Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 34

Magazinrundschau vom 23.03.2010 - Outlook India

Unmöglich, diese 40-seitige Reportage von Arundhati Roy kurz zusammenzufassen. Gegen alle Verbote hat sie sich als erste Journalistin zu den maoistischen Rebellen begeben, gegen die der indische Staat in seinem Innern Krieg führt. Roy sieht in ihnen weniger ewiggestrige Banditen als Stammesvölker, die ihr Land gegen die Ausbeutung durch Unternehmen verteidigen. Roy schlägt sich mit den Kämpfern durch die Wälder und lässt sich vom Genossen Venu die Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Etwa über die staatliche Militäroperation Salwa Judum: "Das erste Dorf, das im Rahmen von Salwa Judum niedergebrannt wurde, war Ambeli. Zwischen Juni und Dezember 2005, brannten, töteten, vergewaltigten und plünderten die Beteiligten sich durch Hunderte von Dörfern im Süden Dantewadas. Zentrum der Operation waren Bijapar und Bhairamgarh, nahe Bailadila, wo eine neue Anlage von Essar Steel geplant ist. Kein Zufall, dass dies auch maoistische Hochburgen sind, wo die [maoistischen Dorfräte] Janatana Sarkars viel geleistet hatten, besonders mit dem Bauen von Bewässerungsanlagen. Die Janatana Sarkars wurden zum speziellen Ziel der Salwa Judum. Hunderte von Menschen wurden auf brutalste Art getötet. Rund 60.000 Menschen zogen in Lager, einige freiwillig, andere aus blankem Terror. Von diesen arbeiten jetzt 3.000 als Hilfspolizisten für einen Lohn von 1500 Rupien. Für diese mickrigen Brosamen haben sich junge Menschen selbst lebenslang zu einem Dasein hinter Stacheldraht verurteilt."
Stichwörter: Roy, Arundhati, Ausbeutung

Magazinrundschau vom 23.02.2010 - Outlook India

Shruti Ravindran berichtet von einer Revolution in der indischen Musiktradition: von Unterrichtsstunden, die online gegeben werden. "Diese Musikstunden mögen in den Ohren orthodoxer Karnatischer Musiker wie Blasphemie klingen, sie glauben fest an das alte Gurukulam-System, in dem Schüler mit ihren Lehrern leben und ihnen während dieser Zeit dienen. Aber eine neue Generation von Internet-affinen Musikern revidiert gerade diese Haltung und zieht die Freigiebigkeit und weltweite Verbreitung der streng gehüteten Exklusivität vor, sehr zur Freude indischer Studenten, vor allem in der Diaspora in Europa, den USA, Singapur und in Nahen Osten. Raman Kalyan, auch bekannt als Flöten-Raman, erklärt: 'Für die alten Meister, bei denen ich in den Siebzigern lernte, waren Aufnahmen tabu, sie sahen darin eine Plünderung ihres Schatzes. Aber für mich ist das Internet eine große Reklametafel, der Weg, ein weltweites Publikum zu erreichen.'"

Magazinrundschau vom 02.02.2010 - Outlook India

"Warum hassen uns die Aussies?" fragt Outlook im Titel und wirft in mehreren Artikeln einen Blick auf die Serie von Gewalttaten gegen indische Studenten in Australien, was dort auch "curry bashing" genannt wird. Diese Studenten, die oftmals in den ärmlichen Vierteln der Stadt wohnen und in Nachtschichten arbeiten, gelten als leichte Ziele. Aber John Brumby (Labour), Ministerpräsident des Staates Victoria, wo es in den Jahren 2007/08 1.447 gewalttätige Übergriffe gegen Inder gab, sagt im Interview, dass einige, aber nicht alle dieser Vorfälle rassistisch motiviert seien. "Raubüberfälle sind die einzigen Straftaten, bei denen Inder als Opfer überrepräsentiert sind."

Aber "die links-liberalen Parteien glauben, dass die Angriffe gegen Inder, oder zumindest einige von ihnen, einen rassistischen Hintergrund haben", schreibt Pranay Sharma und fügt hinzu: "In Australien gibt es so etwas wie 'unterdrückten Rassismus', der bei der kleinsten Provokation, unter Alkoholeinfluss oder einfach grundlos beim Anblick eines Inders ausbrechen kann."

