftliche Intervention ist immer auch ein Eingriff in Politik." Kein Wissenschaftler sei freilich im Besitz der absoluten Wahrheit. "Die Wissenschaft steckt im Grunde voller 'alternativen Wahrheiten' - man nennt sie Hypothesen, Theorien, Modelle und Tatsachen." Wenn wir den Experten in der Coronakrise vorwerfen, dass sie sich untereinander nicht einig sind, so Konopáselk, und von ihnen erwarten, mit einer Stimme zu sprechen, dann sei das ein Missverständnis, denn vollkommene Einmütigkeit unter Wissenschaftlern sei selbst im Rahmen ihres jeweiligen Fachgebiets eher die Ausnahme. "Mit einer Stimme über Covid sprechen sollte die Regierung, nicht die Wissenschaftler."
Stichwörter: Coronakrise

Magazinrundschau vom 22.12.2020 - Novinky.cz

Die Soziologin Irena Reifová hat in einer Untersuchung von elf tschechischen Reality-TV-Sendungen (Formate à la "Ehefrauentausch", "Tisch gedeckt!" oder "Schuldenbezwinger") eine Erniedrigungkultur ausgemacht, in der Arme bloßgestellt und stigmatisiert würden, wie sie im Gespräch mit Zbyněk Vlasák berichtet. Oft werde die "Geschichte" um einen Konflikt herum aufgebaut, der zwischen jemand Bessergestelltem und jemandem aus niedriger sozialer Schicht bestehe. Eine Schlüsselrolle komme der Kamera zu, die demonstriere, wie verwahrlost der betreffende Haushalt ist: vom nicht gesäuberen Katzenklo bis zur fleckigen Tischdecke, die natürlich in Großaufnahme gezeigt wird. Nicht nur Leute innerhalb der Sendung äußerten sich abschätzig, auch auf den dazugehörigen Online-Fanseiten sei das Verdikt einheitlich: Die Zuschauer empören sich etwa darüber, "dass es da keine Zahnbürste gibt und es den betreffenden Leute an Verantwortungsgefühl, Arbeitseifer und Moral mangelt". Reifová hat außerdem bewusst Zuschauer aus verschiedenen Gesellschaftsschichten befragt und festgestellt, dass selbst Angehörige einer Subkultur, die solche Sendungen mit ironisch-belustigter Distanz ansähen, sich geringschätzig über die Armen äußerten. Hinter der "Schadenfreude" (dies als deutsches Wort) stehe oft die "Selbstversicherung, dass man selbst nicht ganz so schlimm dran ist". Interessanterweise werde etwa im belgischem Fernsehen ein solches Armutsbashing nicht betrieben. "Dort nimmt man die Armut nicht zwangsläufig als individuelles Versagen wahr, sondern als etwas, das gesellschaftliche Ursachen hat. In Tschechien dagegen sehen wir Armut als etwas, was jemand selbst verschuldet hat und Gegenstand moralischer Ächtung sein sollte. Die sozialen Strukturen, die hinter dieser Armut stehen, sehen wir nicht."

Magazinrundschau vom 15.12.2020 - Novinky.cz

Im Gespräch mit Tereza Butková erklärt die tschechische Philosophin Eliška Fulínová, wir hätten verlernt, mit der Ungewissheit zu leben. "In der Neuzeit und der Moderne setzte sich der Anspruch durch, dass die Eindeutigkeit, die bis dahin in abstrakten Systemen des Weltbegreifens geherrscht hatte, auch in der konkreten Welt bestehe - und damit fingen die Schwierigkeiten an." Zur Inspiration in Sachen Unsicherheit empfiehlt sie uns die alten griechischen Denker. "Es geht nicht nur um die Fähigkeit, die Wirklichkeit in ihrer wesentlichen Widersprüchlichkeit und Vieldeutigkeit wahrzunehmen. Es geht auch um einen anderen Perspektivenzugang, wie ihn die Postmoderne zu öffnen versucht hat, was ihr aber nicht immer auf eine für den Leser verdauliche Weise gelang. Die postmodernen Denker sind oft schwer zugänglich, weshalb es in mancher Hinsicht leichter sein kann, Hesiod oder Homer zu lesen, als sich durch Deleuze hindurchzubeißen. (…) Das griechische Denken maß vor allem der Perspektivität und Relativität eine enorme positive Bedeutung bei. Die Griechen waren daran gewöhnt, dass sich nicht einmal ihre Götter einig wurden. Auch der göttliche Blick war nicht von Eindeutigkeit, universeller Wahrhaftigkeit oder einem einzigen Guten geprägt. Ich halte das für eine der bedeutendsten Lehren, die wir von ihnen übernehmen könnten. Verschiedene Menschen sehen die Dinge verschieden, und das ist in Ordnung so. Wir sollten diese Verschiedenheit nicht unterdrücken, sondern sie anerkennen und zu respektieren lernen. Dass jemand die Dinge anders sieht als ich, heißt nicht, dass er ein Feind ist oder dumm."
Stichwörter: Fulinova, Eliska