Als laut New York Times neue Studien über aufhellende Hautcremes zeigten, dass viele dieser Cremes nicht nur Quecksilber, sondern auch Steroide enthalten, hob sich kaum eine Augenbraue. In der Tat hat der "Aufhellungs-Markt" in Indien eine jährliche Wachstumsrate von 20 bis 25 Prozent zu verzeichnen. Shefalee Vasudev fragt angesichts dieser alarmierenden Tendenz: "Warum sind Bollywoodstars, die sich als global-lokale Botschafter verstehen, bereit, für Produkte zu werben, von deren Sicherheit sie nicht hundertprozentig überzeugt sind? Katrina Kaif, die von Natur aus hellhäutig ist, verkauft 'Olay's Natural White' (youtube). Preity Zinta, eine weitere von Natur aus hellhäutige Frau, war vor nicht allzu langer Zeit das Gesicht von 'Fem's Herbal Bleach'. 'Es ist kein Bleichmittel, es ist ein Durchbruch', hieß es in der Werbeanzeige. Wow! Sonam Kapoor verkauft L'Oreals 'White Perfect' (youtube) und Deepika Padukone Neutrogenas 'Fine Fairness'-Serie (youtube)." Andere Firmen, die Aufheller anbieten sind: Ponds (Whitening Creme), Nivea (Withening range for the asian man), Estee Lauder (Cyber White Ex), Chanel (White Essentiel Precision) und Dior (Prestige White). Und was ist eigentlich in Bräunungsmitteln?

Magazinrundschau vom 15.12.2009 - Outlook India

Medienkrise auch in Indien. Vinod Mehta ist sehr besorgt, denn immer öfter wird redaktioneller Raum verkauft. "Das System institutionalisiert sich schnell, Fernsehsender und Zeitungen nähern sich Politikern, vor allem während der Wahlen, mit einem 'Paket', dass interessanterweise verhandelbar ist. (...) Outlook (wie andere auch) steckt bis zum Hals in diesem Schlamassel. Wie Sie vielleicht bemerkt haben, ist das Outlook-Feature 'Spotlight' gesponsort, der Kunde hatte prakisch volle redaktionelle Kontrolle. Der einzige ausgleichende Aspekt daran ist, dass der Leser das leicht bemerkt, weil es auf der Seite deutlich hervorgehoben ist. Bei gekauften Nachrichten ist das nicht der Fall. Dahinter steckt die Absicht, gesponsorte Nachrichten als professionell erstellte Nachrichten auszugeben."

Anuradha Raman belegt diesen Trend mit Beispielen aus verschiedenen Zeitungen und Fernsehsendern. So erzählt beispielsweise ein Politiker, dass während eines Wahlkampfs in seinem Bezirk praktisch keine Information über seine Kandidatur in der Presse stand. Er rief bei einer Zeitung in seinem Bezirk an und wurde "'höflich darüber informiert, dass ich auch Platz bekommen würde, wenn ich wie die anderen Kandidaten dafür bezahle', erinnert er sich. 'Ich befürchtete, dass die Leser nicht einmal bemerken würden, dass ich kandidiere. Also rief ich einen Reporter an und zahlte 50.000 Rs. Ich wurde prompt belohnt mit drei halbseitigen farbigen Features an drei aufeinanderfolgenden Tagen, die meinen Wert als Politiker und meine guten Aussichten, die Wahl zu gewinnen, hervorhoben.'"
Stichwörter: Medienkrise

Magazinrundschau vom 01.12.2009 - Outlook India

Namrata Joshi beschreibt das große Interesse der arabischen Welt an indischen Terror-Filmen - Kabir Khans "New York", Jai Tanks "Madholal Keep Walking" und Dr Bijus "Raman, Travelogue of Invasion" - die beim Filmfestival in Cairo gezeigt wurden. Die Sache hat noch einen Nebeneffekt: Die Filme wurden fleißig raubkopiert. Regisseur Kabir Khan trägt es gelassen. "Trotz Einnahmen von 1,5 Millionen Dollar an der Kinokasse, schätzt man, dass 'New York' etwa eine Million Dollar wegen Piraterie im Nahen Osten verloren hat. Aber der Erfolg des Films könnte dem indischen Kino neue Märkte öffnen. 'Wir haben Eingang zu Märkten gefunden, wo unsere Filme sonst nicht in den Kinos laufen', sagt Kabir. Karan Johars kommender Film 'My Name is Khan', der weltweit von Fox vertrieben wird, soll nächstes Jahr auch in Kairo laufen. Und dann werden SRK, Aamir und Salman zu Power Khans."

Außerdem: Yashodhara Dalmia empfiehlt eine Ausstellung der "Suite Vollard", hundert Kupferstichen von Pablo Picasso, die im Instituto Cervantes in Delhi gezeigt werden.

Magazinrundschau vom 10.11.2009 - Outlook India

Der Titel ist dem miserablen Zustand von Arunachal gewidmet, einem indischen Bundesstaat an der Grenze zu Tibet. Im indo-chinesischen Krieg 1962 hatten die Chinesen vergeblich versucht, das Gebiet zu erobern. Heute fragen sich die Bewohner von Arunachal, auf ihr von Dehli vernachlässigtes Land, die Korruption und die maroden Straßen blickend, ob sie mit China nicht besser gefahren wären, berichtet Saikat Datta, Demokratie hin oder her. Der Arunachali Ritesh erzählt ihm, "von dem Tag, als er das erste Mal in seinem Leben die McMahon-Linie überquerte, die Indien und China trennt - und sah, wie China war. Tatsächlich sah Ritesh nicht das normale China, sondern die Region, die euphemistisch 'Autonome Region Tibet' (TAR) genannt wird. Rithesh konnte die McMahon Linie überqueren, weil es eine Tradition gibt, die das indische und chinesische Militär jedes Jahr brav befolgen. Am 15. August zieht die chinesische Delegation über Bum La nach Tawang; am 2. Oktober setzt eine indische Delegation über nach TAR, um den Chinesischen Nationalfeiertag zu feiern (mehr hier). An diesen beiden Tagen hissen beide Seiten die Flagge des Nachbarstaats. Neben dem Austausch von Liebenswürdigkeiten zeigt jede Delegation der anderen die Erfolge ihres Landes. Auf einem solchen Trip sah Ritesh Chinas Fortschritt. 'Die Straßen waren wunderbar', sagt er, 'die Dörfer todschick und die Infrastruktur fantastisch. Dann dachte ich an die Straße, auf der ich von Tezpur aus zwei Tage lang gefahren war, um dorthin zu kommen und ich fragte mich, wo Arunachal wäre, wenn es nach 1962 zu China gehört hätte."

Außerdem: Der chinesische Journalist Wang Yaodong beklagt sich bitter über die in seinen Augen höchst unfaire China-Berichterstattung in indischen Medien. Pranay Sharma gibt zu, dass die Inder das chinesische Wachstum, das ihres übertrifft, mit Unbehagen sehen. Und Lola Nayar betrachtet den Handel zwischen Indien und China.
Stichwörter: Tibet, Autonome, Lola

Magazinrundschau vom 06.10.2009 - Outlook India

Der Osten überholt den Westen? Glauben wir auf der Stelle. Wann hat man zuletzt so eine Geschichte aus dem Westen gelesen? Armes, ungebildetes Mädchen aus einer Familie von Webern, von ihrem Ehemann verlassen, von ihrer Familie nicht wieder aufgenommen, mit dem zweiten Kind schwanger, aus der Provinz - Kannada -, tritt in einer Amateur-Theateraufführung auf und wird über Jahre harter Arbeit auf Tournee zu einer gefeierten Schauspielerin ganz Indiens. Wie Umashree, die 2007 für ihre Rolle als filmverrückte Muslimin in Girish Kasaravallis Film "Gulabi talkies" den nationalen Filmpreis als beste Schauspielerin gewann. Sugata Srinivasaraju zeichnet ein - viel zu kurzes - Porträt: "In einem seltenen Tribut engagierte sie Kasaravalli , der niemals einen Hauptdarsteller ein zweites Mal besetzt, für seinen nächsten Film. 'Ihre Stärke liegt darin, das sie nie etwas übersentimentalisiert. Ihre Ausdrucksweite ist erstaunlich', sagt er. 'Als Gulabi war sie weder melodramatisch noch legte sie sich zu strenge Zügel an. In ihrem Jubel spürt man ihre Einsamkeit.'"

Außerdem: Anuradha Raman zeichnet den Krach um Joe Wrights Film über die, hm, Beziehung zwischen Edwina Mountbatten (Cate Blanchett) und Nehru (Irrfan Khan) nach. Der Skandal hat erstaunlicherweise nichts damit zu tun, dass Edwinas Ehemann Lord Mountbatten von Hugh Grant gespielt wird.

Magazinrundschau vom 11.08.2009 - Outlook India

Im Interview wendet sich der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen gegen den Antiamerikanismus der indischen Linken: "Es steckt ein Körnchen Wahrheit in der Ansicht, dass der amerikanische Imperialismus die Geißel der Welt sei. Aber dieses Körnchen ist begraben unter einer Tonne anderer Dinge. Wie kann man nur das eine betonen und alles andere vergessen - den internationalen Terrorismus, die Fundamentalismen in der ganzen Welt, den Fortbestand diktatorischer Regimes ob im Sudan oder mehr in unserer Nähe, wie in Burma, den mangelnden Fortschritt der Demokratie in den letzten Jahren, unsere eigenen Probleme wie Hunger und Unterernährung, die unsere Linke zuerst laut und deutlich kritisieren müsste?"

Magazinrundschau vom 14.07.2009 - Outlook India

Indiens Erfolgsautor Vikram Seth, der gerade beim Penguin Verlag einen Vorschuss von zwei Millionen Euro für die Fortsetzung seines Roman "A Suitable Boy" (Eine gute Partie) ergattert hat, rät auch seinen Schriftsteller-Kollegen, hart zu verhandeln: "Viel hängt davon ab, wie stark die Verhandlungsposition ist. Ich weiß nicht, wie groß meine am Anfang gewesen wäre. Aber selbst da sollte man den Vertrag genau lesen und nicht ach so dankbar sein, dass man ihn nur überfliegt und alles akzeptiert, was der Verleger verlangt. Verleger sind harte Nüsse."

Außerdem freut sich Chander Suta Dogra über die Wiedereröffnung des 122 Jahre alten Gaiety Theatre in Bombay. Und Namrata Joshi schmäht Sabbir Khans neue Bollywood-Komödie "Kambakkht Ishq" als plump und sexistisch.
Stichwörter: Bollywood, Penguin, Seth, Vikram

Magazinrundschau vom 07.07.2009 - Outlook India

Im großen Bollywood-Jahres-Special geht es vor allem um das Zentrum fast eines jeden Bollywood-Films: die Liebe. Gerade da darf man sich aber nicht täuschen, stellt Prasoon Joshi fest: "Da die Romanze das Rückgrat des Filmsongs ist, könnte man glauben, dass die Inder ein höchst romantisches Volk sind. In Wahrheit ist das Gegenteil richtig. Das komplizierte soziale und moralische Geflecht der indischen Gesellschaft hat eine einfach Mann-Frau-Beziehung schon immer zu einer Art Sport mit massiver Zuschauerbeteiligung gemacht, den die Gesellschaft in einem Spiel voller Restriktionen und Sanktionen austrägt. Unausgesprochen geht es um die Angst, dass die Zweierbeziehung die Macht hat, die etablierten sozialen Codes und Strukturen zu bedrohen und aus den Angeln zu heben."

In weiteren Artikeln geht es unter anderem um das jüngsten Statistiken abzulesende Verblassen der Erinnerung an die berühmten Liebespaare vergangener Jahrzehnte, um das Aufkommen nicht-mythisch grundierter Romanzen im aktuellen Kino, um die Macho-Helden des tamilischen Kinos und um tabuisierte Liebesbeziehungen im Bollywood-Film. Außerdem: ein großes Interview mit dem Star und Herzensbrecher Saif Ali Khan (bekannt etwa aus "Kal Ho Naa Ho").
Stichwörter: Bollywood, Tausch, Codes